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SYSTEMPFLEGE: Zaubern mit der Kommandozeile


Chip - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 04.10.2019

Mit der Kommandozeile, dem großen Bruder PowerShell und der Kommandozeile aus dem Linux-Subsystem lassen sichviele nützliche Systemaufgaben durchführen


Artikelbild für den Artikel "SYSTEMPFLEGE: Zaubern mit der Kommandozeile" aus der Ausgabe 11/2019 von Chip. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Chip, Ausgabe 11/2019

Lange Zeit wurde die Kommandozeile ziemlich stiefmütterlich behandelt neben den grafischen Wunderwelten von Windows. Doch vieles geht mit der Eingabeaufforderung schneller und bequemer von der Hand als mit den teils umständlichen und versteckten grafischen Werkzeugen des Betriebssystems. Noch ausgefeilter ist die PowerShell, die in Form von Cmdlets zahlreiche vorgefertigte Befehle enthält. Schwingen Sie den Zauberstab und beginnen Sie die Reise in die ...

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... magischen Welten der Kommandozeile. Die Programme und Skripte finden Sie auf der virtuellen CHIP-DVD.

Datenträger aufräumen

Windows sammelt im Laufe der Zeit Unmengen von Daten ein, etwa Cache- und Logfiles, Speicherabbilddateien, Updatepakete, alte Windows-Versionen und vieles mehr, was eigentlich niemand mehr benötigt. Schnell häufen sich hier unzählige Gigabyte an. Es erscheint daher sinnvoll, regelmäßig eine Datenträgerbereinigung durchzuführen. Ein kleines Skript erledigt diese lästige Aufgabe automatisch für Sie und bereinigt darüber hinaus den Komponentenstore und den Browsercache. Dazu öffnen Sie zunächst die Eingabeaufforderung als Administrator, etwa über die Suche und einen Rechtsklick auf das Programmsymbol. Das Kommandozeilenprogramm, das hinter der Datenträgerbereinigung werkelt, heißt »cleanmgr.exe«. Zunächst ist etwas Handarbeit nötig: In der Kommandozeile geben Sie den Befehl „cleanmgr /sageset:1“ ein. Damit legen Sie ein Reinigungsprofil an. Der Befehl öffnet eine spezielle Ansicht der Datenträgerbereinigung, bei der Sie alle Bereinigungsoptionen auf einen Blick sehen. Nehmen Sie die gewünschte Auswahl vor und bestätigen Sie mit »OK«.

Praktische Skripts

Es lohnt sich, mit der Kommandozeile zu arbeiten: Damit lassen sich viele Aufgaben einfach erledigen, und nebenbei lernen Sie Ihr Betriebssystem besser kennen

Eine regelmäßige Datenträgerbereinigung befreit Windows von unnötigem Ballast und schafft freien Speicherplatz


Um Batch-Dateien zu erstellen oder zu bearbeiten, empfiehlt sich ein Texteditor wie Notepad++


Windows merkt sich, welche Webseiten Sie besucht haben. Diese Daten lassen sich automatisiert löschen


Die Batchdatei »cleandisk.cmd« arbeitet als Putzfrau. Sie enthält den Befehl »%windir%\system32\cleanmgr.exe /sagerun:1« (hier mit Pfad). Per Aufgabenplanung lässt sich die Bereinigung etwa monatlich ausführen (s. S. 97). Sie erfordert Adminrechte.

DNS-Cache leeren

Windows legt einen DNS-Cache an, der die IP-Adressen zu den URLs der Server speichert, mit denen das System kommuniziert hat. Um zu sehen, was alles gespeichert ist, geben Sie in der Kommandozeile den Befehl „ipconfig /displaydns | find “Eintragsna me” “ ein. Um Spuren zu löschen oder Verbindungsprobleme zu lösen, leeren Sie den Cache mit „ipconfig /flushdns“. Wollen Sie das automatisieren, tragen Sie das Skript »history_delete.cmd« von unserer CHIP-DVD in die Aufgabenplanung ein.

Temporäre Dateien ausmisten

Je länger der PC verwendet wird, desto mehr temporäre Daten sammeln sich an. Um schnell und gezielt Speicherplatz freizugeben, löschen Sie diese mit dem Skript »tempdel.cmd«, das Sie ebenfalls in die Windows-Aufgabenplanung einbinden können. Es löscht sowohl die temporären Systemdaten als auch die temporären Benutzerdateien, erfordert aber Adminrechte.

Daten sicher löschen

USB-Sticks oder Festplatten mit sensiblen Daten lassen sich in der Kommandozeile formatieren und gleichzeitig mehrfach überschreiben. Der entsprechende Befehl lautet „format d: /P:2“. Dabei ersetzen Sie »d:« durch den passenden Laufwerksbuchstaben. Der Befehl überschreibt jeden Sektor des Volumes mit null und dann x-mal jeweils mit Zufallszahlen, wobei x die Zahl hinter dem Doppelpunkt meint (im genannten Beispiel 2).

1


2


Temporäre Dateien beseitigen

1 Temporäre Ordner und Dateien belegen unnötigen Speicherplatz.
2 Unser Skript »tempdel.cmd« nutzt Robocopy, um alle temporären System- und Benutzerdateien schnell zu löschen

Da die Ausführung von PowerShell-Skripts standardmäßig verboten ist, müssen Sie diese Funktion zunächst freischalten


Das PowerShell-Skript »Get-FolderSize.ps1« nutzt ein zusätz liches Modul, um Ordner der Größe nach aufzulisten


Updates im Griff: Hier sind alle installierten und fehlgeschlagenen Updates zu sehen


Das Windows Subsystem für Linux (WSL) ermöglicht die Installation von Ubuntu im Microsoft-Betriebssystem


Hokuspokus mit der PowerShell

Der Unterschied zwischen der klassischen Kommandozeile und der PowerShell ist wie zwischen einem VW Käfer und einem Porsche. Die PowerShell bewältigt viel komplexere Aufgaben. Unzählige vorgefertigte Befehlsblöcke, Cmdlets genannt, erledigen komplexe Aufgaben in den Tiefen des Betriebssystems.

Zuerst müssen Sie die Ausführung von PowerShell-Skripts auf Ihrem System erlauben. Dazu geben Sie »PowerShell« in das Windows-Suchfeld ein. Klicken Sie mit rechts auf die gefundene App und dann auf »Als Administrator ausführen«. Geben Sie den Befehl „Set-ExecutionPolicy RemoteSigned“ ein, um Power-Shell-Skripts ausführen zu dürfen. Detaillierte Hilfe erhalten Sie mit „Get-Help“, etwa „Get-Help Set-ExecutionPolicy“.

Ordnergrößen herausfinden

In der PowerShell können Sie Module mit zusätzlichen Funktionen nachinstallieren. Um etwa zu ermitteln, welcher Ordner wie viel Speicherplatz belegt, benötigen Sie ein solches Modul. Geben Sie in einer als Administrator gestarteten PowerShell den Befehl „Install-Module PSFolderSize“ ein und bestätigen Sie die Nachfrage nach der Installation des NuGet-Repositorys mit [J]. Nun zeigt ein PowerShell-Einzeiler die Unterverzeichnisse eines Ordners mit Größe an und sortiert diese nach Größe: Get-FolderSize -AddFileTotal -BasePath ‘c:\test’ | Sort-Object ‘Size(Bytes)’ -Descending ‘c:\test’ ersetzen Sie durch das gewünschte Verzeichnis. Wie das Ganze in einem PowerShell-Skript aussieht, zeigt die Datei »Get-FolderSize.ps1« von unserer virtuellen CHIP-DVD. Achtung: Skripte lassen sich nur starten, indem Sie sie mit rechts anklicken und »Mit PowerShell ausführen« auswählen.

Updates prüfen

Die Windows-Updates lassen sich ebenfalls mit der PowerShell verwalten. Zunächst installieren Sie dort das entsprechende Modul mit „Install-Module -Name PSWindowsUpdate“. Eine Liste der enthaltenen Funktionen liefert „get-command -module PSWindowsUpdate“. „Get-WUHistory“ etwa zeigt eine Liste aller bereits installierten und fehlgeschlagenen Updates, wohingegen „Get-WindowsUpdate“ Updates auflistet, die aktuell zur Verfügung stehen und sich mit „Get-WindowsUpdate -install -acceptall -autoreboot“ installieren lassen.

Linux-Kommandozeile

Das Windows Subsystem für Linux (WSL) ermöglicht es, ein Linux-System als Anwendung unter Windows auszuführen. Damit öffnet es die Pforten zum Paradies für Kommandozeilenfreunde, denn die Linux-Konsole bash ermöglicht komplexe Lösungen und Skripte, und sie ist auf unzähligen Webseiten bestens dokumentiert. Zudem gibt es zahlreiche kostenlose Programme für jeden erdenklichen Zweck, die Sie – natürlich mit einem einzigen Kommandozeilenbefehl – leicht in dem unter Windows laufenden Ubuntu installieren können.

Einzige Voraussetzung ist Windows 10 Build 16215 oder neuer. Welche Build-Version Ihr Windows hat, finden Sie mit der Kommandozeile heraus: Geben Sie dort den Befehl „winver“ ein.

WSL müssen Sie zuerst aktivieren: Öffnen Sie die PowerShell mit Adminrechten und geben Sie „Enable-WindowsOptional Feature -Online -FeatureName Microsoft-Windows-Subsystem-Linux“ ein. Danach öffnen Sie den in Windows 10 integrierten Microsoft Store und suchen darin „Ubuntu 18.04 LTS“, das Sie mittels »Herunterladen« installieren. Danach rufen Sie die Ubuntu-Konsole über das Startmenü auf. Beim ersten Start läuft die Ersteinrichtung durch, bei der Sie u. a. einen Linux-Benutzernamen und -passwort eingeben.

Erste Schritte auf der Linux-Kommandozeile

Die Standard-Kommandozeile von Linux heißt bash – um herauszufinden, wie etwas funktioniert, googeln Sie also nach „bash Ordner erstellen“. Zuerst sollten Sie Ubuntu auf den neuesten Stand bringen: Dazu tippen Sie nacheinander „sudo apt update“ und „sudo apt -y upgrade“ ein. Das „sudo“ führt den Befehl mit Linux-Adminrechten aus. „apt“ ist die zentrale Softwareverwaltung von Ubuntu; der erste „update“-Befehl aktualisiert die Softwareinformationen des Systems, der zweite Befehl installiert vorhandene Updates ohne Nachfrage („-y“).

Im Dateisystem bewegen Sie sich mit „cd“, allerdings werden die Pfade anders angegeben: „/“ ist das Wurzelverzeichnis, unterhalb dessen alle verfügbaren Ordner eingehängt sind. Ihre Windows-Laufwerke finden sie etwa unter „/mnt“. Dorthin wechseln Sie mit „cd /mnt“, und „ls“ listet die Inhalt des aktuellen Verzeichnisses auf. Um den Ordner »c:\testordner« auf einen USB-Stick zu sichern (»f:\backup«), benutzen Sie den Befehl: rsync -av /mnt/c/testordner /mnt/f/backup

Ab dem zweiten Durchlauf geht das sehr schnell, weil „rsync“ dann nur noch Änderungen überträgt. Zudem kann „rysnc“ auch mit anderen Systemen (RasPi, NAS …) kommunizieren, um über das Netzwerk große Verzeichnisse rasant abzugleichen. Unterwiki.ubuntuusers.de/rsync finden Sie – wie zu vielen anderen Linux-Programmen auch – eine gute Einführung und viele Anwendungsbeispiele.
redaktion@chip.de

Nach der Installation lässt sich Ubuntu im Startmenü von Windows aufrufen


In der Kommandozeile bash bringen Sie Ubuntu zunächst auf den neuesten Stand


Das Linux-Tool rsync lässt sich einfach einsetzen, bietet aber unzählige Möglichkeiten


Aufgaben automatisieren

Um Programme oder Skripts automatisch regelmäßig auszuführen, verwenden Sie die Aufgabenplanung von Windows. Dazu rufen Sie mit [Windows] + [R] den Ausführen-Dialog auf, geben dort „taskschd.msc“ ein und bestätigen mit einem Klick auf »OK«.
> Klicken Sie auf der rechten Seite auf »Aufgabe erstellen«. Geben Sie einen Namen, einen Speicherort und eine Beschreibung ein und setzen Sie gegebenenfalls ein Häkchen bei »Mit höchsten Privilegien ausführen«.
> Im Reiter »Trigger« erstellen Sie mit »Neu …« einen Zeitplan. Aktivieren Sie zum Beispiel die Option »Monatlich« und tragen Sie die entsprechenden Monate oder Wochentage ein.
> Bei den »Aktionen« legen Sie die eigentliche Aufgabe fest: Klicken Sie auf »Neu …« und geben Sie unter »Programm/Skript« mit einem Mausklick auf »Durchsuchen …« den Pfad zu der gewünschten Skriptdatei an.
> Schließlich ist unter »Einstellungen« noch etwas Feintuning möglich. Hier können Sie zum Beispiel festlegen, was passieren soll, wenn die Aufgabe nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden konnte. Ein Klick auf »OK« wirft die Aufgabe an, die nach dem nächsten Neustart des PCs regelmäßig jeden Monat ausgeführt wird.


FOTO: CIENPIES (TASTATUR), VENCA-STASTNY (ZAUBERSTAB)/GETTY IMAGES