Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 5 Min.

STUDIO: ALTE TUGEND, NEUE WEGE


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.02.2019

Gut drei Jahre nach ihrem Megaerfolg JOMSVIKING legen AMON AMARTH bald ihr elftes Studioalbum nach. Auf Einladung ihres Labels sind wir nach Los Angeles gefl ogen, um den Schweden einen Besuch im Aufnahmestudio abzustatten und der Weltpremiere acht neuer Songs zu lauschen. Helme und Hörner bereitgelegt: Da kommt was auf uns zu!


Artikelbild für den Artikel "STUDIO: ALTE TUGEND, NEUE WEGE" aus der Ausgabe 3/2019 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 3/2019

Gemütliche Atmosphäre: Blick in die Haupträumlichkeiten der Secret Sphere Studios im kalifornischen Los Angeles


Neue Macht am Schlagzeug: Jocke Wallgrens Getrommel erklingt wuchtig und überlegen


Los Angeles, Secret Sphere Studios: Eine Meute Journalisten hat sich um das Pult von ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Metal Hammer. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2019 von SAITENHEIB NEWS: MUSIK MIT PENIS DRAN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SAITENHEIB NEWS: MUSIK MIT PENIS DRAN
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von SCHATKISTE: ‘PSYCHO’: MORDSSCHRECKEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHATKISTE: ‘PSYCHO’: MORDSSCHRECKEN
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von LESERFORUM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERFORUM
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von SOCIAL MEDIA-METAL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SOCIAL MEDIA-METAL
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von PLATTENTELLER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PLATTENTELLER
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von HAUTNAH. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HAUTNAH
Vorheriger Artikel
TOURSTORY: Die nach den Sternen gre ifen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel SUBWAY TO SALLY:AM PULS DER ZEIT
aus dieser Ausgabe

... Produzent Jay Ruston versammelt, um erste, weder fi nal betitelte noch abgemischte Stücke des neuen Amon Amarth- Werks zu hören. Anwesend sind nicht nur Pressevertreter und die Band (minus Johan Hegg, der seine Frau vom Flughafen abholt, um nach getaner Arbeit auf den Florida Keys zu urlauben), sondern auch Mitarbeiter von Sony und Metal Blade inklusive Label-Gründer Brian Slagel. Immer wieder ballt er während der Hörprobe die Faust und ruft etwas dazwischen, verleiht seiner Begeisterung Ausdruck. Keine Frage: Das Album verdient solche Reaktionen – und wenn sie von einer Instanz wie Slagel kommen, darf sich die Band bestätigt fühlen.

Doch wie in aller Welt kommt eine Horde Wikinger dazu, ihre Hymnen auf Mjölnir und Met im sonnigen Kalifornien zu schmieden? Schuld daran ist Produzent Ruston (Stone Sour, Anthrax, Steel Panther), der das Studio in seiner Wahlheimat vorschlug und Hegg zufolge seit Jahren mit ihnen arbeiten will. Der Erfolg lässt den Musikern freie Wahl: Sie verbreiteten in der Szene, einen Produzenten zu suchen – so kamen motivierte Kandidaten direkt auf sie zu. „Anstatt drei Alben mit nur einem Produzenten aufzunehmen und sich nach dem dritten zu denken, man hätte früher wechseln sollen, sind wir gleich woanders hin“, schildert der Hüne und erklärt, Rustons Arbeitsmethoden hätten die Entscheidung mitbedingt. Zudem habe ein Bruch mit Norm und Erwartungen sowie Abstand zum Alltag zu Hause gutgetan, fügt Gitarrist Olavi Mikkonen hinzu. Obgleich Hegg lieber daheim aufgenommen hätte, fühlt er sich an der US-Westküste wohl: „Ich mag L.A. – in kleinen Dosen“, lacht er, und lobt die dortige Atmosphäre. Während ihres fünfwöchigen Aufenthalts residierte die Truppe in einem Haus nahe des Studios, um bei der Sache zu bleiben. Für Unterhaltung sorgten einige Barbecue-Sessions und wenige Ausfl üge ins Zentrum der Verlockungen. „Andere Studios liegen in der Nähe des Strips – dort geht es verrückt zu. Dieses befi ndet sich ab vom Schuss und ist daher sicherer für uns“, schmunzelt Mikkonen, und gesteht: „Wir werden alt und wollen es gemütlich.“

Erster Eindruck: Hörprobe mit Brian Slage(M.)


Dank der weisen Abschottung genossen die Wikinger beste Voraussetzungen, um sich voll und ganz auf ihr Album zu konzentrieren, Qualitätssicherung zu betreiben. Ihr Vorgehen unterschied sich von sonstigen Gewohnheiten: „Dies ist das vierte Studio, in dem wir an den Songs arbeiten“, verrät der Gitarrist über die Vorproduktion. „Wir waren zweimal bei Peter Tägtgren und ließen Jay für eine Session nach Stockholm kommen.

„Featuring T.“: Bassist Ted Lundström tritt nicht nur am Bücherschrank im Studio dominant in Erscheinung


Zur Hörprobe zu Gast im Studio: Autorin Katrin Riedl im Gespräch mit Johan Hegg (l.)


Vor L.A. hatten wir alle Songs einmal aufgenommen, überarbeitet und ausprobiert. Wir haben wohl noch nie so viel Arbeit in ein Album gesteckt.“ Song für Song fi nalisieren, den Status quo im Auge behalten – mit dieser von Ruston inspirierten Arbeitsweise kommt die Band offenbar gut zurecht. „Es war großartig, so zu arbeiten“, bestätigt Hegg. „Wir hatten Ideen, aber sie entwickeln sich nicht weiter, bevor man sich in die Studioatmosphäre begibt. Für mich war das eine gute Gelegenheit, an den Texten zu arbeiten. Es gab viele Fragezeigen; doch die Art, wie wir mit den Stücken arbeiteten, erlaubte uns, zurückzugehen und zu beurteilen, was funktioniert und was nicht. Wenn etwas nicht passte, wieder holten wir den Prozess. Das war bisher nicht möglich.“

Auch in anderer Hinsicht beschreiten die Skandinavier neue Wege: Basierte das konzeptuelle JOMSVIKING auf der stringenten, fi lmartig erzählten Lebensgeschichte eines Protagonisten, kommt das neue Werk mehr einem Rundumschlag gleich. „Einige Songs sind mythologisch inspiriert, andere basieren auf historischen Fakten. Wieder andere kommen metaphorisch als Wikingergeschichten daher, verhandeln aber tiefsinnigere Themen“, fabuliert der Sänger. Der Paradigmenwechsel beeinfl usste auch die Reihenfolge im Kreativprozess: Amon Amarth vertonten diesmal nicht eine Geschichte, sondern legten ihre Musik wieder allem anderen zugrunde. „Bei jedem Song kam die Musik zuerst. Darauf basierend habe ich versucht, ein Gefühl für Texte und Themen zu bekommen. Ich ließ mich darauf ein, zog die Inspiration direkt aus der Musik“, schildert Hegg sein Vorgehen. „Meine Frau hat mir mit mindestens zwei Songs geholfen und hatte einige richtig coole Ideen, die zu Texten wurden. Für ein weiteres Stück empfahl mir ein Freund eine Geschichte, die ich nicht kannte – die vom Berserker auf der Stamford-Brücke.“

Ein weiterer Mitstreiter darf nicht unerwähnt bleiben: Jocke Wallgren sammelt als neuer Schlagzeuger bereits seit 2016 Live-Erfahrung mit Amon Amarth, war nun aber erstmalig an Aufnahmen beteiligt. Mikkonen lobt die verbesserte Atmosphäre innerhalb der Band und den Einsatz seines jungen Kollegen: „Er ist der beste Drummer, den wir je hatten! Und er ist offen für mehr: Sowohl Johan(Söderberg, Gitarrist und Co-Songwriter – Anm.d.A.) als auch ich haben einen starken Willen – es ist leicht, mit jemandem zu arbeiten, der neue Dinge ausprobieren will. Viele Leute bewegen sich ungern aus ihrer Komfortzone heraus, doch Jocke nimmt das als Herausforderung an“, schwärmt der Riff- Meister, und betont die – über technische Fähigkeiten hinausgehenden – Tugenden des Jungspunds: „Wir anderen sind den Aufnahmeprozess gewohnt. Es ist klasse, jemanden dabei zu haben, der das nicht in dieser Form kennt und jeden Tag aufs Neue davon begeistert ist. Wir haben uns von seiner Energie mitreißen lassen!“

Wichtiger Songwriting-Partner: Johan Söderberg


Musikalischer Visionär: Olavi Mikkonen


Gutes Team: Amon Amarth mit Produzent Jay Ruston (3.v.l.)


DIE HÖRPROBE

Track 1

Schweißgeräusche und Hammerschläge, dann ein Riff-Sturm, helle Gitarren und wuchtige Growls. Mittig abwechslungsreiche Solophase. Im Fokus steht Thors Hammer: „The fi re started all / Mjolnir, hammer of Thor…“

Track 2

Schneller, dann der Urschrei. Szenische Kulisse: „300 viking ships were on their way / heading west to distant shores…“ Rhythmus verzögernd, ein öffnendes Riff. Im eingängigen Refrain: „Side by side / ravens fl y“. Auf eine Pause folgt mächtiges Stampfen und der Schrei „Waaaaaar!“, dann dunkles Growlen. Nach einer Verzögerung bricht der Sturm los – da ist es wieder, das hymnische Gefühl schierer Übermacht!

Track 3

Eingängig und hart – Killer! Dazu typisches Ruder-Riff und Thema: „Thor! Let your hammer fl y!“ Erzählerisch und epochal, nach dem zweiten Refrain mit harmonischer Sologitarre. Final derbe Schläge, abruptes Ende. Sehr typisch; sorgt vor Ort für geballte Fäuste. Ohrwurm!

Track 4: Shield Wall

Überwältigender Chaosbeginn, der in heftige Schläge mündet. Im Refrain wiederholt sich bis zu sechs Mal die Kriegsdurchsage: „Vikings! Raise the shield wall! Hold the frontline!“ Nach Heggs tiefen Growls setzt die Gitarre ein und der Song geht derb voran, ohne zu schnell zu sein. Mächtig und pompös, bleibt im Kopf.

Track 5

Langsamer Beginn, dann schneller. Bericht vom Lebensende, Heimatsehnsucht vor starken Hintergrund-Riffs. Erzählepos zum Zuhören statt Ausfl ippen; dennoch unverzichtbar. Im Studio fällt in Anspielung auf Lundströms Basssolo der Ausspruch „featuring T.“

Track 6

Besinnliches Zupfen, dann ein Schlag – der Song nimmt metallisch Fahrt auf, jagt dem Gold hinterher. Das Hintergrund-Riffi ng klingt verändert, der Refrain episch, bombastisch. Es folgen Instrumental- Passagen mit fl otten Düster-Riffs. Im Hintergrund komplex, dann dominante Schläge mit Headbang- Alarm. Auffälliger Einsprecher.

Track 7: The BerserkerAt Stamford Bridge

Gitarre, dann tiefer, langsamer Erzähleinstieg. Getragenes, mächtiges Stück mit intensivem, spannendem Text. Instrumental mit mannigfaltigem Hintergrund und klirrenden Gitarren. Ende mit Fade – Walhalla wartet!

Track 8

Fettes, sofort nach vorne gehendes Gedresche (Slagel: „Wie Slayer!“), dabei typisch Amon mit rollenden Gitarren und überlegenem Bombast-Riffi ng, das innehält, um weiterzustürmen. Im Fokus eine fordernde, aussichtslose Schlacht auf Grönland – cineastisch umgesetzt, mit den typischen Mitteln garniert.

Fazit (nach acht gehörten Songs): Amon Amarth spielen ihre klassischen Tugenden gekonnt aus, bemühen sich aber spürbar um Abwechslung. Ein Album, mit dem man zur See fahren möchte – und falls die Erde doch eine Scheibe ist, gerne darüber hinaus: Das Drachenboot verleiht Flügel!


Fotos: K. Riedl, Sony Music