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Streets of Rage 4


PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 27.05.2020

Die Kult-Reihe vom Sega Mega Drive feiert nach 26 Jahren mit einem neuen Teil ihr Comeback. Wir haben uns durchgeschlagen, jede Menge Gangster verhauen und sind begeistert.


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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 6/2020

Die Animationen sind wirk Die Animationen sind wirklich wunderschön. Vor allem die Spezialattacken der Helden haben noch nie so gut ausgesehen.


.

Die charmant-trashige Story über den Kampf gegen die Y-Zwillinge wird in hübschen Standbildern erzählt.


Genre: Beat ‘em Up
Entwickler: DotEmu und mehr
Hersteller: DotEmu
Termin: 30. April 2020
Preis: ca. 25 Euro
USK: ab 12 Jahren

Egal, ob man die Spiele nun Sidescroll-Beat-’ em-Ups, Brawler ...

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... oder Rums-Bums-Wusel-Dusel nennt – Games, in denen man von links nach rechts läuft, um Fieslinge zu verhauen, sind heutzutage fast ausgestorben. Dabei war das Genre Ende der 80er bis Mitte der 90er unglaublich beliebt. Klassiker wie Capcoms Final-Fight-Reihe, Turtles in Time von Konami oder Segas Streets-of-Rage-Trilogie sind Gamern auch heute noch ein Begriff. Umso schöner ist es, dass zumindest letztgenannte Reihe, die auf dem Mega Drive Kultstatus erreichte, nun ihr Comeback feiert. Und das ganze 26 Jahre nachdem die Protagonisten Axel, Blaze, Skate und Dr. Gilbert Zan in Part 3 zuletzt das Verbrechersyndikat des fiesen Mr. X in Wood Oak City lahmlegten. Streets of Rage 4 steht also nun vor der Aufgabe, den Fans von damals das zu geben, was sie erwarten, die Reihe aber sowohl spielerisch als auch technisch in die heutige Zeit zu bringen. Kann das nach all den Jahren gelingen? Und dann auch noch, wenn das Spiel nicht von Sega selbst, sondern von den Indie-Studios DotEmu, LizardCube und Guard Crush Games entwickelt wurde? Die Antwort ist ein klares Ja. DotEmu und Partner zeigen mit SoR 4, dass das Brawler-Genre auch heute noch funktionieren kann und mit genügend Kreativität bei den Machern sogar absolut zeitlos ist.

Guter Trash

Damit die Protagonisten in Streets of Rage 4 keine Greise sind, welche die Gegner mit Gehhilfen und Sauerstoffflaschen verhauen, entschieden sich die Entwickler dafür, die Story nur zehn Jahre nach Part 3 spielen zu lassen. Lange Zeit war es friedlich, doch nun erhebt sich ein neues, noch mächtigeres Syndikat, Gangster ziehen prügelnd durch die Straßen und korrupte Cops schlagen um sich. Dahinter steckt nicht etwa wieder der böse Mr. X, sondern seine Kinder, die Y-Zwillinge. Mr. und Miss Y wollen das Werk ihres Vaters vollenden. Das können die Helden aus Wood Oak City natürlich nicht einfach so mitansehen und stellen sich zum Kampf. Ja, die Story ist unfassbar trashig, aber auch so doof, dass sie irgendwie liebenswert ist. Zudem orientieren sich die Entwickler hier eben auch klar an den B-Movie-Geschichtchen der Vorgänger, die schon damals nicht ganz so bierernst gemeint waren. Dafür wird die Story in Teil 4 aber klar besser erzählt als in den vergangenen Teilen. Cool aussehende, handgezeichnete Bilder erklären einem, wie die Helden zur nächsten Stage gelangen und wa- rum sie überhaupt dort sind. Mehr braucht man auch nicht, schließlich will man einfach nur schnell zurück auf die virtuellen Straßen, um noch mehr kriminelles Gesindel zu verhauen.

Alte Bekannte, neue Gesichter

Wie schon in der Mega-Drive-Trilogie dürft ihr wieder zwischen verschiedenen Kämpfern wählen. Zur Auswahl stehen diesmal fünf Heroen. Neben den Serien-Urgesteinen Axel Stone und Blaze Fielding stehen euch auch die Neulinge Cherry Hunter sowie Floyd Iraia zur Verfügung. Nach einigen Stages schaltet ihr zudem Adam Hunter frei, der sich in Teil 1 bereits gegen Mr. X stellte und dafür im zweiten Part von diesem entführt wurde. Alle Charaktere haben verschiedene Stärken und Schwächen, die sich teils deutlich auf die Spielweise auswirken. Muskelberg Floyd ist beispielsweise super stark und kann sogar zwei Gegner auf einmal packen und sie dann gegeneinanderschlagen. Allerdings ist er auch viel langsamer als seine Kollegen und kann somit schlechter ausweichen. Cherry Hunter hingegen ist super schnell und kann mehr Angriffe miteinander verketten als der Rest der Truppe, dafür steckt aber auch nicht sonderlich viel Power hinter ihren Schlägen und Tritten. Axel, Blaze und Adam sind da etwas ausgeglichener mit kleineren jeweiligen Unterschieden bei Kraft, Schnelligkeit und Kombos. Moment mal, Kombos? Ja, richtig gehört, das Kampfsystem wurde ein wenig überarbeitet, damit es nicht mehr ganz so simpel daherkommt wie noch in den Neunzigern. In den alten Teilen drückte man einfach nur auf die Angriffstaste, bis die jeweilige Schlagsalve des Kämpfers abgefeuert war. Der Gegner fiel dann hin und die Kombo war somit beendet. Bei den meisten Widersachern reichten die Schläge jedoch nicht, um sie zu besiegen, sodass sie eben wieder aufstanden. Nun kann man jedoch diese Standard- Schlag-Kombo der Kämpfer mit weiteren Angriffen verknüpfen, indem man beispielsweise noch Sprungkicks folgen lässt oder die wegfliegenden Gegner noch kurzzeitig in der Luft mit Schlägen malträtiert. Doch keine Sorge, das in klassischen Beat ‘em Ups verhasste Juggeln klappt nur, wenn man Attacken gut verkettet und dann auch nur für ein paar Schläge. Es ist also nicht übermächtig. Besonders spaßig ist auch der Einsatz von verschiedenen Waffen. Es gibt nun auch viel mehr Items, mit denen man die Gegner verprügeln kann. Neben Klassikern wie Baseballschlägern, Metallrohren oder Messern dürft ihr auch beispielsweise Straßenschilder, Säurefläschchen oder Bumerangs aufsammeln und einsetzen. Toll ist es auch, dass man nun gezielter als in den alten Teilen die Waffen werfen kann, da die Aktion nun auf einer eigenen Taste liegt. Das Spaßigste daran ist aber, dass die Waffen zurückprallen und man sie aus der Luft wieder auffangen kann, um sie direkt wieder einem Gegner ins Gesicht zu schleudern. Auch so kann man Attacken verketten und obendrein ist es extrem lustig, einem Gangster einen Wischmopp an den Kopf zu werfen. Zudem kann man nun auch Gegner von Hindernissen zurückprallen lassen oder sie mit den Koop- Partnern hin und her kicken. Als wäre das nicht genug, hat natürlich jeder der Charaktere individuelle Spezialattacken. Drückt man nur auf die Special-Taste, nutzt man eine wuchtige Defensiv-Attacke, die einem im Gegnergewühl Platz verschafft. Drückt man dabei noch nach rechts, führt man hingegen einen gezielten offensiven Angriff aus, der sich besonders bei Bosskämpfen anbietet. Diese Aktionen verbrauchen jedoch Lebensenergie. Man sollte diese also mit Bedacht einsetzen. Mit in den Levels gesammelten Sternen darf man jedoch weitere Spezial-Attacken einsetzen, die noch mehr Schaden verursachen. Die Aktionen sind natürlich je nach Charakter vollkommen unterschiedlich. Während ein Axel wie schon damals feurige Punches und Kicks austeilt, nutzt eine Cherry Hunter ihre mitgeführte E-Gitarre, um die Schurken zu verhauen. Das sieht cool aus und macht richtig Laune. Überhaupt ist das Kampfsystem so motivierend, so eingängig und so spaßig, dass man sich den Handlangern der Y-Zwillinge immer wieder gerne entgegenstellt.

Auf den Punkt gebracht

Das Kampfsystem sieht aber nicht nur gut aus und macht Laune. Wer gut kämpft, bekommt auch Punkte dafür. Eure Punkte steigen sowohl durch Kombos als auch durch einsammelbare Gegenstände wie Geldbündel oder auch Heil-Items wie Äpfel oder Hühnchen. Ab einer gewissen Punktzahl bekommt man dann ein Extraleben. Das ist ganz klassisch, aber in Streets of Rage 4 tatsächlich noch mehr wert als in den Vorgängern. Je nach Schwierigkeitsgrad (insgesamt fünf an der Zahl) startet ihr nämlich die Stage mit einer bestimmten Anzahl Leben. Auf Normal

Im Verlaufe der Kampagne trefft ihr auch auf viele neue Gegnerarten wie genervte Millennials oder Sondereinheiten mit Energieschild.


Sammelt ihr Sterne, erhaltet ihr dafür mächtige Spezialattacken, die auch schon mal fast den gesamten Bildschirm ausfüllen.


Fan-Service par excellence

Als Streets of Rage 4 vor etwa drei Jahren angekündigt wurde, störten sich einige Fans am neuen Grafikstil. Statt wie die Vorgänger (damals natürlich technisch bedingt) auf 16-Bit-Sprites zu setzen, entschied sich DotEmu – wie schon bei Wonder Boy: The Dragon’s Trap – für eine handgezeichnete Comic-Optik. Nach wenigen Minuten mit Streets of Rage 4 wird aber auch der größte Nörgler zugeben müssen, dass die neue Grafik zum Spiel passt wie Axels Faust auf Barbons Auge. Sowohl die Protagonisten als auch die Gegner sehen absolut super aus. Die Hintergründe sind wunderschön detailliert und die Animationen sind unglaublich geschmeidig. Fans, die die Augen offen halten, erkennen immer wieder kreativ versteckte Anspielungen auf die Vorgänger und überhaupt sprühen die Stages nur so vor Liebe zum Detail. Alles wirkt wie aus einem Guss. So schön die Entwickler das Spiel aber auch gestaltet haben, ein bisschen Kritik müssen wir anbringen: Einige Stages sind etwas zu kurz und die Bosse sind – gerade im Vergleich zu den Vorgängern – ein wenig lahm. So gut es DotEmu, LizardCube und Guard Crush Games auch gelingt, die Essenz der Original-Trilogie in die Gegenwart zu bringen und mit modernen Elementen aufzuwerten, hier bleibt etwas Potenzial auf der Strecke. Dafür müssen wir den sonstigen Fan-Service aber auch klar hervorheben. So gelang es DotEmu nicht nur, Yuzo Koshiro und Motohiro Kawashima, die Komponisten der alten Teile, auch für den Soundtrack zu Streets of Rage 4 zu gewinnen, es lässt sich in den Optionen sogar die Original-Musik von SoR 1 und 2 aktivieren. Man sollte dem neuen Soundtrack jedoch eine Chance geben, denn Koshiro, Kawashima und viele weitere Musiker haben richtig coole Beats komponiert, die einen antreiben und es so gleich noch schöner machen, ein paar Fieslingen in die Kauleiste zu schlagen. Zudem kann man sogar sämtliche in den Vorgängern spielbare Charaktere (selbst Shiva) in ihrer ganzen glamourösen Pixel-Optik inklusive alter Spezialattacken freischalten und auch der Battle Mode ist wieder mit an Bord. In diesem Modus treten die Helden entweder im 1-gegen-1 oder im Zweier-Team gegeneinander an. An die spielerische Tiefe klassischer Fighting Games kommt der Modus natürlich nicht ran, aber zwischendurch macht er durchaus mal Laune. Der Battle Mode ist allerdings ein reiner Multiplayer-Modus. Solo gegen KI-Helden darf man leider nicht antreten. Das ist aber nur ein minimaler Kritikpunkt. Streets of Rage 4 gelingt der Spagat zwischen Oldschool-Flair und frischen Gameplay-Elementen unfassbar gut. Fans der Mega-Drive-Trilogie bekommen endlich eine mehr als würdige Fortsetzung der Kult-Reihe, doch auch jüngere Zocker werden aufgrund der coolen Optik und des simplen, aber großartigen Gameplays ihre Freude an dem Brawler haben.

Sämtliche Charaktere unterscheiden sich in ihrer Spielweise. So ist Floyd mega stark, aber auch super langsam. Cherry hingegen ist schnell, hat aber wenig Kraft.


Ein kleiner Kritikpunkt an Streets of Rage 4: Die Bosse sind nicht sonderlich kreativ designt.

MEINE MEINUNG Christian Dörre


„DotEmu bringt ein ganzes Genre in die Moderne!


Streets of Rage 4 ist nicht nur eine würdige Fortsetzung, die den Fans gibt, was sie sich wünschen und erwarten, sondern auch so ein grandioser Brawler. Das neue Kampfsystem ist super spaßig und motivierend, coole Elektro-Beats treiben einen stetig an und die Optik von SoR 4 ist einfach nur wunderschön. Vor allem die geschmeidigen Animationen sind absolut großartig. DotEmu und Partner haben die Lizenz mit Herz und Verstand umgesetzt. Der Charme der Vorgänger ist immer noch vorhanden, doch aufgrund der durchdachten neuen Features ist der Titel so modern, dass man sich fragt, warum es so lange keine richtig guten Brawler mehr gab. Als Fan des Genres und der Mega-Drive-Trilogie macht mich Streets of Rage 4 verdammt glücklich!

PRO UND CONTRA

Super spaßiges, motivierendes

Kampfsystem

Wunderschöne Optik

Herrlich geschmeidige Animationen

Fantastischer Fan-Service

Toller, antreibender Soundtrack

Für einen Brawler recht umfangreich

Hoher Wiederspielwert

Lokaler Vier-Spieler-Modus

Einige Stages sind ziemlich kurz

Bosse in der ersten Spielhälfte sind recht lahm

Online nur Zweier-Koop möglich