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Studio Insights: Flux Pavilion »Es geht ums Gefühl!«


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 06.02.2019

Joshua Steele wird regelmäßig als eine der treibenden Kräfte genannt, die den Dubstep in den Mainstream gebracht haben. Danny Turner fand ihn dort, wo er es am bequemsten findet – begraben unter einem Berg von Equipment.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 3/2019

Joshuas essenzielle Tools

Neve 33609 Mix Bus-Kompressor:
„Es ist ein wunderschönes Gerät, das seine Aufgabe sehr gut meistert.“

Polymath Custom Preamps:
„Ein erstaunliches Tool. Wird bei mir bleiben, bis ich sterbe.“

Moog Model D:
„Der Bass ist unwirklich. Ich bin mit Low-End vertraut und Wärme ist etwas, das schwer fassbar sein kann. Bei Moog kann man es kaufen.“

Prophet-6:
„Ich liebe ...

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Prophet-6:
„Ich liebe eine gute Sägewelle und diese sind die besten. Die Filter sind der Wahnsinn, um etwas in Szene zu setzen.“

T-Rex-Replikator:
„Es ist ein prima Tape-Delay. Meine Art von Ausrüstung. Es kann auch weird werden, wenn man es möchte.“

Bricasti M7:
„Du weißt nicht, wie gut dieses Ding ist, bis du mit einem gelebt hast.“

Fender Strat:
„Ein Arbeitstier von Gitarre, das aus gutem Grund neben mir lebt.“

Modulares Setup:
„Dieses Ding ist wie eine Muse für den elektronischen Künstler. Ich beginne heutzutage die Hälfte meiner Songs damit.“

Adam S3X-H:
„Sie haben mein Leben und meine Musik wirklich verändert.“

OP-1:
„Das ist mein Studio für unterwegs. Es fühlt sich an, als hätte ich eine Konversation, wenn ich damit herumspiele.“

Joshua Steeles Projekt Flux Pavilion befindet sich am kommerziellen Ende des Dubstep/ Drum’n’Bass-Spektrums. Schon zwei Jahre, nachdem er begann, seine eigene Musik zu produzieren, rollten Tracks wie „I Can’t Stop“, „Bass Cannon“ oder „Superbad“ die Dance-Charts auf. Mit seinem Hit „Daydreamer“ schaffte er es dann sogar in die Top 40. Als DJ hatte er schnell weltweit Erfolg und mischte während seiner jüngsten „Around The Word In 80 Raves“-Tour vielerorts die Tanzflächen auf.
Als Produzent und Mitbegründer von Circus Records – zusammen mit seinem Kindheitsfreund und Mitarbeiter Doctor P – ist Steele Substanz wichtiger als der Stil. Und das trotz seiner bunten Haare und seiner grenzenlosen Neugier in Bezug auf Equipment. Er sperrt sich gerne stundenlang in seinem Kellerstudio ein, das bis oben hin voll mit Geräten ist, und glaubt daran, dass Spontaneität der Schlüssel zu einem guten Track ist.

Beat / Alles begann bei dir mit dem Kauf eines Keyboards im Alter von sechs Jahren, oder?
Joshua / Ja, und ich habe es gestern erst erneut über Ebay gekauft. Es ist ein Casio SA5. Als ich etwas größer war, bin ich ins Early Learning Center gegangen, damit ich darauf spielen lernte. Mein Opa spielte Gitarre in der Band Johnny Christmas & The Sunspots und ich bin mit Frank Zappa, Roxy Music, The Stranglers und The Clash aufgewachsen. Wann immer Musik gespielt wurde, waren meine Eltern glücklich und euphorisch. Daher bekam ich das Gefühl vermittelt, dass das wichtig ist.

Beat / Was war der nächste Schritt?
Joshua / Ich bekam das CA5 und eine Akustikgitarre und fing an, Beethovens 9. zu spielen. Durch das Trinkgeld konnte ich mir eine Geige kaufen, da ich ohne Geld aufgewachsen bin. Als ich Tabs entdeckte, begann ich, System Of A Down und Nirvana nachzuspielen. Als ich 13 Jahre alt war, traf ich Doctor P, meinem Labelpartner. Wir spielten zusammen all diese Songs, die ich gelernt hatte, und ich habe auf Deviant Art Gedichte herausgesucht, die wir als Texte verwendet haben.

Beat / Wie hat sich das hin zu elektronischer Musik entwickelt?
Joshua / Ich wurde Schlagzeuger und Doctor P hatte Cool Edit Pro, das jetzt Adobe Audition heißt. Ich fing auch an, mit Reason zu arbeiten und habe Open Mic-Abende veranstaltet. Ich habe meine eigenen Sachen aufgenommen und dabei erstmals Elektronik verwendet, um meine Songs mit Loops zu ergänzen. Ich war begeistert von The Prodigy, Fatboy Slim, Mr. Scruff und Ninja Tune. Als ich Sample-Packs entdeckt habe, wurde mir klar, dass ich nicht mal ein Instrument spielen muss. Ich konnte einfach in Reason Tracks mit dem Sampler erstellen. Am College habe ich dann mehr über Aufnahmen gelernt sowie modale Systeme und Skalen – also theoretisches Material. Dann kamen die Gorillaz und mir wurde klar, dass ich genau das machen wollte – diese merkwürdige Hybrid-Sache.

Von Massive Attack zu Squarepusher

Beat / Was hat dir dabei noch Orientierung gegeben?
Joshua / Ich habe eine Szene aus dem Film „Snatch“ gesehen, in der Brad Pitts Mutter in einer Karawane verbrennt. Es lief dazu „Angel“ von Massive Attack und ich fand es toll, wie sie diese Elemente miteinander verbanden. Das war es, was ich wollte: Große, epische, emotionale Sachen für Film oder Tanz schreiben. An der Universität hörte ich erstmals Dubstep und spielte einige DJ-Gigs auf Partys. Das war der Zeitpunkt, als ich mit Flux Pavilion begann. Squarepusher war damals alles für mich. Er machte Geräusche, von denen ich zuvor nicht wusste, dass es sie gab. All diese Drum-Edits, Polyrhythmen und wie er seinen Bass benutzt. Er schaffte es, dass sich etwas Unnatürliches unglaublich natürlich anfühlt.

Beat / Hast du versucht, das nachzuahmen?
Joshua / Ich habe es versucht. Es gibt überall VSTs, die jetzt LoopMash, Stutter und Glitch FX heißen. Sie automatisieren diese Effekte für dich. Es war eigentlich viel uninteressanter als ich dachte, also ließ ich wieder davon ab. Aber einige Künstler wie Tim Exile erstellen Werkzeuge mit tiefgreifender Funktionalität in Max/MSP oder Reaktor, die es dir ermöglichen, das Zeug organisch zu kreieren.

Beat / Du hast dich in den letzten Jahren von Software zu Hardware-Synthesizern bewegt …
Joshua / Ich mag Polysynths und entschied, dass ich den Prophet 6 und den OB-6 in meinem Leben brauchte. Moogs interessierten mich nicht so. Erst als sie neu aufgelegt wurden und ich auf Moogs Model D stieß. Zuvor hatte ich meine Basslines immer gedoppelt und hatte eine dedizierte Subspur, damit ich die Subs extra mischen konnte. Ich habe alles unter 200 Hz abgeschnitten und in Massive ein Sub-Patch erstellt, damit ich die volle Kontrolle darüber habe. Aber seit ich Model D für den Hauptbass verwende, muss ich keine Sub-Spur mehr hinzufügen. Der Moog klingt wunderschön und ist viel fetter und wärmer, sodass ich ihn jetzt bei allen meinen Sachen benutze.

Beat / Was genau zeichnet den Moog aus, sodass keine Post Production mehr nötig ist?
Joshua / Ich denke, man könnte im Rechner vielleicht dasselbe Ergebnis erzielen, aber man braucht dazu etwas Glück. Ich passe das Low End des Moogs an, indem ich mit den Filter-Cutoff- und Distortion- Pegeln spiele, bis ich einen guten Sound gefunden habe. Man kann einen unglaublich gut abgestimmten Klang bekommen.

Beat / Fällt das Mellotron in dieselbe Kategorie?
Joshua / Um Akkorde zu verdoppeln, verwendete ich immer das Kontakt Mellotron-Sample. Dann dachte ich darüber nach, das Original zu bekommen, bis ich merkte, dass es mein ganzes Leben än-dern würde, es zu verwenden. Später stieß ich auf den M4000D, der alle Sounds vom Original und noch mehr hat. Man kann sie zusammenmischen, die Oktaven, den Ton und die Stimmung ändern. Es ist, als hätte man alle Sample-Packs des Mellotrons direkt vor sich.

Beat / Am Ende des Tages sind sie alle Sample-basiert. Weshalb sollte die Hardware überlegen sein?
Joshua / Es stammt von Mellotron. Ich schätze, sie würden sagen, dass es genau so klingt, wie sie es wollen. Sample-Packs erledigen einen guten Job, aber ich schicke die MIDI-Signale auch durch meinen Bricasti-Reverb. Der Sound ist ähnlich wie das, was man mit den Plugins von Native Instruments machen kann. Es gibt dem Sound einfach eine organische Qualität. Der Roland Super JV-1080 ist ebenfalls ein recht einfacher Old School-Sampler, der die klassischen Flöten, Orgeln und Plinky Plonk-Klänge hat, die sich so viel realer anfühlen.

Faszination SSL

Beat / Routest du deine gesamte Hardware durch Outboard-Equipment?
Joshua / Alle meine Synthies gehen in das SSL XLogic Superanalogue X-Pult. Es hat keinen Schnickschnack, aber eine SSL-Schaltung. Ich möchte kein vierspuriges Behringer-artiges Gerät und ein Modell D hindurch jagen, da dein Setup nur so gut ist wie das schwächste Glied in der Kette. Man kann schöne Kompressoren haben, aber was soll das Ganze, wenn es dann wieder durch etwas Billiges geht? Es geht dabei um Interpretation. Ein Sound ist die Interpretation meiner SSL, meiner Soundkarte und meiner DAW. Anschließend auch jene meiner Lautsprecher und meiner Ohren. Wenn man jedes Element so gut wie möglich gestalten kann, erhält man den besten Klang.

Beat / Die SSL hat einen sehr guten Ruf …
Joshua / Ich wollte schon lange eine SSL irgendwo in der Studiokette, weil ich den Sound liebe. Ich erinnere mich an eine Zusammenarbeit mit The Prodigy für ihr Album, als ich noch an meinem Laptop an den Parts gearbeitet habe. Ich habe sie an Liam Howlett zurückgeschickt, der alles durch eine SSL jagte. Ich habe mich in diesen Sound verliebt. Seitdem wollte ich auch eine in meiner Kette haben und arbeite nun fast komplett außerhalb des Rechners. Ich verwende zwar Saiten- und Orgelklänge aus dem Rechner, aber Outboard-Equipment hat mich völlig von der Verwendung von Sample-Packs abgebracht.

Beat / Für dich ist es also umso besser, je weniger Postproduktion du in der DAW machen musst?
Joshua / Wenn ich eine tolle Melodielinie im Rechner entwickele, muss ich davon ausgehen, dass es noch allerlei Effekten, Sidechain-Bearbeitung und Kompression bedarf. Man muss so viel mehr tun beim Arbeiten im Rechner, was ich mir mit der Hardware alles erspare.

Beat / Hat das den Klang deiner Musik verändert?
Joshua / Es gibt meinen Songs ein organisches Element, denn die Produktionsmittel sind heute sehr praktisch, aber auch unglaublich überstrapaziert. Bei Musik geht es ums Gefühl und darum, was ein Song vermittelt, wenn man ihn hört. Wenn man etwas schreibt und die Signale dann erstmal mit EQ und Kompressor bearbeitet, verliert man jenes Element, das das Gefühl und den Klang ausmacht. Wenn du zum Beispiel einen Gesang in einem Take aufnimmst, ist dies die ehrlichste Darbietung dieses Sängers, die du bekommen kannst. Ich habe das Gefühl, dass man bei einer Produktion mit der Zeit diese Essenz verliert. Heutzutage glaube ich mehr an meine Sounds, da sie von meinen Fingern statt von einem Computer stammen. Ich würde nicht sagen, dass Hardware auf jeden Fall besser ist als Software, aber ich würde sagen, dass meine Musik jetzt ehrlicher und realer ist.

Beat / Wie ist das bei einem Keyboard-Controller mit einem Soft-Synth? Das scheint doch nur ein kleiner Unterschied zu sein, oder?
Joshua / Konzeptionell gibt es keinen Unterschied, aber meine Musik ist meine Erfahrung. Das Arbeiten mit Hardware hat meine Erfahrung verändert und mir mehr Spaß gemacht – und das hat einen Effekt. Man kann ein Model D-VST nehmen und es klingt mehr oder weniger genau so, aber ich fühle mich lebendiger, wenn ich diese Art von echtem Instrument spiele. Dieses Gefühl, lebendig zu sein, ist hörbar. Und genau das macht den Unterschied zwischen guter und schlechter Musik aus. Die Leute verbringen zu viel Zeit damit, Tutorials anzusehen, wie man dieses oder jenes macht. Aber man kann ein echtes, ehrliches Stück Musik aufnehmen, indem man einfach nur in ein Tonbandgerät singt. Diese Einstellung lässt mich zur Hardware greifen, weil ich das Gefühl habe, etwas Reales einzufangen, statt zu versuchen, etwas nachzuahmen.

Beat / Wäre das Aufnehmen von Vocals direkt in ein Gerät demnach der schnellste Weg für dich, exakt den Ton zu bekommen, den du brauchst?
Joshua / Ich habe das erst kürzlich auf einer großen Dance-Platte so gemacht. Beim Intro hatte ich eine Idee für eine Leadline – ein Portamento-artiger Sound. Ich habe es gesungen und aufgenommen, damit ich die Idee nicht verliere. Aber mir wurde klar, … das ist es, … es klingt genau wie das, was ich will. Wenn ich es nun wieder abspiele, kann ich hören, dass ich es bin, aber ich mag die Idee, dass alle anderen glauben, es könnte ein Synth sein. Dadurch, dass ich mein Mikrofon ständig aufgebaut und all diesen Kram um mich herum habe, war es mir möglich, das innerhalb von 15 Sekunden aufzunehmen. Solche Dinge zu tun, ist in jedem Fall wichtiger als gut am Kompressor zu sein und zu wissen, was ein Limiter ist.

Abseits der Norm

Beat / Triffst du oft kreative Entscheidungen, die deutlich vom Produktionsstandard abweichen?
Joshua / Die Leute haben mich immer wieder nach meinem Track „Bass Cannon“ gefragt und wollten wissen, wie ich es geschafft habe, dass der Mix so laut klingt. Meine Antwort war, ich habe einfach das Master aufgedreht. Ich schickte es an einen Mastering Engineer und es war schon komplett im roten Bereich und clippte. Er sagte, er könne damit nichts mehr machen. Also sagte ich, cool, dann veröffentlichen wir es, wie es ist. Cubase verfügt ohnehin über ein integriertes Limiting. Ein Track kann verzerrt sein, aber man wird am Ende im Club nicht diese lästigen Clipping-Sounds hören. Wenn ich nun also etwas sehr laut haben möchte, drehe ich es einfach lauter, statt darüber nachzudenken, wie ich im Mix mehr Platz schaffen kann. Solange es sich richtig anfühlt und nicht schrecklich klingt, ist es richtig.

Beat / Was macht dann der Mastering Engineer überhaupt noch?
Joshua / Im Allgemeinen zähmt er es noch ein bisschen mit dem Limiter, aber ich mastere meine Sachen grundsätzlich selbst. Ich habe den Sound, den ich will, und wenn sie es noch besser machen können, werden sie das tun. Beau Thomas von 1087 hat alle meine großen Tracks wie „Bass Cannon“ und „I Can‘t Stop“ gemastert. Als ich bei einem Major unter Vertrag war, hatte ich die Situation, dass ich Stems an einen mit einem Grammy-Preis ausgezeichneten Mixing-Engineer schickte. Er sandte sie mir zurück und meinte, meine Versionen seien bereits besser als das, was er herausholen könne. Nicht technisch gesehen, aber es hörte sich so an, wie der Song klingen soll. Von da an folgte ich meinem Bauchgefühl. Ich mag das Chaos, meine Projekte wurden als Jenga beschrieben – als stünden sie kurz vor dem Einsturz. Schau sie dir besser nicht an, bounce sie einfach und schick den Track ab. Aber diese Adam S3X-H-Monitore haben mir sehr geholfen. Sie zeigten mir einen Teil des Klangspektrums, den ich noch nie zuvor gehört hatte.

Beat / Was befindet sich noch in deinem Outboard-Rack?
Joshua / Die Lynx Aurora 16-Soundkarte verfügt über großartige AD/DA-Wandler und klingt sehr gut. Der Gallien-Krueger ist ein Bass Amp-Topteil, das extrem gut klingt. Ich habe auch ein paar Preamp-Pedale. Wenn ich also eine Bassgitarre aufnehmen möchte, gehe ich durch diese hindurch in den Amp, der über einen eigenen Eingang in die Soundkarte verfügt. Manchmal weiß ich nicht wirklich, was ich will. Dann ist es interessanter und intuitiver, den Bass auf einem Keyboard auszuarbeiten als auf einem richtigen Bass. Ich habe nie wirklich Ideen für Sounds, aber ich habe Ideen für Songs. Ich weiß nicht, aus welchen einzelnen Parts dieser Song bestehen könnte, aber das gesamte Studio ist dafür vorbereitet, wenn ein Moment von mir Besitz ergreift.

Beat / Welche deiner Gitarren bevorzugst du?
Joshua / Ich mag den Whammy an dieser Gretsch sehr. Sie ist großartig für Akkorde. Ich wollte schon immer eine surfblaue amerikanische Fender Stratocaster haben. Außerdem habe ich einen handgefertigten Standard Rickenbacker-Bass, einen Fender Precision-Bass und eine Gibson Limited Edition Black Beauty-Gitarre, die ich verkaufen werde, weil sie gut für Riffs ist, ich sie aber nur einmal benutzt habe. Meine Lieblingsgitarre ist die Cracked Mirror Schecter. Ich denke, es ist die Custom-Gitarre des Gitarristen von Avenged Sevenfold.

Beat / Du hast auch einige interessante elektronische Geräte wie das Browning Audio Polymath.
Joshua / Es gibt nur vier davon, und ich hatte diese beiden für mich machen lassen. Sie stammen von einem Kerl namens Robin Browning und wir haben neue Schaltungen mit alten Teilen hergestellt. Sie bestehen aus einem LA- 2A Verstärker, einem Urei 1176-Kompressor und dem Pultec-EQ. Es sind beide Geräte mono, daher habe ich das Paar für den Fall, dass ich sie als Mix-Bus verwenden möchte. Aber meist stecke ich mein Neumann U87 ein und benutze sie als Mikrofonverstärker, weil sie supercool sind.

Beat / Nimmst du hier immer Vocals auf, wenn du kannst?
Joshua / Es kommt drauf an. Ich habe gerade ein Album mit den Rappern Too Many T‘s produziert und der einfachste Weg, meine Gesangsproduktion zu beschreiben, ist der Begriff Method Recording. Angenommen, der Gesang sollte punkig sein, dann habe ich meine Lederjacke angezogen, bin herumgelaufen und habe Dinge wie „verdammt, komm schon!“ gebrüllt. Damit hatten die Jungs zu kämpfen. Ich wollte sie als die Charaktere aufnehmen, die sie darzustellen versuchen. Es ist besser, das hier zu tun, wo wir einen Whisky trinken und sie in die richtige Stimmung bringen können.

Beat / Du hast noch ein paar andere spannend aussehende Geräte hier stehen …
Joshua / Ich habe dieses Ding namens Replicator Tape Echo/Delay von T-Rex. Es ist großartig, wenn man an einem Song arbeitet und möchte, dass ein Gesangsfragment als Echo in den Song hineinläuft. Die Delays im Rechner sind schon ziemlich cool, aber das hier ist einfach nur wild. Es hat zwei Aufnahmeköpfe, zwischen denen man wechseln kann, oder man kann sie beide gleichzeitig verwenden. Wenn ich auf Tournee gehe, nehme ich keinerlei Produktionssachen mit, aber ich packe mir immer einen Teenage Engineering OP-1 in den Rucksack und zeichne Skizzen mit seinem vierspurigen Sequenzer auf. Ich habe auch neun der Teenage Engineering Pocket Operators. Dieser hier ist für Drums. Man kann einen Loop setzen, mit den Sounds herumspielen und verschiedene Effekte aufnehmen. Diese Dinge ermöglichen es einem, an allen möglichen Sachen zu arbeiten, sie zu speichern und eines Tages wird es irgendwo in einem Track einen Platz dafür geben.


» Es fühlt sich an, als würde ich etwas Reales einfangen, statt es nachzuahmen. «


Auf dem Modular-Pfad

Beat / Du hast auch angefangen, mit Modular- Technik zu arbeiten …
Joshua / Es ist meine neue Liebe, aber es ist schwierig, über jedes einzelne Element zu sprechen. Ich habe dieses Eurorack Waldorf kb37 Stereo- Setup. Das Tolle daran ist, dass man all diese Bedienelemente und CV-Ausgänge hat. Statt zu versuchen, herauszufinden, wie ich mit meinem Keyboard etwas ansprechen kann, das Pitchbend interpretieren und in ein CV-Signal verwandeln kann, hat das Waldorf-Rack alles direkt integriert und man kann sofort loslegen. Ich habe auch ein anderes Eurorack-System und mag den technischen Aspekt, wenn man ohne Keyboard herumfummelt.

Beat / Welche Module bevorzugst du für das Standalone-Eurorack-System?
Joshua / Clouds von Mutable Instruments ist ein großartiges granulares Textur-Modul und auch Pressure Points von Make Noise erzeugt schnell coole Geräusche. Ich setze mich aber nicht ans Modular-System und versuche, etwas zu schreiben, das in einen Song passt. Stattdessen spiele ich während einer Modular-Sitzung daran herum, bis etwas eine Idee auslöst. Diese sample ich und kreiere einen Beat. Einige Leute erstellen generative Patches und machen daraus ein achtminütiges Ambient-Stück, aber das ist nicht das, was ich suche. Ich möchte etwas Interessanteres machen. Mutable Instruments haben einen Sampler namens Marbles, der als wirklich cooler Zufallsgenerator fungiert. Ich habe einen Wobble Bass- Patch erstellt und darüber einen Schlagzeug-Beat gespielt, was nur ein Beispiel dafür ist, wie ich aus abnormalem Ausgangsmaterial etwas extrahieren kann. Wenn ich ein Gerät empfehlen sollte, wäre es der halbmodulare 0-COAST Synth von Make Noise, da er wirklich interessante und intuitive Sounds erzeugt.

Beat / Wie programmierst du heutzutage Beats?
Joshua / Früher habe ich ein Bassdrum-Sample, eine Snare und eine Hi-Hat genommen und versucht, einen Groove daraus zu machen. Aber ich hatte immer den Eindruck, dass das so lange dauert. Wenn ich heute einen Beat brauche, öffne ich Battery, wähle zufällig ein Kit und nehme etwas auf meinem Akai MPD218 auf. Anschließend füge ich noch kleine Stücke hinzu. So kann ich nun viel schneller Beats machen.

Beat / Du erwähntest Battery. Gibt es noch andere Software, die für dich wichtig ist?
Joshua / Ich benutze den FabFilter-Hall für fast alles. Ansonsten benutze ich gerne iZotope Ozone in meiner Mastering-Kette, weil ich den Stereo-Widener und den Multiband-Exciter mag. Ich weiß nicht, ob du die Goodhertz-Plugins gesehen hast, aber Wow Control ist großartig und der Vulf Compressor ist wirklich gut für Drums. Wenn du ein Projekt von mir geöffnet hast, das beispielsweise 100 Spuren enthält, wird auf 40 davon der CLA Vocals Plugin-Widener sein. Aber ich habe versucht, ihn nicht mehr zu oft zu verwenden, weil es zur Gewohnheit geworden ist. Mit CamelCrusher war es genauso. Ich hatte ihn auf fast jedem Kanal.

Beat / Deine Musik klingt oft stark von Computerspielen beeinflusst. Stimmt diese Beobachtung?
Joshua / Ich habe es nie erwähnt, aber das Thema des Sega Mega Drive-Spiels „Phantasy Star III“ hat meine Kompositionen wahrscheinlich stärker beeinflusst als alles andere. Ich mag das Spiel nicht, aber ich höre mir das Thema gerne an und spiele dann „Sonic The Hedgehog“. Viele meiner Freunde arbeiten auf Trackern und verwenden immer noch die alte Super Nintendo-Software, um ihre Musik zu schreiben. Ich habe mich nie ganz damit befasst, aber Squarepusher, Luke Vibert und Tim Exile verwenden Tracker-Sachen und es weckt definitiv mein Interesse.

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