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Super-Rente dank Corona


Rente & Co - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 17.06.2020

Tausende Euro mehr Rente – wer würde sich darüber nicht freuen. Genau dies ist jetzt – einmalig und kurzfristig – dank einer winzigen Klausel in den Corona-Gesetzen möglich. Denn: Wer schnell handelt, kann jetzt Gehalt und Rente gleichzeitig erhalten.


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Bildquelle: Rente & Co, Ausgabe 3/2020

Dieter Schulz traute seinen Ohren nicht. „Ein Freund rief mich ganz aufgeregt an und sagte: ‚Du musst sofort deine Rente beantragen – Merkel schenkt dir Tausende Euro‘“, erzählt der Autoschlosser aus Osnabrück, „dabei hatte ich eigentlich geplant, erst im kommenden Jahr in Rente zu gehen, wenn ich 65 werde.“ Doch Dieter Schulz überlegte nicht lange, ...

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... telefonierte mit einem Rentenberater, rief bei seinem Arbeitgeber VW an und stellte innerhalb weniger Tage seinen Renten- Antrag rückwirkend zum 1. Mai. „Jeder bestätigte mir, dass hier Corona auch etwas Gutes hat, nämlich dass man jetzt Rente erhalten und gleichzeitig noch arbeiten kann, ohne dass etwas gekürzt wird“, berichtet Schulz, „nun endet, wie ich das geplant hatte, im März 2021 mein Arbeitsvertrag mit VW, aber seit Mai erhalte ich auch noch Rente“, lacht er, „mir bringt das insgesamt etwa 25.000 Euro zusätzlich. Da kann ich doch die minimalen Abschläge leicht verkraften, die ich wegen des etwas früheren Rentenbeginns habe.“

Rentenpolitische Sensation

Den unerwarteten Geldregen hat Schulz dem Sozialschutz-Paket zu verdanken, das die Bundesregierung Ende März beschloss, um die Folgen der Corona-Krise abzumildern. Ganz unscheinbar unter 4. steht: „1. Der Betrag von 6.300 Euro wird durch den Betrag von 44.590 Euro ersetzt und 2. der Hinzuverdienstdeckel fi ndet keine Anwendung“.

Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass zum Beispiel Frührentner nun 44.590 Euro pro Jahr dazuverdienen dürfen, ohne dass etwas davon (wie zuvor) auf die Rente angerechnet, sprich gekürzt wird. Für Dieter Schulz beispielsweise bedeu- tet dies, dass er normal im Osnabrücker VW-Werk weiterarbeiten und -verdienen kann und trotzdem ab Mai die volle Rente für langjährig Versicherte erhält.

„Als ich davon zum ersten Mal hörte, war mein erster Gedanke: eine rentenpolitische Sensation“, sagt der Rentenberater Peter Knöppel aus Halle (Saale), „durch diese Sonderregel haben Hunderttausende zukünftige Rentner die einmalige Chance, schon 2020 in eine vorgezogene Altersrente zu gehen und trotzdem weiterzuarbeiten“, skizziert der Renten-Experte, „die meisten erhalten dann de facto zwei Einkommen: die Rente und das reguläre Monatsgehalt.“ Damit lohne es sich sogar, über einen früheren Rentenbeginn nachzudenken und einen Abschlag in Kauf zu nehmen, sagt der Rentenberater.

Und das lohnt nicht nur für Normalverdiener, sondern auch wenn man mehr als 3.715 Euro brutto pro Monat (44.590 Euro Hinzuverdienstgrenze durch 12 Monate) verdient. Denn mit dem Sozialschutz- Paket wurde auch der Hinzuverdienstdeckel (s. o.) vorübergehend abgeschaff t. Das heißt: Selbst wer sehr gut verdient, muss nun nicht mehr befürchten, dass die Rente stark gekürzt wird bzw. sogar ganz entfällt, wenn man eine Frührente bezieht und einfach weiterarbeitet.

Lohnenswert ist die neue Regel schließlich aber auch für alle, die bereits in Frührente sind, gerne wieder mehr arbeiten möchten. Bisher mussten sie nämlich die Kürzung der Rente befürchten, wenn der Hinzuverdienst über der Mini-Job- Grenze von 450 Euro pro Jahr lag. Denn die ursprüngliche Intention des Gesetzes war, Frührentnern (besonders aus medizinischen Berufen) die Rückkehr in den Job schmackhaft zu machen. Denn ein großer Vorteil der neuen Regel: Wer weiteroder wieder arbeitet, sammelt in dieser Zeit neue Rentenpunkte; dies führt dann spätestens im nächsten Jahr dazu, dass die Rente zusätzlich steigt, weil mehr Entgeltpunkte vorhanden sind. „Auf diese Weise gleiche ich große Teile des Abschlags aus“, sagt Autoschlosser Dieter Schulz, „damit ist der einzige Nachteil weg.“ Durch die Weiterarbeit erhöht sich sein Renten-Anspruch nochmals um gut 30 Euro pro Monat – lebenslang. Und: Die zusätzlichen Rentenpunkte bleiben, auch wenn man als Rückkehrer irgendwann doch keine Lust mehr auf Arbeit hat (siehe links). „Insofern lohnt es auch für Frührentner, nur einige Monate 2020 wieder voll zu arbeiten“, sagt Rentenberater Peter Knöppel.

Tausende Euro

Einziger Nachteil der Super-Rente: Die Ausnahme- Regel ist im Moment bis zum 31.12.2020 befristet (Verlängerung nicht ausgeschlossen). Sehr schnell handeln sollten alle, die eigentlich in diesem oder zu Beginn des nächsten Jahres planten, in Rente zu gehen. Und selbst wenn die neue Regel zum Jahresende wieder zurückgedreht wird, bleiben bei den meisten viele Tausend Euro zusätzlich auf dem Konto.


„Durch eine Ausnahme-Regel ergibt sich für Hunderttausende die Chance, 2020 bereits Rente zu erhalten und gleichzeitig noch Gehalt
Peter Knoppel, Rentenberater aus Halle (Saale)


Schnell entscheiden

Auch wer eigentlich in der zweiten Jahreshälfte oder erst Anfang nächsten Jahres in Rente wollte, sollte rasch handeln und das neue Gesetz nutzen.

Die neuen Hinzuverdienst- Regeln schreiben einen erlaubten Verdienst pro Jahr fest. Das heißt aber nicht, dass der neue Höchstbetrag von 44.590 Euro pro Jahr eine monatliche Höchstgrenze hat.

→ Das heist: Wer demnächst planmäßig in Rente gehen wollte und auch gar keinen Hinzuverdienst plante, kann das Gesetz nutzen.

→ Dazu das bisherige Monatsgehalt hochrechnen: Wann wird der Höchstbetrag erreicht, z. B. nach 9 Monaten. Dann sofort zum nächstmöglichen Termin, z. B. 1. Juli 2020, Rente beantragen – und weiterarbeiten. Der Höchstbetrag für 2020 deckt dann den Verdienst für 2020 komplett ab; und 2021 so lange weiterarbeiten, wie dies durch den Höchstbetrag für 2021 gedeckt ist – bis Juli oder August, falls die jetzige Regel bleibt, bis März, falls wieder die bisherige Hinzuverdienst- Grenze gilt.

→ In Summe wird dann für ein Jahr oder mehr zum Gehalt auch noch Rente bezogen, bei einem Durchschnittsverdienst sind dies leicht 20.000 Euro mehr Einkommen.


„Wir wollen Rentner damit ermuntern, länger im Job zu bleiben oder aus dem Ruhestand wieder zurückzukommen, ohne dass die Rente gekürzt wird
Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister


Foto: privat; Illustration: Getty Images/FrankRamspott