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Super FOUNDERS


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founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 39/2022 vom 29.07.2022
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WAS »SUPER FOUNDERS« SIND UND WARUM SIE DIE MILLIARDEN-DOLLAR-START-UPS VON MORGEN GRÜNDEN WERDEN, ERKLÄRT AUTOR ALI TAMASEB AM BEISPIEL DER UBER-GRÜNDER GARRETT CAMP UND TRAVIS KALANICK.

Silvester 2008. Garrett Camp fand keine Möglichkeit, nach Hause zu kommen. Er war mit Freunden in San Francisco feiern gewesen und jetzt waren die Taxiunternehmen überlastet. Die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt hatten schon den Betrieb für die Nacht eingestellt und die steilen Hügel San Franciscos machten einen Spaziergang unmöglich, also kratzten er und seine Freunde 800 Dollar für eine Limousine zusammen, um während der gesamten Heimfahrt darüber zu maulen.

Der Fahrer würde trotzdem für die Arbeit eines Tages bezahlt werden, aber von mehreren Fahrgästen. Er skizzierte das Konzept kurz und nannte es UberCab.

Für Camp war das nur ein weiteres schmerzhaftes Erlebnis mit dem Transportwesen. Er hatte die Angewohnheit, teure Taxis zu nehmen oder schwarze Limousinen zu bestellen, die dann jedoch selten auftauchten. Die Fahrt für 800 Dollar war nur ein weiteres Erlebnis dieser Art, aber aufgrund dessen hatte er eine Idee: Er konnte die Kosten eines privaten Black-Car- oder Limousinenservices reduzieren, wenn man auf Abruf pro Fahrt bezahlte, anstatt das Auto im Voraus zu reservieren und dann pro Stunde oder einen halben Tag zu bezahlen. Der Fahrer würde trotzdem für die Arbeit eines Tages bezahlt werden, aber von mehreren Fahrgästen. Er skizzierte das Konzept kurz und nannte es UberCab. Es nutzte die GPS-Position der Kunden, um eine Nachricht an den Fahrer, der am nächsten dran war, zu senden.

Camp war gerade 30 geworden. Er hatte einen Master in Softwareentwicklung und ein paar hilfsbereite Freunde, Oscar Salazar und Conrad Whelan, die bereit waren, einen Prototyp seiner Idee zu bauen. Als es den Anschein hatte, dass es funktionieren könnte, fragte er Travis Kalanick als Investor und »Mega-Berater« an.

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Im weiteren Verlauf sollte Uber eines der erfolgreichsten Unternehmen seiner Zeit werden. Zehn Jahre nach der schicksalsträchtigen Fahrt am Silvesterabend debütierte Uber am New Yorker Stock Exchange mit einer Bewertung von über 50 Milliarden Dollar. Es machte sowohl Camp als auch Kalanick zu Milliardären. Nun ist es leicht, die Uber-Story zu betrachten und zwei junge Männer zu sehen, die mit einer guten Idee genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchten, um auf Gold zu stoßen. Das ist zum Teil auch richtig, aber Camp und Kalanick waren damals keine Neulinge, denn beide hatten bereits Erfahrung als Gründer erfolgreicher Unternehmen und brachten ihr Start-up-Wissen bei Uber ein – wie auch ihr Investoren- und Beraternetzwerk.

Im Wagniskapital stammen viele der Pitches von Erstgründern. Man hört hier seltener von Gründern, die zuvor schon ein Unternehmen erfolgreich verkauft haben. Aber als ich mir die Milliarden-Dollar-Unternehmen in meiner Studie ansah, entdeckte ich ein vorherrschendes Muster: Fast 60 Prozent jener Gründer verfügten über vorherige Erfahrungen als Start-up-Gründer. Und zwar nicht als erste Angestellte von Start-ups, sondern tatsächlich als deren Gründer, und in den meisten Fällen als Gründungs-CEOs. Manche von ihren vorherigen Unternehmungen waren riesige Erfolge gewesen, manche katastrophale Misserfolge. Doch worauf es anscheinend ankommt, ist, dass man es schon einmal getan hat.

Vergleicht man die Zahlen, tritt noch deutlicher hervor, wie viel es zählt, wenn jemand zum wiederholten Mal gründet: In der zufällig ausgewählten Gruppe der durch Wagniskapital finanzierten Start-ups hatten nur etwas mehr als 40 Prozent der Gründer bereits Gründungserfahrung. Die Tatsache, dass man schon einmal ein Unternehmen gegründet hat – selbst eines, das nicht wahnsinnig erfolgreich wurde –, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man ein weiteres gründet, das irgendwann eine Milliarde Dollar oder mehr wert sein wird.

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»Super Founders« von Ali Tamaseb

368 Seiten Erschienen: Mai 2022

Redline Verlag ISBN: 978-3-86881-881-9

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Bevor er Spotify gründete [...] hatte Daniel Ek in Schweden ein Unternehmen für Onlinemarketing gegründet, das er für 1,5 Millionen Dollar verkaufte.

Natürlich ist es besser, ein erfolgreiches Unternehmen gegründet zu haben. Gründer, die zuvor schon einmal ein Unternehmen skaliert haben, selbst auf eine bescheidene Größe, bringen eine Erfahrung mit, die es für sie beim nächsten Mal leichter macht. Bei den Milliarden-Dollar-Unternehmen hatten 70 Prozent der Gründer zuvor mindestens ein erfolgreiches Unternehmen gegründet – im Vergleich zu 24 Prozent in der Zufallsgruppe, ein deutlicher Unterschied. Bei denen, die schon früher ein erfolgreiches Unternehmen gegründet hatten, war die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, ein Milliarden-Dollar-Unternehmen aufzubauen. Das war der größte Unterschied zwischen der Milliarden-Dollar-Gruppe und der Zufallsgruppe, den ich in meinen Daten erkennen konnte.

Die Mehrfachgründer sind nicht einfach nur »Serial Entrepreneurs«, ein Begriff, der so überstrapaziert wurde, dass er kaum noch eine Bedeutung hat. Ich nenne diese Gruppe der Entrepreneure daher »Super Founders«, was auch den Titel dieses Buches erklärt. Als Super Founder bezeichne ich jemanden, der mindestens ein Unternehmen gegründet hat, das über zehn Millionen Dollar Rendite erzielte, ungeachtet, ob es eine Finanzierung durch Wagniskapital-Investoren erfahren hat. Während zehn Millionen Dollar in der Welt der Megaakquisitionen ein eher bescheidenes Ergebnis sind, ist dies doch eine großartige Vorbereitung für die nächste Unternehmung des Gründers, die mit weit höherer Wahrscheinlichkeit ein Multimilliarden-Dollar-Erfolg wird. Bei dieser Art Akquisitionen kauft der Akquisiteur oft die Technologie, das Produkt oder das Team, obwohl das Start-up noch keinen großen kommerziellen Erfolg erzielt hat. Dabei sollte man die zehn Millionen Dollar nicht als absolute Größe ansehen, sondern eher als ungefähre Richtlinie, die sich mit der Zeit und abhängig von unterschiedlichen Standorten verschieben kann. Die Qualität eines Super Founders liegt in der Fähigkeit, ein Unternehmen auf eine bestimmte Größe und ein bestimmtes Ergebnis zu skalieren – und das mehr als einmal.

Die Super Founder von heute werden die Milliarden-Dollar-Unternehmen von morgen gründen Nehmen wir zum Beispiel einmal die Brüder Collison, Patrick und John. Als Jugendliche gründeten die beiden Auctomatic, ein Auktionsmanagementsystem für Vielverkäufer bei eBay. Im Winter 2007 brachten sie die Idee bei Y Combinator ein und fuhren eine kleine Seed-Finanzierungsrunde mit Investoren wie Chris Sacca oder Paul Buchheit ein. Zehn Monate nach der Gründung wurde Auctomatic von einem kanadischen Börsenunternehmen für rund fünf Millionen Dollar akquiriert, was die Collison-Brüder noch vor ihrem 21. Geburtstag zu Millionären machte. Kurz nach der Akquisition legten die Brüder mit ein paar Nebenprojekten los und fanden heraus, dass es äußerst schwierig war, im Internet Bezahlungen entgegenzunehmen. Sie starteten daher ein Projekt zu dessen Vereinfachung. Daraus entstand Stripe, gegründet 2010. Es wird heute von über hunderttausend Webseiten genutzt und wurde zuletzt mit über 35 Milliarden Dollar bewertet. Auch wenn ihr erster Unternehmensverkauf die Zehn-Millionen-Marke nicht überschritt, trugen Patrick und John doch die Züge von Super Founders in sich. Sie hatten den Willen, Probleme in der echten Welt zu lösen, akquirierten Kunden und schufen etwas von Wert. Es gibt viele Gründer wie die Collison-Brüder – solche, deren erste Versuche nicht die Zehn-Millionen-Dollar-Marke erreichen, aber die dennoch die Grundzüge eines Super Founders in sich tragen. Aus diesem Grund sollte die Zehn-Millionen-Dollar-Grenze nicht allzu streng gesehen werden. Vijay Shekhar Sharma, Gründer von Paytm, der indischen Multimilliarden-Dollar-Bezahl-App, die Nutzern die Bezahlung per QR-Code ermöglicht, hatte auf dem College eine Webseite für Nachrichten und Content gestartet; sie wurde später für eine Million Dollar akquiriert. Bevor er Spotify gründete, den bekannten Musik-Streaming-Dienst, hatte Daniel Ek in Schweden ein Unternehmen für Onlinemarketing gegründet, das er für 1,5 Millionen Dollar verkaufte. Doch was Super Founder gemeinsam haben, ist mehr als nur der Verkauf von Unternehmen: Es ist die Neigung, etwas aufzubauen und die eigenen Ideen mit Nachdruck zu verfolgen.

Camp und Kalanick waren beide Super Founder. Vor Uber gründete Camp StumbleUpon, die erste Plattform für Entdeckungen im Internet. So konnten Nutzer mit einem Klick neuen Content finden. Das zog schnell Business Angels an, darunter Brad O’Neill, Tim Ferriss, Ram Shriram, Ron Conway und Mitch Kapor, dazu Wagniskapital-Unternehmen wie First Round Capital. Am Ende akquirierte eBay das Unternehmen für 75 Millionen Dollar. Camp blieb nach der Akquisition CEO und kaufte das Unternehmen 2009 gemeinsam mit anderen Investoren zurück.

Kalanick, der Computerwissenschaften und Betriebswirtschaft an der UCLA studiert hatte, brach sein Studium im letzten Jahr ab, um bei Scour zu arbeiten, einem Peer-to-Peer-Content-Sharing-Dienst, den er zusammen mit fünf anderen Studenten gründete. Scour wurde groß genug, um die Aufmerksamkeit mancher aus der Film- und Musikbranche auf sich zu ziehen, die das Unternehmen wegen Copyright-Verstößen verklagten. Die Prozesse fraßen die Finanzierung von Scour auf und es meldete binnen eines Jahres Konkurs an.

Im Jahr darauf bauten Kalanick und einer der Scour-Gründer einen neuen File-Sharing-Dienst namens Red Swoosh auf. Wie Scour ritt es auf der Welle der wachsenden Bandbreite des Internets Anfang der 2000er-Jahre, dank der Nutzer große Dateien versenden konnten, also auch Musik und Videos. Obwohl Red Swoosh viele der besten Aspekte Scours wieder aufnahm, tat sich Travis bezüglich Finanzierungen schwer. Er lebte drei Jahre lang ohne Gehalt, zog erst zu seinen Eltern und dann nach Thailand, um Geld zu sparen. Schließlich, mit viel Hartnäckigkeit, überzeugte er August Capital und Crosslink Capital von der Finanzierung des Unternehmens. Akami Technologies, ein börsennotiertes Unternehmen im Bereich Internetinfrastruktur, akquirierte Red Swoosh 2007 für 19 Millionen Dollar.

Als sich Kalanick und Camp bei LeWeb trafen, einer Pariser High-End-Konferenz für Technikpioniere, hatten beide die Höhen und Tiefen der Start-up-Gründung durchlaufen. Und als sie beschlossen, Uber zu gründen, hatten beide Erfahrung mit dem Aufbau durchführbarer Produkte. Hilfreich war auch, dass sie eine Liste von Investoren hatten, die sie anrufen konnten.

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Vijay Shekhar Sharma, Gründer von Paytm, [...] hatte auf dem College eine Webseite für Nachrichten und Content gestartet; sie wurde später für eine Million Dollar akquiriert.

Camp war noch immer CEO bei StumbleUpon, als er mit der Arbeit an Uber begann, aber Kalanick – damals als Berater für riesige Unternehmen tätig – zögerte, sich voll und ganz darauf einzulassen. Der erstaunliche Erfolg der Idee lag noch immer Jahre in der Zukunft und beide wollten das Unternehmen nicht in Vollzeit führen. Anfang 2010 tweetete Kalanick, dass er einen unternehmerischen Produktmanager suche, der ihm und Camp einige Arbeitsbelastung abnehme.

Ryan Graves, damals 26-jähriger Praktikant für Unternehmensentwicklung bei Foursquare, meldete sich. Graves begann als General Manager, wurde aber kurz nach dem Launch zum CEO befördert. Die Lektion: Wenn man sich einem Start-up in sehr frühem Stadium anschließen will, erhöht man seine Erfolgschancen, wenn man nach Unternehmen Ausschau hält, die von Super Founders geschaffen wurden. Elf Monate später, im Dezember 2010, war Kalanick vom Potenzial überzeugt und wagte sich in Vollzeit hinein, wurde Co-Founder genannt und folgte Graves als CEO nach.

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