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Supercross: Champion Breece und König Bowers


Top Speed - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 30.01.2020

ADAC SX Cup Dortmund

Beim letzten Akt des diesjährigen deutschen Supercross-Winters ging es noch einmal, sehr zum Gefallen der Fans, drunter und drüber. Traditionell ging es in der Dortmunder Westfalenhalle an drei Tagen rund, was insgesamt 28.500 Zuschauer verfolgten. An den ersten beiden Abenden ging es um den Titel im ADAC SX Cup 2019/2020, den sich der als Tabellenleader angereiste US-Amerikaner Ryan Breece sicherte. Nach den ungewohnt mäßigen Auftritten zuvor in Stuttgart, wie auch in Chemnitz spielte der ADAC-SX-Cup-Sieger der letzten beiden Jahre, Breece‘ Landsmann Tyler Bowers, in der ...

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Bildquelle: Top Speed, Ausgabe 2/2020

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... Gesamtwertung lediglich noch eine Nebenrolle. Eine Hauptrolle spielte er in der altehrwürdigen Westfalenhalle dennoch, und zwar in Sachen „König von Dortmund“.

SX1
Spannung bis zum letzten Meter
Nachdem sich die Rennen in Stuttgart sowie in Chemnitz wieder mit den bedeutsameren Supercross in Paris bzw. Genf überschnitten und so die besten Franzosen im „Ländle“ sowie in Sachsen passen mussten bzw. wollten, kamen sie in voller Mannschaftsstärke nach Dortmund. Hauptsächlich durch sie waren sowohl in der SX1, wie auch in der SX2 13 neue überwiegend hochkarätige Fahrer am Start.
Am Freitag ging der Finalsieg durch Cedric Soubeyras schon Mal nach Frankreich, dem sein Landsmann Thomas Ramette als Zweiter ins Ziel folgte. Dritter wurde Tyler Bowers vor der US-SX-Ikone Mike Alessi. Denen folgten mit Jordi Tixier und Fabien Izoird zwei weitere Gallier. Ryan Breece lag anfangs auf Platz sechs und beendete sein unscheinbares Rennen auf dem siebenten Rang. Damit hatte der Red- Plate-Holder den Tabellenzweiten, Charles Lefrancois, unmittelbar in Schach gehalten und konnte den Meistersekt schon mal kaltstellen. Am zweiten Abend kam Ryan Breece deutlich besser aus dem Gate und übernahm bald die Führung von Thomas Ramette. Seine vom Skifahren im Dezember herrührende angebrochene, jedoch keineswegs verheilte Mittelhand schien ihn das ganze Wochenende zwar nicht zu behindern, doch mit einem Allerwelt-Sturz machte der amtierende „König von Stutt-gart“ und auch „… von Chemnitz“ die Sache noch einmal spannend. Dieses Rennen gewann schließlich der bärenstarke Tyler Bowers vor Thomas Ramette, Jordi Tixier und Cedric Soubeyras. Dahinter wurde Charles Lefrancois Fünfter, was nicht reichte, um Ryan Breece den Titel noch zu entreißen. Der 24-Jährige aus dem US-Bundesstaat Idaho rettete mit Rang neun genügend Punkte, um sich fortan „Gesamtsieger ADAC SX Cup 2019/2020 Klasse SX1“ nennen zu dürfen. „Ich bin vor allem angetreten, um so oft wie möglich König zu werden. Das hat gleich zwei Mal geklappt. Die Meisterschaft ist für mich Bonus. Ich habe heute zwar einen Fehler gemacht, wusste aber jederzeit, dass ich trotzdem im Soll bin“, meinte er anschließend.

Tyler Bowers (# 6 9, rechts neben Cedric Soubeyras # 85) wurde wieder „König von Dortmund“ …


… danach von Tobias (li.) und Harald Pfeil von seinem Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil geehrt …


… und schließlich stolzer Besitzer einer nagelneuen Kawasaki Z900R


Nun ging es aber noch um den Gesamtsieger aller drei Tage und eine nagelneue Kawasaki Z900RS. Wenngleich sich Tyler Bowers vom Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil mit 45 Zählern für den Gewinn dieser in die bestmögliche Ausgangsposition gebracht hatte, ging es „spitz auf Knopf“, denn Thomas Ramette und Cedric Soubeyras hatten nur je einen Punkt weniger auf dem Zettel. Damit schien es ziemlich klar, dass es alle drei mit einem Sieg im letzten Finale des diesjährigen deutschen SX-Winters selbst in der Hand hatten und Taktieren kaum eine Rolle spielen würde.
Theoretische Chancen hatte noch Jordi Tixier, doch da der MX2- Weltmeister von 2014 sich in Dortmund gleich mehrfach den kleinen Finger seiner Gashand ausgekugelt hatte, sah er am Sonntag von weiteren Starts ab.
Der Showdown war dann eines der unterhaltsamsten und spannendsten Supercross-Rennen der letzten Jahre in einer deutschen Halle. Trotz fast noch frei verfügbarer Startplatzwahl, entschied sich Tyler Bowers unorthodoxerweise für das von innen gesehen vorletzte Gate - ein Vabanque-Spiel. Nachdem Thomas Ramette den Umweg über den Last-Chance-Heat nehmen musste, blieb ihm nur der vermeintlich ungünstigste Startplatz neben Tyler Bowers. Mike Alessi zog schließlich den Holeshot und führte vor Charles Lerfrancois und Cedric Soubeyras. Tyler Bowers lag nach der Startrunde auf Platz sechs und Thomas Ramette nur auf der neunten Position. Nach fünf Runden respektive einem Viertel der Renndistanz, tauchte Tyler Bowers als Dritter hinter Mike Alessi und Cedric Soubeyras auf. Bei Rennmitte war dann der Druck von Cedric Soubeyras zu groß für Mike Alessi. Was mehr erstaunte war jedoch, dass Mike „800“ Alessi Tyler Bowers fast zeitgleich absolut kampflos ebenfalls passieren ließ. Wie dem auch sei, von nun an war das Rennen an Spannung nicht mehr zu überbieten. Tyler Bowers schob sich Stück für Stück näher an Cedric Soubeyras heran. Danach ließ der erste Angriff nicht lange auf sich warten, den der Ami erfolgreich lancieren konnte. „Soub“ konterte aber umgehend, wobei Tyler Bowers wieder ein paar Meter verlor. Die entstandene Lücke konnte er in Windeseile wieder schließen und die nächste Attacke reiten. Diesmal strauchelte Cedric Soubeyras leicht und verlor dadurch den Anschluss sowie den Rhythmus. Nach seinem dritten Dortmunder Königstitel in Folge meinte Tyler Bowers: „Nachdem es in diesem Winter nicht wunschgemäß für mich lief, war das ein nahezu perfektes Wochenende. Das war ein total verrücktes Rennen. Beim Start bin ich ,all in‘ gegangen. Dann war ich bis zum Schluss im Begrenzer - mehr ging nicht. Ich habe gewusst, dass wir beide da vorn irgendwann Fehler machen werden. Am Ende habe ich einen weniger gemacht als Cedric und gewonnen. Mir hat das Rennen viel Spaß gemacht, und ich denke, den Fans auch. Ich bin überglücklich.“
Dazu fügte der knapp unterlegene Cedric Soubeyras an: „Es war ein verrückter Kampf - unglaublich hart, aber immer fair.“
Thomas Ramette schaffte es zwar noch bis auf Rang drei nach vorn, hatte aber zu keiner Zeit etwas mit dem Ausgang des Rennens oder der Drei-Tages-Wertung zu tun.
Dominique Thury erlebte ein noch rabenschwärzeres Wochenende als in Stuttgart. Am Freitag qualifizierte er sich wieder nicht fürs Abendprogramm und schlug danach die ihm angebotene Veranstalter- Wild-Card lange aus. Am Ende trat er doch an, schied aber mit weiteren blassen Leistungen im Last-Chance-Race endgültig aus. Am Samstag überstand er den Trainings- und Quali-Nachmittag, zog sich aber bei einem eigentlich harmlos anmutenden Sturz eine Oberschenkelverletzung zu. Mit dieser waren auch am Abend keine Heldentaten zu erwarten. Am Sonntag verzichtete er auf weitere Starts und zog, auch hinsichtlich seines geplanten Ausfluges in die US-SX-Meisterschaft, einen Arztbesuch vor.

Die Gesamtsieger des ADAC SX Cup 2019/2020 Ryan Breece (li., SX1) und Lance Kobusch (SX2)


SX2
Crown schlägt sich selbst
In der SX2 ging es sogar noch mehr drunter und drüber. Am Freitag gewann Brian Hsu das Finale, doch tags darauf stürzte der Ex- Junioren-Weltmeister im Training und konnte nicht mehr mitmachen. Glücklicherweise trug der nach wie vor talentierte Deutsch- Taiwanese, anders wie schon so oft in seiner noch jungen Karriere, diesmal keine schwereren Verletzungen davon. Ebenfalls am Freitag musste der US-Boy Dare Demartile seine Meisterschaftsführung an seinen Landsmann Lance Kobusch abgeben, hatte aber am Samstag noch alle Chancen auf den Titel. In der entscheidenden Phase verpasste er aber erstmalig in diesem SX-Winter den Sprung ins Finale, sodass Lance Kobusch relativ leichtes Spiel hatte, SX2- Champion 2020 zu werden. Mit Platz sieben erledigte der Pilot vom Monster Energy Kawasaki Elf Team Pfeil diesen Job ziemlich unspektakulär und sagte danach: „Ich habe erst kurz vorm Saisonauftakt in Stuttgart einen Anruf vom Team bekommen, dass ich fahren soll. Ich habe alle meine Pläne in den USA über den Haufen geworfen und bin erstmals nach Deutschland gekommen. Es war eine neue und tolle Erfahrung für mich. Jetzt auch noch die Meisterschaft gewonnen zu haben, das ist einfach nur großartig.“
Die große Überraschung des Wochenendes war Kobuschs Landsmann Joey Crown, der nach Platz zwei am Freitag am Samstag gewann und beste Aussichten auf den Prinzentitel hatte. Im Finale am Sonntag schmiss er seine Yamaha allerdings kurz vor Schluss in Führung liegend weg, was der Franzose Anthony Bourdon nutzte, um nach den Plätzen drei und zwei zum Sieg zu fahren. Joey Crown rappelte sich zwar wieder auf, kam jedoch nur als Dritter ins Ziel. Bei Punktund Ergebnisgleichheit entscheidet der letzte Lauf, sodass Anthony Bourdon als „Prinz von Dortmund“ gekürt wurde.

Für Brian Hsu endete ein neuerlicher starker SX-Auftritt schmerzhaft


Der Erfurter Paul Haberland fuhr die Plätze acht, zehn und sechs ein, womit er sich in der Endabrechnung immerhin noch auf den vierten Rang verbesserte. „Ich habe wegen meiner Prüfungen zum Schornsteinfeger in den letzten Wochen wenig trainieren können. Ich habe jetzt meine Ausbildung in der Tasche, will mich aber jetzt erst einmal auf Motocross konzentrieren“, gab er anschließend zu Protokoll.

SX125
Drei Tage, drei Sieger
In der SX125 gewann der Franzose Oscar Tonin am Freitag, schied dann aber verletzt aus. Tags darauf gewann der Däne Magnus Smith und sicherte sich damit den Titel in der Zweitaktklasse. Im Unwissen, dass in Dortmund an drei Tagen gefahren wird, reiste er über Nacht ab, sodass am Sonntag der Weg für einen deutschen Sieg in Gestalt von Pius Bergmann aus Solalinden bei München frei war.

Anthony Bourdon (# 945) wurde „Prinz von Dortmund“