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SUSPIRIA: LUCA GUADAGNINO


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 72/2018 vom 14.11.2018

Der italienische Regisseur Luca Guadagnino promovierte über Jonathan Demme, drehte einen Dokumentarfilm über Bernardo Bertolucci und machte aus einem Interview mit Tilda Swinton – mit der ihn eine lange Freundschaft und Arbeitsbeziehung verbindet – einen gefeierten Kurzfilm. Guadagnino hat eine Leidenschaft für Film, die weit über die eigenen Arbeiten hinausgeht, und nach dem Oscar-gekrönten CALL ME BY YOUR NAME kommt nun endlich seine lang erwartete SUSPIRIA-Version in unsere Kinos.


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Regie: Luca Guadagnino / Italien, Deutschland 2018 / 152 Min.Darsteller: Dakota Johnson, Tilda Swinton, Mia Goth, ...

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Regie: Luca Guadagnino / Italien, Deutschland 2018 / 152 Min.Darsteller: Dakota Johnson, Tilda Swinton, Mia Goth, Angela Winkler, Chloë Grace Moretz, Ingrid Caven, Elena Fokina, Jessica HarperProduktion: Marco Morabito, Brad Fischer, Luca Guadagnino, David Kajganich, Silvia Venturini Fendi, Francesco Melzi d’Eril, William Sherak, Gabriele MorattiFreigabe: FSK 16Verleih: Koch Films/Capelight PicturesKinostart: 15. 11. 2018

Mein lieber Herr Gesangsverein! Wir sind bei Remakes ja einiges gewohnt, oft enttäuschender, überproduzierter cgi-Dreck, der mit dem Original nicht mithalten kann (und es gerne nicht »versteht« ), aber der italienische Regisseur Luca Guadagnino (verantwortlich für den letztjährigen Auslands-Oscar-Kandidaten CALL ME BY YOUR NAME ) hat bei seinem Remake von Dario Argentos Giallo-Klassiker SuSpiria einen völlig neuen Weg gewählt

Die Geschichte spielt wie das Original 1977, jedoch nicht wie dieses im bayerischen Freiburg (samt Oktoberfest ), sondern im grauen Westberlin der Mauerzeit. Das Land wird vom raf-Terror des »Deutschen Herbstes« erschüttert, als die aus Ohio stammende Tänzerin Susie (mal richtig gut: Dakota Johnson ) bei der »Markos Tanz Akademie« vorstellig wird. Deren Leiterin Madame Blanc (wie immer Weltklasse: Tilda Swinton ) ist von Susies Talent begeistert und nimmt sie trotz fehlender Ausbildung auf. In dem direkt an der Berliner Mauer gelegenen, etwas tristen Gebäude der Akademie lernt Susie ihre Mittänzerinnen kennen und freundet sich mit Sara (Mia Goth ) an. Durch sie erfährt Susie, dass eine andere Mitschülerin, Patricia (Chloë Grace Moretz ), verschwunden ist.

Deren Psychiater taucht ebenso in der Akademie auf und behauptet, dass diese in Wahrheit ein Hexenkult ist, der von Madame Blanc und ihren Lehrerinnen geführt wird. Madame Blanc überzeugt ihre verunsicherten Schülerinnen, dass Patricia die Akademie verlassen hat, um sich der raf anzuschließen. Auch eine andere Studentin, Olga (Elena Fokina ), verschwindet auf grausame Weise, doch Susie ist da bereits zum Protegé von Madame Blanc geworden und soll die Hauptrolle im nächsten Tanzstück »Volk« übernehmen, während Sara in den Katakomben des Theaters die entstellte Patricia entdeckt und sich der Verdacht des Hexenkults erhärtet.

Dario Argento schaffte mit seinem (in der Handlung sehr geradlinigen ) Film einen berauschenden Horrortrip, der in satten Primärfarben – vor allem Rot – die Leinwände richtig schwer werden ließ. Dazu kam, dass Argento, wie in allen seinen Filmen zu der Zeit, seine Horrorszenen (in denen er bekanntlich meist selbst die Mörder doubelte ) technisch aufwendig mit langen Einstellungen und komplizierten Kamerabewegungen inszenierte, die seine Filme nicht nur zu Genreklassikern werden ließen, sondern die auch gut in jedes Kunstseminar passen würden. Dabei zelebrierte er die Schönheit der Körper genauso wie deren Zerstörung, akustisch untermauert vom treibenden Soundtrack der Progressive-Rocker gOBlin.

Dass viele seiner Filme – auch die ebenso gelungene SuSpiria-Fortsetzung infernO – immer noch auf dem »Index« sind, wegen Gewaltszenen, die seit Jahren harmlos gegenüber dem erscheinen, was man in weniger als drei Klicks auf YouTube findet, lässt einen den Glauben an das »Land der Dichter und Denker« verlieren. Aber wir wollen die Bundesprüfstelle nicht kritisieren, gerade in den letzten Jahren gibt es mehr »Begnadigungen« als unter Genosse Stalin, wenn dieser mal high war.

Auch Guadagninos Version besticht in erster Linie durch perfekt inszenierte Bilder und Montagen, die an sich schon das Auge sättigen. Im Gegensatz zu Argento verzichtet er jedoch auf Primärfarben und bevorzugt die kalten Farbtöne des gleichnamigen Krieges. Auch die bayerische Idylle ist dem verfallenen Großstadtdschungel der Mauerstadt gewichen, die durch den ständigen Regen und das herbstliche Wetter noch unwirtlicher wird als durch die momentane Mietexplosion in der Hauptstadt.

Gerade zu Beginn ist SuSpiria 2018 herrlich unstet, und es dauert etwas, bis sich die Zusammenhänge der einzelnen, wunderschön gefilmten Szenen erschließen. Ganz klar: Guadagnino hat als Regisseur die Freiheit bekommen, seine Version (er vermeidet bewusst den Stempel »Remake« ) ausführlich zu erzählen – immerhin ist sie fast eine Stunde länger als das Original –, und diese verlangt zu Recht, dass man sich darauf einlässt.

Doch dafür hat Guadagnino die Geschichte um mehrere interessante Motive erweitert. Während Tanz bei Argento »nur« ein ästhetischer Hintergrund war, spielt er diesmal eine zentrale Rolle in der Handlung – der Regisseur hat dankbar den Zusammenhang zwischen »Tanz« und »Ritual« erkannt und verbunden. Wie im Original sind Männer auf Nebenrollen reduziert, es soll eine Geschichte der Hexen und der Frauen werden, Guadagnino treibt das auf die Spitze, indem er die einzig relevante männliche Rolle ebenfalls von einer Frau (siehe Interview ) spielen lässt, und auch die Hauptdarstellerin des Originals, Jessica Harper, hat hier einen zentralen Auftritt.

Eine weitere, clevere, aber nicht ganz nachvollziehbare Idee des Regisseurs ist es, den Film im Deutschen Herbst (eben 1977 ) spielen zu lassen. Er möchte dadurch der Generation der jungen Tanz-Aspirantinnen eine weitere Tiefe verleihen, weil sie zu dieser Zeit gegen ihre Eltern rebellierten, die endlich die lange verdrängte Schuld des Nationalsozialismus anerkennen sollen – was eins der Themen der raf war.

Was das jedoch mit Hexen zu tun hat und mit einer aus Ohio stammenden Hauptfigur, wird nicht deutlich, und gerade in diesen Momenten wirkt SuSpiria etwas unentschlossen und verliert den Fokus auf das zentrale Thema. Dadurch wird der eigentliche Spannungsaufbau des Films immer wieder wohl absichtlich gebremst. Diese Sperrigkeit des Films erklärt sich auch von selbst, wenn man weiß, welche Intention Regisseur Guadagnino verfolgte. Dennoch ist SuSpiria ein sehenswerter, schön gemachter Film, der durch viele smarte Ideen und durch das ultrablutige Finale besticht und somit direkt in das Genreherz sticht.

HEXEN BIS ZUM TANZ GEQUÄLT!

INTERVIEW MIT REGISSEUR

EIN FILM ÜBER DIE ENORME MACHT DER WEIBLICHKEIT

DEADLINE: Erinnerst du dich noch, als du Dario Argentos SU SPIR I A zum ersten Mal gesehen hast?
LUCA GUADAGNINO: Ich erinnere mich noch sehr gut daran: Ich war 14 Jahre und im Haus meiner Eltern, es war etwa 9 Uhr abends, und er lief auf rai, dem italienischen Sender. Ich weiß noch genau, es war heilig für mich. Ich hab die Türe geschlossen und während der gesamten Laufzeit wie gebannt auf den Bildschirm geschaut, ich konnte mich nicht einmal abwenden. Ich glaube aber nicht, dass ich mich gefürchtet hab, wenn ich ehrlich bin, ich denke, es war eher Heiterkeit. Der Film machte mir klar, dass es Bereiche gibt, die ich noch nicht kannte.
DEADLINE: Deine Version des Films betrachtest du aber nicht gerne als Remake, sondern als deine Interpretation der Geschichte. Kannst du das genauer erklären?
LUCA GUADAGNINO: Nun, ich hoffe, der Film spricht für sich selbst. Ich denke, wenn Menschen ihn sehen, die Darios Version kennen, dass sie einerseits erkennen, dass es ein sehr emotionaler Tribut an die Pracht seiner Version ist, aber auch gleichzeitig sehen, dass er ein eigenständiger Film ist. Es steht ja zum Glück nirgendwo geschrieben, dass, wenn man ein Remake macht, man das Original kopieren soll. Es ist eine falsche Annahme für mich, dass es als allgemeingültig verstanden wird, dass ein Film bei einem Remake kopiert werden soll. Aber warum? Wer hat das je gesagt? Wenn man sich keinen Film, sondern ein Theaterstück oder eine Oper wie eleKtra von Richard Strauss einmal in Wien, einmal in Mailand und einmal in Köln ansieht, dann sieht man die Arbeit von drei verschiedenen Regisseuren und Dirigenten, die sich mit dem Material auseinandergesetzt haben. Man sieht drei Versionen von eleKtra, und niemand käme auf die Idee, zu hinterfragen, warum die eine sich von der anderen unterscheidet. Man akzeptiert, dass der Blickwinkel des Künstlers, der sich mit dem Stoff auseinandergesetzt hat, zählt. Warum das im Kino nicht so funktioniert, will mir nicht in den Kopf.
DEADLINE: Aber wie geht man an ein Remake von so einem Klassiker heran? Und wie waren Tilda Swinton und Dario Argento involviert?
LUCA GUADAGNINO: SuSpiria ist mein achter oder neunter Langfilm, und ich fange jedes Mal bei null an. Ich arbeite mit dem Autor zusammen, wir schreiben die Geschichte, machen uns über die Figuren Gedanken, und dann rufe ich meinen Produzenten an, und wir verständigen uns darauf, wie wir es konkretisieren könnten. Wenn wir das ganze Team haben, arbeiten wir Stück für Stück von Drehtag zu Drehtag. Der Auslöser unserer Version war das Erscheinungsjahr des Originals, 1977. Wir beschlossen, den Film im selben Jahr spielen zu lassen, so beginnt der Film: 1. Akt: 1977. Die Frage mit Tilda ist auch nicht einfach zu beantworten, denn wie jeder weiß, bin ich seit Mitte der 1990er mit ihr befreundet und arbeite gerne mit ihr zusammen. Wir sind ständig in gutem Kontakt und testen gemeinsam gerne unsere beruflichen Möglichkeiten zusammen, egal ob es nun Spielfilme oder Dokumentationen sind. Einmal wird daraus ein Film über eine Russin, die nach Italien kommt, ein anderes Mal ein Film über eine stumme Sängerin oder wie im Falle von SuSpiria ein Film über Hexerei. Es ist glücklicherweise normal für mich, mit Tilda zu planen, weil wir gerne zusammenarbeiten. Was Dario betrifft: Ich hatte vor etwa 15 Jahren die Ehre, ihn kennenzulernen, und als wir einige Zeit danach die Rechte für SuSpiria bekamen, wollten wir eine Version mit David Gordon Green als Regisseur realisieren. Das hat dann leider nicht geklappt, aus Gründen, die hier nur langweilen würden. Danach haben wir beschlossen, dass ich der Filmemacher auf dem Regiestuhl sein werde. Ich fragte Dario bei einem gemeinsamen Abendessen, wir haben – leider sehr selten – gemeinsame Abendessen, nach seinem Rat, und er meinte: »Du brauchst keinen Rat von mir, das ist dein Film«, und genau so ist es dann auch passiert.

DEADLINE: Wie du gerade erwähnt hast, spielt dein Film, wie Argentos, 1977, was damals ja Gegenwart war, nun aber historisch ist. Was war der Grund für diese Entscheidung?
LUCA GUADAGNINO: Darios Film von 1977 hat eine ganz eigene Welt kreiert, die fast schon abstrakt ist, auch wenn man ganz klar Referenzen zur damaligen Gegenwart sehen kann, wenn darin Art déco und Jugendstil ineinandergreifen oder der Progressive-Rock-Soundtrack von gOBlin, der sehr typisch für die Zeit ist. Ich glaube nicht, dass es dem Film, hätten wir ihn 40 Jahre später platziert, mehr Authentizität gegeben hätte. Wir wollten die Geschichte in der damaligen Gegenwart verfestigen, nämlich in der Realität der Zeit. Wir dachten dabei an die Ereignisse des »Deutschen Herbstes«, die du bestimmt gut kennst, die einen Riss in der deutschen Gesellschaft verursachten. Dieser große Konflikt, der auch gewalttätig ausgetragen wurde, war auch einer der Mütter und Väter jener Zeit, die die Verantwortung vor der Geschichte, 35 Jahre nach dem Nazi-Terror, vergessen hatten, und ihren Kindern, die wollten, dass Deutschland die Verantwortung auf sich nimmt und die Schuld anerkennt. Dieser Konflikt, der zum Beispiel auch schon in den Filmen Fassbinders wunderbar porträtiert wurde, ist viel relevanter, wenn man sich ihn aus der Perspektive der Machtkämpfe innerhalb einer Tanzakademie zu der Zeit vorstellt. Es ist eine Art dunkler Spiegel der Gesellschaft, der mir und (Drehbuchautor David, Anm. ) Kajganich sehr wichtig war. Ein Horrorfilm, der auch die Ängste jener Zeit mit verarbeitet, war unser Ziel, und wir haben überlegt, wie wir das mit verarbeiten können, was im Original höchstens angedeutet war.
DEADLINE: Zudem ist das Setting diesmal wesentlich urbaner, während das Original eher in einer ländlichen Region spielt …
LUCA GUADAGNINO: (unterbricht ) …ich denke nicht, dass das Original in einer ländlichen Gegend spielt, er spielt in Freiburg in einem Gebäude, das neben einem Park steht. Jedoch spielt sich die Handlung fast nur innerhalb des Hauses ab. Man sieht jedoch, dass es eine Stadt ist, wenn Flavio Buccis Figur während des Oktoberfests in einem Wirtshaus ist, oder wenn Susie einen Professor aufsucht, um sich über Hexen zu informieren.
DEADLINE: Ich meinte eher, dass diesmal die Stadt mehr als Stadt erzählt wird. Aber hast du einen persönlichen Bezug zu Berlin, oder waren die politischen Spannungen zu der Zeit der Grund für die Auswahl des Schauplatzes?
LUCA GUADAGNINO: Nein, ich habe keine persönliche Beziehung zu Berlin.
DEADLINE: Die Dreharbeiten dauerten dort jedoch nur kurz, soweit ich mich erinnere, wo wurden die Studioaufnahmen gemacht?
LUCA GUADAGNINO: Wir haben in Varese gedreht, in einem verlassenen Hotel, dem »Campo de’ Fiori«, mitten auf einem Berg, bevor wir nach Berlin kamen.
DEADLINE: Dario Argentos Filme zu jener Zeit, vor allem SUSPIRIA, sind bekannt dafür, in den Primärfarben zu erstrahlen, vor allem in Rot. Du hast kräftige Farben jedoch vermieden und dich für einen blasseren Look entschieden …
LUCA GUADAGNINO: Wenn man einen Film erzählt, der 1977 spielt, wird man sich ungern für starke Primärfarben entscheiden, für mich wäre das ein Widerspruch, gerade bei einer Geschichte, die während des »Deutschen Herbstes« spielt. Es ist also eigentlich eine sehr einfache, fast »oberlehrerhafte« Idee, dass ich das in meiner SuSpiria-Version so gemacht habe. Zudem: Warum sollte ich das, was Dario und sein Kameramann Luciano Tovoli so wunderschön fotografiert haben, versuchen zu wiederholen? Das wurde ja bereits getan.
DEADLINE: Um noch mal auf Tilda Swinton zurückzukommen: Interessanterweise spielt sie eine Doppelrolle in SUSPIRIA, noch dazu die des einzigen Mannes, der relevant ist. Wie kam die Idee zustande?
LUCA GUADAGNINO: Zunächst einmal ist es immer großartig, mit Tilda zu arbeiten, sie ist eine tolle Frau, eine liebe Freundin und eine einzigartige Schauspielerin. Und ich bin ich zögerlich, es auszusprechen, weil ich hoffe, der Film spricht für sich selbst, aber SuSpiria ist ein Film über die enorme Macht der Weiblichkeit. Daher war es für mich wichtig, dass auch der Mann von einer Frau für den Film quasi »erschaffen« wurde.
DEADLINE: Was auch sehr stark in deinem Film ist, ist das Tanzen. Im Original eher schmuckes Beiwerk, haben die Tanzszenen bei dir zentrale Bedeutung. Hattest du das Gefühl, dass das in Argentos Film nicht genug ausgespielt wurde?
LUCA GUADAGNINO: Unterm Strich erzählt Darios Film die Geschichte von einem amerikanischen Mädchen, das nach Deutschland kommt, um an einer Tanzakademie zu lernen, wo die Tänzer jedoch Hexen sind. Von Beginn an dachte ich mir für meinen Film: Wenn die Hexen Tänzerinnen sind, dann lasst uns das auch so erzählen. Es ist also einfach nur direkt und geradeaus gemeint, dahinter steckt nichts Spezielles oder gar Esoterisches.
DEADLINE: Danke für das Gespräch, Luca, Grazie mille!