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Superstar WILL SMITH


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founders magazin - epaper ⋅ Ausgabe 36/2022 vom 29.04.2022
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Selten lagen Erfolg und Eklat so nah beieinander wie auf der Oscar-Verleihung 2022: Eben noch im Beisein der Elite Hollywoods zum besten Hauptdarsteller 2022 gekürt, heißt es für die Schauspiellegende Will Smith nur kurze Zeit später: Hausverbot! Zehn Jahre Ausschluss von der Academy-Awards-Gala, der Verleihung des wohl wichtigsten US-amerikanischen Filmpreises.

Es ist ein so plötzlicher Wendepunkt in der Laufbahn des bekannten Schauspielers, Filmproduzenten und Popstars, der selbst die größten Fans des 53-jährigen Multitalents überraschen dürfte – und die sollten mittlerweile daran gewöhnt sein, dass die Karriere ihres Idols eher einer Achterbahnfahrt als einem Siegertreppchen gleicht. Zwar hat Will Smith in seiner jahrzehntelangen Laufbahn im Rampenlicht zahlreiche Erfolge in Musik, Fernsehen und Film genießen können – im April 2007 wurde er sogar der mächtigste Schauspieler auf dem Planeten genannt – doch war die bisherige, etwa vierzigjährige Schauspielkarriere ebenso von Flops, Abstürzen und Eklats geprägt.

Wer allein seinen Werdegang vor der Kamera betrachtet, könnte daher schnell zu dem Schluss kommen, dass Smith nicht viel mehr als ein weiterer Hitzkopf aus Hollywood ist. Doch sein zweites berufliches Standbein zeichnet ein differenzierteres Bild: Als Mitbegründer der Produktionsfirma Overbrook Entertainment und des Medienkonzerns Westbrook Inc. sowie als Eigentümer zahlreicher weiterer Produktionsfirmen, darunter einer Münchner Firma, zeigt sich Will Smith als geschickter Geschäftsmann, der mit Ehrgeiz und Risikobereitschaft vorgeht. Zeit, einen genauen Blick auf die ungewöhnliche Karriere des streitbaren Allround-Talents zu werfen.

In den späten 80er-Jahren fällt er dem plötzlichen Ruhm zum Opfer, verschleudert sein Geld und findet sich bald am Rande des Bankrotts wieder.

Vom Rapper zum Hollywood-Liebling

Will Smith kommt am 25. September 1969 als Willard Christopher »Will« Smith Jr. in Philadelphia auf die Welt. Anders als viele andere bekannte Gesichter wird er nicht bereits in den Hollywood-Glamour hineingeboren, sondern stammt aus eher einfachen Verhältnissen: Sein Vater war Inhaber einer Firma für Kältetechnik und seine Mutter arbeitete als Lehrerin im Schulausschuss.

Im Alter von 12 Jahren fängt Smith an zu rappen und erhält den Spitznamen »Prince«. In seinen Anfangszeiten als Rapper nimmt er sich ein Vorbild an erfolgreichen Musikern wie Grandmaster Flash. Und schon in seinen Karriere-Anfängen zeigt sich, dass er ein gutes Gefühl für Erfolgsnischen besitzt: Denn die witzigen Elemente, die er in seine Texte einarbeitet, sind eine Besonderheit in der damaligen Raplandschaft. Sie erfreuen seine Hörer und werden später zu seinem Markenzeichen. Der junge Smith zeigt somit, dass er instinktiv weiß, wie Positionierung gelingt. Es sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn, doch so richtig nimmt die Karriere erst Fahrt auf, als er mit 16 Jahren auf den DJ Jeff Townes trifft. Gemeinsam bilden sie das Duo DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince. Smith und Townes rappen in einem familienfreundlichen Stil über die Probleme der Teenager und begeistern damit die breite Masse. Die erste Single »Girls Ain‘t Nothing But Trouble« wird im Jahr 1986 zum Hit. Ihr Debüt-Album von 1987 »Rock the House« schlägt sofort in die Top 200 ein und macht Smith noch vor seinem 18. Lebensjahr zum Millionär. Der große Erfolg zerschlägt alle Pläne, die Smith in Bezug auf seine schulische Laufbahn hatte.

Doch der Höhenflug währt nicht lange – ein wiederkehrendes Element in Smiths Lebenslauf. In den späten 80er-Jahren fällt er dem plötzlichen Ruhm zum Opfer, verschleudert sein Geld und findet sich bald am Rande des Bankrotts wieder. Glücklicherweise tritt jetzt das Fernsehen in sein Leben und verändert seine Karriere für immer. 1989 lernt er Benny Medina kennen und dieser hat die Idee zu einer Sitcom im Gepäck, die auf dem Leben in den Beverly Hills basiert. Die Fernsehshow »The Fresh Prince of Bel Air« ist geboren! Sechs Jahre lang läuft die Serie, verhilft Smith zum endgültigen Durchbruch und bringt ihm zwei Golden-Globe-und zwei Image-Award- Nominierungen ein. Für Smith, der noch nie zuvor geschauspielt hatte, ist die Show allerdings eine ziemliche Herausforderung.

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Will Smith in »Der Prinz von Bel-Air«
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in seiner Rolle als Agent Jay in »Men in Black 3«

»Es gibt keinen Grund, einen Plan B zu haben. Er lenkt nur von Plan A ab.«

– Will Smith

»Ich war ein nervöses Wrack. Meine ersten Folgen waren schrecklich«, ist ein Zitat, das Will Smith zugeschrieben wird und das aus dieser Zeit stammen soll. Smith mag vielleicht nicht mit seiner Arbeit zufrieden gewesen sein – dafür aber landete er einen Erfolg bei Publikum und Kritikern. Nur zwei Jahre später beweist Smith, dass er auch auf der großen Leinwand Erfolg haben kann. Die Actionkomödie »Bad Boys« wird 1995 zum Kassenschlager. Der Film muss zwar mit einem bescheidenen Budget auskommen, spielt aber dennoch 65 Millionen Dollar ein. Smith, der rappende Schauspieler, erlangt dadurch ein Vermögen von über fünf Millionen Dollar. Im Jahr 1996 spielt er die Hauptrolle in »Independence Day« und landet wieder einen Erfolg. Mit der Science- Fiction-Komödie »Men in Black« gelingt ihm auch im nächsten Jahr wieder ein Hit in den Kinos, für den das Multitalent sogar den Grammy-prämierten Titelsong produziert.

Zwischen Ehrgeiz und Übermut – die Ups und Downs der Smith’schen Karriereleiter

Und wieder folgt dem Karrierehoch eine Niederlage: Mit dem anschließenden Film »Wild Wild West« kann Smith das Publikum nicht überzeugen. Erst die Filmbiographie »Ali« aus dem Jahr 2001, basierend auf der Boxlegende Muhammad Ali, gibt ihm die langersehnte Gelegenheit, seinen Status als Superstar in den Kinos wiederzuerlangen – und die ergreift er. Der Film hat zwar Schwierigkeiten, kommerziellen Erfolg zu erlangen, Smiths Leistung wird jedoch hoch gelobt und er erhält seine erste Oscar- Nominierung. Aufs und Abs gehören zum Geschäft. Das, sagt Smith, sei ihm immer bewusst: »Es gibt keinen Grund, einen Plan B zu haben. Er lenkt nur von Plan A ab.« Deutliche Worte, die gut zu dem Schauspieler zu passen scheinen, der sich bereits jetzt das Image des liebenswerten Draufgängers erarbeitet hat. Doch sind sie auch wahr oder arbeitet Smith bereits da an der Absicherung seiner Karriere, vielleicht sogar an einem zweiten Standbein als Produzent?

Sieht man genau hin, wird deutlich: Schon etwa zeitgleich mit den Dreharbeiten zu »Wild Wild West« beginnt Smith gemeinsam mit seinem Geschäftspartner James Lassiter, seine eigene Produktionsfirma Overbrook Entertainment ins Leben zu rufen. Diese steht zwar gerade zu Anfang noch im Schatten seiner schauspielerischen Karriere, dafür scheint der Erfolg aber insgesamt stabiler zu verlaufen. Vielleicht braucht es als Gründer gerade eine Veranlagung zu intuitivem Handeln und eine große Risikobereitschaft – Charakterzüge also, die Smith bei seiner schauspielerischen Karriere bis zum heutigen Tag eher im Weg zu stehen, ihn jedoch gleichzeitig zu einem erfolgreichen Unternehmer zu machen scheinen.

Maßgeblich für seinen kometenhaften Aufstieg im Produzenten-Business ist sicherlich auch sein unerschütterlicher Ehrgeiz: Wie kaum ein anderer hat er die Idee des amerikanischen Traums verinnerlicht. Immer wieder von vorn beginnen, sich Wissen aneignen und nicht aufgeben, ehe sich der Erfolg einstellt, diese Strategie bewährt sich sowohl beim Aufbau der Overbrook Entertainment als auch bei dem Erreichen seiner schauspielerischen Ziele. Passenderweise ist gerade »Das Streben nach Glück« der Film, mit dem er heute wohl am meisten assoziiert wird und der ihm einen großen kommerziellen Hit beschert. Er erzählt eine Geschichte, welche die Themen Ambitionen und Fleiß in den Fokus rückt. Für seine Darstellung eines Handelsvertreters mit Geldproblemen wird Smith wieder mit Oscar-, Golden Globe-und SAG-Nominierungen überschüttet.

Nach einer Pause kehrt Smith 2012 mit »Men in Black 3« auf die große Leinwand zurück, gefolgt von einer Rolle als Militärkommandant in dem Science-Fiction-Film »After Earth«. Im Jahr 2016 spielt Smith in dem DC Comics Blockbuster »Suicide Squad« mit, der einer seiner erfolgreichsten Filme wird. In den darauffolgenden Jahren wird es schließlich wieder ruhig um Will Smith. Größere Projekte wie etwa die Realverfilmung des Disney-Klassikers »Aladdin« mögen zwar auf dem Papier erfolgreich sein, fallen jedoch bei einem großen Teil des Publikums durch.

Das Streben nach dem langfristigen Erfolg: Wohin führt seine Karriere?

Trotz unruhiger Zeiten fokussiert sich Smith in den folgenden Jahren stark auf seine zukünftige Laufbahn, er lässt sich weder von kritischen Zuschauern noch von der grassierenden Covid-19-Pandemie aus der Ruhe bringen. Mit seinen Westbrook Studios konzentriert er sich auf Netflix-Produktionen statt auf große Kino-Filme. Sein strategisches Vorgehen lässt frühere unüberlegte Handlungen als Teil einer längst vergangenen Zeit erscheinen.

Noch im Januar 2022 verkündet er, dass das Medienunternehmen Candle Media in Westbrook investiert hat. Hierdurch erhoffen sich Will Smith und seine Frau Jada Pinkett Smith nach eigenen Angaben, ihren medialen Content ausweiten zu können. Doch der Erfolg, der sich zu Beginn des Jahres anbahnt, soll nicht von langer Dauer sein. Mit einer Ohrfeige zerschmettert Will Smith auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn vorerst viele Chancen, die er sich bis dato aufgebaut hat – möglicherweise nicht nur in beruflicher Hinsicht. Gerüchten zufolge soll auch die langjährige Beziehung zu Jada Pinkett Smith durch den Eklat in eine Krise geraten sein. Wie geht es nun weiter für Will Smith – einst einer der führenden Männer Hollywoods?

Das lässt sich nur schwerlich einschätzen. Klar ist lediglich: Klein beizugeben ist nicht seine Art. Denn mit Leidenschaft, Durchsetzungsvermögen und großem Mut zum Risiko hat er in seinem bisherigen Lebenslauf noch jede Hürde überwinden können – und so bleibt nicht auszuschließen, dass er auch diesmal in Hollywood für ein unerwartetes Comeback sorgen wird. Er selbst fasst es am besten zusammen, wenn er sagt: »Geld und Erfolg verändern die Menschen nicht – sie verstärken lediglich das, was bereits da ist.«

Klein beizugeben ist nicht seine Art. Denn mit Leidenschaf t, Durchsetzungsvermögen und großem Mut zum Risiko hat er in seinem bisherigen Lebenslauf noch jede Hürde über winden können.

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Will Smith mit seiner Frau Jada Pinkett Smith bei der 94. Oscar Verleihung.

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