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Südpfälzisch schlemmen und Wein entdecken


Slow Food Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 27.07.2021

Genussreise mit dem Rad

Artikelbild für den Artikel "Südpfälzisch schlemmen und Wein entdecken" aus der Ausgabe 4/2021 von Slow Food Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Slow Food Magazin, Ausgabe 4/2021

Jetzt heißt es erstmal »Hihogge!«. Das ist kein Befehl, sondern nett gemeint und garniert mit einem Picknick gleichen Namens, das wir unter Bäumen in Germersheim verspeisen. »Was abhole und sich e schöns Plätzle suche! Da es hier eine sehr hohe Dichte an Direktvermarktern gibt, geht das überall«, erklärt Silke Wiedrig von Südpfalz-Tourismus Landkreis Germersheim.

Radrouten-Schilder weisen in diverse Richtungen, auch zur imposanten Festung Germersheim, wohin wir mit Gästeführer Klaus Raithel aufbrechen: »Bereits 1090 stand hier eine Burg«, erzählt er. Am Weißenburger Tor sieht man den bayerischen Löwen, denn einst gehörte die Pfalz zu Bayern. »Beide Festungstore wurden zwar abends um neun geschlossen, aber es gab für Notfälle eine kleine Tür, durch die man reinschlüpfen konnte.« Beim Bau der heute noch zu sehenden Festungsanlagen 1834– 1855 durch Architekt Friedrich von ...

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... Schmauß waren 3 000 Menschen beschäftigt: Festungsarbeiter, -steinmetze, aber auch Metzger, Schneider, Schreiner.

Mühlenland Auf dem Queichtalradweg verlassen wir das Städtchen. Teils führt er asphaltiert über eine Landstraße, teils auf Forstwegen durch den tiefgrünen Wald, ab und an auch am gluckernden Flüsschen entlang. Kein Wunder, dass es hier vor Mühlen nur so wimmelt. Da ist schon die erste: Das bezaubernde Hofgut Holzmühle Westheim in einer 1481 gegründeten Mühle. Heute wird hier kein Korn

Fotos: Ulrich Boeying, AdobeStock _Dziurek, Judith Weibrecht

mehr gemahlen, aber im gut sortierten Mühlenladen kann man verschiedene Mehlsorten und mehr erstehen. »Wir verkaufen Mehl aus alten Getreidesorten, Sirup, Senf, Schokolade, Fertigbackmischungen ohne Zusatzstoffe. Das sind alles saubere Produkte ohne Zusätze und Aromen«, erklärt Timo Heiny, einer der beiden Besitzer. Der Strom wird mit Wasserkraft erzeugt, die Gästezimmer mittels Wärmepumpe beheizt. Als nächstes soll die Photovoltaik hinzukommen.

Es folgt ein Gang durch den zauberhaften Garten, in dem sogar Pfauen leben. Im Haus ist es nicht minder magisch. Heiny zeigt uns seine Ausstellung antiker Buddhas aus Burma und die zahlreichen Plastiken aus Papua-Neuguinea, afrikanischen und asiatischen Ländern. Beeindruckend auch seine einfühlsamen Ethnofotografien: »Mit 17 Jahren bin ich zum ersten Mal nach Afrika gereist und war seitdem immer wieder dort. Diese Kulturen faszinieren mich – sie sind so reich!« Die Menschen treten förmlich aus seinen Bildern heraus.

Die Fotos im Kopf – sie wirken lange nach – fahren wir weiter zur »Zeiskamer Mühle«. Gleich gegenüber wohnt ein Storchenpaar mit seinen Jungen. Ihr Nest haben sie auf einem bereitgestellten Horst in den Queichwiesen erbaut. Rieselwiesen nennt man die, denn hier kann mittels kleiner Kanäle, Wehre und Schließen das Wasser gestaut werden oder frei fließen. Dieses alte Bewässerungsprinzip wurde 2018 in das »Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes« der Deutschen UNESCO Kommission aufgenommen.

Genießerland

Stärkung holen wir uns nun durch den Besuch bei »Schickes Lädel mit Hofcafé« in Zeiskam mit seiner Riesenauswahl an Obst und Gemüse vom Hof, Brot, Gebäck und Getränken. Entstanden ist es wirklich aus einem »Lädel«, alles begann mit dem Verkauf von geputztem Feldsalat aus eigenem Anbau. Heute freuen sich Radfahrer und andere Gäste über das schön gestaltete Café-Restau-rant mit Laden in der ehemaligen Packhalle des Gemüseanbau-betriebs und den Außenbereich mit Sitzplätzen. Hier gibt es saisonale und regionale Gerichte. »Kee große Kart, aber was Schickes!«, betont Besitzerin Jutta Schick lachend.

Schon jetzt ist also klar, worum es in diesem Landstrich vor allem geht: um Genuss! Entlang eines Walderlebnispfads, über eine Holzbrücke und vorbei an einer E-Bike-Ladestation errei- chen wir das Ottersheimer Teilungswehr und schließlich die 1996 gegründete Brauerei Bärenbräu.

Wie sie zu ihrem Namen kam, ist kurios: Die Menschen in den umliegenden Ortschaften tragen alle Spitznamen. »Zu den Otters- heimern sagt man, sie sind die Bären«, erzählt Braumeister und Brauereichef Matthias Rüde, der selbst einmal der Bärenkönig war. Sein Lieblingsbier ist das Weizen. »Aber natürlich gibt es auch das klassische Helle und Dunkles und ab und an Spezialitäten wie Vierkorn-Bier mit Dinkel und Roggen.« Eine Flasche verschwin- det in der Fahrrad-Packtasche und fährt mit auf dem Tabakrad- weg gen Rülzheim. An den Anbau der hübschen Pflanze mit den rosafarbenen Blüten erinnern heute nur noch einige alte Schup- pen. Doch um 1850 entfaltete sich hier aufgrund des Klimas und der sandigen Böden ein wahres Tabak-Mekka. Wer hätt‘s gedacht? Bei den braunen Blättern denkt man ja eigentlich eher an Kuba.

Im Tal der Strauße Als wäre es nicht schon exotisch genug, tauchen hinter einem Drahtzaun kapitale Straußenvögel auf. Keine Fata Morgana! Wir biegen ab zur »Straußenfarm Mhou«, lassen uns von Besitzerin Uschi Braun über das riesige Gelände führen und besuchen Strauße aller Altersgruppen. Besonders putzig sind natürlich die Kleinen. »Die sind sehr neugierig und kommen gleich angerannt, wenn sich was rührt«, weiß Frau Braun. Hübsch geschminkt ist der Straußenmann, wenn er auf Partnerinnensuche ist: Derzeit sieht er aus, als hätte er rund um den Schnabel roten Lippenstift aufgetragen. »Superhahn Evan ist aber seiner Eliane ein Leben lang treu«, betont sie. Normalerweise habe ein Hahn allerdings bis zu vier Hennen um sich und könne 60 Jahre alt werden.

Im Laden kann man Eier und anderes vom Strauß erstehen, es gibt auch Mitgebrachtes aus Zimbabwe. »Dort haben wir die Zucht erlernt« erzählt Christoph Kistner beim gemeinsamen Mahl: Schnittchen mit Straußenschinken, -salami oder -leberpaté. »Das Fleisch ist mit maximal zwei Prozent Fett sehr mager, enthält viele Mineralien und ist komplett unbelastet«, erklären die beiden. Einmal mehr dämmert mir in dieser gemütlichen Runde, dass die Südpfälzer ein Völkchen sind, das gerne gut isst und trinkt.

SÜDPFALZ

Karpfen und Herzpfeffer

Wir schlängeln uns auf vielen kleinen Routen durch die Lande, die nur wenig Muskelschmalz erfordern und viel Muße für die Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Highlights am Wegesrand lassen. Im Restaurant »Zum Karpfen« mitten in Neupotz, empfohlen auch im Slow Food Genussführer, gibt es, wie der Name schon vermuten lässt, hervorragende Fischgerichte. Und keineswegs nur Karpfen, sondern auch Rheinzander mit hausgemachtem Kartoffelsalat, Hecht oder Barsch aus Wildfang. Daneben ist die Betreiberfamilie Gehrlein aber auch für ihre Fleischgerichte bekannt: »Das Fleisch beziehen wir von unseren Metzgerkollegen Scherer-Hatzenbühl, die Rind und Schwein aus der näheren Umgebung noch im eigenen Betrieb selbst schlachten. Höfe und Menschen sind uns persönlich bekannt, denn Saisonales und Regionales liegen uns sehr am Herzen«, betont Daniela Gehrlein-Bauer. Der Hit sind Gerichte wie Herzpfeffer und Kesselfleisch, die man wohl nicht mehr auf allzu vielen Speisekarten finden dürfte, oder gefülltes Freilandhuhn (aus Neupotz). Gemüse und Salate kommen aus dem Südpfälzer Umland, z. B. vom Schossberghof in Minfeld, die Weine sind aus der Pfalz. Die Tradition reicht weit zurück: »In seiner heutigen Form gibt es den ›Karpfen‹ seit 1898. Mit meiner Mutter zusammen bin ich schon in der vierten Generation in der Gastgeberrolle«, so die Chefin. Als ich sie nach ihrem Lieblingsgericht frage, muss sie nicht lange überlegen: »Markklößchensuppe nach unserem Familienrezept – eine gebundene Rindfleischsuppe, natürlich hausgemacht, mit handgerollten Markklößchen, meistens zehn bis fünfzehn Stück!« Seit Beginn der Pandemie wird der Abholservice sehr gut nachgefragt. »Schön war zu erfahren, dass ihn auch verstärkt jüngeres Publikum genutzt hat. Eventuell haben einige ihre Essgewohnheiten in den letzten Monaten etwas überdacht. Das würde uns sehr freuen.«

Vom Riesling zum Zander 

Weitere empfehlenswerte Restaurants in Neupotz sind das Sterne-Restaurant »Zur Krone« und die feine Küche im »Zum Lamm«, wo wir am Abend Zander auf Spargel verspeisen, dazu gibt es einen feinen Riesling. Pamina Rheinpark-Guide Michael Walter kann ein Lied davon singen: „»Vom Riesling zum Zander« heißt es. Und er legt noch eins drauf: »Ja so en guude Palzwoi, der laaft ääm in de Hals noi, der laaft ääm durch die dorschdisch Kehl, do werd mer froh un kreizfidel«. Von regionalen Köstlichkeiten wie Fleischknöpfen aus Rindfleisch, Schweinebauch und Kräutern mit Meerrettichsauce weiß er ebenfalls zu berichten. Auch sie werden besungen. Mit Blick auf den Rhein stoßen wir an. Früher habe der Strom immer wieder sein Bett gewechselt, erklärt er. Damals fuhren hier Flusskriegsschiffe wie die »Lusoria Rhenana«, originalgetreuer Nachbau eines römischen Patrouillenboots, das im Setzfeldsee vor Anker liegt. »Im 19. Jahrhundert aber wurde der Strom von Gottfried Tulla begradigt.«

Geschichten vom Rhein gibt es viele: Im »Haus am Strom« erläutert Altbürgermeister Heid: »Neupotz heißt so, weil der alte Ort Potz im Mittelalter in den Fluten versunken ist.« Seitdem hat man viel für den Hochwasserschutz getan, Polder und Deiche wurden errichtet. Auf einem in den Boden eingelassenen Foto sind sie zu sehen. »Das Landschaftsschutzgebiet mit den Rheinauen und der Altrheinbogen sind so schön, des kammer net bezahle!«, schwärmt Mundartdichter Hofmann.

Wie wahr. An einem Altarm entdecken wir kleine, romantische Fischerhütten, die Netze baumeln über dem Wasser im Wind. Vögel zwitschern ein Konzert. Wir biegen ab und landen in Kandel beim besten Rhabarberkuchen meines Lebens. Dem »Café Schaaf« eilt sein Ruhm voraus, und so darf es in meinem Reiseplan nicht fehlen. »Viele Radfahrer kommen hier vorbei und probieren unsere Kuchen«, sagt Eigentümerin Silvia Meyer, »wir liegen ja genau am Kraut-und-Rüben-Radweg!« Richtig, aber für manche Köstlichkeiten würde ich auch einen Umweg in Kauf nehmen – wie z.B. zum Hofmarkt Zapf, wo gerade der leckere Spargel gestochen wird.

Weinprobe mit Unterlage

Nur fünf Kilometer weiter überrascht der »Schossberghof«, eine Biolandwirtschaft mit Hofladen. SoLaWi, Solidarische Landwirtschaft, heißt das erfolgreiche Konzept, das seit dem Ende der Achtzigerjahre auch in Deutschland mit einer wachsenden Zahl von Höfen vertreten ist. »Die Mitglieder zahlen einen Beitrag, helfen aber auch beim Ernten oder Verpacken«, erklärt Marion Groß. »Dafür bekommen die ›Solawisten‹ dann von allem, was gerade reif ist, einen Anteil.« Vom Hofladen nehmen wir uns ein Picknick mit: köstliches Brot, verschiedene Käsesorten. Eine Unterlage werden wir brauchen, denn zwölf Kilometer weiter holt uns eine »Radfahrer-Weinprobe« aus dem Sattel: »Dreimal 0,1 Liter – Riesling, Grauburgunder und Rosé«, schlägt Sabine Bohlender vom Weingut Rosenhof vor. »Radfahrer können und wollen ja unterwegs nicht so viel Alkoholisches trinken, und so bieten wir es auf diese Art an.« Gute Idee! Danach können wir entspannt bis nach Kandel rollen. Im Restaurant »Kochs« lernen wir Mario Koch kennen. Seine Leidenschaft ist das Wild, das er unter dem Label »Wilde Pfalz« vermarktet. Auf der Speisekarte steht dann auch Reh aus eigener Jagd, und man kann Produkte wie die hausgemachten Wildteigtaschen erstehen. Wir reden lange und trinken noch ein Glas… Dann falle ich in einen tiefen Schlaf und träume von Begegnungen mit Hirschen auf Radwegen.

In Herxheim besuchen wir das sehenswerte Museum mit Abteilungen zur Steinzeit, Archäologie, Geschichte, Totenschädelkult und Informationen über Sesshaftwerdung und Ackerbau. »Als man sesshaft geworden war, aß man aus Keramiktöpfen, sammelte Beeren, baute Getreide an, hatte Vieh, jagte Wild und würzte es mit Salz und Kräutern«, erklärt Museumsführerin und Archäologin Andrea Skametz.

Ein paar Hundert Meter weiter stößt man aufs »Café Theobald« mit eigenem Eislabor. »Mango und Kokos sind meine Lieblingssorten«, verrät Konditormeister und Besitzer Florian Theobald. Auch verführerische Kuchen sind in der Vitrine zu sehen: Mousse- Torte, diverse Obstkuchen, American Cheesecake mit Himbeeren und Apfeltarte mit selbst touriertem Blätterteig. Alles ohne Konservierungsstoffe aus regionalen und saisonalen Produkten hergestellt, das Brot mit selbst kultiviertem Sauerteig aus besten Rohstoffen. Das Mehl kommt vielleicht auch aus der »Bischoff Mühle«, unserem nächsten Ziel.

Mit Mandelbrot und Theos Bauernbrot, benannt nach dem Großvater des Besitzers, der das Rezept entwickelt hatte, machen wir Brotzeit. Seit 1748 ist die Mühle in Familienbesitz. »Eventuell existiert sie aber schon seit dem 15. Jahrhundert«, betont Johannes Frey und dass es heutzutage nicht mehr viele Mühlenläden gebe wie den seinen. Das hier zu erstehende Mehl aus regionalem Getreide stammt von Landwirten aus maximal 30 Kilometern Entfernung: Weizen, Roggen und Dinkel. Pro Jahr werden 15 000 Tonnen Getreide verarbeitet, zerkleinert, abgesiebt und portioniert als Mehl, Gries oder Schrot.

Es geht aufwärts

Hügeliger wird es nun. Links und rechts ziehen sich Reben die Hänge hinauf. Auf die Kleine Kalmit, Naturschutzgebiet und zur schönsten Weinsicht 2020 in der Pfalz geadelt, strampeln wir dank Akku locker hinauf. Was für ein Blick! Das Picknick, das wir uns »unten« vom Weingut Stentz in Mörzheim mitgenommen haben, schmeckt hier oben nochmal so gut.

Florian Theobald präsentiert seine herrliche Kuchentheke im »Café Theobald« (li.); sommerliches Picknick im Weingut Stentz (li. unten); Radfahrer-Weinprobe im Rosenhof (unten); Parez Wared im »Café Parezzo« freut sich über seine große Rösttrommel und pflegt die Leidenschaft zum Kaffee (ganz unten).

Eine Probe im Wein- und Sektgut Wilhelmshof muss noch sein. »Wir machen die Hälfte unserer Weine zu Sekt. Das ist vor 50 Jahren durch das Hobby meiner Eltern entstanden, die dann auch in der Champagne hospitiert haben«, erzählt Barbara Roth. Inzwischen werden auf zehn Hektar Riesling, Weiß-, Spät- und Grauburgunder für Sekt angebaut, der nach der »Méthode Champenoise« hergestellt wird, und zehn Hektar für den Wein. »Alles ernten wir von Hand, da wir nur so auslesen und die Trauben selektieren können, die für den Wein optimal sind. Der Rest fällt auf den Boden und wird zu Humus.« Hinab geht‘s in den Rüttelkeller, wo sie uns die schweißtreibende Arbeit vorführt. »Beim Sekt gibt es übrigens sieben Geschmacksrichtungen, beim Wein nur vier!«, erfahren wir – und verstehen so langsam, warum das Thema Sekt hier buchstäblich auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Die Nase weist den Weg: Zum »Café Parezzo« mit Kaffeerösterei in der Landauer Marktstraße findet man, ohne die Adresse zu kennen, zielsicher vom Duft geleitet. 21 Sorten werden geröstet, die meisten davon sind direkt vom Kaffeebauern bezogen und fair gehandelt. Vor 16 Jahren hat Parez Wared hier aus Liebhaberei zum Kaffee mit einem kleinen Geschäft angefangen und immer wieder vergrößert. Alles rund um den Kaffee ist im Angebot, auch Kaffeemaschinen, Pralinen und Pâtisserie. Im Laden steht die kleine Rösttrommel, hinten in einem weiteren Raum eine größere. »Aber die ist auch schon wieder zu klein, ich werde wohl eine noch größere kaufen«, sagt Wared lachend, »denn Kaffee ist meine absolute Leidenschaft.«

Mit einem exzellenten Cappuccino endet die Tour. Eine Tour für Freunde der leisen Töne entlang kleinerer Radrouten, die sich abseits der großen Sehenswürdigkeiten über Geschichte und Geschichten, Kurioses und Exotisches freuen und nicht zuletzt über regionale Genüsse und malerische Weindörfer. ●