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Systematische Plünderung


arte Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 28.10.2021

WIRTSCHAFT

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Bildquelle: arte Magazin, Ausgabe 11/2021

Wirecard – Die Milliarden-Lüge

Dokumentarfilm — Der Aufstieg und Fall des Zahlungsdienstleisters und Dax-Konzerns ist eine Geschichte von Verblendung, Hybris, Gier und institutionellem Versagen. Der Film zeichnet nach, wie Mahner und Whistleblower lange kaltgestellt und so windige Geschäftemacher geschützt wurden.

TV Dienstag, 2.11. — 20.15 Uhr

MEDIATHEK bis 1.12. verfügbar

Es klingt wie ein schlechtes Drehbuch, nicht mal das Genre ist klar: Wirtschaftskrimi oder Agententhriller, Slapstick oder Melodram? Der Wirecard-Skandal ist alles zugleich, nur ist der Bankrott des Dax-Konzerns keine Fiktion, sondern Realität. 24 Milliarden Börsenwert vernichtet, ein Topmanager auf der Flucht, ein anderer in U-Haft, Millionen geprellte Aktionäre und eine Bande Krimineller hat eine halbe Milliarde Euro ...

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... beiseitegeschafft. Ein Blick auf vier in unterschiedlicher Weise Beteiligte des Skandals:

JAN MARSALEK – FLÜCHTIGER SCHATTENMANN

Als mutmaßlicher Oberschurke in dem Stück gilt Jan Marsalek. Der schneidige Wiener kommt mit 19 Jahren als Software-Experte zu Wirecard, bricht den Kontakt zur Heimat komplett ab, sogar zur Mutter. Der spätere Chief Operating Officer schart eine schillernde Truppe von Geheimagenten und Geschäftemachern um sich. Ziel des Zirkels ist laut Insolvenzverwalter die „systematische Plünderung“ von Wirecard. Der ARTE-Dokumentarfilm „Wirecard – Die Milliarden-Lüge“ zeigt, wie Marsalek & Co dazu in Asien ein gigantisches Scheingeschäft errichten – mit fingierten Umsätzen, gefälschten Verträgen, erfundenen Kontosalden und Darlehen an gute Freunde. Man schwelgt im Luxus, genießt den Rausch. Zum Verhängnis werden den Betrügern zwei Milliarden Euro Cash, die angeblich in Manila liegen, aber unauffindbar sind. Im Sommer 2020 bricht alles zusammen, auch Marsaleks Schattenreich. Wirecard geht als Verursacher des größten deutschen Finanzskandals in die Geschichte ein. Marsalek taucht ab mithilfe österreichischer Ex-Geheimdienstler. Heute wähnen ihn die einen beim russischen Geheimdienst in Moskau, die anderen in der Türkei, wo er an neuen „Geschäftsideen“ bastle.

MARKUS BRAUN – UNWISSENDER ALLESBEHERRSCHER

Und wer will von dem ganzen Zirkus, der sich als beispielloser, milliardenschwerer Bilanzbetrug entpuppt, nichts gewusst haben? Markus Braun, „Mr. Wirecard“ höchstpersönlich. Der Mann, der bereits 2002 CEO wird, als der Zahlungsabwickler nur ein paar Hand voll Mitarbeiter zählt. Der nicht nur Chef, sondern auch Großaktionär ist und dies die Welt gerne spüren lässt. Le roi, c’est moi. Alle Vorwürfe gegen Wirecard dementiert er zunächst, schreibt sie voller Entrüstung einer bösen angelsächsischen Verschwörung zu. Und die Welt glaubt seine Erfolgsstory „Made in Germany“ nur zu gerne. Braun, auch er Österreicher, pflegt sein Image als Nerd und philosophischer Denker, aber was ihn eigentlich umtreibt, ist der Aktienkurs. An dem hängt sein Wohl, sein Milliarden-Vermögen, sein Status als Teil der feinen Wiener Gesellschaft. Den Erfolg genießt er mit Familie und Entourage in Luxusdomizilen in Wien, Kitzbühel und an der Côte d’Azur. Heute ist sein Vermögen, soweit bekannt, von der Staatsanwaltschaft arretiert. Seit Juli 2020 sitzt Braun als mutmaßlicher Kopf einer kriminellen Bande wegen Marktmanipulation und Untreue in Untersuchungshaft. Schwer vorstellbar, dass er von nichts wusste.

FELIX HUFELD – ZAHNLOSER DSCHUNGELTIGER

Die zuständigen Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young haben sich von den Wirecard-Betrügern offenbar über Jahre mit gefälschten Unterlagen und wilden Storys hinters Licht führen lassen – und auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) versagt. Deren – mittlerweile geschasster – Chef Felix Hufeld übt sich in Selbstkritik: Wirecard sei eine „Schande“ und die Bafin nicht „effektiv“ genug gewesen. Tatsächlich hat die Anstalt mitgestrickt an der Wirecard-Legende. Ihr Leerverkaufsverbot stellt den Konzern quasi unter staatlichen Schutz, ein einmaliger Vorgang. Vorwürfe zu Geldwäsche und Bilanzmanipulation bleiben im Behördendschungel hängen, stattdessen spekulieren Bafin-Mitarbeiter eifrig auf die Aktie. Hufeld bleibt nur der Rücktritt, die Behörde wird aufgestockt und erhält mehr Kompetenzen.

OLAF SCHOLZ – REFORMER UNTER DRUCK

Ein Wirecard 2.0 soll es nicht geben. Der Mann hinter dem versprochenen Umbau ist Finanzminister Olaf Scholz. Der SPD-Kanzlerkandidat erkennt schnell die Brisanz des Falls und fordert energische Reformen. Schließlich hätte der Skandal das Zeug, auch Minister zu stürzen. Die Spürhunde des Untersuchungsausschusses bringen allerhand Versäumnisse und Versagen zutage. Eine unanständige Nähe von Scholz zu Wirecard finden sie nicht. Andere spannte Wirecard durchaus für unrühmliche Lobbyarbeit ein, etwa Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der es einfädelte, dass Kanzlerin Angela Merkel in China persönlich für Wirecard warb. Ein „ganz normaler Vorgang“, erklärt sie im Wirecard-Ausschuss. Dessen Fazit lautet: Scholz tatenlos. Merkel naiv. Die Behörden blind. Deutschland blamiert.

DIE AUTORIN

Bettina Weiguny, Publizistin

Die Autorin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung widmet sich in Büchern immer wieder der Wirtschaftselite. Im März veröffentlichte sie mit Co-Autor Georg Meck „Wirecard: Das Psychogramm eines Jahrhundertskandals“. Ebenfalls in diesem Jahr erschien von ihr „Denn es ist unsere Zukunft“ über junge Rebellinnen wie Greta Thunberg, die antreten, um die Welt zu verändern.