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STUDIERLANDSCHAFT


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 18.01.2022

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Bildquelle: Taspo Garten-Design, Ausgabe 1/2022

Der ?Walk-Along-Park? bildet Platzsequenzen und ordnet jedem der sechs Gebäude einen individuell gestalteten (Vegetations-)Raum zu.

Der Freiraum des WU Campus mit seinen differenzierten Grünräumen und großen Gräser- und Staudenflächen wurde vor rund 10 Jahren gebaut. Es war mit etwa 1 Hektar die größte Staudenpflanzung in Österreich. Wie hat sich das Werk entwickelt?

Die Pflanzung wurde vom Büro Landschaftsarchitektur Stefan Schmidt, gemeinsam mit Philipp Schönfeld als „Plantsman“, Erwin Murer für die Substratentwicklung und Hannes Batik für die technische Planung entwickelt. Die Gesamtplanung oblag dem Büro BUS Architektur aus Wien.

DER MASTERPLAN

Das Areal für die neue WU Wien befindet sich im 2. Wiener Gemeindebezirk, an der Kreuzung Südportalstraße/Rotundenplatz, zwischen Messegelände und grünem Prater. Die Fläche des Grundstücks beträgt 90.478 m², davon bebaubar ca. 76.086 m². Die Anbindung durch die U-Bahnlinie U2 erfolgt über die Stationen „Messe/Prater“ beim Messeplatz/Ausstellungsstraße und „Krieau“ an der ...

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... Trabrennstraße.

Für die Planung wurde ein zweistufiger Wettbewerb ausgelobt. Die Aufgabe lautete, eine Universität mit „campusartiger Struktur“ zu planen. Die Auslober beschränkten sich bewusst auf diese eher vage Funktionsbeschreibung. Der Masterplan- Wettbewerb war so ausgelegt, dass sowohl eine Vergabe des gesamten Komplexes an den Wettbewerbsgewinner möglich war als auch eine Vergabe der einzelnen Gebäude an weitere Büros im Zuge weiterer Wettbewerbe.

Die zwei bestplatzierten Entwürfe sahen völlig unterschiedliche Konzepte vor. Berger+Parkkinen (Wien) hatten einen futuristischen Baukörper mit innenliegendem, verglasten Campus entworfen. Der Entwurf von BUS Architektur hingegen, der realisiert wurde, sah eine Studierlandschaft vor. Dies eröffnete die Möglichkeit, die vielen im Masterplan vorgesehenen Baufelder in weiteren Wettbewerben an unterschiedliche Architekten vergeben zu können.

Der 67.000 m² große, langgezogene Campus gruppiert sich um einen gegliederten Freiraum, den „Walk-Along-Park“. Er bildet Platzsequenzen und ordnet jedem der sechs Gebäude einen eigenen, individuell gestalteten Vegetationsraum zu. Durch die harmonisch dimensionierte Kubatur der ästhetisch sehr diversen Gebäude in Kombination mit den weiten gegliederten Räumen, seinem einheitlichen Design und der abwechslungsreichen Bepflanzung gleicht der Freiraum einer Flaniermeile.

Jedem der Gebäude ist ein spezifischer Freiraum im Kontext der spezifischen Architektur zugeordnet. Jeder Freiraum definiert Ränder und Schnittstellen zum Nachbarfeld. Als Kontext bildet er Stationen des aktiven Austausches und Orte für zurückgezogenes Lernen. Die grünen Gassen und Plätze verbinden die Orte des Lernens und der Freizeit und bieten immer wieder Blickbeziehungen zum grünen Prater an.

982 Stellplätze unter der Erde und 720 m Radweg am Rand des Campus zum grünen Prater sorgen für einen autofreien Ort, der auch für Radfahrende attraktiv ist. Eine Besonderheit ist, dass der Parkbereich durch bepflanzte Patios natürlich belichtet ist, sie nehmen auch die Aufgänge in den Freiraum auf. Die Autofahrer queren am Weg vom Fahrzeug zum Arbeitsplatz zu Fuß die vielfältigen Freiräume des Campus.

DAS PFLANZKONZEPT

Die Bepflanzung des Campus-WU gliedert sich in vier Haupttypen und die Dachbegrünungen:

Grüne Grenze: Sie umschließt den Campus-WU und bildet einen charakteristischen Rahmen aus einheitlichen Pflanzen (Ginkgo und Gräser), die im Detail variiert werden.

Campus-WU: Diese Grünflächen im Inneren bilden eine großzügige Landschaft, die durch einprägsame Pflanzenbilder gebildet wird. Die einzelnen Teilbereiche unterscheiden sich durch abgestufte einheitliche Hauptfarbtöne.

Verborgene Schätze sind charakteristische ganzjährige Pflanzenbilder mit besonderen Pflanzen, die von niederen Einfassungen eingerahmt werden.

Hochbeete/Familien: immer wiederkehrende Pflanzenkombinationen als Teil der WU-typischen Möblierungsfamilien.

Intensive Dachbegrünung als Weiterführung des Bepflanzungskon-zeptes in den Obergeschossen von O1, dem Hörsaal und Lernzentrum.

Extensive Dachbegrünung der Fahrradgaragen.

PFLANZENAUSWAHL

Alle Pflanzungen erfolgten in ein für das Projekt entwickeltes mineralisches Substrat, das in einer Schichtdicke von 40 cm eingebaut wurde. Alle Komponenten des Substrats waren lokal verfügbar und den Firmen aus anderen Zusammenhängen vertraut. Alle Flächen erhielten als Notbewässerung Tropfschläuche. Im Masterplan und dem Pflanzkonzept wurden die Lage, Größe und Form sowie das geforderte Erscheinungsbild für die Einzelflächen festgelegt. Die eigentliche Pflanzplanung verlief dann ganz klassisch:

Standort einschätzen: Das war schwierig, da zum Zeitpunkt der Pflanzplanung erst die Baugruben ausgehoben waren. Die Größe und Höhe der Gebäude stand zwar fest, aber deren Schattenwurf zu unterschiedlichen Tages-und Jahreszeiten konnte nur anhand der vorliegenden Pläne eingeschätzt werden. Später zeigte sich, dass diese Einschätzungen im Wesentlichen stimmten. Nach der Fertigstellung stellte sich heraus, dass einzelne Flächen schattiger eingeschätzt wurden als sie sich dann tatsächlich darstellten. Die Spiegelungen der hellen und teils verglasten Fassaden sowie eine leichte Verschiebung der Ost-West-Ausrichtung sorgten für mehr Licht. Dort fielen einzelne Arten aus, weil der Standort für sie zu sonnig war.

Pflanzenliste/Ereigniskalender: Die Grundlage für die spätere endgültige Pflanzenauswahl war das Aufstellen umfangreicher Auswahllisten in Einklang mit den gestalterischen Forderungen. Im Zuge der folgenden Diskussionen kristallisierte sich dann die endgültige Pflanzenliste heraus. Für diese wurden anschließend skizzenhafte Ereigniskalender erstellt, um die Auswahl zu überprüfen. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass die gestalterischen Forderungen in Hinblick auf die Größe der Flächen und deren Gesamtwirkung im Zusammenhang mit den Bauten mit nur wenigen Arten erzielt werden sollte. Diese Arten mussten dann aber lange wirksam bleiben.

Plan mit Pflanzenkonzept: Bei der Größe der Flächen sowie der Anordnung in größeren Gruppen oder Bändern wären klassische Pflanzpläne weder leistbar noch sinnvoll gewesen. Stattdessen wurden Pflanzkonzepte gezeichnet.

Pflanzkonzepte gezeichnet.

Festlegung der Arten und Stückzahlen: Anhand der Pflanzkonzepte konnten dann exakte Stückzahlen festgelegt werden, die in das LV übertragen wurden.

Die Grünen Grenzen des Campus an der Nord- und Südseite werden von einem Gürtel aus Ginkgo biloba gebildet. Die langgezogenen bandartigen Flächen im wandernden Schatten der Gebäude sind mit insgesamt 232 Bäumen überstellt. Die männlichen Auslesen des Ginkgos, sollten einen einheitlichen Rahmen gewährleisten, der durch Habitus und Herbstfärbung deutlich lesbar ist.

Unser Ziel für die „Krautschicht“ unter den Bäumen war ein „weiches“ Erscheinungsbild. Deshalb wurden fast ausschließlich Gräser in verzahnten Pflanzblöcken angeordnet. Durch die Artenwahl ist eine lange Sichtbarkeit, das heißt früher Austrieb und Standfestigkeit im Winter, gewährleistet. Knie- bis brusthohe Arten bringen Bewegung in die Blöcke. Eine Kragenpflanzung aus wintergrünen Stauden hält Verschmutzungen aus den Beeten fern.

Die Flächen an der Südgrenze liegen zwischen Campus und Straße mit Gehwegen, so dass Trittbelastung und „Abkürzungen“ zu erwarten waren. Auch an dieser Fläche bilden die Ginkgo biloba mit ihrem hellen Grün und der gelben Herbstfärbung einen deutlichen Abschluss des Campus zum Prater, der hier mit dunklerem Grün schon Waldcharakter hat. Die begleitenden Gräserbänder verbreiten vor den Kiefern im Prater eine fast mediterrane Stimmung.

Grasarten für die Grüne Grenze Süd:

Calamagrostis x acutiflora ‘Karl Förster’

Calamagrostis brachytricha

Miscanthus sinensis ‘Gracillimus’

Pennisetum alopecuroides ‘Hameln’

Sporobolus heterolepis ‘Wisconsin Strain’

Nepeta x faassenii ‘Walkers Low’

CAMPUS WU

Jeder Architektursituation sind Flächen mit einem bestimmten Charakter zugeordnet, die auf die Nutzung oder die Art des Gebäudes reagieren. Die Flächen bestehen aus Einzelbeeten, meist 2–4 m lang, zum Teil größer und auch aufgehöht, und liegen im wandernden Schatten der Gebäude. Das Ziel ist durch bewussten Einsatz von Texturen eine lange Sichtbarkeit zu gewährleisten, das heißt früher Austrieb und Standfestigkeit im Winter, abwechslungsreiches, „dynamisches“ Bild, Wuchshöhen von bodendeckend, knie- bis hüfthoch, streng monochrom in den Farben Weiß, Gelb, Rot, Orange und Violett. Auch die Blüten der Stauden wurden einfarbig gewählt. Die Pflanzen wurden in verzahnten Gruppen angeordnet, die an den Rändern ineinander übergreifen.

Dazu wurden Prinzipzeichnungen und „Spielregeln“ für die Gärtner erstellt. Über diese Flächen wurde als Gruppen von „Punkten“ eine Schicht strukturierender Stauden oder Gehölze gelegt. Als dritte Ebene wurden im Herbst des Pflanzjahres flächig verwildernde Frühjahrsblüher ausgebracht.

Die Bäume des Campus wurden nach Arten gruppiert ebenfalls den Gebäuden und Aufenthaltsqualitäten zugeordnet. Die Anordnung erfolgte gemäß dem Windgutachten von Weatherpark, um Starkwind- und Verwirbelungszonen zu beruhigen. Diese Funktion beeinflusste die Standort- und Baumartenwahl maßgeblich.

SUBSTRAT

Der flächige Einsatz von Splittsubstraten anstelle von Oberboden sicherte Standorte, die in den ersten Jahren frei von Wurzelunkräutern waren und Samenunkräutern schlechte Startbedingungen boten.

Bäume entlang des WU-Parks:

Zelkova serrata ‘Green Vase’

Acer ginnala

Styphnolobium japonicum

• Tilia tomentosa

Platanus x acerifolia (Dachform)

Stauden für den weißen Bereich:

Alchemilla mollis

Geranium renardii

Hemerocallis ‘Cool It’

Lysimachis clethroides

Miscanthus sinensis ‘Kaskade’

Persicaria ‘Johanniswolke’ (früher: Aconogon)

Stauden für den violetten Bereich:

Allium ‘Purple Sensation’

Alchemilla mollis

Echinacea purpurea ‘Kim´s Knee High’

Geranium ‘Rozanne’

Geranium sanguineum

Geranium sanguineum ‘Tiny Monster’

Iris ‘Night Owl’(Germanica Gruppe)

Nepeta grandiflora ‘Blue Danube’

Salvia verticillata ‘Purple Rain’

Buddleia davidii ‘Nanho Blue’

Verborgene Schätze, Blattschmuck

Acanthus hungaricus

Crambe cordifolia

Gypsophila paniculata ‘Bristol Fairy’

Macleaya cordata

Das Wurzelwachstum war in den 40 cm dicken Splittschichten durchweg extensiv, dazu trug auch die gleichmäßige Nährstoffversorgung durch den mit 10 Vol.% eingebrachten Kompost bei.

PFLANZENLIEFERUNG UND PFLANZUNG

Die fast 100.000 Stauden wurden von der niederösterreichischen Gärtnerei Hameter vorkultiviert. Die Stauden litten allerdings darunter, dass der Freiraum dann doch wieder die Zeitverzüge des Hochbaus auszubaden hatte: Es wurde zum Teil zu extrem ungünstigen Zeiten gepflanzt; etwa im Sommer oder im Dezember. Diese Schädigungen der Stauden waren in den ersten zwei Standjahren noch deutlich sichtbar.

Die Rolle des Landschaftsbaus als letztes Gewerk auf der Baustelle bei solchen Projekten ist ja allgemein bekannt und wird ringsum bedauert, aber wenn die Ambition der beteiligten Gärtner und Planer am zu spät geräumten Lagerplatz der Tiefbauer oder an einem nicht termingerecht entfernten Gerüst scheitert, ist es trotzdem schmerzhaft.

PFLEGE

Für die Pflege des großen Areals wurde ein Pflegehandbuch erstellt. Die Pflege wurde gemäß der einschlägigen ÖNORM als Anwuchs- und Entwicklungspflege ausgeschrieben.

Für die ersten Jahre war das GaLaBau Unternehmen zuständig, das auch die Pflanzung durchgeführt hatte. Eine Erfahrung mit der Arbeit an dynamischen Pflanzungen sowie mit „kosmetischen“ Pflegekonzepten fehlte allerdings.

Ein wesentlicher Lernschritt war, dass es sich mehr lohnte, eine Person mit Pflanzenkenntnis und fallweise einen Helfer für die kontinuierliche Betreuung der Flächen abzustellen, als im alten Stil mehrmals jährlich eine mit Hacken bewaffnete Gruppe in die Splittbeete zu schicken.

Nach dem ersten Pflegejahr setzte sich die Erkenntnis durch und die Beikräuter wurden meist rechtzeitig vor der Versamung gejätet. Keimlinge wurden zunächst stehengelassen, bis sie das Bild zu stören begannen und groß genug waren, um von Hand entfernt zu werden. Die Splittbeete waren in dieser Hinsicht sehr angenehm zu pflegen, weil die meisten Pflanzen sich samt Wurzeln leicht entfernen lassen. Der intensive Einsatz von Personal war jeweils im Spätwinter erforderlich, wenn alle Gräser und Stauden zurückgeschnitten wurden.

Die Entwicklung einer dynamischen Pflanzung verlangt immer wieder korrigierende Eingriffe, um Tendenzen in der Ausbreitung von Pflanzen zu unterstützen oder gegenzusteuern. Im Projekt Campus WU ist die Kommunikation von uns Planern zu den Verantwortlichen zwar im Handbuch vorgeschlagen worden, sie ist aber nach mehreren Führungswechseln abgerissen und damit hat sich auch das Verständnis für unser Werk gewandelt. Das Besondere der großflächigen Stauden ist etwas alltäglich Gewohntes geworden und der Fokus der Verantwortlichen hat sich auf andere Themen gerichtet. Heute gibt es beispielsweise für die Gärtner die strikte Anweisung, Goldruten und Sommerflieder wegen der Attraktivität für Bienen in der Ausbreitung nicht einzuschränken. Eine Verdrängung der anderen Arten ist unausweichlich.

Ein weiterer bedauerlicher Aspekt ist die zentral gesteuerte Bewässerungsanlage (Rainbird). Sie sollte dafür sorgen, dass zukünftige Trockenperioden keine Schäden an der Pflanzung verursachen. Die Bewässerungssteuerung liegt in Händen der Haustechnikabteilung der Universität mit der Folge, dass sie dauernd eingeschaltet bleibt, weil das Verständnis für eine trockenheitsverträgliche Pflanzung nicht vermittelt werden konnte.

Es wird hier wieder deutlich, dass die Voraussetzung für das Gelingen – man muss es leider immer wieder wiederholen – eine fachgerechte, vorausschauende und kontinuierliche Pflege ist, damit das geplante „Vegetationsbild“ erhalten bleibt und weiterentwickelt werden kann (Dynamik!). Solche Staudenpflanzungen sind nicht auf eine völlig extensive Pflege ausgelegt, aber so konzipiert, dass sie mit einem vernünftigen und vertretbaren Aufwand auf Dauer erhalten werden können.

FAZIT

Dieses Projekt zeigt – im Gegensatz zu immer wieder geäußerten Vorbehalten – dass Stauden durchaus für großflächige, wirkungsvolle und dauerhafte Pflanzungen geeignet sind. Ihre Stärke zeigt sich hier deutlich, wo sie sich sogar gegenüber einer so dominant auftretenden Architektur behaupten können. Das ist in diesem Fall aber nicht nur der geschickten Auswahl und Anordnung der Arten zu danken, sondern der gelungenen Synthese aus Hochbau und Landschaftsarchitektur.

Literatur Wendebourg, Tjards (2015): Ein buntes Feld für die Kommunikation. FreiraumGestalter, 01, S. 22–29

Verborgene Schätze, roter Bereich

Zelkova serrata ‘Green Vase’ (orange-rote Herbstfärbung!)

Aster novi-belgii ‘Karminkuppel’

Hemerocallis ‘Chicago Apache’

Heuchera micrantha ‘Purple Palace’

Knautia macedonica ‘Mars Midget’

Liatris spicata

Panicum virgatum ‘Rotstrahlbusch’

Salvia verticillata ‘Purple Rain’

Sedum ‘Matrona’

Tulipa praestans ‘Füsilier’

Tulipa eichleri

Familien (Pflanzgefäße)

Als immer wiederkehrende Elemente gibt es im Freiraum Kombinationen von Sitzmöglichkeiten und Müllgefäßen und eben Pflanzgefäßen. Die Bepflanzung musste Ganzjahreswirkung auf einer sehr kleinen Fläche entfalten.

Agastache ‘Blue Fortune’

Aster amellus ‘Veilchenkönigin’

Nepeta racemosa ‘Superba’

Salvia nemorosa ‘Caradonna’

Helictotrichon sempervirens ‘Saphirsprudel’

Projektdaten Campus WU Wien

Bauherr: Projektgesellschaft Wirtschaftsuniversität Wien GmbH

Planer: BUSarchitektur (Masterplan, Freiraum, D1 TC), Land schaftsarchitekt.at (Grünplanung)

Ausführung: GaLaBau: ARGE Grünwert/ Jakel/Richter (Grüne Leistung), Habau (Pflasterungen), Mach-Holzbau, Pipelife (Bewässerung)

Bauzeit: 1/2010 bis 9/2013

Fläche Freiraum: 55.000 m 2

Baukosten Freiraum: ca. 20 Mio. € (492 Mio. € für die gesamte Anlage)

Das Substrat

Schüttstoffgemisch aus 90 Vol. % Kantkorn oder Brechkorn Dolomit 0/8 und 10 Vol. % Qualitätskompost Güteklasse A+

Körnung: 0–8 mm

Anteil abschlämmbare Teile (unter 0,063 mm): unter 20 Massen%

Anteil Sandkorn (0,063 – 2 mm): max. 60 Massen%

Anteil Kieskorn (2 – 8 mm): ca. 20 Massen%

Wasserkapazität: = 35 Volumen%

Luftkapazität (bei max. Wasserkapazität): = 15 Volumen%

pH-Wert: 5,5 bis 7,5

Organische Substanz: ca. 8 Volumen%

Auftragsstärke 20 cm.