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Studio-Insights: Matador: Puristischer Equipment-Nerd


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

Mit seinen explosiven Live-Shows und verdrehten Techno-Soundscapes hat Gavin Lynch (alias Matador) wahrlich einen unverwechselbaren Stil. Danny Turner bewunderte die beneidenswerte Equipmentsammlung des DJs und Produzenten in seinem Studio in Irland.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 7/2019

Trotz eines Jahrzehnts voller DJ-Gigs und bereits einer Handvoll Releases versuchte Gavin Lynch immer noch, sich einen Namen zu machen, als Richie Hawtin einst aufschlug, um ihn im Dubliner Club Redbox spielen zu sehen. Nach einem kurzen Gespräch war die Anweisung der Techno-Legende klar: „Schreib mir ein paar Demos!“ Größer hätte der Ansporn nicht sein ...

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... können. Lynch legte sich ins Zeug, unterschrieb bei Hawtins M-nus-Label und sollte dies bis heute nie bereuen.

In der jüngeren Vergangenheit hat Lynch sein eigenes Label Rukus gegründet, um die Kontrolle über seine Tracks von der Konzeption bis zur Veröffentlichung zu haben und neue Künstler zu unterstützen. Sein umfangreicher Tourplan mit Matador hat ihm eine solide Basis als DJ geschaffen und geht einher mit einem permanent wachsenden Katalog an Techno-Releases wie dem spacigen Debütalbum „Ructions“ aus dem Jahr 2016. Mit seiner kommenden „Cyclone“-Serie verspricht Lynch einen pulsierenden neuen Club-Sound, gefolgt von einer brandneuen, hardwareorientierten Live-Show.

Beat / Vermutlich warst du schon lange, bevor du mit dem Produzieren begonnen hast DJ, oder?
Gavin / Ich war schon acht oder neun Jahre als DJ aktiv, als ich mich als Tontechniker an einer Schule einschrieb. Es war die übliche Geschichte. Als ich 15 war, bekam ich ein Plattenspieler-Set, eine Handvoll Platten und lernte, sie ineinander zu mischen. Ich reiste nach Dublin und kaufte mir weitere Platten, aber es nervte mich, dass ich nicht genug Scheiben aus einem Genre hatte. Wie die meisten Produzenten zwang mich das ins Studio, um selbst das zu kreieren, was ich hören wollte. Ich war auf dunkle Beats aus. Ein technischer Sci-Fi-Sound mit interessanten Synthies, Drive und Melodien. Es sollte nicht seelenlos sein.

Beat / Wie hast du dein Studio aufgebaut?
Gavin / Das Erste, was mich interessierte, war Reason 2.0. Später habe ich mich mit Cubase SX und Rewire befasst und mir alles selbst beigebracht. Der College-Kurs, den ich besuchte, befasste sich nicht mit Ableton und ich wusste, dass ich an der Live-/ DJ-Front mitmischen wollte. Bei der Software waren natürlich viele VSTs und Plug-ins dabei, aber mich hat vor allem Hardware immer sehr interessiert. Ich erinnere mich noch, als ich das erste Mal einen Roland SH-101 in die Finger bekam, welcher dem Leiter der Schule gehörte. Les Stapleton, so sein Name, kristallisierte sich dann letztendlich auch als einer meiner Mentoren heraus.

Beat / Was hast du von Les gelernt?
Gavin / Er war ein großer Synthie-Fanatiker. Es war ein Privileg, dass er den Kurs leitete. Ich nahm seinen SH-101 für ein paar Monate mit, woraus sechs Monate wurden. Ich wollte unbedingt einen eigenen, doch es gelang mir nicht, einen auf Ebay zu ersteigern. Inzwischen hatte ich einen MicroKorg. Dieser und der SH-101 waren wie eine Offenbarung für mich. Ich hatte keine teuren Vorverstärker oder dergleichen, nur ein kleines Apogee Duet-Interface. Aber ich habe den Unterschied sofort bemerkt beim Komponieren von Basslines, Leadlines und perkussivem Material.

Beat / Würdest du empfehlen, einen Kurs zu besuchen, um in technischer Hinsicht besser produzieren zu lernen?
Gavin / Ich denke schon, weil ich dadurch gut verstanden habe, was Audio überhaupt ist. Wenn jemand mit dem DJing beginnt, sage ich immer, besorg dir erst mal ein Paar Technics-Plattenspieler und Vinyl, um zu lernen, wie man zwei Platten zusammenmischt, bevor du mit CDJs und digitalem Material im Computer arbeitest. Als ich anfing, habe ich Drum-Kits, Gitarren und Amps abmikrofoniert, um ein Verständnis zu bekommen. Als ich mich mit Computersoftware beschäftigte, lernte ich etwas über Signalfluss und durch Hardware etwas über EQs, Kompressoren und Mischpulte. Dieses physikalische Verständnis war ein echter Augenöffner und machte es viel einfacher, Computerprozesse zu verstehen, die man ja nicht anfassen kann. Wenn man einige dieser grundlegenden Fähigkeiten hat, kommt man viel schneller voran.

Beat / Stimmt es, dass Richie Hawtin von deinem Demo-Tape so beeindruckt war, dass er sich ein Live-Set von dir ansah?
Gavin / Ich habe ihm ungefähr sechs Monate lang Musik auf SoundCloud geschickt und hatte nichts von ihm gehört. Dann sollte ich einen Gig in Dublin spielen und erhielt zufällig eine E-Mail von Richie, in der er sagte, er höre gerade meine Musik. Ich hatte einige der Tracks, die ich ihm zuvor geschickt hatte, bereits veröffentlicht, erzählte ihm jedoch, dass ich schon wieder im Schreibmodus wäre. Er sagte, super, schick’ mir ruhig weiter Sachen. Dann erinnere ich mich, dass ich auf der Bühne war und er während meines Sets plötzlich hinter mir stand. Wir haben uns danach noch gut unterhalten und ich bin mit dem Plan nach Hause gegangen, eine Menge Musik zu schreiben.

Beat / Das muss ziemlich motivierend gewesen sein, oder?
Gavin / Es war einer dieser Momente, in denen man sich am liebsten kneifen möchte. Das war der größte Antrieb, den ich bekommen konnte, und ich wusste, was zu tun war. Innerhalb von sechs Monaten habe ich die gesamte Musik eingereicht und sie nahmen 14 Tracks auf einmal unter Vertrag, verteilt auf zwei oder drei EPs.

Beat / Was machst du, wenn du „es“ im Studio nicht fühlst?
Gavin / Ich mache weiter, aber manchmal musst du eine Pause machen und für ein paar Stunden oder einen Tag woanders hingehen. In den letzten Jahren habe ich versucht, mir zwei Monate freizunehmen, mich einzusperren und einen großen Tom-Hanks-Castaway-Bart zu züchten. Auf diese Weise schaffe ich recht viel. Ich habe dieses Jahr schon ungefähr 8 bis 12 Titel fertig gestellt, was kaum jemand weiß.

Beat / Seltsamerweise war zu lesen, dass du eine Verbindung zwischen Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“ und deinem kreativen Prozess siehst, da du die Menschen ebenfalls auf eine Reise mitnimmst.
Gavin / Absolut. Sobald man sich in einer Cluboder Live-Umgebung befindet, entsteht ein Flow und man begibt sich als Hörer auf eine Reise, was sich im Programm desjenigen widerspiegelt, der gerade spielt. Selbst wenn ich eine EP oder LP mache, schreibe ich acht bis zwölf Minuten lange Ambient-Stücke, die vielleicht nie das Licht der Welt erblicken, aber sie sind Teil der Schreibreise. Ein großer, individueller Club-Track muss seine Höhen und Tiefen haben und abwechslungsreich sein, da die Konsumenten heutzutage schnell das Interesse verlieren, wenn es zu viele Wiederholungen gibt.

Beat / Was kannst du uns über die neuen „ Cyclone“-Releases erzählen? Es klingt, als könnten sie eine Rückkehr zu deinen Techno-Wurzeln darstellen?
Gavin / Da mein Rukus-Label komplett digital läuft, ist dies eine Gelegenheit, etwas Physisches zu veröffentlichen. Es ist ein exklusiver White-Label-Release mit Material, das etwas härter und kantiger ist. Es ist eher auf die harte Acid-Seite des Techno zugeschnitten, die im Moment recht beliebt ist. Es fügt sich prima in meine neue Live-Show ein, die ich mit allerlei altem Roland-Equipment bestreite. Ich nehme dieses zweite Studio komplett mit auf Tour und schreibe auch damit. Es kommt bislang sehr gut an und wir wollen die „Cylone“-Serie Ende Mai releasen und gegen Jahresende damit touren. Wir werden auch etwas auf Richies Plus 8 Label veröffentlichen. Das gab es in den 90ern schon mal und er lässt es wieder aufleben.

Beat / Vermutlich ist es Hardware, die diesen neuen, scharfkantigen Techno-Sound prägt?
Gavin / Ich habe einen dieser Devil Fish TB-303 gekauft, was wirklich gefährlich ist, denn es ist ein tolles Gerät und ich kann meine Hände einfach nicht davon lassen. Ich bin bereits ein großer Fan dieses Roland-Sounds und wusste, dass, wenn ich eine 2.0-Live-Show machen würde, Hardware auf jeden Fall involviert sein müsste. Ich möchte, dass die Leute sehen, woher die Sounds kommen, statt nur Clips in Ableton abzufeuern.

Beat / Sprichst du von einer TB-303-Modifikation?
Gavin / Der 303 stammt natürlich aus den 80er Jahren und es wurde zwar auch eine Boutique-Serie veröffentlicht, aber der Devil Fish ist etwas anderes. Es handelt sich um eine originale 303-Modifikation, die von einem Kerl in Sydney entworfen wurde. Nennen wir es eine aufgemotzte 303-Version. Sie enthält einen Verzerrungs-Schalldämpfer, hat FM und eine Reihe von Eingängen auf der Rückseite, mit denen man sie in ein modulares Eurorack-Setup integrieren kann. Das habe ich auch gemacht. Das Gerät spielt eine zentrale Rolle in meinem neuen Rig. Sie sind schwer zu bekommen. Viele Leute sind nicht gewillt, sich für ein paar Monate von ihrem 303 zu trennen und ihn nach Australien zu schicken, aber als ein solches Gerät online angeboten wurde, habe ich sofort zugeschlagen.

Beat / Planst du etwas Zeit ein, um mit Hardware zu experimentieren?
Gavin / Nein, ich fange eher mit einer Hookline an, aber ich habe dieses neue Gerät namens Polyend SEQ, einen 32-Step-Hardware-Sequenzer. Damit beginne ich alle meine Tracks, zusammen mit dem 303, den alten 808/909-Drumcomputern und einem Synth. Ich finde, dass dies ein schneller Ideengenerator ist. Wenn ich unterwegs bin, verwende ich die Roland Cloud-Sachen und Hardware-Emulationen. Da ich die Hardware besitze, fällt es mir leicht, die Software zu verwenden und sie zusammen mit den Universal-Audio-Plug-ins gut klingen lassen. Aber natürlich hat nur Hardware dieses Haptische. Das ist nichts für jedermann, aber ich finde, es ist besser, wenn man mindestens ein Stück Hardware hat, das einen vom Computer wegholt, selbst wenn es sich nur um einen MIDI-Controller handelt.

Beat / Hat dieser Ansatz deine Musik verändert?
Gavin / Ich glaube schon. Die Musik bekommt ein lockereres Feeling. Wenn man mit VSTs arbeitet, klingt alles tendenziell eng. Ich weiß, dass es in Soft-Synths auch Funktionen gibt, um die Dinge aufzulockern, aber wenn man mit der Hand arbeitet, hat man auf der Audioseite ein ganz anderes Gefühl. Ich finde, dass Hardware-Sounds mehr Tiefe und Weite haben. Ich habe ein neues Setup mit einem Laptop, auf dem Ableton läuft. Er steht rechts von mir außerhalb meines Sichtbereichs, sodass ich nicht drauf schaue, außer wenn ich Editings oder Recordings mache.

Beat / Deine Soundauswahl scheint ziemlich spärlich. Quälst du dich oft damit, das entsprechende Timbre zu finden?
Gavin / Ich denke, das kommt von meiner Verbindung zu Rich und der gesamten M-nus-Crew – der Clue liegt hier im Namen. Ich habe ein Jahr gebraucht, um die Idee, dass weniger mehr ist, in meinen Kopf zu bekommen. Auf dem College nahmen wir die Küchenspüle auf eine Spur auf und haben dann jeden Winkel des Klangspektrums ausgefüllt. Ich erinnere mich noch an einen bestimmten Track von mir. Als ich mit Les darüber sprach, erzählte er mir, dass er die Stille zwischen Sounds hören könne und wie sich der Reverb-Ausklang mit dem nächsten Sound vermischt. An diesem Punkt macht es Klick, und ich habe mir das visuelle Spektrum näher betrachtet.

Beat / Benötigst du eine visuelle Darstellung, die dir Orientierung bietet, oder arbeitest du nur mit dem Gehör?
Gavin / Ich habe das Frequenzspektrum immer im Blick, um ein visuelles Verständnis zu bekommen, wo alles ist. Ich neige dazu, einen Bildschirm zwischen den Lautsprechern zu platzieren, sodass ein großes Rechteck angezeigt wird, das zeigt, wo sich die Sachen befinden. Ich kann meinen Ohren vertrauen, aber ich mag eine Mischung aus allen Werkzeugen. Es wäre dumm, nicht alles zu nutzen, was einem zur Verfügung steht.

Beat / War Modulartechnik eine neue Entdeckung für dich?
Gavin / Ich habe viele der klassischen Synthesizer durch, die auf meiner Liste standen, eh ich mir verschiedene modulare Systeme angesehen habe. Ich bin dann auf diese Jungs aus Portugal namens Club Of The Knobs gestoßen, die modulare Klone herstellen. Ich habe mir den Moog System 55 besorgt und samt Sequenzer installiert. Ich denke, das war mein erster Schritt, und in letzter Zeit habe ich mich mit Eurorack-Sachen wie dem Roland System 100 beschäftigt.

Beat / Weshalb würdest du das Moog System 55 empfehlen?
Gavin / Ähm, ich würde eher empfehlen, nimm einen verdammten Kredit auf [lacht]. Es ist ein einzigartiges Stück, das großartig aussieht und toll klingt. Ich habe die europäische Version gekauft, weil Synthesiser.com ein sehr ähnliches Produkt hat. Ein altes Gerät ist sehr aufwendig in der Wartung und schwer zu tunen, aber dieses Exemplar ist eine gute Nachbildung und der Typ, von dem ich es gekauft habe, hat viele der Probleme beseitigt. Das Modell, das ich habe, ähnelt dem von Junkie XL – ich habe seine Spezifikation befolgt. Bis jetzt habe ich alles herausgeholt, von Leadlines bis zu großen Ambient-Drones und phasigen Basslines. Es hat wirklich diesen Moog-Sound.

Beat / Disziplinierst du dich in Bezug auf Modulartechnik?
Gavin / Man kann sich wirklich darin verlieren. Manchmal vergehen Stunden und Tage, während man herausfindet, wie man einen Patch einrichtet. Aber wenn man diesen Weg einschlagen will, scheint das Eurorack-Zeug ziemlich cool zu sein. Es ist viel zugänglicher, aber es gibt so viel davon, dass es schnell gefährlich für den Geldbeutel wird. Ich bin auf dem Weg zu einer modularen Betty-Ford-Klinik.

Beat / Neigst du dazu, mehrere Stunden Audiomaterial aufzunehmen und daraus auszuwählen?
Gavin / Manchmal nehme ich ein paar Stunden lang alles auf und verliere mich darin, aber Zeit ist kostbar. Es gibt ein paar Patches, die ich in- und auswendig kenne und die ich schnell zur Hand habe, wenn ich einen Bass oder eine Lead-Line brauche. Ich strebe schon immer einen bestimmten Ton an, aber es gibt so viele Möglichkeiten, die einen vom Weg abbringen können.

Beat / Wenn du einen neuen Patch beginnst, klingt es jedes Mal gleich?
Gavin / Es gibt eine seltsame Diskrepanz. Ich finde, in der ersten Stunde, in der das Modularsystem eingeschaltet ist, kann man es vergessen. Ich habe es überwacht, und beim Aufwärmen steigt die Tonhöhe bei einigen Oszillatoren um 22 bis 23 Cent. Ich vermute, das würde man eigentlich eher bei alten Geräten erwarten, doch nicht von etwas, das vor drei oder vier Jahren gebaut wurde. Aber es hat Charme, uns das ist es, was ich daran so liebe – es zeigt, dass es echt ist.

Beat / Versuchst du, gleich an der Soundquelle die bestmögliche Audioqualität zu erzeugen oder ist das eine Sache für den Mix?
Gavin / Ich bin bemüht, dass alles von Anfang an sehr gut klingt. Ich hatte einige Jahre lang eine Phase, in der ich keinerlei EQ hinzufügen wollte. Ich strebte nach Synth-Sounds, bei denen ich maximal noch ein paar Frequenzen wegnehmen musste. Das führte dazu, dass meine Sounds in der Regel schon am Anfang recht gut klingen. Ich habe bereits in Studios gearbeitet, in denen die Leute sagten, dass sie das später im Mix schon richten, aber ich hasse diesen Ansatz. Ich habe mein Studio so eingerichtet, dass die Ausgangssignale so gut wie möglich klingen und man für die Post-Production auf der sicheren Seite ist. Ich habe eine Neve 5088-Konsole und liebe es, darauf zu mischen. Ich besitze auch ein paar nette Hardwaregeräte, aber alles, was ich versuche, ist im Grunde, die Sounds so zusammenzufügen, dass alles an der richtigen Stelle sitzt, nichts harsch klingt und ich nichts mehr addieren muss.

Beat / Gibt es noch andere Hardware-Geräte, die du als Soundquelle verwendest?
Gavin / Ich füge in der Postproduction noch einige Synthies hinzu. Es kommt bald der ARP 2600, auf den ich mich schon tierisch freue, und der neue Moog One. In letzter Zeit habe ich oft einen Oberheim OB-8 verwendet, aber es gibt noch viele andere. Ich habe einen OB-6, Voyager, Tempest und einen Virus TI zusammen in einem Raum, einen Prophet-6, 12, X und 5 Rev 3 und einige Drumcomputer wie den LinnDrum LM-1, Original 808, 909 und zwei SH-101s. Ich mag auch den Roland VP-330 Vocoder sehr. Also ja, ein paar nette Kleinigkeiten.

Beat / Um ehrlich zu sein, hören wir den Vocoder in deiner Musik nicht viel heraus. Laufen verschiedene Sounds durch das Gerät hindurch?
Gavin / Ja, alle Arten. Auch der VP-330 hat einen wirklich schönen String-Klang, den ich oft verwendet habe. Ich habe den Vocoder häufig benutzt, als ich das Gerät neu hatte, aber einige dieser Stücke wurden noch nicht veröffentlicht. Letztes Jahr war ich an der Aufnahme von rund 110 Tracks beteiligt, die zu einem vernünftigen Grad fertiggestellt wurden, aber nur acht bis zehn davon wurden tatsächlich veröffentlicht.

Beat / Du verwendest also Hardware-Effekte, anstatt Sounds mit Software zu bearbeiten?
Gavin / Alles kommt auf irgendeine Weise mit Hardware in Berührung. Auch Reverb. In der Anfangsphase eines Songs benutze ich das Lexicon 224-Plug-in von Universal Audio oder dergleichen, aber sobald ich am Mischpult bin, verwende ich gerne den Bricasti M7 zusammen mit dem Shelford 5051 und 5052. Am Ende folgen am Neve-Pult noch die Stereo-Kompressoren, 5-Band-EQs und Tape-Emulatoren. Ich nenne es „Studio Two“, weil ich dorthin gehe, wenn die Musik fertig ist.

Beat / Masterst du deine Tracks auch selbst?
Gavin / Ja, zu 80% der Zeit. Ich habe einen Mastering-Engineer, der fantastisch ist, aber aus irgendeinem Grund verwende ich am Ende immer meine eigenen Masterversionen. Während ich schreibe, mische ich bereits und beim Mischen denke ich über das Mastering nach, zum Beispiel, welche Elemente auftauchen und den Limiter triggern. Ich kann diese Sessions nach Belieben auf und zu machen und sie ziemlich laut bekommen, ohne dass es scheiße klingt. Ich habe eine wirklich gute Mastering-Kette und denke, meine Ohren sind gut genug, dass ich das selbst kann, auch wenn ich das nicht unbedingt jedem empfehlen würde.

Beat / Was beinhaltet deine Mastering-Chain?
Gavin / Ich habe hier zwei Racks neben mir fürs Mastering und die Drumbusse. Als Vorverstärker verwende ich die Channel-Strips von Thermionic Culture Vulture und LA-610s MkII, die ich bei den meisten Synths mal dazu schalte. Auf meinem Drum-Bus ist immer die Hardwareversion des API 2500. Außerdem benutze ich den SPL Transient Designer, um die einzelnen Spuren bei Bedarf zu bearbeiten. In meinem Mastering-Bus habe ich den Manley Massive Passive EQ und den Shadow Hills-Mastering-Kompressor. So ziemlich jeder Track, den ich im letzten Jahr gemacht habe, hat diese Kette durchlaufen.

Beat / War dein Vertrauen in Hardware der Grund für den Wechsel von Logic zu Ableton?
Gavin / Ich war jahrelang Logic-User, aber in den letzten Monaten bin ich aus genau dem Grund, den du erwähnt hast, zu Ableton gewechselt. Es ist eher ein Tape-Recorder für mich, und ich finde es viel schneller und effizienter, Ideen festzuhalten und Arrangements zu machen. Das hat mich dazu bewogen, einen kleinen Laptop in der Ecke stehen zu haben. Ich benutze ihn jetzt ein bisschen mehr, um Tracks zu entwickeln, aber im Anfangsstadium befindet er sich fast nur im Aufnahmemodus.

Beat / Was die Tonqualität angeht, gibt es einige Produzenten, die nicht so auf Ableton schwören, aber du stellst eine gute Qualität ja schon sicher, bevor es in den Rechner geht …
Gavin / Es kommt alles auf die Summierung am Ende an, was einer der Hauptgründe ist, weshalb ich mich von Ableton zwischenzeitlich abgewandt wieder hatte. Ich hatte es drei oder vier Jahre lang verwendet und hatte die Summierung dann einfach satt. Sie war nicht auf dem neuesten Stand. Ich habe einen Song in Logic 8 oder 9 geschrieben, und die Art und Weise, wie die Spuren summiert klangen, war sinnvoller. Es klang im Vergleich zu Ableton üppiger. Ich bin dann für vier oder fünf Jahre zu Logic gewechselt, aber es wurde überflüssig, da ich alles zu Stems reduziere, summiere und auf dem Pult mische.

Beat / Du hast erwähnt, dass du gelegentlich auf Tour schreibst. Wie ist es im Vergleich, wenn du keine Hardware zur Hand hast?
Gavin / Ich habe vor ein paar Wochen in Australien geschrieben und hatte ein paar Hardware-Teile, aber es wurde alles im Rechner mit UAD-Plug-ins gemischt und schon während der Tour auf Festivals getestet und gespielt. Aber ich werde damit noch mal ins Studio gehen, die Basslines ersetzen und die Mischung auf dem Pult noch ein wenig verbessern. Doch im Grunde war es direkt aus dem Rechner schon passend. Es ist schockierend, wie gut die Software geworden ist.

Beat / Gibt es noch weitere Software, von der du Fan bist?
Gavin / Was Soft-Synths angeht, habe ich die Roland Cloud viel verwendet. Sie enthält Juno-106-, SH-2- und die System-100-Serie. All dieser Kram von Roland ist fantastisch. Einer meiner Kollegen schwört auf Omnisphere. Also habe ich mir das angehört und es ist großartig. Das gilt auch für die Roland-Drumcomputer und die Arturia-Collection. Was Plug-ins angeht, verwende ich vor allem Universal Audio. Das ist High-End-Software für den Feinschliff.

Beat / Wir haben gelesen, dass deine kommenden Live-Shows im wahrsten Sinne des Wortes live sein werden?
Gavin / Das Rig, auf dem ich all dieses Acid-mäßige „Cyclone“-Zeug schreibe, ist dasselbe Rig, das ich auch auf der Bühne benutzen werde. Es umfasst das Modular-System von Roland, den Devil Fish 303 und einen weiteren 303 sowie analoge Sequenzer, den Moog Sub 37 und den Prophet-6. Der Polyend SEQ wird das Kernstück sein, denn er ist absolut solide. Wenn die Clock, das Signal und das CV-Gate erst mal rausgeschickt werden, brauche ich mir keine Sorgen machen. Das Setup wird mich antreiben, verschiedene Dinge auszuprobieren, und die Live-Show wird ihre Höhepunkte und ruhige Momente haben und an vielen ausgewählten, speziellen Orten gespielt werden. Ich freue mich schon drauf, für diese sechs oder acht Shows dieses Jahr meinen Kopf mal aus dem Computer zu bekommen.

Essenzielles Equipment:
• Roland Jupiter-6 / „Alle schwören auf seinen großen Bruder, aber ich kann meine Finger nicht vom 6 lassen. Alles klingt, als würde es direkt aus dem Weltall kommen. Es ist magisch.“
• Amphion One18-Monitore / „Ich wollte Monitore, die in diesen Raum passen und auch bei leiser Lautstärke gut funktionieren. Und sie erledigen das mit Bravour. Wenn meine Mixe auf diesen Boxen gut sind, klingen sie überall prima.“
• Polyend SEQ / „Haptisches Sequencing außerhalb des Rechners. Ich habe dieses Gerät für meine neue 2.0-Liveshow bekommen und habe mir ein weiteres fürs Studio bestellt. Es verbessert meinen Workflow wirklich dramatisch.“
• UA Apollo 16 / „Es ist ein Kernstück meines Setups in diesem Raum und meines neuen Live-Riggs. Es hat fantastische Wandler und unglaubliche Plugins, ohne die ich nicht mehr leben könnte.“
• Sequential Prophet XL / „Den habe ich mir nach einem Gespräch mit dem Entwickler gekauft und bin froh, dass ich es gemacht habe. Nackte Synth-Sounds kann jeder mit einem Gerät erzeugen, aber mit den zusätzlichen Layer-Möglichkeiten sind die Sounds, die direkt aus dem XL kommen, unglaublich. Ein vielseitiges Gerät. Es fühlt sich toll an, es zu spielen.“