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SUPERSONIC Pony


Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 28.07.2021

2021er Mustang Mach1

Abgesehen von den Shelby-Modellen ist der Mach1 das beliebteste Sondermodell in der langen Reihe von Pony-Car-Spezialeditionen, die vom “BOSS” bis zum “Twister Special” reicht. Erstmalig zum Modelljahr 1969 angeboten, hat der Mach 1 längst Kultstatus erreicht. Im letzten Jahr reaktivierte Ford den Namen für den US-Markt und bietet ab sofort das limitierte Sondermodell auch in Europa an. Wir haben eine ausgedehnte Proberunde mit dem neuen Ford Mustang Mach1 durch das Bergische Land gedreht und verraten Euch, ob der Neue seinem großen Namen gerecht wird.

Ob es am rasanten Namen lag, der die Schallmauer in gedankliche Reichweite rückte, oder doch an der gelungenen Kombination aus attraktiver Ausstattung, coolem Dekor und starken Motoren? Jedenfalls eroberte der Mach 1 im Modelljahr 1969 auf Anhieb den zweiten Platz in der Mustang-Produktions-Statisik, direkt hinter dem ...

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Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 8/2021

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... Standard-Hardtop-Coupe. Und bis heute “zieht” der Name – nicht nur unter Mustang-Kennern, denn der Mach1 ist auch weiten Teilen der “generellen Öffentlichkeit” bis heute ein Begriff.

Aber nicht nur das Leistungsvermögen beeindruckt – tatsächlich kann man wohl sagen, dass Ford es in puncto Sportlichkeit noch nie so ernst gemeint hat mit dem Mach 1: Das beginnt bei einer optimierten Aerodynamik, die durch Frontsplitter, verkleideten Unterboden und Diffusor für 22 Prozent mehr Abtrieb gegenüber dem Mustang GT sorgt, und setzt sich beim Fahrwerk sowie der Kühlung fort.

So wurden für den Mach 1 die Federraten angehoben und größere Stabis montiert, ebenso wie es beim Sportfahrwerk des Ur-Mach 1 der Fall war. Anstelle von herkömmlichen Sport-Dämpfern, wie damals, wurde beim 2021er Modell die Kalibrierung der MagneRide- Stoßdämpfer angepasst.

Zudem schärfte Ford das Handling nach, indem man Fahrwerkskomponenten vom Shelby GT 350 und GT 500 übernahm. Motor, Getriebe und Hinterachse erhielten jeweils eine eigene Ölkühlung. Das Differenzial bekam eine mechanische Sperre, anstatt den Drehzahlausgleich rein über einen Bremseingriff zu kontrollieren.

Derart ausgestattet, ist der Mustang Mach 1 bestens für Rundstreckeneinsätze gerüstet und verspricht auch jede Menge Spaß auf den kurvigen Landstraßen des Bergischen Landes. Wir sind also gespannt, als wir auf den Sportsitzen des Mach 1 Platz nehmen. Graue Ziernähte setzen zusätzliche Akzente im Mustang-Innenraum, und eine Plakette am Armaturenbrett weist auf die Produktionsnummer des Sondermodells hin. Ansonsten präsentiert sich der das Interieur, wie man es vom Mustang kennt und schätzt.

Durch Antippen des metallischen Tasters an der Mittelkonsole wird gestartet; der 5-Liter-V8 fällt in einen grummelnden Leerlauf, ohne durch allzu lautes Brüllen unangenehm aufzufallen. Im Fahrmodus “Normal”, der beim Start vorgewählt ist, bleiben die Klappen der Abgasanlage geschlossen, und der Mach 1 übt sich in akustischer Zurückhaltung.

Ein kräftiger, aber milder Sound, der auch einem (Hot- Rod-)Lincoln nicht schlecht stehen würde, dringt aus den polierten Endrohren. Passend dazu das Fahrwerk: Im Normalmodus ist das MagneRide komfortabel abgestimmt, ohne weich zu sein. Hier ist den Ford-Ingenieuren eine gute Balance gelungen, denn manch anderes elektronisch härteverstellbare Fahrwerk funktioniert erst, wenn der kernigste Rennstreckenmodus ausgewählt ist, ohne dem Fahrer das Gefühl zu geben, in den Kurven “herumzuschlackern”.

In den Settings “Sport+” und “Rennstrecke” legt die Dämpfungsrate jeweils noch einmal deutlich zu, im Rennstreckenmodus liegt der Mustang Mach 1 wie das vielzitierte Brett auf der Straße und rollt entsprechend knackig ab. Das macht einen Heidenspaß – für den Straßenbetrieb sollte man es aber doch bei der Stufe “Sport+” belassen, die im Gegensatz zum Rennstreckenprogramm das Sicherheitsnetz der elektronischen Stabilitätskontrolle in Bereitschaft hält.

Ebenso wie Fahrwerk und Klappensteuerung der Abgasanlage befolgen auch das optionale 10-Gang-Automatikgetriebe und die Motorsteuerung das Diktat des “Sport+“- Modus: Der Klang des Five-Oh wird jetzt deutlich voller, und die Motor-Getriebe-Kombination verschiebt das genutzte Drehzahlband merklich nach oben; je nach Gaspedalstellung variiert die Kraftentfaltung zwischen “bissig” und “explosiv”. Jetzt machen sich auch die Unterschiede zwischen dem Coyote-V8 einerseits sowie Hemi und LT1 andererseits deutlich bemerkbar: Das DOHC-Ford- Triebwerk erreicht seine Spitzenleistung erst bei 7.250 U/ min, während diese beim Camaro SS bei glatten 6.000 Touren anliegt und ein Chally R/T Scat Pack bei 6.100 Umdrehungen pro Minute das PS-Maximum erreicht. Mit steigender Drehzahl ändert sich auch der akustische Charakter vom typisch großvolumigen (relativ gesehen, liebe Big-Block-Fans) V8-Klang hin zu einem hochgezüchteten Sportmotoren-Sound, der sofort an Renntriebwerke erinnert. Gefühlt findet die Drehzahlorgie im Mach 1 kein Ende, Steigungen werden mit einem Drehmomentvorrat von 529 Nm in Verbindung mit der zackig schaltenden 10-Gang Automatik schlicht weggebügelt. Die Fahrleistungen des Mach 1 sind enorm, die Viertelmeile – oder wie Ford es elegant formuliert: die Beschleunigung 0-400 m – schafft die Automatikausführung in 12,6 Sekunden. Beim Bremsen unterstützt das Automatikgetriebe die beherzt zupackende Brembo-Bremsanlage, indem sie mit Zwischengasstößen gezielt herunterschaltet, was von einem freudigen Brabbeln aus den vier Auspuffrohren untermalt wird. Ein Gedicht! Überhaupt scheint das Automatikgetriebe zu ahnen, was der Fahrer als nächstes vorhat und hält mit hoher Treffsicherheit die richtige Gangstufe bereit.

Der Diffusor ist ein wirksames Element der Mach-1-Aerodynamik und trägt zusammen mit dem verkleideten Unterboden zur Steigerung des Anpressdrucks bei.

Zu Fuß, sprich mit Kupplung und Schiebegetriebe, kommen nur sehr geübte Fahrer schneller voran. Das volle Performance-Potenzial des Mach 1 lässt sich nur auf der Rennstrecke ausloten, aber auch im öffentlichen Straßenverkehr bietet der limitierte Mustang viel Freude und ist ohne Einschränkung alltagstauglich. Um die Mühsal der Rush Hour so angenehm wie möglich zu gestalten, gibt Ford dem Mach 1 serienmäßig beheizbare und klimatisierbare Sportsitze, ein Navi mit SYNC3-Handyanbindung sowie ein B&O-Soundsystem mit satten 1.000 Watt Leistung und zwölf Lautsprechern mit auf den Weg. Preislich startet der Mach 1 als 6-Gang-Schalter bei 60.800 Euro, für die Automatikausführung werden 63.800 Euro fällig – damit ist das Sondermodell mehr als 20 Prozent teurer als ein Mustang GT. Dafür bringt der Mustang Mach1 einiges an Serienausstattung mit, die beim GT extra bezahlt werden muss. Weitere technische Leckerbissen wie das Sperrdifferenzial, die Zusatzkühler und das mit Shelby-Teilen optimierte Fahrwerk gibt es im Standard-Mustang nicht für Geld und gute Worte. Für besonders Performanceorientierte Interessenten stellt das limitierte Sondermodell daher ein interessantes Angebot dar.

Text: Frank Mundus ·

2021er Ford Mustang Mach 1

Motor: DOHC-32v-V8, 307 ci, 5.038 ccm, 460 PS bei 7.250 U/min, 529 Nm bei 4.900U/min, Verdichtung 12:1, 87-mm-Drosselklappe, Niedrigdruck-Zentralrohr-plus Hochdruck-Direkteinspritzung, Doppelrohr-Auspuffanlage

Kraftübertragung: Zehngang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, Sperrdifferenzial

Vorderachse: Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen, Schraubenfedern mit erhöhter Federrate, speziell abgestimmte MagneRide-Stoßdämpfer, hohlgebohrter 33-mm-Stabilisator, Scheibenbremsen

Hinterachse: Einzelradaufhängung an Mehrlenkerkonstruktion, Schraubenfedern mit erhöhter Federrate, speziell abgestimmte MagneRide-Stoßdämpfer, massiver 24-mm-Stabilisator, Scheibenbremsen

Räder: Leichtmetallräder in 9,5 × 19" vorne und 10 × 19" hinten

Reifen: Michelin “Pilot Sport 4S” in 255/40 R19 vorn und 275/40 R19 hinten

Länge × Breite × Höhe (in mm): 4.797 × 1.916 × 1.382

Leergewicht (in kg): 1.861

Radstand (in mm): 2.720

Tankvolumen (in l): 60

Verbrauch (in l, kombiniert): 11,7 (Werksangabe nach WLTP)

Beschleunigung (0-100 km/h in s): 4,4

Höchstgeschwindigkeit (in km/h): 250

Testwagenpreis (UVP): 65.000 Euro

Festgestellte Mängel während des Tests: keine

Importeur bzw. Bezugsquelle: Ford-Händlernetzwerk, www.ford.de