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STURM UND RANG


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 21/2019 vom 23.05.2019

Heftiger Gegenwind für den neu aufgelegtenMercedes GLE: Im ersten Vergleich gegen BMW X5 und VW Touareg geht’s hoch her


Der neue GLE hilft im Stau automatisch, eine Rettungsgasse zu bilden. Kostet aber extra


SO KANN ES GEHEN: Da ist man Pionier der Liga, und am Ende muss man traurig hinterherschlurfen. Wie bitte? Mercedes fährt mit dem brandneuen XL-SUV GLE hintendran? Obwohl ein ML – der Urahn des GLE – schon vor 20 Jahren durch den Großstadtdschungel stapfte? Da war ein BMW X5 nicht mal geboren und ein VW Touareg nicht ansatzweise geplant. Doch Stuttgart muss keine Sturm-Warnung fürchten: Die ...

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SO KANN ES GEHEN: Da ist man Pionier der Liga, und am Ende muss man traurig hinterherschlurfen. Wie bitte? Mercedes fährt mit dem brandneuen XL-SUV GLE hintendran? Obwohl ein ML – der Urahn des GLE – schon vor 20 Jahren durch den Großstadtdschungel stapfte? Da war ein BMW X5 nicht mal geboren und ein VW Touareg nicht ansatzweise geplant. Doch Stuttgart muss keine Sturm-Warnung fürchten: Die Kolonne der Kolosse hat sich nur für unser Foto so aufgereiht. Von traurig schlurfen kann keine Rede sein. Tatsächlich nimmt der neue GLE 350 d gerade mächtig Anlauf. Schwungvolle 600 Newtonmeter Drehmoment helfen ihm dabei, sich über den ebenfalls 600 Newtonmeter starken VW Touareg herzumachen und einen BMW X5 (sogar 620 Nm mächtig) ins Visier zu nehmen. Wir ordnen den neuen GLE im ersten Vergleich ein – in der echten Reihenfolge natürlich.

Den Benz gibt es ab 69 496 Euro, mit Betonung auf ab. Denn das ist nur als Annäherung an einen Mindestpreis zu sehen. Ein GLE soll luxuriös, absolut sicher und im höchsten Maß modern sein. Das ist er aber erst, nachdem reichlich Kreuze die Aufpreisliste zieren. Beispiel: Im automatischen Stauführungs system steckt ein Rettungsgassen assistent (bei dem sich das Auto am Vordermann orientiert). Der kostet jedoch über ein Paket fast 2300 Euro zusätzlich. Auch in Sachen digitaler Unterstützung verhält sich Mercedes nicht spendabel. Rundum-Kamera? Verkehrszeichenassistent? Head-up-Display? Spurwechselhilfe? Am Ende verschlingt allein die komplette Versorgung mit Sicherheitstechnik über 6000 Euro extra. Zugegeben: BMW macht es ähnlich, stattet den X5 jedoch mit mehr Komfortspielereien aus. Außerdem kosten zum Beispiel die tadellosen Ledersitze mit 14-facher (!) elektrischer Verstellung moderate 1290 Euro mehr. Da nehmen wir gern Platz.

VW bleibt in allen Bereichen dran, Luxus fährt (mehr als beim GLE) mit, zudem stellt VW grundsätzlich viel Assistenztechnik bereit und hat einen satten Umfang in Sachen Multimedia versorgung zu bieten. Dafür kostet ein Touareg in unserer Konfiguration auch fast so viel wie ein GLE. So oder so: Alle drei Testwagen schlingern in Richtung „sechsstellig“. Den Käufern ist das wohl eh wurscht, die leasen solche Autos. Also hören wir lieber auf, Pfennige zu fuchsen – und fragen wir lieber: Was können die drei Dicken auf der Straße?

Der neue Mercedes GLE nimmt Fahrt auf: Als 350 d verfolgt er VW Touareg V6 3.0 TDI und BMW X5 30d


Antwort: der Mercedes fast alles! Er schafft es, dank variabler Luftfederung sanft zu wiegen, kann dennoch stramm geführt mit Schmackes über die Bahn toben. Der Fahrer darf entweder feinfühlig dirigieren oder auch beherzt drauftreten. Der Benz marschiert mächtig, bettet sanft und umsorgt konzentriert – feiner und sicherer kann man kaum Auto fahren. Ebenfalls erstklassig: Die Sitze vorne wie hinten bieten besten Halt und sind sehr bequem gebaut. Dazu gibt es reichlich Raum vorne und sogar am meisten Platz hinten. Schade: Die Flut an Informationen, die über das Multimediasystem MBUX auf den Fahrer einstürzt, ist schlicht zu viel des Guten. Die Bedienung will umständlich erlernt werden, das Ablesen vieler Infos über das Zentraldisplay fällt schwer, und die schlaue Sprachbedienung mag auf der Autobahn (dann ist es dem Butler zu laut) nicht mehr mitreden.

Mercedes trägt dick auf: stämmige Heckansicht, verstärkt durch breite Räder. VW und BMW dagegen dezen ezent


BMW hat sein Bediensystem deutlich stärker auf intuitive Schritte gemünzt, der X5 lenkt dank klarer Bildgestaltung und einfacherem Bedienelement am Ende viel weniger vom Verkehr ab. Einziger Gewöhnungsaufwand: die fremdartige Tachodarstellung inklusive grober Skalierung und der „verdreht“ laufende Drehzahlmesser. In der komfortablen Stellung seiner Fahrprogramme schwingt der BMW herrlich lang und weit ein und aus, filtert kurze Unebenheiten sogar noch feinfühliger weg als der Mercedes. Der Reihensechser des X5 brummt sonor, arbeitet gefühlt leiser und wirkt effektiver gedämmt. Allerdings: Trotz gierigem Einlenkverhalten (kaum zu glauben, dass man fast 2,3 Tonnen Metall aus dem Handgelenk heraus so fein dirigieren kann) taucht er bei jeder stärkeren Kursänderung immer erst ein spürbares Stück auf der Kurvenaußenseite ab. Physik – der ebenso hohe wie schwere Aufbau mag eben nicht so gerne in die Biegung stechen, wie es das aktive, elektronisch überwachte Fahrwerk verträgt. Egal, lässt sich vertuschen – hinter der Taste Sport lauert nämlich richtig Gaudi. Federung, Lenkung, Getriebe, Motorcharakter – alles hellwach und relativiert die Aufbaubewegungen. Aus Trumm wird Teufelchen, der X5 lässt sogar freche Heckschwenks zu, wo der VW schmierend aufgibt (neutralfahrstabil) und der enorm fahrsichere Mercedes vom ESP gehemmt wird. Kein großer SUV hat uns in letzter Zeit mehr Laune bereitet als der X5.

Doch Vorsicht! Das alles gilt für den Fahrer. Passagiere in der zweiten Reihe haben weniger zu lachen. Die Bank ist flach ins Auto montiert, die Lehne steht steil – bequem geht anders. Auch im VW müssen Mitfahrer tapfer sein. Die in den Innenraum ragende CSäule stört empfindlich, große Mitfahrer stoßen mit der Schulter an. Die Vordersitze dagegen gehen auch als sündhaft teure LoungeSessel durch. Üppig, bequem, vielfach justierbar und geschmeidig unterfüttert, lassen sich auch 1000 Kilometer wegstecken wie die kurze Fahrt morgens ins Büro.

Die der VWFahrer übrigens deutlich schneller hinter sich bringen könnte als die Chauffeure der Konkurrenten. Der VW ist minimal stärker, kann das maximal umsetzen. Er sprintet BMW und Mercedes davon, hängt sie auf der Autobahn sogar mühelos ab. Schade: Der ansonsten fein arbeitende V6Motor ruckt beim Anlassen (im StartStoppModus) unwirsch. Trotz des gemessenen SprintNachteils dem VW gegenüber: Der Reihensechser im Mercedes GLE fühlt sich saftiger an. Er stellt sein Drehmoment nämlich deutlich früher bereit, sortiert Kraft über neun Vorwärtsgänge – und ist dank Euro6dNorm statt 6dTemp wie bei Touareg und X6 auch sauberer. Sparsamer ist er nicht.

Die Medaille muss er so ganz knapp an BMW abgeben, der X5 gewinnt den Test. Das Foto passt also !