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Stürmische Nacht an der N ord see


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 51/2021 vom 18.12.2021

Der große abgeschlossene LIEBES-ROMAN

„Ja, schon …“ Sein Blick wanderte nach rechts. Da, wo einst Neles Elternhaus stand, hatte man einen Supermarkt errichtet. Und daneben, wo Peter mit seinen Eltern wohnte, war ein riesiger Parkplatz. „… aber alles sieht jetzt ganz anders aus“, brachte er den angefangenen Satz zu Ende. Er sah Kira wieder an. „Nur noch ein paar Minuten, Mäuschen, und wir sind da.“

„Sag nicht Mäuschen zu mir, ich bin schließlich keine vier mehr.“

„Nein, du bist 14 und fast erwachsen.“ Die Ironie in seiner Stimme war nicht zu überhören.

Zehn Minuten später stoppte Julian vor dem Haus seiner Großeltern. Klein und windschief stand es zwischen all den schönen, neugebauten Häusern, die es umgaben.

Mit zusammengepressten Lippen starrte Kira es an. „Passt ja wie Faust aufs Auge! Wie die Adresse schon sagt: Döse! Zum Einschlafen langweilig! Und hier soll ich eine Woche meines Lebens verbringen? ...

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Bildquelle: Das goldene Blatt, Ausgabe 51/2021

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... Meine Ferien? Während andere in die Berge fahren?“ Dramatisch warf sie die Arme hoch, ihre Augen badeten in Tränen.

¨ Zum Verkauf Julian musste zugeben, dass das Haus seiner Großeltern nicht viel hermachte

„Hier will sicher keiner mehr einziehen“, murrte Kira und riss trotz der Kälte alle Fenster auf.

Julian nickte. „Davon kann man ausgehen. Es wird abgerissen, aber Grundstücke sind hier in dieser Gegend heiß begehrt. Ist ja nicht weit bis zum Strand, und man ist gleich im Zentrum von Cuxhaven.“

Als er Nele erkannte, vergaß Julian die ganze Welt um sich

Kira ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Falls du von mir verlangst, dass ich hier wohnen soll, trampe ich nach Hause!“, drohte sie.

Julian lenkte ein. „Gut“, meinte er, „suchen wir uns ein Zimmer.“ „Zwei!“, verbesserte Kira.

„Also zwei Zimmer“, wiederholte Julian mit einem Seufzen.

Sie kamen in einem Hotel gleich gegenüber der City Marina unter, luden ihre Räder ab und fuhren ins Zentrum. Am Kaemmererplatz fanden sie eine Pizzeria, die sich im Obergeschoss befand. Vom Fenster aus konnten sie die Leute unten beobachten. Das half über das lastende Schweigen hinweg. Julian hatte sich gerade den letzten Bissen Pizza in den Mund geschoben, als er sie entdeckte. Nele!

Er starrte sie an, vergaß seine Tochter, das Haus der Großeltern, vergaß sogar zu kauen. Nele Tiedemann, seine Jugendliebe!

Auch Nele hatte den Mann am Fenster des italienischen Restaurants bemerkt, der sie anstarrte wie ein Gespenst. Sie schien ihn erkannt zu haben, denn sie lachte und winkte, überquerte die Straße und verschwand aus seinem Blickfeld.

„Wer war das?“, wollte Kira wissen, der die seltsame Reaktion ihres Vaters nicht entgangen war.

„Ach, bloß …“ Julian räusperte sich. „Willst du eine Nachspeise?“

„Gerne den Schokoeisbecher – also, wer war das denn nun?“

„Das war … ach, niemand“, antwortete er ausweichend.

„So, ich bin niemand?“ Die Frau, die plötzlich an ihren Tisch trat, lachte. „Dabei warst du doch einmal hinter mir her wie Nachbars Kater hinter unserer Katze.“

Dass Julian jetzt rot wurde, entlockte seiner Tochter ein Grinsen. Sie sah von ihm zu Nele und grinste noch breiter. „Hätte ich gar nicht von Vati gedacht! Als er mich und Lukas beim Schmusen erwischt hat, hielt er mir eine Moralpredigt, die sich gewaschen hatte!“

„Du bist schließlich erst 14!“

Nele setzte sich auf den Stuhl neben Kira und sah den empörten Julian amüsiert an. „So alt war ich damals auch. Und du warst …“, sie überlegte, „schon stolze 16?“

Statt zu antworten, fragte er: „Möchtest du etwas trinken? Oder vielleicht essen?“ Wie unter Zwang sah er auf ihre Hände und stellte fest, dass sie keinen Ehering trug. „Oder wartet jemand auf dich?“, fragte er trotzdem nach.

„Ein Glas Weißwein wäre nicht schlecht.“ Sie zog ihre Jacke aus und hängte sie über die Stuhllehne. „Und nein, es wartet niemand auf mich.“ Ihr Lächeln traf ihn tief.

Als die Bedienung den Wein gebracht hatte, stießen sie an. „Auf unser Wiedersehen“, sagte Nele, und dann mit Blick auf Kira: „Deine Tochter ist dir gut gelungen, ein sehr hübsches Mädchen.“

„Findet Lukas auch“, erklärte Kira mit giftigem Blick Richtung Julian. Sie hielt Nele die Hand hin. „Ich heiße übrigens Kira.“

„Ich bin Nele.“ Sie wandte sich wieder an Julian. „Zeigst du ihr jetzt deine alte Heimat?“

„Ich verkaufe das Haus meiner Großeltern. Und ja, ich dachte, vielleicht interessiert es Kira, wo ich aufgewachsen bin.“

„Und deine Frau? Ist sie nicht mit hierhergekommen?“

„Sie sind geschieden“, gab Kira Auskunft. „Seit sieben Jahren schon. Ich bin also ein armes Scheidungskind und werde zwischen meinen Eltern hin- und hergeschoben, wie sie es brauchen.“

„Entsetzlich!“, ging Nele auf Kiras Tonfall ein. Die beiden schienen sich auf Anhieb zu verstehen. „Darf ich das Scheidungskind morgen in den Pferdestall einladen?“

„Echt?“ Kira riss begeistert die Augen auf. „Etwa zum Reiten?“

„Wir sind eine Gruppe von Leuten, die Touristen Wattwagenfahrten zur Insel Neuwerk anbieten. Allerdings nicht jetzt im Winter. Meine beiden schönen Rösser sind braune Kaltblüter. Ich reite sie nicht, gehe mit ihnen hin und wieder auf Kutschenturniere. Doch es gibt andere Pferde im Stall, die auch geritten werden. Und es sind dort auch immer ein paar Mädchen in deinem Alter unterwegs. Außerdem können wir natürlich eine kurze Wattfahrt unternehmen.“

„He, super!“ Kira war hingerissen und Julian froh, dass seine Tochter keine Schnute mehr zog.

„Du hast meinen Brief allen gezeigt!“, sagte Julian verletzt

„Und von den Wattfahrten lebst du?“, fragte er Nele, als er Kira am nächsten Tag zu ihr in den Stall gebracht hatte. Seine Tochter war bereits mit einem Mädchen namens Emy im unergründlichen Boxengewirr verschwunden.

„Aber nein!“, sie lachte. „Ich bin Lehrerin an demselben Gymnasium, auf das wir beide einmal gingen. Sport und Biologie.“

Julian nickte. „Das waren ja damals schon deine Lieblingsfächer.“

„Donnerwetter, das weißt du noch?“ Erstaunt sah sie ihn an.

„Na klar – und dass du meinen Brief überall herumgezeigt hast!“ Sein Blick war weidwund.

„Ach, herrje. Das war wirklich nicht nett von mir. Andererseits, ich war ziemlich überfordert von so viel geballter Liebe. Ich meine, ein Heinegedicht! ‚Mit deinen blauen Augen siehst du mich lieblich an, da wird mir so träumend zu Sinne, dass ich nicht sprechen kann …‘ Sowas muss man als 14-Jährige ja erst einmal verkraften.“

„Ich hatte mir so viel Mühe mit diesem Brief gegeben.“

Ein Schmunzeln lag auf ihrem Mund. „Ja, heute weiß ich das. Ich habe nie wieder so einen schönen Brief bekommen. Nimmst du meine Entschuldigung an?“

Der Liebesbrief

Damals hatte Nele Julian tief verletzt, indem sie seinen Liebesbrief allen zeigte

„Niemals!“ Seine Miene war bierernst. Doch dann lachte er. „Ich könnte zumindest darüber nachdenken. Allerdings nur, wenn du heute Abend mit uns zum Essen gehst. Kira scheint dich zu mögen, ich kann Unterstützung im Umgang mit ihr gut gebrauchen.“

„Okay, ich nehme die Strafe an!“

Nele spannte die Pferde ein und rief nach Kira. Die erschien mit Emy im Schlepptau. „Kann ich auch mitfahren?“, fragte Kiras neugewonnene Freundin.

„Klar.“ Nele stieg vorn auf den Kutschbock. Julian setzte sich neben sie, die Mädchen hinten auf die letzte Bank – weit genug entfernt, um ungestört tuscheln zu können.

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