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Stuttgarter Ikonen


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 25.05.2022

Mercedes 300 SL und Porsche 911 Cabriolet · Klassik Vergleich

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 12/2022

FOTOS Bernd Ebener

Man tat sich in Stuttgart-Zuffenhausen zunächst etwas schwer mit einem Konkurrenten zum erfolgreichen SL. Den 911 gab es lange Zeit nur als Coupé und Targa. Der letzte wirklich offene Porsche, der 356, fiel 1965 aus dem Modellprogramm. Dass auch die Elfer-Fans in den Genuss von Open-Air-Feeling kommen konnten, dafür sorgte ein Halbamerikaner: Peter W. Schutz war zwar gebürtiger Berliner, doch bereits als Kind in die USA emigriert. Er löste 1981 den glücklosen Ingenieur Ernst Fuhrmann als Porsche-Chef ab und lenkte die Arbeit der Entwickler wieder auf das Wesentliche: den 911. Gut, dass Porsche-Entwicklungschef Helmuth Bott den passenden Offen-Elfer so gut wie fertig in der Schublade hatte.

Mercedes baute seinen R107 bereits ab 1971

1982 erschien das 911 SC Cabrio mit Dreiliter-Boxer und 204 PS. Der offene Elfer fand ein Jahr später mit dem ...

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... 231 PS starken Carrera 3.2 zu seiner vollendeten Form. Da stand auch bei der Mercedes-Baureihe R107 eine große Modellpflege an. Die hatte schließlich bereits 1971 die Pagode abgelöst und war seither fast unverändert gebaut worden. 1985 kam der überarbeitete 107er auf den Markt – als 420, 500 und 560 SL mit V8-Motoren sowie als 300 SL mit dem neuen, 188 PS starken Sechszylinder aus der E- und S-Klasse. Damit wurde nicht nur die legendäre Modellbezeichnung des 300 SL wiederbelebt – der Sechszylinder-R107 war nach Meinung vieler Fachleute sogar der harmonischste SL.

Die Autos der Baureihe R107 haben längst H-Kennzeichen-Status. Die wenigen optischen Änderungen der großen Modellpflege von 1985 sehen nur Fachleute auf den ersten Blick: etwa den Frontspoiler mit Nebelscheinwerfern und Lufteinlass, die moderneren Sitze oder die glattflächigen, sogenannten Gullydeckel-Alu-Räder.

Die zeitgenössischen Tester sahen in dem gelifteten Mercedes-Roadster ein zwar gutes, aber in die Jahre gekommenes Auto. Der satte Chromschmuck rund um den 107er veranlasste einen Autoschreiber zu der etwas despektierlichen Anmerkung, der viele Glanz zeige nicht nur bei Sonnenschein, dass der Fahrer Bankdirektor, Manager oder Schlagzeuger sei. Darum muss man sich heute keine Sorgen machen: Der R107 ist ein etablierter Klassiker, ein Auto aus der Das-war-aber-noch-einschöner-Mercedes-Ära. Mit solchen Gedanken gab sich ein 911-Fahrer nie ab. Sein Auto ist zuallererst ein Elfer. Ob es nun ein Ölklappen-Targa von 1973 oder ein Carrera 3.2 von 1989 ist, das registrieren wohl ebenfalls nur Auto-Affine auf Anhieb – für alle anderen ist es ein etwas betagter Porsche. Mit anderen Worten: Ob-wohl 300 SL und 911 Cabrio Mitte der 80er-Jahre als Neuwagen für viel Geld in den Showrooms standen, waren sie eigentlich schon Youngtimer – in Design und Auftritt nicht mehr ganz up to date.

Das patentierte 911-Dach widersteht hohem Tempo

Möglicherweise ist diese dezente Gestrigkeit eines der Geheimnisse ihrer Beliebtheit, denn beide, offener 911 wie offener 107, zählen zu den begehrtesten und preisstabilsten Jungklassikern weltweit. Und obwohl sie so unterschiedlich sind, werden sich nicht wenige fragen, welches wohl die bessere Investition in Fahrspaß und Rendite ist: der spartanische Sportwagen oder der relaxte Roadster.

Beide Autos eignen sich als Wertanlage – und für Sonntagsaus flüge

Los geht’s, fahren wir 911. Obwohl es für den Carrera 3.2 gegen Aufpreis ein elektrohydraulisches Verdeck gab, muss dieses erst rund 30.000 Kilometer junge Exemplar von Hand offengelegt werden. Dazu wird zunächst das Heckfenster per Riesenreißverschluss geöffnet, dann das Verdeck am Scheibenrahmen entriegelt und anschließend die gesamte Dachkonstruktion hinter den Notsitzen verstaut. Dort liegt sie wie ein fetter Rucksack über dem Motor und will durch eine etwas widerspenstige Persenning abgedeckt werden.

Technische Daten Porsche 911 Carrera 3.2

ANTRIEB 6-Zylinder-Boxer; hinten längs eingebaut; 2-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen, über Kette angetr.; elektr. Einspritzung Bosch Motronic; Bohrung x Hub: 95,0 x 74,4 mm; Hubraum: 3164 cm 3; Verdichtung 10,3; Leistung: 170 kW/231 PS bei 5900 /min; maximales Drehmoment: 284 Nm bei 4300 /min; 5-Gang, manuell; Hinterradantrieb

AUFBAU+FAHRWERK Selbsttr. Stahlkarosserie; vorn: Einzelradaufh. an Querlenkern, Torsionsfedern, Dämpfer, Stabi.; hinten: Einzelradaufh. an Schräglenkern, Torsionsfedern, Dämpfer, Stabi.; Bremsen: rundum innenbel. Scheiben, Servo; Reifen: v. 185/70 VR 15, h. 215/60 VR 15, (auf Wunsch: v. 205/55 VR 16, h. 225/50 VR 16); Räder: v. 6 x15, h. 7 x15 (6 x 16, 7 x16)

ECKDATEN L /B/H: 4291//1652/ 1320 mm; Radst.: 2272 mm; Spurweite: v./h. 1372/1380 mm; Wendekreis: 11,0 m; Leergew.: 1280 kg; Tankinhalt: 80 l; elektr. Anlage: 12 Volt; Bauzeit: 1983 bis 1989 (Carrera 3.2); Stückzahl: 19 987; Preis (1984): 71.200 Mark

FAHRLEISTUNGEN 1

Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 6,1 s; Höchstgeschwindigkeit 245 km/h; Verbrauch 9,8 l S/100 km (Drittelmix)

911-Wissen zum Angeben: Der Konstrukteur des Verdecks heißt Gerhard Schröder. Das Verdeck sieht nur so aus, als sei es aus Stoff, in Wahrheit besteht es zur Hälfte aus textilverhüllten Stahlprofilen, die ihm die für Geschwindigkeiten über 200 km/h nötige Steifigkeit verleihen. Schröder erhielt dafür ein Patent und 33 Pfennig Erfinderlohn pro Elfer-Cabrio.

Das Einsteigen klappt besser mit offenem Dach. Die vorderen Sitze im 911 sind sehr hoch montiert, und der Scheibenrahmen auf Tuchfühlung mit der Stirn irritiert anfangs etwas, weshalb übrigens Porsche-Kenner mit Sitzriesen-Statur nach Elfern mit elektrischer Sitzeinstellung Ausschau halten. Da kann der Arbeitsplatz des Fahrers in eine tiefere Position gefahren werden.

Zündschlüssel links gedreht und: wrummmm

Im offenen Auto klingt der Sechszylinder-Boxer präsenter, das Lüfterrauschen wird bei jedem Gasstoß zum Orkan. Die Schaltung ist eine widerspenstige Angelegenheit; vor allem mit kaltem Getriebeöl lassen sich die Gänge nur schwer einlegen.

Ohnehin sollte der Porsche erst richtig zur Sache gebeten werden, wenn die 13 Liter Motoröl wohl temperiert durch Triebwerk, Kühler und Öltank zirkulieren. Zum Glück hat der 911-Fahrer gleich drei Instrumente, die den Ölhaushalt beobachten: ein Thermometer, eine Öldruckanzeige sowie eine Anzeige für den Füllstand im Tank. Wenn alles passt, darf gern über 4000 gedreht werden. Was dann kommt, wurde schon oft beschrieben. Deshalb nur so viel: Ein 911 mit 231 PS geht auch heute noch besser als die meisten modernen Autos – in rund sechs Sekunden auf 100. Nach weniger als 20 Sekunden ist er 180 km/h schnell, mit offenem Dach! Wenn es denn sein muss, ist auf der Autobahn erst bei 245 km/h Schluss, der Tacho steht dann auf 260. Eine Übung allerdings, die nur mit geschlossenem Schröder-Dach zu empfehlen ist. Mehr Spaß bereitet der 911 auf möglichst gewundenen, möglichst einsamen Landstraßen, die Gänge drei und vier reichen hier aus. Mit der mustergültig direkten und gefühlvollen Lenkung und dem leicht untersteuernden Fahrverhalten spielt er hier seine Vorzüge aus.

Von ganz anderem Naturell ist der 300 SL. Selbst in der Version ohne Kat und mit handgeschaltetem Fünfgang-Getriebe ist er alles andere als ein Rennwagen. Die Zahlen zum Vergleich: Auf 100 km/h in 9,6 Sekunden, bis 180 km/h vergehen fast 35 Sekunden, Topspeed 203 km/h. Der Mercedes glänzt mit anderen Qualitäten: der entspannten Sitzposition hinter dem großen Lenkrad, dem ausgezeichneten Federungskomfort, der die meisten modernen offenen Zweisitzer richtig alt aussehen lässt, dem leisen, seidigen Reihensechszylinder. Und nicht zuletzt mit der markentypischen Entspanntheit, die sich nach wenigen Kilometern auf den Fahrer überträgt. Lass’ den Porsche ruhig heizen, wir genießen die Landstraßenfahrt und haben auch noch länger was davon!

Entspanntes Cruisen ist das Metier des Mercedes

Mit dem serienmäßigen Hardtop und seinem großen Kofferraum ist der SL zudem ein ganzjahrestaugliches Reiseauto. Ein Stahl-Hardtop gab es für den 911 ebenfalls, es kostete 6500 Mark. Ach ja, das Öffnen des Verdecks gelingt beim 300 SL etwas einfacher, er hat im Prinzip die gleiche Dachkonstruktion wie die Pagode. Eigentümlich sind die abnehmbaren Chromknebel, mit denen das Verdeck ent- und verriegelt wird. Insider-Mercedes-Wissen: Für den 300 SL gab es gegen einen Aufpreis von 969 Mark Notsitze hinter den Sitzen. Sie durften allerdings nur mit Personen unter 50 Kilo besetzt werden. Besser investiert waren die 2525 Mark für eine Vierstufen-Automatik. Mit ihr wird der 107er zum vollends gelassenen Cruiser.

Welchen Sie nun kaufen sollen? Der 300 SL ist die entspanntere, der 911 die fahraktivere Wahl. Billiger, das jedenfalls scheint sicher, wird keines der beiden deutschen Traumcabrios der 80er-Jahre.

Jetzt lesen:Classic Cars 6/2022

Angucken lohnt: Der große Museums-Ratgeber verrät, wo es was zu sehen gibt. Außerdem: ein Bulli mit 911-Motor, die bezahlbaren Coupés der 70er sowie Lamborghini Countach und De Tomaso Pantera im Vergleich.

Ab sofort für 4,50 Euro am Kiosk

Technische Daten Mercedes 300 SL

ANTRIEB R6-Zylinder, vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; zwei obenliegende Nockenwellen, über Kette angetrieben; elektr. Einspritzung Bosch KE-Jetronic; Bohrung x Hub: 88,5 x 80,3 mm; Hubraum: 2962 cm 3; Verdichtung 9,2; Leistung: 136 kW/188 PS bei 5700 /min; max. Drehm. 255 Nm bei 4400 /min; 5-Gang, manuell (opt.: 4-Stufen-Autom.); Hinterradantrieb

AUFBAU+FAHRWERK Selbsttragende Stahlkarosserie; vorn: Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern, Federn, Dämpfer, Stabilisator; hinten: Einzelradaufhängung an Schräglenkern, Federn, Dämpfer, Stabilisator; Bremsen: rundum Scheiben, vorn belüftet, Servo-Bremshilfe; Reifen: 205/65 VR 15; Räder: 7 x15

ECKDATEN L /B/H: 4390/1790/ 1305 mm; Radst.: 2450 mm; Spurweite: v./h. 1465/1466 mm; Wendekreis: 10,6 m; Leergewicht: 1510 kg; Tankinhalt: 85 l; elektr. Anlage: 12 Volt; Bauzeit: 1971 bis 1989 (Baureihe R107); Stückzahl: 237.287 (davon 13.742 300 SL); Preis (1985): 64.581 Mark

FAHRLEISTUNGEN 1

Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,6 s; Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h; Verbrauch: 10,8 l S/100 km (Drittelmix)