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Studio Insights: Trevor Jackson :Der Kampf mit den eigenen Dämonen


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 06.03.2019

Seit fast 30 Jahren ist Trevor Jackson durch seine eigenen Produktionen und seine grafischen Arbeiten in der Dance Music präsent. Danny Turner traf ihn nach einer Zeit des Rückzugs, als er gerade an neuem Material arbeitete.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 4/2019

Der Designer und Produzent Trevor Jackson begann seine Karriere in der Musikbranche, indem er einen Plattenladen leitete und Plattenhüllen entwarf. 1987 gründete er die Designfirma Bite It, die für große Firmen und Labels arbeitete. Doch seine Liebe für elektronische Musik und Hip- Hop entfachte das Feuer der Leidenschaft für Musikproduktionen. Unter dem Pseudonym Underdog arbeitete ...

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... Jackson an zahlreichen eigenen Releases und Remixen für Massive Attack, U2 und Unkle, was zu großem Erfolg in der Industrie führte.

Mitte der 90er-Jahre rief Jackson den Post- Punk/Dance-Act Playgroup mit Kollaborateuren wie Edwyn Collins, Scritti Politti und Dub-Meister Dennis Bovell ins Leben. Anschließend gründete er Output Recordings und half mit, die Karrieren von Four Tet und LCD Soundsystem in Schwung zu bringen. Durch seine Labelarbeit fühlte er sich als Produzent irgendwann irrelevant. Doch zum Glück führte die Produktion von „System“, die letzte Veröffentlichung auf seinem Archiv-Label Pre-, dazu, dass Jackson nun wieder mit Ideen spielt und bereit ist, neue Musik auf die Menschen loszulassen.

Beat /Du hast eine riesige Vinylsammlung. Verwendest du deine Platten immer noch fürs Sampling?
Trevor / Am Anfang war alles Sample-basiert, also habe ich viel Musik fürs Sampling gekauft. Ich habe viel über Musik gelernt, indem ich nach irgendwas gesucht habe. Ich bin ein großer Fan von Adrian Sherwood, Trevor Horn und Arthur Baker und kaufte jede einzelne Platte, die sie gemacht haben. Bis heute bin ich eigentlich kein Musiker, aber ich habe mir über einen Zeitraum von 30 Jahren selbst beigebracht, wie man Musik ohne Samples macht.
Beat /Das ist interessant. Du hast Musik von Produzenten gekauft …
Trevor / Es waren nicht nur Produzenten. Ich zog eine Platte heraus und sah nach, ob ein Schlagzeuger oder Keyboarder dabei war, den ich mochte. Ich habe bei Loppylugs Records in Edgware gearbeitet, und man muss schon ein bisschen ein Nerd sein, um in einem Plattenladen zu arbeiten. Allerdings war es nicht so, als hätten mich Katalognummern sonderlich interessiert. Ich war zuvor Designer. Daher habe ich mich zunächst mit den Sleeve-Designs befasst und bin darüber auf die Credits gestoßen. Die 80er waren eine höchst produktive Zeit für Musik, hauptsächlich aufgrund der sich entwickelnden Technologie, und es zog mich langsam zu den Leuten hin, die die Tracks produzierten.

Vom Design zur Musik

Beat /Vermisst du den Designaspekt, nun da Vinyl nicht mehr das vorherrschende Format ist, wie früher einmal?
Trevor / Obwohl ich die Vergangenheit mag, liebe ich auch die Gegenwart. Es gibt weniger Plattenhüllen, aber dafür gibt es mehr Websites und Videos. Die visuelle Darstellung fügt der Musik definitiv etwas hinzu, das muss aber nicht auf einer 12’’-Hülle sein. Ich bin eigentlich ein großer Fan von CDs und höre mehr Alben in diesem Format.
Beat /Wie wurde dann die Musik zu deinem Weg angesichts deiner Leidenschaft für Design und deiner eigenen Designfirma?
Trevor / Ich machte schon immer Musik zuhause. Ich hatte einen kleinen Vierspur-Recorder und ein Commodore 64-Sample-Modul und stellte eigene Tracks zusammen. Ich nahm an einem Wettbewerb von Morgan Khan Street Sounds teil – ein britisches Hip-Hop-Ding, das aus sehr einfachen Beats und gesprochenen Sequenzen und TVSamples bestand. Dann holte ich mir einen Roland W-30-Sampling-Sequenzer.
Beat /Dass die Leute die Atari-Konsole zum Musikmachen verwendeten, wusste ich. Aber auch den Commodore 64?
Trevor / Ich habe einen Akai 950 mit dem Atari ST verwendet – als Sequenzer/Computer-Kombination war das absolut robust, aber mit dem Commodore 64 konnte man in diesen SFX Sound-Sampler klicken. Die Sampling-Zeit betrug 1,4 Sekunden, sodass ich eine Kick, eine Snare, eine Hi-Hat und ein Klatschen sampeln konnte. Alles, was ich produzierte, klang wie der Art-Of-Noise-Track „Beat Box“. Später habe ich eine Roland W-30-Sampling-Workstation verwendet, bevor ich dann zu den Akai-Samplern übergegangen bin.
Beat /Sie hast also Sleeves entworfen und Musik produziert?
Trevor / Ja, ich habe Mitte der 80er-Jahre Plattenhüllen entworfen und im Hintergrund selbst Musik gemacht. Um 1993 herum kreierte ich vier oder fünf Sleeves pro Woche und arbeitete für Pulsate. Aber die Platten, die ich entwarf, haben mir nicht wirklich gefallen. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Richard Russell von XL Recordings mit mir im Plattenladen. Er kam aber nur dann und wann vorbei. Er war eher dafür zuständig, den Grill aufzustellen oder zu fegen. Aber als er bei XL anfing, bat er mich, einen Remix für die amerikanische Hip-Hop-Gruppe House Of Pain zu machen. Ich habe diesen Remix gemacht und die Version ging direkt in die Top 10 und bekam eine Goldene Schallplatte, sodass meine Musikkarriere Fahrt aufnahm.
Beat /Hast du dann mit den Designs aufgehört?
Trevor / Ich entwarf die Plattenhüllen für Gee Street Records und somit Künstler wie Stereo MCs, PM Dawn, Jungle Brothers, De La Soul und Queen Latifah. Aber als Jon Baker, der das Label leitete, merkte, dass ich angefangen hatte, selbst Musik zu machen, bat er mich darum, Remixe für Gravediggaz und ein paar andere zu machen. Ich habe immer noch ein paar Design-Sachen gemacht, habe die Produktionen und das Remixing aber wirklich ernst genommen und wurde zu dieser Figur namens Underdog.

Studioaufbau

Beat /Welches Studio hast du damals benutzt?
Trevor / Als ich anfing, Musik zu machen, arbeitete ich in den Monroe-Studios in Barnet, bevor ich in die Holloway Road zog. Das war das Epizentrum des Londoner Hip-Hop und Drum’n’Bass. Lucky Spin Records waren direkt nebenan und es gab dort zwei Engineers, Pete Parsons und Roger Benu, die an so vielen dieser tollen frühen Platten gearbeitet haben. Sie hatten ein Soundtracs-Pult, wo alles durch lief, und einige LA Audio-Kompressoren.

Beat /Hast du damals mit Musikern zusammengearbeitet?
Trevor / Ich habe mit Edwyn Collins zusammengearbeitet, der eine unglaubliche Sammlung an Vintage- Gear hatte, und einer Menge anderer Musiker. Aber selbst damals habe ich sie einfach nur gesampelt und dann alles durch einen Akai S950-Sampler gejagt. Dessen Klang hatte das gewisse Etwas. Ich habe das Sequenzing auf einem alten Mac gemacht, er konnte aber kein Audio aufnehmen. Dann habe ich angefangen, Bassisten einzuladen und einen Oberheim OB-Xa-Synthesizer gekauft, den ich immer noch habe. Ich hatte auch einen Jen SX-1000 Monosynth und fing an, Drum Machines zu kaufen. Ich verwendete den S950-Sampler für den Hauptteil der Spuren und verfeinerte die Tracks mit Samplern und Drumcomputern.
Beat /Der S950 war ein wichtiges Tool für dich …
Trevor / Fast alle Musik, die ich herausgebracht habe, wurde mit zwei Akai S950-Samplern gemacht. Ich habe das Schlagzeug und den Bass durch den Mix-Ausgang geschickt, damit ich sie auf eine bestimmte Weise komprimieren konnte, und nutzte die acht Ausgänge des anderen für die Aufnahme einzelner Elemente. Schließlich besorgte ich mir einen Akai S3000. Der Mono-Ausgang ging durch den Kompressor, wodurch alles ordentlich pumpte.
Beat /Wie hast du beim Sampling von anderen Musikern vermieden, das Gefühl der Performance zu zerstören?
Trevor / Ich habe ja nie Virtuosen aufgenommen. Der Sampler konnte nur 30 Sekunden lange Samples machen. Ich nahm daher immer nur Loops und Phrasen auf. Ich holte Bassisten dazu, aber mein Gehirn dachte immer nur im Sinne von Breaks. Zu dieser Zeit habe ich ein Album für eine Band namens Emperors New Clothes auf Acid Jazz Records aufgenommen, das nie herauskam. Es gab vier Musiker, aber ich habe jeden Track – Kicks, Snares und Hi-Hats – in Stücke geschnitten und mit dem S950 rekonstruiert. Es war nicht einfach, aber ich fühlte mich wohl dabei.
Beat /Dann bist du zum Home Recording übergegangen?
Trevor / Als ich feststellte, dass ich auch zu Hause Musik machen konnte, besorgte ich mir einen Akai MG1212, ein unglaubliches 12-Spur-Pult. Es hatte parametrische EQs und eine Betamax-artige Bandmaschine, mit der man aufnehmen konnte. Ich glaube, DJ Shadow hat auch eine davon verwendet, und Pete Rock & CL Smooth haben eine Kassettenversion davon benutzt. Ich liebe diese Maschine.
Beat /Hast du damals begonnen, dein Studio aufzubauen?
Trevor / Ja, aber es passierte viel schlimmer Scheiß und ich musste eine Weile an verschiedenen Orten leben. Also schleppte ich meine Ausrüstung immer mit mir herum, um aufzunehmen und Musik zu machen können. Ich bin erst vor fünf Jahren in dieses Studio gezogen, aber das MG1212-Pult ging kaputt und ich wollte mir ein gutes analoges Pult besorgen. Ich habe mit John Oram gesprochen, der die Trident-EQs entworfen hat, und das hat mich überzeugt, ein Mischpult der Oram T-Serie zu kaufen.

Outside the box

Beat /Ist die Verwendung eines Mischpultes dem reinen Arbeiten im Computer überlegen?
Trevor / Ich liebe den Sound, den man bei Demo- Aufnahmen erzielt, aber wenn man in seiner Karriere voranschreitet, kann man diese Naivität leicht verlieren. Ich wollte nie so poliert klingen, dass ich diese Vibes verliere. Ich brauche es, dass Aufnahmen durch echte EQs gehen. Ich denke, das hat eine gewisse Magie. Selbst wenn ich an einem Laptop arbeite, nehme ich Sachen über das Oram- Pult auf, bearbeite sie im Laptop und führe sie wieder hinaus auf Tape oder durchs Pult, damit sie in der physischen Welt existieren. Ich bounce meine Aufnahmen immer noch auf Metall-Tape, weil ich es mochte, wie Schallplatten im Radio klangen. Der Sound der zweiten oder dritten Generation hat etwas an sich. Es geht nicht um Wärme, sondern eher um Charakter und Persönlichkeit. Der Witz ist, die meiste Ausrüstung, die ich hier habe, habe ich noch nicht allzu oft benutzt. Ich habe dieses Studio eingerichtet, aber ich wollte es noch nicht richtig verwenden, bis ich all die alten Tracks veröffentlicht habe, die ich gemacht habe.
Beat /Daher dein aktuelles Album „System“. Was steckt hinter der Veröffentlichung dieses alten Materials?
Trevor / Ich habe aufgehört, Musik zu veröffentlichen, nachdem mein Label Output 2006 dicht machte. Es sind verschiedene Dinge in meinem Leben passiert und ich war nicht in der richtigen Verfassung, um Musik zu veröffentlichen, obwohl ich sie immer noch machte. 2015 kam ein Vertreter von Vinyl Factory und fragte, ob ich daran interessiert wäre, ein Projekt mit ihnen zu machen. Ich hatte das Vertrauen verloren, weil ich so lange nicht im Spiel war, aber sie liebten meinen Kram. Ich war mir nicht sicher, da es meinen Standards nicht entsprach. Ich hatte ungefähr 200 unveröffentlichte Tracks und das war der Punkt, als ich dieses Konzept entwickelte, dass jeder Track ein anderes Format haben und für Installationen und Ausstellungen verwendet würde. Das ist wirklich gut gelaufen und hat mich überzeugt, dass der Kram doch gar nicht so schlecht ist. Also bin ich durch mein Archiv der letzten drei Jahre gegangen und habe es veröffentlicht. „System“ ist der sechste und letzte Release.

Beat /Hat die isolierte Arbeit zu einem mangelnden Selbstvertrauen in bestimmten Phasen deiner Karriere beigetragen?
Trevor / Mir sind ein paar Dinge passiert, die meine Meinung über meinen Platz in der Musikwelt geändert haben. Ich war sehr glücklich, dass meine Arbeit anerkannt wurde und sich verkaufte, als ich anfing. Die Umsätze waren nicht unbedingt enorm, aber es wurde mir Respekt von meinen Kollegen und Leuten, von denen ich es nicht erwartet hätte, entgegen gebracht. Während der Zeit von Output arbeitete ich mit Leuten wie Kieran Hebden und James Murphy von LCD Soundsystem – Produzenten, deren Arbeit ich für unglaublich erachte. Ich habe mich bewusst für den Schritt in den Hintergrund entschieden und hatte eine Weile auch gar keine Zeit für eigene Musik mehr. Sie beeinflussten mich auch insofern, dass ich anfing zu denken, „Scheiße, diese Leute sind viel besser als ich“. Ich dachte buchstäblich, dass meine Musik scheiße war und keinen Sinn mehr machte.
Beat /Wie hast du das überwunden?
Trevor / Als ein enger Freund von mir starb, hat das mein Leben wirklich durchgerüttelt und die Musik hat mich durch diese Zeit gebracht. Einige der Tracks, die ich kürzlich herausgebracht habe, haben sich über 15 Jahre entwickelt, angefangen als grobe Demos. Ich hatte die Session-Dateien nicht mehr. Es gab nur die Stereodateien. Also bearbeitete ich sie und fügte Sachen hinzu, was ein ziemlich kathartischer Prozess war. Doch es mussten erstmal Sean von Vinyl Factory und ein paar andere Leute kommen, um mich zu überzeugen, dass es wirklich etwas wert war.
Beat /Kommen bei der Musik, dir du gerade produzierst, digitale Tools vordergründig zum Einsatz?
Trevor / Ich habe mich mehr mit dem Editieren beschäftigt, aber ich arbeite immer noch mit Logic 9 auf einem alten Tower-Rechner, der noch nie abgestürzt ist. Ich verwende es hauptsächlich als Sequenzer und habe zusätzlich Logic X auf einem Laptop als Editor laufen, da die Audiofunktionen besser sind. Für mich ist die Emagic-Version von Logic jedoch besser für das Sequencing.


» Diese ganze Mentalität, dass man eine CD mit 20.000 Sounds drauf bekommen kann, ist frevlerisch für mich. «


Weniger ist mehr

Beat /Wie willst du mit der Musik weitermachen?
Trevor / Der Plan sieht vor, keinen Computer für das Sequencing zu verwenden, sondern den SP1200 als Master und mein ganzes Equipment live laufen zu lassen. Ich versuche auch, eine Fairlight CMI Series II zu ergattern und damit verrückte Musik zu machen. Für mich ist es wahrscheinlich das ikonischste Musikinstrument meiner Generation und der Sequenzer ist klasse. Ich mag den Sampling- Sound. Für das Editing nutze ich den Computer gerne, aber nicht zum Sequencing. Ich traue mich kaum, es zu sagen, aber bisher war das Musikmachen wirklich schwierig für mich, weil ich den Kampf immer mit einem guten Ergebnis in Verbindung gebracht habe. Ich möchte meinen Ansatz ändern und es einfach mehr genießen. Und ich möchte mir eine gewisse Naivität bewahren.
Beat /Du bist noch nicht in die Modular-Welt geraten, oder?
Trevor / Ich habe zwar dieses modulare Video-Synthesesystem, wollte aber in Sachen Audio nicht in diese Welt, weil es für mich nur ein schwarzes Loch ist. Allerdings habe ich ein Roland System-100. Es gehörte früher der Band Genesis, denn auf der Rückseite ist noch einen Tour-Aufkleber von ihnen. Ich habe das Gerät nicht in einem Stück gekauft. Ich hatte die Lautsprecher in LA gefunden und musste dann nach weiteren Teilen suchen. Ich habe einen Mixer mit einem Federhall, einem Sequenzer und einem Expander hinzugefügt. Dieses Gerät und den MiniKorg 700 haben The Human League für „Being Boiled“ und Daniel Miller für „Warm Leatherette“ verwendet.
Beat /Du hast dir eine gewisse Neugier bewahrt, wie diese Aufnahmen gemacht wurden, und wolltest die gleiche Ausrüstung verwenden?
Trevor / Für mich sind sie Ikonen des 20. Jahrhunderts. Ich habe einen Roland Jupiter-6, weil Larry Heard ihn für Mr. Fingers and Fingers Inc. verwendet hat. Außerdem habe ich den Roland TR-808 und den Elka Synthex eingesetzt, da er die Laser-Harfe von Jean-Michel Jarre hat. Diese Linn LM-1 Drum Machine wurde von Roger Linn handgefertigt. Der Sound ist unglaublich, weil er einen Live-Drummer gesampelt und ihn quasi in Chips gesteckt hat. Viele meiner Lieblingsplatten aus der damaligen Zeit wurden damit gemacht. Aber ich habe die Dinge vereinfacht. Ich habe zwei Polysynths und ein paar Monosynths und mag auch frühes digitales Zeug. Ich habe die Simmons SDS6 und SDS7 – unglaubliche Sequenzer, die Karten mit Chips drauf verwenden. Man programmiert sie über eine Punktematrix.
Beat /Bleibt da noch Raum für Soft-Synths und VSTs?
Trevor / Ich habe die UVI Vintage Vault-Synth-Collection, die fantastisch ist. Sie enthält Kopien aller Synth- und Drum-Machines, sogar Fairlights und Synclaviers. Es ist wahrscheinlich die am besten klingende Vintage-Software, die ich je gehört habe. Vor kurzem musste ich auf Reisen sehr schnell einen Remix anfertigen, also habe ich die Grundlagen damit gemacht und dann Software mit Hardware kombiniert.

Demokratisierung der Musik

Beat /Woher kommt die Innovation heutzutage?
Trevor / Auch aufgrund meines Alters habe ich einen komplizierten Gedankenprozess zu diesem Thema durchlaufen. Als ich jünger war, musste man, um Musik zu machen, eine extreme Leidenschaft haben. Zunächst galt es herauszufinden, welches Equipment man benötigt. Dann musste man sparen, um es sich kaufen zu können und dann lernen, wie man es benutzt. Es gab kein YouTube und nur wenige Zeitschriften. Man musste mit den Leuten sprechen. Es war ein großer Teil des Prozesses, dem Equipment nachzujagen. Das heißt, die einzigen Leute, die Musik machten, waren diejenigen, die wirklich leidenschaftlich dabei waren. Sie machten keine Wallaper-Musik. Jedes Musikstück, das herauskam, erschien aus den richtigen Gründen. Durch die Demokratisierung des Ganzen kann nun jeder Musik machen.
Beat /Bist du gegen die Demokratisierung von Musik?
Trevor / Was für mich am wichtigsten ist, ist der Grund, weshalb jemand eine Platte macht. Ein Teil von mir denkt, einige von ihnen verdienen es nicht, Musik zu machen, und sie sollten es verdammt noch mal lassen, weil sie nicht das gleiche durchmachen mussten wie ich. Ich bin jemand, der noch nie in seinem Leben eine Sample-CD oder eine verdammte Bibliothek verwendet hat. Jeder Track, den ich jemals gemacht habe, stammt von Drum-Machines, die ich gekauft und selbst gesampelt habe. Es klingt jetzt verrückt, aber wenn ich eine 909 wollte, kaufte ich mir eine, sampelte sie ab und verkaufte sie wieder. Diese ganze Mentalität, dass man eine CD mit 20.000 Sounds drauf bekommen kann, ist frevlerisch für mich. Aber auf der anderen Seite habe ich auch gelernt, dass es bei Musik um Ausdruck geht, und es ist großartig, dass jeder etwas aufnehmen und sich ausdrücken kann. Vielleicht hat Musik jetzt einen anderen Zweck, aber ich finde es gut, dass ein Zehnjähriger Garageband lernen und einen Track machen kann. Ich schätze, mein neues Ich kommt langsam zu der Überzeugung, dass alles seine Berechtigung hat, während ich vorher dachte, dass der Prozess wichtiger war.
Beat /Würdest du auch sagen, dass es weniger wichtig geworden ist, wie Menschen aus technischer Sicht an das Musikmachen herangehen?
Trevor / Die ganze Grime-Szene entstand, weil die Leute Fruity Loops oder dieses Playstation-Programm verwendeten. Ich habe mit Trevor Horn, Arthur Baker und Adrian Sherwood gesprochen und sie haben mir viel über ihre Tracks erzählt, die ich so liebe. Sie haben einfach nur Sachen ausprobiert. Als Todd Terry einige dieser fantastischen Tracks produzierte, hat er einfach nur herumgespielt und sie in einer halben Stunde gemacht. Ich frage mich, ob ich zu viel nachdenke. Einige der besten Sachen entstehen, wenn man das Denken abschaltet und einfach nur macht. Und die meisten meiner besten Tracks sind auf Fehler zurückzuführen.

Beat /Welche neuen Technologien waren transformativ für dich?
Trevor / Ich denke, Ableton Live hat zweifellos das Musikmachen verändert, weil man es so schnell verwenden kann und seine Ideen wirklich zügig festhalten kann. Ich dachte immer, wenn etwas kein Kampf ist, ist etwas schief gelaufen. Einige Tracks auf „System“ wurden hundertfach überarbeitet oder neu gemischt, aber das möchte ich nun ändern. Ich interessiere mich sehr für den neuen Teenage Engineering- Sampler, aber jeder kauft ihn, also wird eine Menge Musik gleich klingen. Das ist auch der Grund, weshalb ich Ableton nicht benutzt habe. Ich kann hören, wenn jemand damit gearbeitet hat.

Nostalgie pur

Beat /Wenn ich das richtig verstanden habe, wird dein neues Label komplett physisch sein. Keine sozialen Medien und nicht einmal ein E-Mail-Kontakt?
Trevor / Für mich gibt es zu viel Lärm da draußen und ich möchte mich davon ein bisschen abnabeln. Social Media ist meine größte Angst. Es geht darum, in einem Raum mit Tausenden anderer Menschen zu sein, die entweder hassen oder lieben, was ich tue. Aber alle sind völlig außer Rand und Band und reden nur über sich. So fühle ich mich zumindest in der Social-Media- Blase. Ich hatte auch auf sozialer Ebene damit zu kämpfen. Ich wollte keine privaten Dinge mit anderen Leuten teilen, aber als es darum ging, Alben zu veröffentlichen, hatte ich das Gefühl, dass ich es verwenden musste. Der Großteil der Leute kennt die meisten Aufnahmen, die ich so liebe, nicht einmal. Die Idee ist, ein Label aufzubauen, das online nicht existiert. Man kann mich nicht kontaktieren, ohne einen selbst adressierten und frankierten Umschlag zu senden. Ich schicke dann eine Liste mit Veröffentlichungen zurück, und die Leute können mir einen Scheck oder Geld schicken, um sie zu kaufen, was wahrscheinlich harte Arbeit sein wird. Aber ich möchte es einfach versuchen.
Beat /Glaubst du, dass soziale Medien zynisch sind und Künstler nur die Emotionen der Menschen nutzen, um ihre Produkte zu verkaufen?
Trevor / Es geht darum, die Illusion einer Beziehung zu schaffen und in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben. Ich sehe Künstler, die ich liebe und respektiere, darüber reden, wie sie ihre Katze raus bringen oder sich eine Tasse Tee machen. Das ist so verdammt banal. Für mich sollte es nur um Musik gehen und ich wollte Marketing sagen. Das Mysterium ist weg. Ich möchte mir die Leute, die ich respektiere, auf einem Podest bewahren. Ich möchte nicht einmal daran denken, dass sie auch nur Menschen sind (lacht).

Trevors essenzielles Equipment:

• Akai S950
» Alles, was ich hineinschicke, klingt fantastisch. Es geht schnell, das Timing ist sehr solide, ein einfaches Interface – und die Limitierung zwingt einen, kreativ zu sein. «
• Sequential Circuits Studio 440
• Simmons SDS6
» Ein einzigartiger Sequenzer, den ich hauptsächlich in Kombination mit dem SDS7 verwende. Das Programmieren fühlt sich an, als würde man ein altes Videospiel mit den Händen spielen – ich kann ihm stundenlang beim Spielen zusehen. «
• Roland System-100
» Ich habe Jahre gebraucht, um alle Teile dafür zu finden. Es macht Spaß, es zu verwenden und der 103 Mixer hat so einen tollen Federhall. «
• MiniKorg-700S
• Linn LM-1
» Ich habe eine sehr frühe Einheit, die von Roger Linn selbst gebaut wurde. Es ist groß und temperamentvoll und ich habe es so oft reparieren lassen, werde es aber niemals loswerden. Es hat den besten Snare- Sound aller Zeiten. «
• Oram T-Serie Mischpult
• Akai MG1212
• Revox B215
» Ich mastere vieles von dem, was ich mache, mit dieser Tape-Maschine. Wenn ich etwas Extravagantes möchte, grabe ich in meiner Kiste mit versiegelten TDK MA-XGBändern. Ich habe jetzt nicht mehr viele, aber es gibt nichts Besseres, als die Schrumpffolie eines 40 Jahre alten Tapes abzunehmen. «