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STRESS lass nach!


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 08.05.2019

Auch nach der Schule volles Programm: Ist Ihr Kind damit überfordert? An welchenSymptomen Sie das erkennen – und wie Sie den Terminplan Ihres Kindes entschlacken


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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 6/2019

Los, los, los, auf geht’s! Nicht trödeln, nun mach schon, wir kommen zu spät …“ Nein, wir befinden uns nicht in einem Sportcamp oder bei den Bundesjugendspielen, sondern bei der ganz normalen Familie Mus ter an einem beliebigen Nachmittag unter der Woche in Musterhausen. Draußen steht das Auto, das darauf wartet, schnell zum Freizeitangebot für die beiden Älteren zu düsen. Denn: Schule ist nicht genug, zusätzliche Förderkurse sind angesagt: ...

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... Sprachen und Sport, bildende Kunst und Musik. Sind wir noch normal? Außer jeder Menge Geld kostet diese Art von Freizeitverplanung Nerven, Gesundheit – und den Spaß am Leben. Natürlich ist bekannt, dass Kinder schon frühzeitig schnell und viel Wissen aufnehmen können. Trotzdem: Muss es sein, dass ein Kind, kaum auf der Welt, bereits einen PEKiP-Kurs besucht, zu Babyschwimmen und -massage (für die schnellere Verknüpfung der Synapsen) geschickt wird sowie Englisch und Geige spielen lernt?

Zu viel Aktivität schadet

Susanne Claudia Neumayer, Ärztin für Kinderheilkunde und Neonatologie in München, hat dazu eine klare Meinung. „Es wird heutzutage viel zu viel verplant – vom Babyalter angefangen. Später sind die Kinder in der Schule sehr gefordert. Was wichtiger ist als irgendeine von den Eltern organisierte Aktivität, ist, ihnen einfach mal Zeit zum Löcher-in-die-Luft-Starren zu geben, ohne gleich zu fragen: ‚Was machst du da? Woran denkst du? Mach doch mal dieses oder jenes.‘ Medizinisch nennen wir das konstruktive Langeweile“, so die Kinderärztin.
Jeweils kurz vor den Sommerferien beobachtet die Medizinerin eine hohe Anzahl von Scharlach-Erkrankungen. Grund: Die Kinder seien einfach ausgepowert. Neumayers Rat an die Eltern: sich den Terminkalender des Kindes einmal genau anzusehen und dann gemeinsam mit ihm zu entscheiden, welche Aktivität sinnvoll ist und welche gestrichen werden kann. „Bauchoder Kopfschmerzen haben oft keine organische Ursache, sondern sind Reaktionen des Körpers auf eine Überforderung. Und es gibt einen weiteren negativen Aspekt: Kinder verlernen, selbstständig zu spielen“, sagt Neumayer. Genau das passiere, wenn Eltern nicht aufhören, den Kindern alles anzutragen; Kinder können sich und ihr Leben nicht mehr selbst organisieren.

Entspannungstechniken

Übungen, die wirklich helfen – und die schon Kinder erlernen können

Yoga Ab einem Alter von ca. drei Jahren können Kinder spielerisch Kinderyoga üben. Auf der Website des Berufsverbandes der Yogalehrenden in Deutschland (www.yoga.de) kann man über eine Suchmaschine nach Yogalehrern für Kinder in seinem Postleitzahlengebiet suchen. Weitere Infos finden Sie auf der Seite www.kinderyoga.de

Progressive Muskelentspannung (PME) Eine Faust machen, als ob man damit einen Schwamm ausdrücken würde, Armmuskeln spielen lassen – und immer wieder entspannen: Die Methode ist auch für Vorschulkinder leicht zu erlernen und bringt schnell Erfolg. Infos: www.gesundheit.gv.at

Autogenes Training Ab vier Jahren können Kinder autogenes Training lernen. Es hilft z. B. bei Angst vor Klassenarbeiten. Infos unter www.dg-e.de. Autogenes Training wird auch von der VHS angeboten, in manchen Fällen erstattet die Krankenkasse die Kosten.


Hausaufgaben & Co.: Ein fester Zeitrahmen beugt Überforderung vor


Oft stecken die eigenen (unerfüllten) Kindheitsträume der Eltern dahinter, wenn die kleine Tochter ins Ballett geschleppt wird, ohne das selbst zu wollen. Und genau darum geht es: Solange Kinder von sich aus wünschen, eine bestimmte Sportart zu lernen oder einen Englischkurs zu belegen, sollte man sie darin auch unterstützen.


Wichtiger als jede Planung: Zeit zum Löcherin-die-Luft-Starren


ENTSPANNUNG FÜR ELTERN
Erwachsene können bei Stress auf sanfte Hilfe aus der Natur vertrauen. Stresslindernd wirken etwa Rosenwurz (z. B. in rhodioLoges®) und Magnesium (z. B. von Biolectra®).

Das Zauberwort „Zeit“

Um Wünsche überhaupt äußern zu können, müssen Kinder Zeit haben. Zeit, um sich zu überlegen: Was will ich, was kann ich, was interessiert mich? Stößt die gewählte Aktivität dann auf Begeisterung, spricht man von einer „Sog-Wirkung“. Sog ist das Gegenteil von Druck. Druck macht krank, Sog fördert.
Franz Josef Neffe befasst sich genau mit diesen Dingen. Als Pädagoge lehrt er Lehrer das richtige Lehren. „Wenn es mir gelingt, bei einem Schüler eine Sog-Wirkung zu erzeugen, wird er über sich hinauswachsen. Versuche ich es mit Reglementierungen oder gar Druck, macht er dicht, und es geht gar nichts mehr“, erklärt er.

Stärke statt Schwäche

Und wenn nichts mehr geht? Was Neffe Eltern, die sich Hilfe suchend an ihn wenden, mitgibt, ist: „Viel zu schnell sind Pädagogen und Wissenschaftler dabei, der angeblichen Lernschwäche des Kindes einen Namen zu geben. So entstand um die Schwäche ‚Legasthenie‘ ein ganzer Wirtschaftszweig. Dabei steht hinter jeder Schwäche eine Stärke, der es gerade nicht gutgeht – und anstatt sich um diese Stärke zu kümmern, kümmern sich heutzutage alle um die Schwäche.“
So könne hinter Legasthenie eine reiche Fantasie als Stärke stehen. „Schön wäre es, wenn wir wieder mehr auf unsere Intuition und das Können unserer Kinder vertrauen würden.“ Denn ein Kind, das überfordert ist, sendet Signale. Je nach Eigenheit machen sich die Symptome innerlich oder äußerlich bemerkbar. Die Alarmglocken sollten bei Eltern immer läuten, wenn sich ein Kind zurückzieht, abgrenzt oder schlecht konzentrieren kann, es Freunde vernachlässigt oder bei jeder Kleinigkeit überreagiert, fahrig und gereizt ist, über Kopfund/ oder Bauchschmerzen klagt sowie unnatürlich oft krank, lustlos, schlecht gelaunt und antriebslos ist.
„Die Grenzlinie zwischen Fördern und Überforderung von Kindern ist sehr schmal“, sagt die Psychologin Caroline DeClair aus Stuttgart. „Am einfachsten erkennt man überforderte Kinder daran, dass sie keinen Spaß an dem haben, was sie tun. Solange sie lachen, etwas gern machen, Freude haben und ihre Fantasie angeregt wird, lernen sie spielerisch. Und dann ist alles in Ordnung.“

Oft genügen kleine Dinge

Eine Überforderung entsteht, wenn der Ehrgeiz der Erwachsenen über die Fähigkeiten des Kindes hinausgeht. Denn die Anpas-sungsfähigkeit von Kindern ist begrenzt. Das Gehirn eines Kindes, das zu vielen Eindrücken ausgesetzt ist, wird überstimuliert.
Eltern können gegensteuern, indem sie mit dem Nachwuchs auf Augenhöhe reden. Oft sind es kleine Maßnahmen, die die Stressbelas tung reduzieren. Sinnvoll ist es z. B., wenn Kinder zu festen Zeiten schlafen gehen und beim Spielen nicht gehetzt werden. Auch wichtig: Für die Hausaufgaben sollten sie immer genügend Zeit, die zuvor festgelegt wurde, haben. Wenn das Kind „wegträumt“ bzw. Konzentrationsschwächen zeigt, können Pausen eingelegt werden.
Maximal zweimal pro Woche stehen Freizeitaktivitäten, die sich die Kinder selbst ausgesucht haben, auf dem Plan. An den übrigen Nachmittagen haben sie Zeit für sich – zum Spielen, Träumen, Freundetreffen. Tipp: Beschränken Sie den Medienkonsum (Computer, TV & Co.) auf eine halbe Stunde pro Tag. Um Kinder vor Überforderung zu schützen, kommt es auf einen harmonischen Umgang mit ihnen an. Sie müssen das Gefühl haben: Egal, was ist, ich kann es zu Hause sagen und es wird mir geholfen. Und: Kinder schlafen ruhiger und entspannter, wenn sie vor oder nach dem Abendbrot noch freie Zeit haben. Denn diese Zeit brauchen sie, damit ihre Seelen gesund bleiben.

SCHON GEWUSST …?Wie Stress im Körper wirkt

Herzklopfen, feuchte Hände, Verspannungen und ein trockener Mund: Der Körper zeigt es, wenn er sich auf „Alarmstufe Stress“ einstellt. Kann er sich danach entspannen, ist das kein Problem

„Stress ist eine biologische Fluchtreaktion des Körpers“, sagt Prof. Michael Schulte-Markwort, Klinikdirektor und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der Körper produziert verstärkt die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, die sich über das Blut im Körper verteilen. „Das bewirkt einen schnelleren Herzschlag und eine erhöhte Aufmerksamkeit.“ Die Muskeln spannen sich an, der Atem geht schneller. Auch verteilt der Körper seine Flüssigkeit anders: Man merkt es an feuchten Händen und einem trockenen Mund. Folgt nach der Anspannung eine Erholungsphase, wird die Energie wieder abgebaut – der Körper ist im Gleichgewicht. „Unser Körper ist auf Anspannung und Entspannung programmiert“, sagt die Diplom-Psychologin Heike Oberlack-Nieß aus Bergisch Gladbach. „Bei ständiger Anspannung ohne Entspannung entstehen Stresssymptome.“ Etwa Herzklopfen, Einschlafprobleme und Angstgefühle. Entspannung nach einer Stressphase ist positiv, z. B. nach einer gelungenen Klassenarbeit.

MEDIENTIPPS

52 WUNDERBARE WOCHENENDEN
Von Sabine Bohlmann. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 14,95 Euro
Lustige, verrückte und schöne Ideen für die ganze Familie. Der Ratgeber enthält zahlreiche Tipps für abwechslungsreiche Freizeitaktivitäten mit Kindern.

KREATIVITÄT FÖRDERN – INTELLIGENZ ENTWICKELN
Von Jakobine Wierz. Ökotopia, 18 Euro
Lernen macht Kindern viel Spaß, wenn kniffelige Situationen ihre Kreativität fordern. Diese Spielideen ermutigen Kinder, neue Wege zu gehen.

JEDES KIND KANN SICH ENTSPANNEN
Von Sabine Seyffert. Humboldt, 9,95 Euro
Ein straffer Alltag ist oft ausschlaggebend, dass Kinder zappelig sind oder schlecht einschlafen. Der Ratgeber zeigt einfache und spielerische Entspannungsübungen für zu Hause.

MUSIK ZUM ENTSPANNEN UND EINSCHLAFEN
Von Franz Schuier. Kösel, 15,95 Euro
Ideal für Vorschulkinder: sanfte Klänge für den Abend oder die Pause zwischendurch.


FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO/ MONKEYBUSINESSIMAGES; BANANASTOCK