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stück: Bochumer Short Cuts: Ein Autor*innen-Film-Projekt für das Bochumer Ensemble


Theater der Zeit - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 01.06.2020

Ein schillerndes Wimmelbild unserer Zeit nennt das Schauspielhaus Bochum sein seit dem 19. Mai online stattfindendes Autor*innen-Film-Projekt. Um nicht länger daheim auf den Spielbeginn warten zu müssen, beauftragte Dramaturgin Angela Obst 14 Dramatikerinnen und Dramatiker, für das gesamte Ensemble szenische Miniaturen zu verfassen, die sich mit der derzeitigen Situation in der Coronakrise auseinandersetzen. Auf Grundlage dieser Texte wurden Kurzfilme gedreht (Regie Johan Simons, Filmregie René Jeuckens), die wöchentlich mit drei neuen Folgen auf der Website und den Social Media-Kanälen des ...

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Bildquelle: Theater der Zeit, Ausgabe 6/2020

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... Schauspielhauses Bochum erscheinen. Wir drucken die Minidramen von Miroslava Svolikova und Bonn Park.


DIE BEAMTEN


beamter 1: wir haben gehört, dass schlecht gesprochen werde von uns.
beamter 2: es soll schlecht gesprochen werden.
beamter 1: wir sollen gelder veruntreuen.
beamter 2: wir sollen licht verbieten.
beamter 1: wir sollen nahrung reglementieren.
beamter 2: wir sollen lächerliches tun.
beamter 1: es heißt, wir seien das dumme selbst.
beamter 2: es heißt, wir seien das falsche, und das richtige nicht.
beamter 1: es heißt, man brauche uns nicht.
beamter 2: es heißt, man brauche uns so sehr wie einen abszess.
beamter 1: aber das stimmt nicht.
beamter 2: man irrt sich.
beamter 1: man irrt sich gewaltig.
beamter 2: vielleicht.
beamter 1: ziemlich sicher.
beamter 2: sie brauchen uns.
beamter 1: weil wir verwalten?
beamter 2: sie brauchen uns.
beamter 1: sie brauchen uns doch?
beamter 2: brauchen
beamter 1: seien sie doch froh.
beamter 2: seien sie doch froh, dass irgendjemand sich um sie kümmert.
beamter 1: jemand kümmert sich um sie.
beamter 2: immerhin, schätzen sie das einmal wert.
beamter 1: wertschätzung!
beamter 2: wertschätzung!
beamter 1: aber
beamter 2: aber
beamter 1: wir lesen nicht ihre emails.
beamter 2: wir durchleuchten nicht ihre post.
beamter 1: wir scannen am flughafen nicht ihren körper ab.
beamter 2: nein.
beamter 1: nein.
beamter 2: oder doch?
beamter 1: nein, das machen andere.
beamter 2: das machen andere.
beamter 1: das machen ganz andere.
beamter 1: das machen nicht wir.
beamter 2: nein, wir haben besseres zu tun.
beamter 1: wir haben besseres zu tun.
beamter 2: wir schauen, dass das ganze rennt.
beamter 1: dass das ganze wie am schnürchen rennt.
beamter 2: was genau, fragen sie?
beamter 1: na, alles.
beamter 2: alles.
beamter 1: alles muss funktionieren, jeden tag.
beamter 2: alles rennt vor sich hin, jeden tag.
beamter 1: ist ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen.
beamter 2: fällt einem kaum auf, aber hin und wieder dann doch.
beamter 1: wissen sie, was mir auffällt?
beamter 2: was fällt ihnen auf?
beamter 1: wenn ich das haus verlasse, dann bin ich nicht gleich tot.
beamter 2: ja, das stimmt.
beamter 1: das ist schön, wenn man sich das überlegt.
beamter 2: so habe ich das noch nicht gesehen.
beamter 1: dass man aus dem haus geht und nicht sofort tot umfällt, das ist doch schön. darauf kann man stolz sein.
beamter 2: das ist schon etwas.
beamter 1: das wird leicht unterschätzt.
beamter 2: ja.
beamter 1: ich gehe jeden tag einmal aus dem haus, und ich bin noch immer nicht tot umgefallen.
beamter 2: ich auch. also ich auch nicht.
beamter 1: obwohl es nicht gut aussieht, da draußen.
beamter 2: nein, sieht nicht gut aus.
beamter 1: trotzdem, ein wichtiger erkenntnisgewinn.
beamter 2: eine erkenntnis, die sich an die andere reiht.
beamter 1: die erkenntnisse reihen sich aneinander und ergeben eine erkenntniskette, aber wenn die erkenntniskette reißt, dann wird man verrückt.
beamter 2: und auch dann, und selbst dann kümmert sich noch jemand, dass man in die richtige anstalt kommt.
beamter 1: dass man in die richtige anstalt kommt und die richtigen tabletten einnimmt.
beamter 2: dass man richtig behandelt wird und nachher wieder zurück kann, in die normale welt.
beamter 1: dass man wieder in die normale welt hinein kann.
beamter 2: darum kümmert sich jemand.
beamter 1: es wird sich um alles gekümmert.
beamter 2: wir kümmern uns um sie.
beamter 1: das war nur eine veranschaulichung, nur damit sie wissen, wie es um sie steht.
beamter 2: wir kümmern uns.
beamter 1: wir kümmern uns um sie, und wenn sie nachher rausgehn, dann sind sie nicht sofort tot.
beamter 2: also zumindest nicht, wenn es nach uns geht.
beamter 1: nein, wenn es nach uns geht, ganz sicher nicht.
beamter 2: nein. wer räumt denn sonst die ganzen toten weg.
beamter 1: nein.
beamter 2: ja.
beamter 1: dann haben wir ja schonmal die wichtigsten dinge geklärt.
beamter 2: sehr gut.
beamter 1: nichts zu danken.
beamter 2: das machen wir gern.
beamter 1: wir machen es gern und wir werden auch dafür bezahlt.
beamter 2: wir machen es gern, wir werden dafür bezahlt und mehr gibt es nicht zu sagen.
beamter 1: vielen dank!
beamter 2: vielen dank!
beamter 1: vielen dank!
beamter 2: auf wiedersehen!
beamter 1: wiedersehen!

© Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.

Foto Max Zerrahn

Die Dramatikerin Miroslava Svolikova, geboren 1986 in Wien, studierte Philosophie, Bildende Kunst und Szenisches Schreiben. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet: 2016 gewann sie das Hans-Gratzer-Stipendium mit „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt“, 2018 eröffnete „Europa flieht nach Europa“ die Autorentheatertage am Deutschen Theater in Berlin. Einladungen zum Austrian Cultural Forum New York und zum Goethe-Institut Tokio und eine Nominierung für den Nachspielpreis des Heidelberger Stückemarkts 2020 folgten. Sie betreibt das Kunstprojekt „YYY!“.