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STRESS LASS NACH!


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 09.07.2021

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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 80/2021

Mit Verständnis und Einfühlungsvermögen lässt sich Stress reduzieren und eine positive Trainingsatmosphäre schaffen

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Als Freundlichkeit bezeichnen Umgangssprache und Sozialpsychologie das anerkennende, respektvolle und liebenswürdige Verhalten eines Menschen und zugleich die innere wohlwollende Geneigtheit gegenüber seiner sozialen Umgebung – quasi eine Grundhaltung, seinen Mitmenschen freundlich begegnen zu wollen. So jemand bringt anderen ein echtes Interesse entgegen, nimmt Rücksicht auf deren Situation und Emotionen und versucht sich so zu benehmen, dass niemand Anstoß nehmen kann.

Stress ist in unserem Alltag nahezu allgegenwärtig. Viele Menschen gewöhnen sich an ein gewisses Stresslevel – und nehmen die Anspannung im Sattel unter Umständen gar nicht mehr bewusst wahr. Doch Stress kann sich leicht auf das Pferd übertragen. Angefangen bei vermehrter Muskelspannung, zum Beispiel durch Ängste, ...

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... Nervosität, Zeitdruck oder

Wut, bis hin zu sichtbar unruhigen, hektischen Bewegungen. Stress ist nicht nur auf die psychische Ebene begrenzt. Körper und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden.

Körperliche Symptome wie ein erhöhter Herzschlag oder ein erhöhter Muskeltonus sind für das Pferd deutlich wahrnehmbar. Und zwar nicht nur beim Reiten.

Alltagssorgen mit Folgen

„Das Pferd spürt den Stress des Menschen, auch wenn dieser neben ihm geht: Der Strick wird kürzer geführt, die Stimme lauter und die Anspannung überträgt sich“, sagt Nicole Künzel. „All unsere inneren Bilder, zum Beispiel von dem, was alles passieren könnte, übertragen sich auf das Pferd und können Stress auslösen.“ Gedanken und Gefühle sind mit bestimmten körperlichen Reaktionen verbunden. Stellen Sie sich vor, Sie hatten einen anstrengenden Arbeitstag. Sie hatten eine Auseinandersetzung mit Ihrem Chef und konnten den Konflikt nicht lösen. Auf dem Weg in den Stall kreisen Ihre Gedanken um die besagte Situation. In Ihnen steigt Wut auf. Ihre Hände umklammern fest das Lenkrad und Sie würden am liebsten losschreien. Beim Aussteigen schlagen Sie die Tür fester zu als gewohnt. Auf dem Weg zu Ihrem Pferd werden Sie von einer Freundin begrüßt, Sie erwidern nur ein kurzes „Hallo“, ohne den Blick vom Boden zu heben. Eigentlich sollte Ihr Pferd bereits in der Box stehen, doch es ist noch auf der Weide. Schnellen Schrittes eilen Sie los und ärgern sich, denn damit haben Sie schließlich nicht gerechnet. Normalerweise würden Sie sich freuen, dass Ihr Vierbeiner mehr Zeit mit Artgenossen im Grünen genießen kann. Heute sind Ihre Gedanken nur noch negativ. Auf der Weide nimmt Ihr Pferd erst einmal Reißaus vor Ihnen. Kein Wunder, denn Ihre Mimik und Körpersprache vermittelt Ihrem Vierbeiner nichts Gutes.

BUCHTIPP

In diesem Buch aus dem evipo Verlag erfährt der Leser, welche Ursachen Stress haben kann und wie wir Stressempfindungen unseres Pferdes erkennen können. Die Verhaltensbiologin Marlitt Wendt zeigt, wie sich Stress mit Verständnis und Einfühlungsvermögen reduzieren lässt und welche artgerechten Umgangsformen ein entspanntes Miteinander unterstützen. evipo Verlag; 64 Seiten, 10,95 Euro; ISBN 9783945417065

Vom Boden in den Sattel

Über die Hilfengebung spürt das Pferd auch beim Reiten Ihre Anspannung. Bei Stress nehmen Reiter häufig die Zügel kürzer, klammern vermehrt mit den Beinen und der Oberkörper fällt nach vorne. Insgesamt erhöht sich der Druck und die Einwirkung wird härter. „Statt den Stress aufzulösen, wird dieser nur noch größer und führt gegebenenfalls zur kompletten Verunsicherung sowie zu Abwehrreaktionen des Pferdes“, gibt Nicole Künzel zu bedenken und fügt hinzu: „Hat das Pferd Stress, leidet die Aufmerksamkeit und Durchlässigkeit. Konzentriertes Trainieren ist in solchen Fällen meist nicht mehr möglich.“ Der Vierbeiner wird schreckhafter und zeigt nicht selten auch körperliche Symptome wie häufiges Äppeln, Zähneknirschen oder Schweifschlagen. Stressbedingte Beschwerden wie Magengeschwüre, Rückenschmerzen und allgemein Muskelverspannungen werden in der heutigen, hektischen Zeit immer häufiger. Umgekehrt ist aber auch eine Stressübertragung vom Pferd auf den Menschen möglich. Ein unruhiges und nervöses Pferd kann den Reiter regelrecht „anstecken“, vor allem, wenn dieser unsicher oder ängstlich ist. Schnell verstärkt sich die Problematik auf beiden Seiten und es kommt zu einer regelrechten Stressspirale: Der Reiter ist hilflos und weiß nicht, wie er reagieren soll, das Pferd vertraut ihm nicht und will womöglich nur noch flüchten, um der Situation zu entkommen.

IN BALANCE

Immer wieder haben wir es im Leben mit Gegensätzen zu tun. Beim Reiten ist es wichtig, eine gute Balance zwischen positiver Spannung und Entspannung zu finden. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen:

WECHSELSPIELE ETABLIEREN

Wechsel zwischen Zügelaufnehmen und Dehnungshaltung beziehungsweise Lektion und Dehnungshaltung. Wechsel zwischen Übungen, die dem Pferd etwas schwerer fallen, und etwas leichteren Übungen. Wechsel zwischen Übungen und Halten bei hingegebenem Zügel. Bedenken Sie, dass manchen Pferden eine Pause im Halten guttut, während andere gestresst reagieren, wenn ihnen die Bewegung genommen wird.

SPIEL MIT DER GRENZE

Nimmt das Pferd die Hilfen bei bestimmten Lektionen beziehungsweise Übungen gut an, ist das super. Wird es unruhig, kehren Sie wieder zur Basis zurück. Aufhören, wenn das Training besonders gut ist.

ÜBER KLEINE ERFOLGE FREUEN

Das alltägliche Training ist selten spektakulär und muss es auch nicht sein. Wählen Sie einen reellen Ausbildungsweg.

SPIEL MIT DER SPANNUNG ÜBEN

Lernen Sie je nach eigenem Typ und Pferdetyp die eigene Energie hoch-oder runterzufahren: Wenn Ihr Pferd gestresster ist, fahren Sie Ihre Energie herunter. In Situationen, in denen es Energie braucht, fahren Sie Ihre Energie positiv hoch.

DEN EIGENEN TYP KENNEN

Hochenergetischen Menschen fällt das Herunterfahren oft schwerer und ruhigeren Menschen das Hochfahren. Achten Sie darauf, dass beim Hochfahren der Energie keine negativen Emotionen hinzukommen.

INNERE BILDER UND PAUSEN NUTZEN

Stellen Sie sich als innere Bilder zum Beispiel sprudelndes Wasser oder einen Energieregler vor, den Sie rauf oder runter drehen können. Wenn Sie dazu neigen, schnell hochzufahren, sollten Sie mehr Pausen machen.

SCHNELLE ANTI-STRESS-HILFE

Mit diesen Übungen können Sie als Reiter Stress und Anspannung abbauen. Sie lassen sich einfach in den Reitalltag einbauen.

DIE LEUCHTTURMÜBUNG

Stress kann einem schnell über den Kopf wachsen, doch Probleme sind nicht immer so groß, wie sie erscheinen. Betreiben Sie Ursachenforschung, finden Sie heraus, was genau Sie stresst, und betrachten Sie das Ganze einmal „von oben“. Dazu stellen Sie sich gedanklich ohne Pferd auf einen Leuchtturm. Von hier aus erscheinen Probleme aus einem anderen Licht und wirken oft nicht mehr so groß. Am nächsten Tag können Sie neu beziehungsweise mit neuen Ideen starten.

HAVE A BREAK

Wir sind es gewohnt, durch unseren Alltag zu rasen. Vielen Menschen fällt es schwer, regelmäßig Pausen zu machen. Doch gerade wenn die eigene Konzentrationsfähigkeit oder die des Pferdes nachlässt, ist eine rechtzeitige Pause wichtig. Auch körperlich heißt es, das individuelle Maß der Dinge zu finden. Innehalten und pausieren gelingt in der Regel nicht sofort beim ersten Mal, sondern braucht etwas Übung. Legen Sie am Boden die Basis für das Halten. Anschließend üben Sie das Halten mit hingegebenem Zügel. Dann dehnen Sie die Pausen immer länger aus.

TAKE A BREATH

Atmen ist lebenswichtig. Wenn wir angespannt sind, vergessen wir oft zu atmen. Wenn wir aufgeregt sind, atmen wir schneller, im entspannten Zustand verlangsamt sich die Atmung. Umgekehrt können wir über die Atmung aber auch Einfluss auf Körper und Psyche nehmen.

Eine gute Atemübung für Reiter ist folgende: Stellen Sie sich beim Putzen und vor dem Beginn des Reitens neben das Pferd. Die Beine hüftbreit und die Knie leicht angewinkelt. Legen Sie eine Hand von unten auf den Bauch und eine von oben auf die Lende des Pferdes. Nun spüren Sie die Atmung Ihres Vierbeiners. Ist diese tief und gleichmäßig oder flach und angespannt? Achten Sie auch auf Ihre eigene Atmung und entspannen Sie immer mehr.

ÜBER DEN TELLERRAND SCHAUEN

In manchen Situationen fühlen wir uns wie festgefahren. Oft spielt Stress dabei eine entscheidende Rolle. Zum Beispiel beim Verladen, wenn das Pferd immer wieder versucht, rückwärts aus dem Hänger zu stürmen, und ihm die Aufregung ins Gesicht geschrieben steht. Gerade in solchen Fällen hat es sich bewährt, über den Tellerrand zu schauen. Gibt es eventuell Bodenarbeitsübungen, die hier weiterhelfen können? Hat eine andere Reitsparte vielleicht eine gute Lösung für das Problem? Könnte mir die Arbeit an der Hand eventuell helfen? Solche oder ähnliche Fragen dienen nicht nur der Problemlösung, sondern auch der Erweiterung des eigenen Horizonts.

Informationsflut und Leistungsdruck

„Durch die vielen Einflüsse, die ständige Erreichbarkeit, die selbst am Stall nicht aufhört, durch Smartphones, Social Media und den steigenden Leistungsdruck kommt es vermehrt zu Stress“, betont Nicole Künzel. „Ob früher alles besser war, mag ich nicht zu beurteilen, aber die mediale Flut von Informationen und Arbeitspensum ist sehr belastend für viele Menschen und demzufolge auch für ihre Pferde.“ Gerade wenn es um viel Geld im Pferdebereich gehe, hätten viele der vierbeinigen Individuen das Nachsehen. Ein völlig stressfreies Leben ist kaum möglich, aber Stress lässt sich auch aus anderen Perspektiven betrachten. Zum Beispiel können uns positive Stressmomente anspornen. Wichtig ist, dass Stress nicht zum dauerhaften Zustand wird. Ebenso sollten wir uns bewusst sein, dass wir mit unseren Wünschen und Anforderungen an unsere Pferde bereits gewisse Stressoren setzen und Stresssymptome bei unseren Vierbeinern häufig erst spät wahrgenommen werden. Achten Sie daher nicht nur auf die Symptome Ihres eigenen Körpers, sondern bleiben Sie auch achtsam gegenüber Mimik und Körpersprache des Pferdes.

STRESS-NOTFALLKOFFER

Sowohl akuter als auch anhaltender Stress muss nicht sein und kann mit entsprechenden Maßnahmen verhindert werden. Suchen Sie sich Methoden, die zu Ihnen passen, und stellen Sie sich Ihren eigenen Stress-Notfallkoffer zusammen.

• Trainieren Sie eigene innere Bilder: Wie möchten Sie sich fühlen? Wie möchten Sie reiten? Wie soll eine Übung aussehen? Durch innere Bilder lässt sich eine positive Grundeinstellung trainieren.

• Suchen Sie sich einen Ausbilder, der gut zu Ihnen passt. Manchmal kann es helfen, bei Stress und Problemen zunächst das Gespräch zu suchen, anstatt diese im Sattel lösen zu wollen.

• Genießen Sie die Stille am und mit dem Pferd oder probieren Sie aus, Entspannungsmusik zu hören beziehungsweise zur Musik zu reiten.

• Führen Sie Ihre Bewegungen bewusst, entsprechend langsam, ruhig und fließend aus.

• Achten Sie auf Ihre Atmung und ein gleichmäßiges Einund Ausatmen. Sie können auch die Atemzüge zählen oder sich passende Atemübungen suchen.

• Wenn Sie Ihr Pferd grasen lassen, dann machen Sie das nicht irgendwie nebenbei, sondern ebenso bewusst. Sie können diese Situationen eventuell auch selbst zum „Runterkommen“ nutzen.

• Analysieren Sie vorab mögliche Stressquellen in Ihrem Alltag. Welche lassen sich ausschalten und wie gelingt Ihnen das?

• Bereiten Sie Aufgaben gut vor, denn wenn die Basis nicht stimmt, ist häufig Stress die Folge.

• Überprüfen Sie sich selbst und prüfen Sie ebenso, ob bestimmte Aufgaben von Ihrem Pferd verstanden wurden beziehungsweise ob diese gut genug erklärt wurden.

STRESSFREI TRAINIEREN

Eine ruhige Arbeitsatmosphäre ist keine Selbstverständlichkeit und muss meist bewusst hergestellt beziehungsweise gesucht werden. So können Sie und Ihr Pferd konzentriert und motiviert arbeiten

• Nehmen Sie Rücksicht auf Alter, Leistungsstand und Konzentrationsfähigkeit von Mensch und Pferd.

• Lassen Sie Ihr Handy im Auto oder im Spind. Das gilt auch für andere Geräte, die Sie ablenken könnten.

• Schulen Sie Ihre Konzentrationsfähigkeit und Ihr Körperbewusstsein, zum Beispiel durch mentales Training, Meditation, Yoga und Pilates.

• Legen Sie Gespräche mit Mitreitern auf die Zeit nach dem Reiten und der Pferdeversorgung.

• Rauchen, telefonieren oder texten Sie nicht am und auf dem Pferd.

• Nehmen Sie sich Zeit und bleiben Sie beim Putzen und Vorbereiten des Pferdes achtsam.

• Vermeiden Sie Termindruck im Stall und gestalten Sie die Aufgaben für den Tag eventuell kürzer, indem Sie beispielsweise spazierengehen, an der Hand oder am Boden arbeiten.

• Behalten Sie Ihren Trainingsplan im Auge: Gehen Sie bei Überforderung einen Schritt zurück und arbeiten Sie bei Unterforderung entsprechend kreativer.

• Suchen Sie bei anhaltendem Stress bei Ihnen beziehungsweise Ihrem Pferd nach möglichen Ursachen.

• Überprüfen Sie sich selbst und prüfen Sie ebenso, ob bestimmte Aufgaben von Ihrem Pferd verstanden wurden beziehungsweise ob diese gut genug erklärt wurden.

NACH INNEN SCHAUEN UND WAHRNEHMEN

Diese Übungen helfen dem Reiter, möglichen Stress beziehungsweise Anspannungen besser wahrzunehmen und Veränderungen zu erkennen.

BEOBACHTEN UND STOPP SAGEN

Negative Gedankenströme schwirren plötzlich durch den Kopf und schon bald fahren auch die Gefühle Achterbahn. Dabei können die Auslöser vielfältig sein: von der eigenen Verfassung über Probleme, die von Mitmenschen bei einem abgeladen werden, bis hin zu alltäglichen Sorgen oder Zukunftsängsten. Reiter sollten generell auch im Stallalltag lernen, achtsamer zu sein, denn vielen ist nicht bewusst, was sie alles mit zum eigenen Pferd nehmen. Der erste Schritt ist, sich Gedanken und Gefühlen bewusster zu werden. Beobachten Sie und vermeiden Sie es, zu bewerten. Es geht nicht darum, sich bestimmte Gedanken oder Gefühle zu verbieten. Vielmehr können Sie üben, in Gedanken ein Stopp-Zeichen zu setzen, wenn der negative Gedankenfluss ins Rollen kommt. Dazu können Sie sich ein Stopp-Zeichen vorstellen oder sich einfach „Stopp“ sagen. Vielleicht hilft es Ihnen auch, ein Symbol auf ein Papier zeichnen und zum Beispiel in Ihr Spind zu kleben.

DEN BAUCH UM RAT FRAGEN

Das Treffen von Entscheidungen kann zum echten Stressfaktor werden. Im Umgang mit dem Pferd sind Entscheidungen jedoch an der Tagesordnung: Welche Übung würde meinem Pferd gerade guttun? Wann soll ich die Trainingseinheit beenden? Wür- de mir und meinem Vierbeiner heute einfach eine entspannte Runde ins Gelände guttun?

Sind mein Pferd und ich schon bereit für ein Turnier? Ist der neue Trainer wirklich gut für uns? Ein guter Wegweiser in Sachen Entscheidungen ist die eigene Intuition. Natürlich ist sie kein Computer, der auf Knopfdruck funktioniert. Vielmehr braucht es etwas Übung, um Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen. Gleichzeitig werden aber auch das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl gestärkt.

NEUE BLICKWINKEL EINNEHMEN

Stress kann einem regelrecht Scheuklappen aufsetzen. Wir fühlen uns gefangen im Stress-Strudel und wissen nicht so recht, wie wir uns aus dem Sog befreien können. Fragen Sie sich „Was wäre wenn?“ und betrachten Sie die Situation, die Ihnen Stress bereitet, aus unterschiedlichen Perspektiven. Was wäre der Worst Case, der eintreten könnte? Wie könnte die Situation im für Sie perfekten Zustand von Ihnen und Ihrem Pferd gemeistert werden? Welche weiteren Optionen sind möglich und mit welchem Mittelweg wären Sie derzeit bereits zufrieden?

Diese Fragen helfen, einen Misserfolg zu vermeiden und lösungsorientierter zu denken.

UNTERRICHTS-/REITTAGEBUCH

Wissen Sie noch, wie Sie sich in den letzten zwei Wochen bei der Arbeit oder im Umgang mit Ihrem Pferd gefühlt haben? Wir haben oft so viel im Kopf, dass wir schnell vergessen, welche Fortschritte wir gemacht oder welche Situationen wir bereits gemeistert haben. Führen Sie ein Tagebuch, in dem Sie wichtige Punkte wie die Qualität der Reiteinheit, aber auch Ihre Gedanken und Gefühle notieren. Beginnen Sie immer damit, was an dem jeweiligen Tag gut gelaufen ist. Anschließend beschreiben Sie Situationen, die Stress verursacht haben. Blicken Sie nach einer Weile zurück: Lassen sich in den folgenden Tagen und Wochen Muster erkennen? Gibt es immer wieder bestimmte Situa- tionen, welche Sie und Ihr Pferd unter Stress setzen?

Sie können Ihre Notizen auch mit Ausbildern oder Therapeuten besprechen.

VORBILDER ALS ORIENTIERUNG

Im Reitalltag gibt es immer wieder Situationen, die herausfordernd sein können. Fragen Sie sich dann, was Ihr Ausbilder oder ein reiterliches Vorbild tun würde.

Visualisieren Sie das Ganze, indem Sie es sich auch wirklich vorstellen. Diese Vorbilder können Sie sich selbst suchen und sie gegebenenfalls auch im Training beobachten, sich Videos anschauen oder vielleicht sogar im Unterricht hospitieren. Ein Beispiel: Bei den einfachen Galoppwechseln ist Ihr Pferd unruhig und es würde am liebsten sofort wieder angaloppieren. Bleiben Sie selbst ruhig und beobachten Sie Ihr Vorbild beim Training der einfachen Wechsel. Vielleicht finden Sie dazu auch passende Tipps in einem Video online. Steigen Sie das nächste Mal mit einem positiven Gefühl in den Sattel und probieren Sie die Tipps aus.

UNSERE EXPERTIN

NICOLE KÜNZEL ist Autorin mehrerer Pferdefachbücher und Verlegerin im evipo Verlag. In Hannover etablierte sie das evipo-Ausbildungszentrum, in dem sie die Ausbildung für Pferd und Reiter in klassischer Dressur anbietet. Sie hält zudem Vorträge und Seminare im In-und Ausland. www.evipo.de