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Studio Insights: Ela Minus: Mehr Mut beim Muten


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 03.02.2021

Das Debüt von Ela Minus ist inspiriert von der Kreation einfacher menschlicher Interaktionen mit Technologie. Danny Turner seziert ihren minimalistischen Ansatz.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 3/2021

Nach einem Jazz-Drum- und Musiksynthese- Studium am Berklee College Of Music fand Ela Minus ihren Traumjob, als sie vom Instrumentenhersteller Critter & Guitari engagiert wurde, um deren neueste Synthesizer zu designen, zu testen und zusammenzubauen. Ela hatte genug von dem modernen Ansatz, den Laptop für Aufnahmen und Live-Auftritte zu verwenden und begab sich auf eine Mission, um mehr Einfachheit und Authentizität in die elektronische Musik ...

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... zurück zu bringen, was dieser ihrer Meinung nach fehlte. Mit ihrem zuverlässigen Akai MPC1000 als Kernstück, konzentrierte sich die Produzentin darauf, ein Instrumentarium zusammen zu stellen, das auf der Bühne perfekt nachgebildet werden kann, um bei Live-Auftritten Ideen für zukünftige Aufnahmen zu entwickeln. Ihr Debütalbum mit dem passenden Titel „Acts Of Rebellion“ verkörpert Elas eigenwillige Ideologie und intuitive Herangehensweise ans Musikmachen, die echte emotionale Resonanz vermittelt.


Ela / Ich bekam ein Stipendium, um am Berklee College Of Music Jazz-Drums und Musiksynthese zu lernen. Als ich dort war, kam mir die Vision, dass ich etwas anderes mit meinem Leben anfangen sollte, als nur Schlagzeug zu spielen. Ich bin ein großer Fan von Radiohead und Kraftwerk, liebe elektronische Musik und ging viel in Clubs. Deshalb wollte ich das Programmieren lernen und verstehen, wie man Software-Synthesizer programmiert.


Ela / Ich hasste es und hatte eine sehr seltsame Erfahrung. Von allen, die ich in dem Kurs getroffen habe, war ich die Einzige, die ihren Abschluss gemacht hat, weil alle anderen so frustriert waren und aufhörten. Ich war sehr jung und hatte noch nie zuvor studiert, aber das war eine Herausforderung für mich und ich habe diese Persönlichkeit, dass ich solche gerne bewältige. Außerdem wusste ich, dass ich einen Job außerhalb der Musik machen müsste, wenn ich abbrechen würde. Der Musiksynthesekurs war noch frustrierender, da er vollständig für Leute gedacht war, die DJs sein oder für andere produzieren wollten. Ich wollte aber einfach nur Synthese lernen.


Ela / Es ist interessant, dass du sie klinisch findest. Ich denke, das sind sie durchaus, aber mir geht es eher um die Verwendung von Melodien und Popsongstrukturen. Sie haben bestimmte Songs, deren Melodien man sich für immer merkt. Da bekomme ich leicht eine emotionale Verbindung zu. Ich mag vor allem Musik mit Melodien und Akkorden, und obwohl ich Techno und kältere Rhythmus-basierte Genres liebe, würde ich das normalerweise nie zu Hause hören. In dem Moment, als Kraftwerk in mein Leben traten, war es, als würde mir jemand eine Kombination dieser beiden Welten zeigen - wirklich technische elektronische Musik und Songwriting mit Melodien und Texten.


Ela / Ja, das ist auch mein Gefühl! Wenn ich arbeite, habe ich vier Haftnotizzettel um meine Monitore, auf denen „mute“ steht. Ich finde immer, dass das Muten von Elementen der Schlüssel zu allem ist. Man sollte es so oft wie möglich machen. Bevor ich mit diesem Soloprojekt anfing, wollte ich unbedingt hören, wie Künstler zu dieser Einfachheit zurückkehren. Es ist viel schwieriger, aber was dabei herauskommt, ist „Seele“. Man kann den Künstler tatsächlich hören. Man hört eine Menge Musik, wo diese Klangwand auf einen zurast. Es ist, als ob man auf eine Landschaft starrt, die einen ästhetischen Reiz hat, aber nicht wirklich etwas aussagt. Man kann kaum die Person dahinter hören, weil alles unter Schichten von Effekten begraben ist.


Ela / Die Einführung von Laptops, Computern und Overdubbing hat viel damit zu tun. Wenn man in den 80er-Jahren elektronische Musik machte, mussten man sie live spielen und aufnehmen können. Man konnte nicht einfach MIDI in Ableton aufnehmen, es an tausend verschiedene Synthesizer senden und sehen, welcher einem am besten gefällt. Als ich mit diesem Projekt anfing, dachte ich am meisten über diesen Aspekt nach - ich wollte elektronische Musik machen, wie sie es früher gemacht haben, als eine Band mit einem Synthesizer für Basslines, einem für Akkorde und einem für Melodien. Und ich wollte alles live spielen. Ich habe nur mehrere Spuren aufgenommen, weil ich einen breiteren Stereoklang haben wollte, aber ich habe nichts hinzugefügt oder bearbeitet und meine Sessions sind lächerlich klein.


Ela / Je mehr du etwas bearbeitest, desto mehr tötest du die Seele deiner Musik. Du kannst alles so bearbeiten, dass es schön ist, wenn du wirklich Zeit damit verbringst, aber ich frage mich, weshalb ich Musik mache und was ich sagen möchte. Ich nehme etwas auf, improvisiere und höre es mir wieder an, um zu sehen, ob ich etwas in meinem Magen spüre. Wenn ich nichts fühle, werfe ich es in den Müll, aber wenn ich etwas fühle, setze ich meinen Produzentenhut auf und frage mich, was diese Gefühle in mir weckt. Manchmal ist es wirklich deutlich, wie eine Synth-Linie oder eine Vocal-Melodie. Also treffe ich die Entscheidung, dass alles andere diesem Element dienen soll, weil es die Seele dessen ist, was ich gerade gemacht habe. Meiner Meinung nach passiert dann die Magie und man muss keine Regeln fürs Editing haben, um etwas bearbeiten zu können. Es ist wie bei der Pflege - das Gesicht ist schön, sodass man es mit Make-up betonen kann, aber man muss das Gesicht ja nicht gleich zukleistern. Beim Mischen geht es mir genauso. Menschen mischen als Kunstform, aber es gibt noch keinen Song darin. Es ist einfach nur eine tolle Mischung. Als Produzenten ist es leicht, darüber in Verwirrung zu geraten, was tatsächlich unser Job ist.


Ela / Eines der Dinge, die wir oft auslassen, sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Frauen sind emotionaler und praktischer. Es gibt weniger Scheiße [lacht]. Vielleicht liegt es daran, dass wir dazu gemacht sind, Mütter zu sein und unser Instinkt darin besteht, zu überleben und sensibler für das zu sein, was wirklich wichtig ist. Vielleicht investieren wir mehr Herzblut in die Musik und es gibt weniger Angeberei, was bei Männern, die elektronische Musik machen, durchaus üblich ist.


Ela / Es hat definitiv meine Faszination für Hardware- Synthesizer geweckt. Ich war von Laptops frustriert, weil ich zwei Jahre lang viel programmiert hatte und mein Ohr Laptops erkannte. Ich ging zu Shows und hörte den verdammten Laptop einfach bei jedem Konzert. Doch vor dem Pocket Piano konnte ich keinen Synthesizer finden, der mir Spaß machte oder mich inspirierte. Ich habe einen zum Geburtstag bekommen und dachte, das ist die Art von Synth, die ich bauen möchte.


Ela / Es ist eine winzige Firma, hinter der nur zwei Leute stehen. Sie hatten nur einen Angestellten und haben mich zusätzlich engagiert. Im ersten Jahr habe ich die Synthesizer zusammengebaut und getestet, aber wir haben alle alles gemacht und mir wurde viel beigebracht. Im zweiten Jahr habe ich ihnen geholfen, neue Synthesizer zu entwerfen und zu überdenken. Der zweite Synthesizer, den wir hergestellt haben, war der Organelle. Ich wusste, wie man Daten programmiert und war intensiv daran beteiligt, diesen Synthesizer zu entwickeln sowie diejenigen zu testen, zusammenzubauen und zu reparieren, die kaputt waren und zurückgeschickt wurden.


Ela / Ich bin mir nicht sicher, weil ich beim Musikmachen nicht an technische Dinge denke. Es ist ein sehr spielerischer und intuitiver Prozess. Ich denke, dieses Wissen ist eher hilfreich, wenn etwas schief geht, zum Beispiel beim Live-Spielen. Andererseits lässt mich dieses Wissen den Maschinen emotional wohl näher fühlen. Ähnlich wie man sich jemandem näher fühlt, wenn man ihn sehr gut kennt.


Ela / Ja, sie sind sehr anders und sprechen mich an. Ich wünschte, ich hätte mehr Vintage-Synthesizer, aber sie sind normalerweise teuer und es ist schwierig, die guten zu bekommen. Ich glaube immer noch nicht, dass die FM-Synthese seit dem Yamaha DX7 und dem DX100 besser geworden ist - das sind meine Favoriten. Ich habe den DX100 und den TX7, eine billige Modulversion des DX7.


Ela / Es ist so tief und die Synthese ist so komplex. Es steckt so viel in ihnen, aber gleichzeitig mag ich die neuen nicht wirklich. Ich habe den Elektron Digitone ausprobiert, aber das Gerät ist so komplex, dass es schwierig ist, damit musikalisch zu arbeiten. Ich benutze immer noch den DX100, aber nur die Presets. Als die Leute in den 80ern und 90ern Synthesizer verwendeten und entwickelten, dachten sie an Musik, Songs und Bands. Es ging um sofortiges Musikmachen, nicht um Sounddesign.


Ela / Ich hatte in der Vergangenheit viele Ideen, aber da ich in letzter Zeit nicht viel in dieser Branche gearbeitet habe, ist mein Gehirn möglicherweise etwas verrostet. Ich wollte schon immer mal einen Sequenzer mit lateinamerikanischen Rhythmen bauen. Einen, der so einfach zu bedienen ist wie ein europäischer Sequenzer wie der Elektron Analog Rytm, in den ich absolut verliebt bin, der aber mehr Flexibilität und Subdivisions hat, um verschiedene Polyrhythmen zu erzeugen.


Ela / Dadurch, dass ich so viel improvisiere, versuche ich, sinnbildlich mit einem weißen Blatt Papier zu beginnen und ein paar Absichten zu notieren. Doch als ich die EPs produzierte, war meine Idee nur, den Leuten, die es hören, Licht zu bringen. Für das Album war ich lange auf Tour und wollte etwas machen, das in kleinen Clubs live gespielt werden kann. Unbewusst hatte ich all diese anderen Themen und kleinen Rebellionsakte.


Ela / Das ist die logische Schlussfolgerung, ja. „Acts Of Rebellion“ war der Name eines der Songs, aber ich war sehr verwirrt darüber, woher der Titel stammt. Noch mehr als meine Musik war mein Charakter bislang sehr rebellisch und viele Dinge, die ich in meinem Leben gemacht habe, resultierten daraus, dass mir jemand gesagt hat, ich könnte sie nicht tun. Zum Beispiel, dass ich keine Laptops benutze. Es wäre für mich viel einfacher, auf diese Weise zu produzieren, aber ich mache es nicht, weil es jeder tut.


Ela / Ich habe ihn für 100 US-Dollar gekauft, als ich in Boston war, weil ich ihn reparieren und sehen wollte, wie er im Inneren funktioniert, und er hat mich nie enttäuscht. Ich benutze ihn hauptsächlich als MIDI-Sequenzer. Deshalb fungiert er als „Gehirn“. Ich nehme alle MIDI-Tracks darin auf und er sendet die MIDI-Signale an alle anderen Synthesizer. Ich mag auch den Sampling-Aspekt und verwende diesen offensichtlich auf eine recht traditionelle Weise, aber ich finde das Gerät einfach so musikalisch und intuitiv. Ich mag, dass man ihn nicht quantisieren muss und er immer den Groove unterstützt. Daher ist es so einfach, darauf zu spielen. Man kann auch die nächste Sequenz laden, während man die vorherige spielt, damit man Titel live direkt nacheinander abspielen kann. Der größte Teil meiner Musik stammt aus den Live-Shows. Ich lasse Platz für sehr kleine Sequenzen mit vier oder acht Takten und improvisiere darüber. Wenn es eine gute Nacht war, speichere ich mir die Sequenzen ab und rufe sie zu Hause wieder ab. Das ist immer der Ursprung meiner Songs.


Ela / Genau. Vor einiger Zeit habe ich mir einen Squarp Pyramid-Sequenzer besorgt, weil ich mich nach Sequenzern sehne, die eine größere Auswahl an Möglichkeiten bieten. Der Pyramid ist fantastisch, aber man kann damit nicht so leicht weiterspielen wie mit dem MPC, weswegen ich diesen umso mehr liebe.


Ela / Ich verwende nicht so viele Samples, daher basiert alles auf Synthesizern. Wenn ich live aufnehme und performe, spiele ich auf einem Keyboard, nehme die MIDI-Signale in den MPC auf und sende sie von dort an die eigentlichen Synthesizer. Abgesehen von ein paar technischen Dingen sind die Klangquellen also immer die Synthesizer und nicht die Samples. Beispielsweise habe ich momentan keinen polyphonen Synthesizer in meinem Live-Set, habe den Roland Juno-60 jedoch zu Hause. Ich nehme diesen in den MPC auf und diese Sounds basieren dann auf Samples.


Ela / Der Elektron Analog Rytm ist der einzige Drumcomputer, den ich jemals besessen habe, und ich verwende ihn immer noch für alles. Ich lade manchmal Sample-Packs herunter, um neue Sounds zu erzeugen, aber ich liebe den Sequenzer auf dem Rytm. Als Schlagzeugerin fand ich das so befreiend. Ich konnte alles programmieren, was ich will, und jeder einzelne Schritt auf dem Sequenzer kann angepasst und automatisiert werden, was ihn extrem musikalisch klingen lässt. Alle meine Beats sind extrem einfach. Ich mag es, mit Kick, Snare und Hi-Hat etwas wirklich Minimalistisches zu kreieren. Obwohl der Rytm keine Sample-basierte Maschine ist, kann man Samples hinzufügen und er ist außerdem ein Synthesizer. Ich liebe diese One-Note-Per-Function-Sache. Das Gerät ist so konzipiert, dass es eine Synthesizer-Maschine für Kicks, eine andere für Snares und eine andere für Hi-Hats hat. Ich finde, ich kann eine Kick mit Synthese erzeugen, weil ich alles zur Verfügung habe, um den gewünschten Sound zu kreieren.


Ela / Mein Eurorack-Setup besteht einfach aus einem Make Noise-Delay. Ansonsten verwende ich viele Effekte Gitarrenpedale. Insbesondere den Strymon BlueSky Reverb, der wirklich cool ist, weil er einen Federhall und einen Shimmer-Effekt hat. Ich habe auch ein Plug-in von Soundtoys namens MicroShift gefunden, mit dem alles sehr breit klingt, besonders wenn ich eine Synth-Line mit viel Attack durch den Spring Reverb aufnehme.


Ela / Als ich dieses Projekt begann, hatte ich nur den MPC, den Analog Rytm, das Pocket Piano und den Moog Minitaur. Es ist wichtig, den Minitaur zu erwähnen, da der ganze Bass aus ihm kommt. Dann gab es von Moog den Sirin, da ich wie verrückt auf sie eingeredet hatte, so etwas wie den Minitaur für höhere Oktaven zu machen. Weil sie analog sind und dieselbe Engine haben, denke ich, dass sie gut zusammenpassen, und das war der Schlüssel für dieses Album, weil es die Dinge noch einfacher gemacht hat. Ich habe im Wesentlichen dieselbe Notenfolge an beide gesendet und konnte sie in verschiedenen Oktaven verdoppeln.


Ela / Das ist eine Frage, die ich mir auch gestellt habe, weil ich jetzt wirklich ein zweites Album machen möchte. Sobald die Platte veröffentlicht ist, schalte ich mein Telefon aus und arbeite daran. Ich habe momentan kein neues Equipment. Letzte Woche habe ich eine Weile auf meine Synthesizer gestarrt und darüber nachgedacht, aber es ist schwierig, Entscheidungen zu treffen, bevor ich angefangen habe zu schreiben. Für mich ist das Wichtigste eher die Emotion als das eigentliche Schreiben, daher ist alles andere zweitrangig. Meine Vorstellung ist, dass ich gerne ein völlig anderes Album mit denselben Maschinen machen würde. Das würde sich wie eine große Leistung anfühlen, weil ich diejenige bin, die die Musik macht. Daher geht es nicht um das Equipment.


Ela / Es wird bestimmt einen solchen Tag geben, aber ich weiß nicht, ob ich das alleine machen möchte. Ich denke, es wird einen Punkt geben, an dem es interessant sein wird, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die mir gefallen und die mir etwas über Software beibringen können. Ich lerne schon so viel aus Gesprächen mit bestimmten Musikern, die ich bei Shows treffe. Ich möchte wirklich nicht als Hardware-Synth-Künstlerin bekannt sein, sondern einfach als Künstlerin. Punkt. Noch mal, es geht darum, das zu verwenden, was der Musik am besten dient.


Ela / Wie bereits erwähnt, beginne ich normalerweise mit dem Improvisieren zu den Loops, mit denen ich nach den Live-Shows nach Hause komme. Dann fange ich im Studio an zu performen, als würde ich live spielen, und mache einen Stereomitschnitt, um eine Aufnahme davon zu haben. Manchmal höre ich eine Melodie in meinem Kopf und beginne zu singen, was immer ich höre, und versuche, diese zu behalten, auch wenn sie albern ist.


Ela / Ich versuche so ehrlich wie möglich zu sein. Je mehr du über Dinge nachdenkst, desto mehr wird das Ego involviert. Deshalb versuche ich, den Prozess wirklich schnell zu gestalten und mich auf die ersten Ideen einzulassen, egal ob mein Ego sagt, dass etwas gut oder schlecht ist. Bei den Texten nehme ich normalerweise den ersten Satz, das erste Wort oder den ersten Satz und beginne, ihn zu wiederholen und damit zu improvisieren. Es funktioniert nicht immer, aber es hilft mir, an der Form des Songs zu arbeiten, und dann setze ich mich hin und schreibe den Rest basierend auf diesen anfänglichen Ideen oder was auch immer ich dachte zu meinen.


Ela / Wie viele von uns habe ich in Bezug auf das Internet Phasen der Liebe und des Hasses durchlaufen. Es war fantastisch, bevor es zu diesem riesigen Ding wurde, und ich erinnere mich, dass ich Bücher von MIT-Programmierern gelesen habe, in denen erklärt wurde, wie es dazu kam und wie die Cyberpunks davon träumten, das Internet sei eine Utopie ohne Kapitalismus. Was wir jetzt haben, ist das genaue Gegenteil. Alles, was wir tun, wird von Unternehmen vermittelt, einschließlich unserer Bankkonten und Kommunikation – das ist doch die Definition einer kapitalistischen Gesellschaft. Zuerst dachte ich, das ist verdammt scheiße. Aber es ist auch irgendwie schön, weil alles aufs Internet konzentriert ist. Und wenn wir unsere Handys ausschalten, bleibt uns die Utopie, weil uns niemand mehr etwas verkauft oder vermittelt. Daher wollte ich sagen, lass sie ruhig das Internet haben und wir können dafür das wirkliche Leben haben.


Ela / Ich liebe das Technologie-Konzept ganz eindeutig, aber ich bin gegen die Art und Weise, wie wir es verwenden. Ich habe ein Buch mit dem Titel „What Technology Wants“ gelesen und erinnere mich, wie ich darüber nachdachte, dass Menschen seit Ewigkeiten von menschlichen Beziehungen und Geselligkeit besessen sind. Klatsch und Tratsch sind ein großer Teil der menschlichen Evolution. Was mir nicht wirklich gefällt, ist, wie wir all diese Technologien nutzen, um Kontakte zu knüpfen. Wir sind besessen davon, „Freunde“ zu finden, was aber eigentlich in unserem physischen Leben geschehen sollte. Es ist daher ein bisschen ärgerlich, dass wir, was das anbelangt, eher Meerschweinchen sind.


Ela / Ich bin optimistisch, dass die Branche wieder auf die Beine kommt, aber ich hoffe wirklich, dass sie nicht einfach wieder „normal“ wird. Mein Tourplan war so intensiv, dass ich ehrlich gesagt, glaube, ich habe fünf Jahre meines Lebens gewonnen, indem ich ein Jahr lang nicht auf Tour war. Wenn es eine Sache gibt, von der ich hoffe, dass wir sie aus der Krise lernen, dann, dass sich die Dinge jederzeit ändern können.


Ela / Das Konzept, drei Jahre hintereinander auf Tour zu gehen, ist verrückt. Deshalb werden alle Musiker depressiv und drogenabhängig. Wenn mehr Leute Zeit im Studio verbringen würden, würden bessere Aufnahmen herauskommen, die das Potenzial haben, so viel Geld wie Mainstream-Musik zu verdienen. Vielleicht würde der Luxus, sechs Monate im Studio zu verbringen, Künstlern wie uns die Möglichkeit geben, sich zu behaupten, und die Definition von Mainstream-Musik wäre dann weiter gefasst.


Ela / Ich würde gerne kleinere Shows spielen. Wenn man auf Festivals spielt, ist der Sound so groß und die PA so weit entfernt, dass man die Musik nicht einmal fühlen kann. Wenn man mit In-Ears spielt, könnte man genauso gut mit Kopfhörern im Studio sein! Ich bin eine sehr physische Performerin und die Interaktion mit dem Publikum ändert sich, wenn ich den Menschen in die Augen sehen und auf sie reagieren kann. Ich denke auch, dass alle eine bessere Zeit haben, wenn das passiert.

www.facebook.com/elaminusBeat

Elas essenzielles Equipment:

• Yamaha DX100 / „Ich liebe den Sound dieses 1985er FM-Synthesizers. Er ist extrem limitiert, was ich aber mag. Ich finde immer einen Sound, der perfekt passt.“
• Roland Juno-60 / „Es ist der einzige ‚Realsize- Synth’, den ich besitze. Obwohl es einen sehr charakteristischen Klang hat, ist er sehr flexibel, sobald man ihn kennengelernt hat. Ich lebe im Grunde in einer Cloud mit einem Arp vom Juno.“
• Moog Sirin / „Der Moog Minitaur ist seit Jahren mein Bass-Synthesizer, aber ich habe immer davon geträumt den gleichen Synthesizer auch in höheren Oktaven zur Verfügung zu haben, damit ich ihn auch für Melodien verwenden kann. Der Sirin ist buchstäblich ein wahr gewordener Traum.“
• OTO Biscuit / „Das ist eine sehr interessante Maschine, weil sie allem so viel Tiefe verleiht. Ich liebe es, Synthesizer zu verstimmen, Drum-Maschinen mit dem Bitcrusher zu bearbeiten und den Filter für einfach alles zu verwenden!”
• Elektron Analog Rytm / „Ich liebe diesen Drumcomputer. Die Kombination aus analoger Synthese, Sampler und Sequenzer ist musikalisch gesehen wirklich großartig.”