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SYMBIOSE AUS FERNOST UND WESTEN


g&v Gestalten & Verkaufen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 02.01.2019

Die Verschmelzung zweier Handwerksarten zum steten Ziel hat Floristund Ikebana-Meister Nicolaus Peters eine beeindruckende Serie zeitgemäßer Werkstücke für g&v kreiert. Er vereint dabei das Reduzierte der japanischen Blumenkunst mit der Fülle der westlichen Floristik. Im Background: ein alter Bahnhof in Brandenburg. Sein Bahnhof. Denn hat ihn das Ikebana auch viel durch die Welt geführt, viel Spannendes erfahren lassen, fühlt er sich hier nun angekommen.


Artikelbild für den Artikel "SYMBIOSE AUS FERNOST UND WESTEN" aus der Ausgabe 1/2019 von g&v Gestalten & Verkaufen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: g&v Gestalten & Verkaufen, Ausgabe 1/2019

BRÜCKENSCHLAG

Ein toter Strauch von Lavendel –15 Jahre alt, ausdrucksstark, mit Geschichte. Seine gewachsene Form gibt den Rahmen vor. Geerdet auf einem ...

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Ein toter Strauch von Lavendel –15 Jahre alt, ausdrucksstark, mit Geschichte. Seine gewachsene Form gibt den Rahmen vor. Geerdet auf einem Sockel, einer Metallplatte, findet er seine Balance, dieser abgestorbene Zweig. Asymmetrisch ausgeschmückt mit Floralien in Farben des Lebens: Kräftig grüneAlocasia -Blätter treffen auf Blüten vonNerine undEuphorbia fulgens in einheitlichen Tönen. So entsteht ein Gleichgewicht – eine Harmonie – besonderer Art.

VERGANGENES

Diese Arbeit kommt dem Ikebana am nächsten. Technische Basis ist ganz klassisch ein Kenzan (Blumenigel). Anders als in der Floristik, wird das Werkstück nur von vorne betrachtet – vor ruhigem Hintergrund. Die Floralien sind in Linien angeordnet hintereinander gesteckt, aus einer Basis – einem Ursprung – fächern sie nach oben hin auf. Die Materialwahl ist jahreszeitlich geprägt: EinSambucus - Zweig trifft hier auf abgestorbene Fruchtstände vonHelianthus , Staudenwicke und Schoten.

HARLEKINE

Wild, frei, fröhlich – so wirken diese Werkstücke, die sich auch im Geschäft schnell umsetzen lassen und vor allem in Serie ihre Leichtigkeit entfalten. In eine mit Bleibfolie belegte Holzplatte sind mittels Holzbohrer – der generell schnelle Verbindungen und Effekte bringt – Bambussplitstäbe eingebracht. Zuvor eingeweichtes Rattan von der Rolle schwingt sich rankend um die fixierten Reagenzgläser mit Blütenfüllung. Farbstarke Ranunkeln werden untermalt von Eukalyptus. Schmuck für jeden Tisch.

EVOLUTION

Eine Stelenarbeit: Als Grundlage fungiert Reed, ein Gras aus Südafrika, stabil, biegsam, whitewashed. Aufgebracht auf einem nierenförmigen Styroporkern, schwebend auf drei Stäben, eingebracht in eine weiß geblushte Holzplatte. Das hitzeempfindliche Styropor wurde zuvor mit Panzertape beklebt, dann mit Heißkleber und Holzleim gearbeitet. Kein Mitnahmeartikel, aber immer wieder neu gestaltbar. In Röhrchen oben auf: Holunderzweige, Germini, Kamille, Eukalyptus,Gomphrena , Rosen.

WINDUNGEN

Rattantriebe – eingeweicht in Wasser – bilden hier den Grundkörper: eine Spindel. Erst fest, dann immer lockerer winden sie sich um ein Stück Maschendraht, das so unsichtbar geworden ist. Das Ganze wiederum auf einem Sockel aus einer mit Blei belegten Holzplatte und Moniereisenstangen. Die Grundstruktur wird vertikal aufgebrochen durch wenige Farbflächen: Anthurien- und Eukalyptusblüten, Meldentriebe, Blätter vonRhipsali s undAlocasia . Ein Objekt, dem Ikebana sehr nahe.

INTERVIEW IKEBANA GEGEN STRESS

Herr Peters, was genau unterscheidet Ihre Werkstücke – wie die in g&v gezeigten – von typischen Ikebana-Arbeiten? Was genau ist anders? Und wo ist die Verbindung?

Wenn man meinen Werdegang betrachten (siehe Kasten unten), war dieser stets bestimmt von beiden Arten der Blumenkunst, der westlichen Floristik und Ikebana. Die Symbiose daraus, also beide Handwerksarten miteinander zu verbinden, war immer mein Ziel. Auf der einen Seite das Reduzierte des Ikebana, wo meist nur zwei oder drei Blüten eingesetzt werden. Auf der anderen Seite die Blütenfülle der Floristik hierzulande, die mich immer wieder aufs Neue fasziniert. So fing ich an Formen und Farben zu kombinieren. Die Regeln des Ikebana zwar einerseits einhaltend, aber andererseits ausweitend. So begann ich die dort verwendeten Grundkörper – gegebene oder gebaute Formen, oft abgestorbenes Material, Holz und/oder Metall, das architektonische Grundgerüst – mit Leben in Vielfalt zu füllen: Eine Balance zwischen Floralien und totem Gerüst herzustellen.

Ikebana war ja in den 1980er-Jahren mal absolut angesagt. Ist die japanische Kunst des Blumenarrangierens heute überhaupt noch ein Thema?

Das stimmt, Ikebana hatte 1985 sein Hoch. An jeder Volkshochschule gab es Kurse. Danach ging es bergab: Ikebana galt lange Zeit – fast bis heute – als altbacken. Die Nachfrage ging runter. Heute gibt es keinen einzigen Kurs mehr an den Volkshochschulen. Das liegt aber daran, dass sich der Fokus der Schulen verändert hat – von Hobbykursen hin zur beruflichen Bildung. Wie meine Erfahrung zeigt, ist Ikebana in bestimmten Kreisen heute wieder am Boomen. Zumindest haben die Kursanfragen, die mich erreichen, zuletzt deutlich zugenommen. Aus zeitlichen Gründen kann ich diese aber nicht abdecken. Ikebana geht – im Zuge von Yoga, Pilates und Co. – einher mit dem Besinnen auf das Wesentliche. Vor allem in seiner meditativen Form. Auch viele junge Leute – gestresst vom Berufsalltag – schätzen die Ruhe und die damit verbundene Kraft des Ikebana. Die Haltung gegenüber Blumen ist eine andere geworden: Man schätzt das Gewachsene.

NICOLAUS PETERS

Fotos: Peter J. Kierzkowski

Unter dem Bindetisch der Mutter in Tempelhof/Berlin groß geworden, war Nicolaus Peters von klein auf fasziniert von der Blume. Parallel zu Gärtnerlehre und Gartenbaustudium startete er 1985 mit 16 Jahren an der Volkshochschule Zehlendorf die private Ausbildung zum Ikebana-Meister. Seine Hohe Meisterin von der größten Ikebana-Schule in Tokio: Sogetsu. Kostenintensive, aber gewinnbringende Jahre, die 2009 zum erfolgreichen Abschluss führten. In den 1990er-Jahren, nach dem Gartenbaustudium, eröffnete Peters gemeinsam mit einem Kommilitonen erfolgreich ein Blumenfachgeschäft, zog sich daraus aber bald zurück und nahm nur die Daueraufträge mit. Die Blume im Fokus, absolvierte er bei Blumen- und Gartenkunst Berlin die Ausbildung zum Floristen, machte anschließend bei Ursula Wegener seinen Meister, nahm an Wettkämpfen teil und holte bei der dritten Teilnahme in 2008 die Goldene Rose. Shows und sein Ikebana-Lieferservice mit großen Aufträgen führten den Blumenkünstler um die Welt. So gehört er auch zum Gründungsteam Fleurops Junger Wilder. Nach zehn Jahren unterwegs fühlt er sich nun angekommen im brandenburgischen Prignitz. Das Leben als Bühnenflorist hat er aufgegeben und sich dafür einer neuen wichtigen Aufgabe gewidmet: Als Seminarleiter bei Blume 2000 – einem der größten Ausbilder in der Floristik in Deutschland – gibt er sein breites Fachwissen rund um die Blume – und seine Begeisterung dafür – an Auszubildende weiter.