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System Zertifizierte Markenbaumschule: WETTBEWERBSVORTEIL: wird wenig genutzt


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 05.09.2018

Von den Mitgliedern beschlossen, als neues System eingeführt und trotzdem von nur wenigen Baumschulen umgesetzt: das zweistufige System der zertifizierten Markenbaumschule.


Artikelbild für den Artikel "System Zertifizierte Markenbaumschule: WETTBEWERBSVORTEIL: wird wenig genutzt" aus der Ausgabe 9/2018 von Deutsche Baumschule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deutsche Baumschule, Ausgabe 9/2018

Werkfoto

Die Baumschule Wilhelm Ley (Meckenheim) war eine der ersten Baumschulen, die schon an der ursprünglichen Qualifizierung teilgenommen hat. Die alte Urkunde ist tatsächlich noch erhalten: „Nach Besichtigung am 31.8.1949 wurde die Berechtigung erteilt, die Bezeichnung Deutsche Markenbaumschule unter der Betriebsnummer 16/017 zu führen.“

Durchgängig seit dieser Zeit war Ley Markenbaumschule und seit Einführung des neuen Systems ...

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... dann Zertifizierte Markenbaumschule und jetzt als erste nach drei Jahren in der Wiederholungsprüfung. Die unabhängige Agrar-Control GmbH (Krefeld) bestätigte durch ein Audit am 22. März 2018 der Baumschule, Mitgliedsnummer 8086, die Einhaltung der Bestimmungen des BdB über die Verleihung und Verwendung des Zeichens „Zertifizierte Markenbaumschule“. Die Prüfung erfolgte im Bereich Produktion für Freilandkultur für Alleebäume/Hochstämme/Solitärs, Sträucher/Bodendecker und andere, sowie Obstgehölze und Jungpflanzen/Veredlungsunterlagen.

Woran liegts?

Wir sprachen mit Geschäftsführer Christoph Dirksen über die neue Anerkennung. Er findet es schade, dass die Baumschulen in Deutschland das neue System nicht so ausgeprägt nutzen. Im letzten Winter gab es bereits Diskussionen, weil die Akzeptanz bisher nicht ausreichend ist, sagt er.

Die Fragen standen im Raum: Ist es überhaupt wichtig, ist es die richtige Maßnahme, und wer hat einen Nutzen? Und in diesem Jahr lassen sich erneut nur eine Handvoll Baumschulen erneut prüfen.

Christoph Dirksen mit Urkunde


Die alte, noch erhaltene Urkunde von 1949.


„Wir haben damals das neue System gemeinsam initiiert und mit einer Mehrheit beschlossen. Denn das alte System, wonach Kollegen sich gegenseitig besichtigen und beurteilen, war nicht mehr zeitgemäß“, so Dirksen. Ein neues System mit einer unabhängigen Prüfungsstelle wurde mehrheitlich beschlossen.

Jetzt stellt sich heraus, dass vielleicht die Hürden zu hoch, die Anforderungen zu stark oder vielleicht auch zu teuer sind, so die Vermutung Dirksens.

Möglicherweise fürchten manche Baumschulen, an den Anforderungen zu scheitern oder aber sie scheuen die Kosten und sehen auch den Vorteil und den Nutzen der Prüfung nicht.

Die zweistufige Zertifizierung mit zunächst GlobalGAP und dann der fachlichen Zertifizierung haben die Baumschulen selber entwickelt und beschlossen. Trotzdem wird es nicht entsprechend genutzt.

Sicherheit für Abnehmer

Die abnehmenden Stellen müssten dies auch fordern, so wie sie früher in Ausschreibungen als Voraussetzung „Deutsche Markenbaumschule“ stehen hatten. Das würde ihnen auch eine gewisse Sicherheit für die Gehölzlieferungen bieten.

In der Zertifizierung ist die Qualität bereits festgelegt. Aber die Kommunen schreiben nicht so aus, weil sie diese Zertifizierung gar nicht kennen, sagt Dirksen. Daher müsste man sie bekannt machen und mehr die Werbetrommel rühren. In heutigen, meist europaweiten Ausschreibungen stehen leider keine solchen Qualitätsvoraussetzungen, sagt er, sondern von Interesse sei unter dem Strich alleine der Preis. Den Kommunen wäre aber viel mehr Sicherheit gegeben und sie hätten es mit Ausschreibungen auch einfacher, wenn sie auf das Qualitätssiegel Zertifizierte Markenbaumschule setzen würden: Das wären verlässliche Gehölzlieferungen in getesteter Qualität.

Zur Prüfung in die Baumschule Ley kam ein gut vorbereiteter Gutachter, der sich sehr genau zwei Ley-typische Produktionslinien ausgesucht hat. Er ließ sich die Produktionszyklen erklären, schaute sich genau in den Quartieren um und überprüfte die entsprechenden Dokumentationspapiere. Und er begutachtete die gesamte Produktionskette über vier Jahre in der Baumschule, ließ sich genau erklären, warum die Pflanzabstände so gewählt wurden, welche Pflanzenschutzmaßnahmen nötig waren, wie sie dokumentiert wurden. Geprüft wird auch: Wie funktionieren die Kühlhäuser, ist alles durchgängig etikettiert, ist wirklich gesichert, dass Pflanzen im Produktionsprozess nicht vertauscht werden, passen die Pflanzabstände, ist alles korrekt verpflanzt, gibt es keine großen Überstände und einiges mehr.

„Auch die GlobalGAP-Prüfer stammen zumindest aus dem Bereich Landwirtschaft, kennen sich aus mit sämtlichen Richtlinien, Bewässerung, Pflanzenschutz, Düngung. Diese Bereiche sind also somit schon jährlich abgeprüft“, so Dirksen, „so dass sich die Zusatzmaßnahme für die Markenbaumschule allein auf die Produktion der Gehölze konzentrieren kann.“

Blick ins Quartier der Baumschule Ley.


Werkfotos

Die Baumschule wirbt im Katalog mit der Zertifizierung.


Foto: fri

Das ist in der Regel an einem Tag, in etwa fünf Stunden erledigt. Er schätzt die Kosten für die Baumschule auf insgesamt 5000 Euro, das gilt für drei Jahre. Und da ist bereits alles enthalten an Vorbereitung und Kontrollen im Betrieb. „Der Aufwand ist also nicht so groß. Für eine gut geführte Baumschule sollten weder der Preis noch der Aufwand ein Problem sein“, meint er.

Vorteile für Baumschulen

Christoph Dirksen sieht folgende Vorteile:
• Die Zertifizierung gibt den Kunden Sicherheit.
• Für die Baumschulen erleichtert sich der Verkauf.
• Der Betrieb ist viel besser strukturiert und aufgeräumter als früher, so kann jederzeit ein Besuch kommen.
• viel mehr Ordnung im Betrieb und seinen Abläufen
• Alle Maßnahmen im Betrieb sind dokumentiert.
• Auch für Mitarbeiter ist der Betrieb viel transparenter geworden.

Größe steigert Bekanntheit

Die Vorzertifizierung GlobalGAP ist europaweit bekannt und anerkannt, das Add-on „Zertifizierte Markenbaumschule“ leider nicht.

Daher sind die Wettbewerbsvorteile für die beteiligten deutschen Baumschulen momentan nicht besonders ausgeprägt, so Dirksen, weil die Gruppe zu klein ist und gar nicht wahrgenommen werden kann. Und wenn die Kommunen nicht fordern, entscheiden sich auch keine neuen Baumschulen zur Prüfung. Man dreht sich im Kreis und bräuchte daher mehr Werbung nach außen. „Der BdB müsste eigentlich viel mehr Werbung für die neue Zertifizierung machen, damit auch Kommunen aufmerksam werden und nach Zertifizierten Markenbaumschulen ausschreiben.“

Wie intensiv ein Betrieb selber das Zeichen bewirbt, wird in der Prüfung auch abgefragt. Ley verwendet es im Katalog, auf der Internetseite und auf allen Briefköpfen. Leider gebe es beim BdB noch keine entsprechende Fahne mit dem Logo, bedauert Dirksen.

Große Projekte sind sowieso nur durch Zukauf zu realisieren, sagt er. Doch die Zuliefer-Baumschulen sehen momentan keine Notwendigkeit, sich zertifieren zu lassen. Nur wenn die Kommunen oder die größeren Baumschulen nach Zertifizierung verlangen, dann müssten sich auch mehr Bau mschulen an diesem System beteiligen. Dann wäre ein einheitliches, geschlossenes System geschaffen, von dem alle profitieren könnten, sagt er. „Vom Aussaatbetrieb über Unterlagen-Baumschulen, vom Bodendecker-Spezialisten bis hin zu den Hoch-Baumschulen, alle gleich zertifiziert, das würde echte Wettbewerbsvorteile bringen.“

Daher überlegt die kleine Gruppe der zertifizierten Markenbaumschulen derzeit, sich gemeinsam zu beraten, ihre Vorteile einmal aufzulisten und zu versuchen, Werbung in eigener Sache zu machen. Denn sie sehen eindeutiges Potenzial und würden gerne andere Baumschulen mit ins Boot holen, ihnen den Nutzen und die Vorteile unterbreiten.

Der aktuelle Stand

Den aktuellen Stand der „Zertifizierten Markenbaumschulen“ im Bund deutscher Baumschulen (BdB) erläuterte BdB-Referent Niels Sommer gegenüber der TASPO. Demnach lief das alte System „Deutsche Markenbaumschule“ Ende 2014 aus. Noch im selben Jahr gab es erste Baumschulen, die nach dem neuen zweistufigen System als „Zertifizierte Markenbaumschule“ ausgezeichnet wurden.

Aktuell sind acht Baumschulen nach dem neuen System zertifiziert und tragen das entsprechende Logo. Im Höchststand waren es einmal neun Betriebe. Zurzeit finden die Audits für Wiederholer statt. Eine Baumschule ist bereits fertig, für drei weitere stehen die Prüfungen noch aus. Also sind es insgesamt vier Betriebe im Jahr 2018. Die zertifizierten Markenbaumschulen sind über ganz Deutschland verteilt. Auffallend niedrig ist die Anzahl der Baumschulen, die sich während der vergangenen vier Jahre noch an diesem System der Qualitätsprüfung beteiligen. Entsprechend habe der BdB Überlegungen angestellt, so Sommer. Sie könnten weitgehend zu einer Reformierung und Anpassung des Systems führen. Aktuell arbeiten die BdB-Gremien an einer Hygieneleitlinie. Ziel ist, die Gefahr einer Einschleppung von Quarantäneschädlingen zu bannen. Die Inhalte dieser Hygieneleitlinie müssen so formuliert werden, dass diese von den Betrieben auch einfach umgesetzt werden können. Ein Teil dieser Inhalte ist bereits in den Prüfungsbestimmungen der Zertifizierten Markenbaumschule zu finden.

Sommer weist noch darauf hin, dass Quarantäneschädlinge insbesondere von Dritten eingeschleppt werden, dazu gehören Holzpaletten oder Pflanzen als Urlaubssouvenir. Vor letzterem hat der BdB zusammen mit dem Zoll Warnungen veröffentlicht. Bei weiteren Maßnahmen zur Verhinderung einer Einschleppung erwartet der BdB zusätzliche Unterstützung von Seiten der Behörden, so Sommer.

Neue Ansprechpartnerin bei Ley

Camilla Bublies hat seit Anfang des Jahres den Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit in der Baumschule Ley in Meckenheim übernommen. Sie arbeitet bereits seit vielen Jahren in der Baumschule, jetzt, nach den Geburten von zwei Kindern, mit eigenem Aufgabengebiet. Camilla Bublies ist Diplom-Ingenieurin, studierte Agrarwissenschaften, Schwerpunkt Gartenbau, in Bonn. Praktische Erfahrungen sowie die Nähe zur Baumschule sind kein Zufall, schließlich ist sie die Enkelin von Karl Ley, der von 1969 bis 1982 als Präsident an der Spitze des Zentralverbands Gartenbau stand.
fri