Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

SVEN STRÜVER: SPIELEN MIT KÖPFCHEN


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 121/2019 vom 04.12.2019

Zu einer gelungenen Runde gehören nicht nur ein konstanter Schwung, der immer und immer wieder gute Schläge produziert, sondern auch Strategie und ein gutes Course-Management. Am Beispiel ausgewählter Bahnen des Schloss-Platzes im Golfresort Fleesensee erklärtSven Strüver , wo Schläge abzulegen sind, wenn man eben kein Longhitter oder Tourspieler ist. Und dabei trotzdem mit mbl@öglichst wenigen Schlägen über die Runde kommt


Artikelbild für den Artikel "SVEN STRÜVER: SPIELEN MIT KÖPFCHEN" aus der Ausgabe 121/2019 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 121/2019

Bahn 16, Par 4, 285 Meter von gelb. Anstatt mit zwei Schlägen (schwarze Linie) das Grün anzugreifen, werden mit einer Drei-Schlag-Strategie die bis zu 70 Zentimeter tiefen Bunker ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von GOLF MAGAZIN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 121/2019 von Langer bleibt das Vorbild!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Langer bleibt das Vorbild!
Titelbild der Ausgabe 121/2019 von ADVENTS-KALENDER: DER GOLF MAGAZIN ADVENTS-KALENDER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ADVENTS-KALENDER: DER GOLF MAGAZIN ADVENTS-KALENDER
Titelbild der Ausgabe 121/2019 von GOLF- & ANDERE BÜCHER: LESESTOFF NICHT NUR RUND UM DEN KLEINEN BALL: Vom Krimi über den Ratgeber bis zur Klopftechnik. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GOLF- & ANDERE BÜCHER: LESESTOFF NICHT NUR RUND UM DEN KLEINEN BALL: Vom Krimi über den Ratgeber bis zur Klopftechnik
Titelbild der Ausgabe 121/2019 von DEUTSCHER GOLF AWARD: DEUTSCHLANDS BESTER GOLFPLATZ!: SIE HABEN DIE WAHL – UND KÖNNEN GEWINNEN!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DEUTSCHER GOLF AWARD: DEUTSCHLANDS BESTER GOLFPLATZ!: SIE HABEN DIE WAHL – UND KÖNNEN GEWINNEN!
Titelbild der Ausgabe 121/2019 von SCHWAB CUP CHAMPIONSHIP: Der Phoenix aus der Asche. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SCHWAB CUP CHAMPIONSHIP: Der Phoenix aus der Asche
Titelbild der Ausgabe 121/2019 von BERNHARD LANGER: „Ich möchte immer noch besser werden!“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BERNHARD LANGER: „Ich möchte immer noch besser werden!“
Vorheriger Artikel
DAVID BRITTEN: Stoppt den Erwartungsfrust
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel CHRISTIAN NEUREUTHER: Große Sprünge mit lädiertem…
aus dieser Ausgabe

... umspielt und der Graben gemieden.


Nach einer strategischen Fehlentscheidung wird der Strich hingenommen und man geht weiter. Früher war das nicht möglich, da zählte jeder Schlag“, mahnt der dreifache European-Tour-Sieger Sven Strüver, während er auf dem Ausdruck der Spielbahn Nummer 4 des Schloss-Platzes in einem stechendem Rot energisch die Wassermarkierungen nachzeichnet: „Vom Abschlag links zieht sich das Wasser fast über die gesamte Länge der Spielbahn“, erklärt Strüver und malt mit dem Rotstift am Rand des Fairways der Par-5-Bahn (Foto Seite 61) entlang. „Hier läuft der Graben weiter …“, sagt Strüver, wobei das Quietschen des Filzstiftes zu hören ist, während er die Wasserlinien Mitte, rechts und auch weiter hinten links des Fairways einzeichnet. „Im Gegensatz zu früher wird heute meist Stableford gespielt, und da werden gerne mal Risikoschläge wie in dem Film ,Tin Cup‘ probiert“, erklärt Strüver leicht resigniert. Dabei ist es oft nicht sinnvoll, ein unnötiges Risiko einzugehen. Das führt zu einem oder mehreren Strichen auf der Scorekarte und zu viel Frust.

Die 16. Bahn des Schloss-Platzes (Foto oben) ist von den gelben Abschlägen 285 und von den roten 258 Meter lang. Das Grün mit zwei Schlägen anzugreifen wäre für viele Spieler mit höherem Handicap schon sportlich, aber die Herausforderung liegt vor allem in dem Wasser vor dem Grün. Wer Schwierigkeiten hat, die knapp 300 Meter mit zwei Schlägen zu bezwingen, hat eigentlich keinen Grund, mit dem Driver auf den Abschlag zu gehen.

Sven Strüver besuchte uns in der Redaktion, erklärte konkret am Beispiel des Schloss-Platzes in Fleesensee, wie gutes Course-Management funktionieren sollte.


Jeder will es probieren …

„Die Meisten möchten eben nicht mit einem Eisen abschlagen“, berichtet Strüver mit dem Anflug eines Lächelns. Strategisch wäre es smarter, an der oben dargestellten Spielbahn mit einem Eisen abzuschlagen, den Ball mit einem weiteren Eisenschlag vor dem Hindernis, das quer über das Fairway läuft, abzulegen, und so auch die drei Bunker rechts der Spielbahn aus dem Spiel zu nehmen.
Schlag Nummer drei wäre ein kürzeres Eisen Richtung Grün, und mit zwei Putts wäre das Bogey sicher. Das wäre die intelligente Lösung, aber sicher nicht die, die sich die meisten Amateure wünschen. „Je nachdem, wie autoritär ich auftrete, glauben mir meine Schüler“, erzählt Strüver zufrieden. Wobei es teilweise schwierig ist, Überzeugungsarbeit zu leisten. Zum einen überschätzen viele Spieler ihre Schlaglänge deutlich, zum anderen wird ein strategischer Fehler nicht mehr wie früher abgestraft. Heute wird ja primär Stableford gespielt und anstelle einer 10, 12 oder noch höheren Schlagzahl unbekümmert ein Strich auf der Scorekarte notiert.

Und an der nächsten Bahn heißt es dann: neues Spiel, neues Glück!

Die unterschätze Bahn 3: Par 3, 154 Meter von gelb. Rechts und vor dem Grün kommt Wasser ins Spiel, ums Grün lauern Bunker.


IRRGLAUBE: PAR 3 IST EINFACH

„Um in die Runde reinzukommen, sind die ersten zwei Spielbahnen ein fairer Einsteig“, urteilt Sven Strüver über die Anordnung der Löcher auf dem Schloss-Platz. „An Loch 1 geht es bergab, und da fliegt der Ball sowieso erst mal weiter, man sieht alles, die Bahn ist nicht zu lang …“, sagt Strüver. „Aber dann wird es an Bahn 3 brummig“, mahnt er mit ernster Stimme vor dem 154 Meter langen Par 3. Strüver muss es wissen, er kennt den Platz wie seine Westentasche, da er im Golfresort Fleesensee Unterricht gibt und mit seinen Schülern regelmäßig auf den Plätzen unterwegs ist.

„Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Par-3-Bahnen einfache Löcher sind“, berichtet Strüver mit scharfem Ton. Mit leicht gedämpfter Stimme fügt er ruhig hinzu: „Das hat noch keiner verstanden, dass sie die schwierigsten Löcher sind“, wobei er jede Silbe der letzten drei Wörter betont. Par-3-Bahnen werden meist als einfach abgetan. Dieser Fehleinschätzung rückt Sven Strüver mit einer einfachen Frage zu Leibe: „Wieviele Birdies fallen an einem Par 3, wieviele an einem Par 5?“ Die Antwort spricht für sich.

„Klar, wenn man den Ball nur 70 Meter nach vorne kullern lassen kann, ist die Bahn einfach“, sagt der Ex-Tour-Spieler besänftigend. Das aber ist eben hier nicht der Fall. Anstatt von gelb mit einem langen Holz oder einem Driver abzuschlagen, wäre es sinnvoller, sich die 154 oder 127 Meter von rot aufzuteilen: mit einem Eisen vor dem Graben ablegen, um beim Schlag aufs Grün auch die Bunker zu meiden.

DIE SCHWIERIGSTE BAHN CLEVER BEZWINGEN

Die Spielbahn 4 ist die schwerste des Schloss-Platzes: Bei dem 468-Meter-Par-5 ist das Fairway von viel Wasser gesäumt (rot eingezeichnet). Sven Strüver empfiehlt eine 4-Schlag-Strategie von den roten und gelben Abschlägen (unten) bis zum Grün (oben).


Hausbesuch beim GOLF MAGAZIN: Der ehemalige European-Tour-Spieler Sven Strüver zeigt Chefredakteur Detlef Hennies (rechts) und GM-Redakteurin Isabel von Wilcke, wie man die Bahn am besten spielt.


Diese Par-5-Bahn zeigt ihre Zähne bereits vom Abschlag aus. Wer gerne mal seinen Drive nach links verzieht, könnte hier weiche Knie bekommen. Links lauert Wasser, das sich fast die gesamte Bahn entlangzieht. Sven Strüver setzt noch mal den Rotstift an, zieht ihn bedächtig am Fairwayrand entlang und sagt langsam die Worte: „Das ist alles Wasser.“ Warum also mit dem Driver das Risiko wählen, wenn man entspannt ein Hybrid oder ein Eisen nach rechts schlagen kann? „Wer clever spielt, teilt sich die Bahn in mindestens vier Schläge auf“, meint Strüver, während er die möglichen Spiellinien einzeichnet. „Mit dem zweiten Schlag geht’s 100 Meter weiter vor den Graben, dann schlägt man wieder 100 bis 120 Meter, um dann für den vierten Schlag noch circa 100 Meter bis zum Grün zu haben.“ Wer keine solide Länge hat oder kürzer geworden ist, sollte sich die Bahn in fünf Schläge aufteilen, denn „hier herrscht oft Gegenwind“, mahnt Strüver. Klar ist: „Einen Driver oder sonst irgendetwas benötigt man hier nicht“, wobei Strüver auf die Gefahren hinweist. Also besser Vorsicht walten lassen und mit mehr als vier Schlägen sicher auf dem Grün landen und mit zwei Putts vielleicht ein Bogey notieren – das wäre ein ausgezeichnetes Ergebnis für diese schwerste Bahn des Schloss-Platzes.

Das Beste zum Schluss: Die 18. Bahn ist die zweitschwerste und kann noch so manch guten Score gefährden. Das besonders Heikle: Das Grün (links im Bild) ist von trickreichen Ondulierungen verteidigt, sodass der Ball wieder herunterrollen kann.


DEN SCORE SICHER INS CLUBHAUS BRINGEN

„Die meisten Spieler möchten länger werden. Doch wie oft benötigt man seinen Driver während einer Runde? Vielleicht 14 Mal?“, fragt Sven Strüver schmunzelnd. „Für Spieler mit einen Handicap um 27 sind die meist verwendeten Schläger weder Driver noch Sandwedge noch Putter. Es ist oftmals das Holz 5“, sagt Strüver. „Das kommt auf manchen Bahnen sogar zwei Mal zum Einsatz, genauso wie an einem längeren Par 3“, erklärt der Trainer. Also warum übt man nicht primär das Holz 5 oder einen vergleichbaren Schläger? Auf dieser Abschlussbahn (von gelb 377; von rot 308 Meter) wäre ein verlässlich funktionierendes Fairwayholz hilfreich, um seinen unter Umständen guten Score sicher nach Hause zu bringen.

BRIEFE / MAILS

Noch mehr Nähe, bitte!

Zu Exklusiv-Interviews mit Langer und Lowry in der November-Ausgabe

Klar, schon des Öfteren haben Sie etwas über unseren deutschen „Mister Consistency“ – also known as Bernhard Langer – berichtet, aber diese hautnahen Exklusiv-Geschichten sind jedes Mal etwas Besonderes! Der Chefredakteur trifft Langer himself zum Interview. Mega! Auch das Gespräch mit dem charismatischen rotbärtigen Iren Shane Lowry war ultra-lesenswert. Solche People-Stories sind ohnehin spannend und geben einem auch mal den Blick hinter die Profi-Kulissen frei. Bitte super gerne mehr davon.:-)
Torben Rassmuss, über Facebook

Deutlich zu viel Lifestyle

Zu unseren Lifestyle-Seiten in verschiedenen Ausgaben

„Winter mit Wonne“ ist ja schön und gut, aber was haben ein (überteuertes) Gesichtsserum, ebenso überpreisige Pralinen, ein optisch zumindest mich wenig ansprechender Ganzkörper-Indoor-Anzug und pseudo-stylige XXLDamen-Pullover mit Golf zu tun? Gibt es denn so gar keine anderen und wirklich anprechende Accessoires im Golfbereich? Als ich das Magazin aufschlug, dachte meine Frau, ich hätte ein Modemagazin gekauft …
Piet Röttgers, per E-Mail

Tolle Tipps, die ich aber nicht kann

Zu den Besser-spielen-Tipps von Lydia Ko in der Oktober-Ausgabe

Gerne blättere ich in Ihren Besser-spielen-Strecken, aber die Anweisungen von Lydia Ko übersteigen meinen Horizont. Nachdem ich das mit der „Wedel-Bewegung“ bei einer „Pre-Shot-Routine“ verstanden habe, stand ich vor dem Rätsel des Finishs? Wie soll das denn gehen? Geschmeidig, aber gestreckt und aufrecht zum Ziel? Als ich das schwungvoll versucht habe, zwickte es einmal markant in meinen Rücken. Gibt es nicht auch Tipps für Freizeitspieler?
Helga Hummel, per E-Mail

Anmerkung der Redaktion: LPGA-Spielerin Lydia Ko gab Tipps für mehr Kontrolle und Effizienz beim Abschlag.

Gute Drives trotz Anspannung – Lydia Ko zeigt, wie das klappt.


Anmerkung der Redaktion: Wir behalten uns vor, Lesermeinungen verkürzt wiederzugeben.

SO ERREICHEN SIE UNS:

GOLF MAGAZIN, Troplowitzstraße 5, 22529 Hamburg ■ Fax: 040 / 38 90 63 04 ■ E-Mail: redaktion@golfmagazin.de

ZUR PERSON: DAVID BRITTEN

Alter: 51
Wohnsitz: Hamburg-Niendorf
Profi seit: 1985
Laufbahn: spielte 1985 – 1990 auf der Challenge Tour, unterrichtete 1990 – 1998 Bremen zur Vahr, 1999 – 2008 Golf-Club Wendlohe. Seit 2004 arbeitet er für Trained Brain, 2007 und 2008 war er in mit Robert Baker auf der European Tour tätig. 2008 übernahm er die Leitung von Logical Golf in Norddeutschland, seit 2009 ist er im Golf-Club an der Pinnau und hat dort das Pinnau Performance Center (PPC) aufgebaut, in dem es auch Indoor-Training gibt.
Hobbies: Reisen, Kochen, Familie
Kontakt: davidbritten.de

ZURPERSON: SVEN STRÜVER

Alter: 52
Geboren in: Bremen
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
Profi seit: 1990
Größte Erfolge: 5 Profisiege, davon 3 auf der European Tour (1996 South African PGA Championship, 1997 Sun Microsystems Dutch Open, 1998 Canon European Masters). Strüvcer vertrat sein Land sieben Mal im World Cup.
Job: Unterrichtet im Golfclub Fleesensee und betreut zusätzlich die Herren-Bundesliga-Mannschaft des GC Teutoburger Wald.


FOTOS: ARCHIV, MARVIN HEINS

FOTOS: ARCHIV, MARVIN HEINS

FOTOS: ARCHIV, GETTY IMAGES

FOTOS: GIOVANNI REDA/GOLF DIGEST 6/2019