Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

SYSTEMÜBERSICHT: CANON EOS R UND EOS M: FIT FÜR DIE ZUKUNFT?


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 12.07.2019

Canon ist seit vielen Jahren die Nummer 1 im Kameramarkt. Doch ausgerechnet im zukunftsträchtigen Wachstumsmarkt für spiegellose Kameras agierte der Marktführer lange Zeit zögerlich. Mit dem neuen EOS-R-System soll sich das ändern. Wir stellen Canons spiegelloses Angebot vor und wagen einen Ausblick.


Artikelbild für den Artikel "SYSTEMÜBERSICHT: CANON EOS R UND EOS M: FIT FÜR DIE ZUKUNFT?" aus der Ausgabe 80/2019 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Das spiegellose Vollformatsystem von Canon ist noch im Aufbau. Das Gute: Per Adapter können die Kameras auf das riesige Angebot an EF-Objektiven zurückgreifen und natürlich sind die Speedlite-Blitzgeräte kompatibel.


FOTO: © CANON

DOPPELE PIXEL

ILLUSTRATION: © CANON

Eine der wesentlichen Innovationen der letzten ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von fotoMAGAZIN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 80/2019 von FORUM: FOTOSZENE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FORUM: FOTOSZENE
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von FOTOSZENE: BÜCHER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTOSZENE: BÜCHER
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von INTERVIEW: DAS GEWICHT DER DINGE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
INTERVIEW: DAS GEWICHT DER DINGE
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von ÜBER DIE GRENZEN DER ARMUT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÜBER DIE GRENZEN DER ARMUT
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von PRAXIS // FOTORECHT: RECHTSTIPPS FÜR FOTOGRAFEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXIS // FOTORECHT: RECHTSTIPPS FÜR FOTOGRAFEN
Titelbild der Ausgabe 80/2019 von FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTOWETTBEWERB: LESERGALERIE
Vorheriger Artikel
REPARATUR: BASTELSTUNDE
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel KOLUMNE: WINFRIED WARNKE: Ewig locken Rabatte
aus dieser Ausgabe

Eine der wesentlichen Innovationen der letzten Jahre war bei Canon der „Dual Pixel CMOS AF“ (DPAF), der erstmals 2013 im Live-View der Spiegelreflexkamera EOS 70D zum Einsatz kam und heute in vielen SLRs (außer EOS 2000D, 4000D und 5DS/5DSR) und allen spiegellosen Systemkameras genutzt wird. Dabei setzt sich jedes Pixel aus zwei versetzten Fotodioden zusammen, die für die Fokussierung getrennt ausgelesen werden und so auch im Live-View/Video-Modus eine Phasen-Detektion ermöglichen. Gegenüber dem reinen Kontrast-Autofokus hat dies vor allem Vorteile bei der Videoaufnahme (kaum AF-Pumpen) und dem Einsatz von Spiegelreflexobjektiven, die für eine Phasen-Detektion optimiert sind, an spiegellosen Kameras.
Ausschließlich in der Spiegelreflexkamera EOS 5D Mark IV und dem spiegellosen Spitzenmodell EOS R nutzt Canon die doppelten Fotodioden nicht nur zur Fokussierung, sondern auch für nachträgliche Korrekturen: Im „Dual-Pixel-Raw“-Modus (DPR) zeichnen die Kameras doppelt so große Raw-Dateien auf, die pro Pixel leicht unterschiedliche Informationen enthalten. In Canons eigenem Raw-Konverter Digital Photo Professional lassen sich diese auf drei Arten nutzen:

• Geringfügige Bildanpassung: Die Schärfeebene kann leicht verschoben werden. Nach unseren Erfahrungen allerdings wirklich nur minimal, eine echte Fehlfokussierung lässt sich so nicht korrigieren.
• Bokeh-Verschiebung: Vorder- und Hintergrund lassen sich minimal gegeneinander versetzen.
• Ghosting-Reduzierung: Überstrahlungen und Geisterbilder, beispielsweise bei Nachtaufnahmen, können verringert werden.

Den Adapter EF auf RF gibt es in drei Ausführungen: Die einfachste (links) ist für gut 100 Euro erhältlich. Die Version mit Steuerungsring (Mitte) kostet knapp 200 Euro. Die Variante mit Drop-in-Filter gibt es für ca. 330 Euro (mit Zirkularpolfilter) oder rund 450 Euro (mit ND-Filter).


FOTOS: © CANON

Der Startschuss für spiegellose Systemkameras fiel 2008/2009, als Panasonic und Olympus das Micro-Four-Thirds-System ins Leben riefen. Es folgten 2010 die APS-C-Systeme von Samsung und Sony. Das erste spiegellose Vollformatsystem kam im November 2013 von Sony.
Canon – und der konkurrierende Spiegelreflex-Hersteller Nikon – taten sich dagegen lange Zeit schwer mit den spiegellosen Kameras. Zu groß war wohl die Angst, das gut laufende Spiegelreflexgeschäft zu beschädigen. Canons EOS-M-System mit APS-C-Sensoren startete zwar schon 2012, allerdings eher halbherzig und mit relativ wenig Objektiven – vor allem bei lichtstarken Zooms oder Festbrennweiten herrscht bis heute Mangel (siehe Tabelle unten).
In den letzten Jahren hat sich der Markt für Wechselobjektivkameras immer mehr in Richtung der spiegellosen Kameras verschoben und so wuchs Handlungsbedarf für die Spiegelreflexhersteller. Im Herbst 2018 – kurz nach Nikon – reagierte Canon und stellte sein spiegelloses Vollformatsystem mit einigen sehr spannenden Objektiven vor. Naturgemäß ist dabei am Anfang das Objektivangebot noch deutlich kleiner als bei den über Jahrzehnte gewachsenen EF-Objektiven. Die Japaner liefern daher bei vielen Kameras die Adapter für EF/EF-S-Objektive gleich mit. Dank des in allen aktuellen spiegellosen Systemkameras integrierten Dual Pixel CMOS AF (DPAF, siehe Seite 65) fokussieren die meisten Spiegelreflexobjektive an den EOS R- und EOS M-Kameras sehr schnell und zum Teil präziser als an SLRs. Damit bietet Canon seinen treuen Fotografen einen sehr guten Übergang, um Spiegelreflexobjektive an spiegellosen Kameras weiter zu nutzen.

Bajonett-Kompatibilität

Anders als Sony hat sich Canon entschieden für APS-C und Vollformat unterschiedliche Bajonett-Anschlüsse zu verwenden: Das EOS-M-Bajonett hat ein sehr kurzes Auflagemaß von 17 mm und einen Bajonettdurchmesser von 47 mm. Bei den spiegellosen Vollformatkameras wählte Canon dagegen ein Auflagemaß von 20 mm und (wie schon bei den EOSSpiegelreflexkameras) einen Bajonettdurchmesser von 54 mm. Der Grund hierfür ist, dass ein im Verhältnis zum Sensor großes Bajonett mehr Flexibilität bei der Konstruktion vor allem von lichtstarken Objektiven bietet und kompaktere Bauweisen erlaubt (siehe Bild oben).

Die Illustration zeigt die Vorteile der spiegellosen Bauweise mit großem Bajonett und geringem Auflagemaß am Beispiel des RF 2/28-70 mm L USM. Sowohl für das EF- als auch für das EOS-M-Bajonett würde es größer ausfallen. Siehe dazu auch dieses Video von Canon: https://youtu.be/3-swouJ4qS4.


ILLUSTRATION: © CANON

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Bajonetten besteht in der Anzahl der elektronischen Kontakte: 9 bei M und 12 bei RF. Die zahlreichen Kontakte sollen die Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv verbessern und positive Auswirkungen auf die AF-Präzision, die Korrektur von Objektivfehlern, die Bildstabilisierung und die Blendensteuerung haben. So kann beispielsweise die EOS R die Blende im Videomodus in 1/8-Schritten ändern.
Ein Nachteil gegenüber den EOS-Spiegelreflexkameras und Sonys FE/E-System ist, dass die beiden spiegellosen Bajonette bei Canon nicht kompatibel sind (siehe Übersicht rechts). Es lassen sich also weder EOS M-Objektive an R-Kameras noch RF-Objektive an EOS M-Kameras nutzen – auch nicht per Adapter. Besser sieht es dagegen mit der Kompatibilität von Spiegelreflex-Objektiven aus: EF und EF-S-Objektive können mit den entsprechenden Adaptern (ab gut 100 Euro) sowohl an EOS M als auch an EOS R genutzt werden. Laut Canon sind alle EF/ EF-S-Objektive kompatibel mit Ausnahme des Powerzoom EF 4-5,6/35-80 mm von Anfang der 90er Jahre. Außerdem funktioniert bei den Supertele-Objektiven, die vor 2010 angekündigt wurden, die AF-Preset-Taste nicht.
Die Möglichkeit EF-S-Objektive an spiegellosen R-Vollformatkameras zu nutzen, mag auf den ersten Blick nicht sonderlich interessant erscheinen, da die Kameras auf einen APS-C-Crop umschalten und die Sensor-Auflösung dabei ungefähr um den Faktor 2,5 reduziert wird (knapp 12 MP bei der EOS R und gut 10 MP bei der EOS RP). Für Videografen sieht das allerdings anders aus: Da die beiden aktuellen R-Kameras 4K nur mit Crop aufnehmen (EOS R: 1,74x, RP: 1,6x), sind EF-S-Weitwinkelobjektive wie das preiswerte EF-S 3,5-4,5/10-22 mm USM für die 4K-Videoaufnahme, bei der 8,3 Megapixel ausreichen, eine interessante Alternative.

Sechs Kameras

Aktuell bietet Canon zwei spiegellose Vollformatkameras und vier EOS-M-Modelle an (siehe Testergebnisse Seite 68/69 und Funktionsübersicht, Seite 70). Die beiden Vollformatmodelle EOS R und die preiswertere EOS RP sind mit dem neusten Bildprozessor DIGIC 8 ausgestattet, der unter anderem 4K-Video und die Integration des Digital Lens Optimizer (DLO) in die Kamera ermöglicht.
DLO korrigiert bei den JPEGs in der Kamera Unschärfen, die durch Objektiv-Aberrationen verursacht werden und zwar basierend auf Objektivprofilen. Wer Raw fotografiert, kann diese Korrekturen – auch bei älteren Kameras – in Canons kostenlosem Raw-Konverter Digital Photo Professional anwenden, der am Mac, unter Windows und auf dem iPad läuft. Von den APS-C-Kameras ist nur die EOS M50 mit dem DIGIC-8-Bildprozessor ausgestattet. Die eigentlich höher angesiedelte, aber ältere EOS M5 muss hierauf noch verzichten.
Eine weitere Funktion, die durch DIGIC 8 möglich wird, ist das komprimierte C-Raw. Hierbei sind die Dateien 30 bis 40 Prozent kleiner als die unkomprimierten Raws, ohne relevante Verluste bei der Bildqualität. Der Vorteil des C-Raw ist – neben der Platzersparnis auf der Speicherkarte und Festplatte – dass im Serienbildmodus mehr Bilder in Folge möglich sind. Die EOS R wird beispielsweise nach 57 nicht komprimierten Raws langsamer, aber erst nach 89 C-Raws, die EOS RP schafft sogar mehrere hundert C-Raws in Folge.

Den besten Autofokus hat die EOS R: 5655 AF-Punkte lassen sich anwählen. Sie decken die Bildhöhe zu 100 % und die Breite zu 88 % ab.


ILLUSTRATION: © CANON

Auffallend ist, dass die APS-C-Kameras die schnelleren Serienbildmodi haben. Mit Ausnahme der EOS M100 liegt die Seriengeschwindigkeit bei 9 bis 10 Bildern/s bzw. 7 Bildern/s mit AF-Nachführung (bei Canon Servo-AF genannt). Das Vollformat-Spitzenmodell EOS R bringt es dagegen nur auf 8 Bilder/s bzw. 5 mit AF-Nachführung, die EOS RP sogar nur auf 5 Bilder/s und 4 mit AFNachführung. Auch im Vergleich mit den Spiegelreflexkameras aus dem eigenen Haus sind das bescheidene Werte: Die SLR EOS 6D Mark II (die preislich etwa auf dem Niveau der EOS RP angesiedelt ist) schafft beispielsweise 6,5 Bilder/s mit Autofokus. Vor allem im Sport- und Action-Bereich haben die spiegellosen Vollformatkameras bei Canon also noch Luft nach oben – eine Highend-EOS-R ist wohl bereits in Planung. Diese sollte für professionelle Ansprüche auch eine längere Akkulaufzeit haben. Aktuell schafft die EOS R gemessen nach CIPAStandard mit Sucher maximal 350 Aufnahmen pro Akku – die EOS 6D Mark II bringt es dagegen auf 1200 Aufnahmen.

Bildsensoren aus eigener Fertigung

Canon setzt in seinen Wechselobjektivkameras ausschließlich auf eigene Bildsensoren, die fast alle mit einem Tiefpassfilter ausgestattet sind, das hochfrequente Signale dämpft, um Moirés zu reduzieren. Die einzige Ausnahme ist die 50-Megapixel-Spiegelreflexkamera EOS 5DS R, die auf maximale Auflösung getrimmt ist. In unseren Tests erreichen aber auch die meisten Canon-Kameras mit Tiefpassfilter sehr hohe Auflösungswerte. Offensichtlich ist die Wirkung des Filters eher schwach und Canon gleicht die Verluste mit der Bildaufbereitung in der Kamera weitgehend wieder aus.
Eine Sensortechnologie, die bei Canon ebenfalls noch nicht Einzug gehalten hat, ist die BSI-Bauweise (Back Side Illumination), bei der die Leitungen zugunsten einer höheren Lichtausbeute hinter die Fotodioden verlegt werden. Sony und Nikon haben diese Technik inzwischen auch in spiegellose Vollformatkameras integriert. Nach unseren Tests ist der Vorteil gegenüber der herkömmlichen FSI-Bauweise (Front Side Illumination) aber nicht sehr groß.

Stärken und Besonderheiten

Zu den Stärken der spiegellosen EOSKameras gehören die flexiblen Monitore. Bei der EOS R, RP und M50 sind sie vollständig dreh- und schwenkbar, bei der EOS M5, M6 und M100 zwar nur auf einer Achse beweglich, aber dennoch Selfie-tauglich. Auch eine gut umgesetzte Touch-Bedienung ist bei allen Kameras möglich. Positiv fällt auch der bei allen spiegellosen EOS-Kameras integrierte Raw-Konverter auf (bei den Spiegelreflexkameras von Canon ist das im Einstiegsbereich nicht der Fall).
Eine Canon-Spezialität ist das neue Belichtungsprogramm Fv (Flexible Value), das erstmals bei den Vollformatmodellen EOS R und RP integriert wurde. Hier stehen Einstellungen für Blende, Zeit und ISO zur Verfügung und der Fotograf kann – ohne das Programm zu wechseln – wahlweise mit Programm-, Zeit-, Blenden-, ISO-Automatik oder komplett manuell fotografieren. Eine weitere Neuerung bei der Bedienung gibt es bisher nur in der EOS R: Neben dem Sucher befindet sich eine Touch-Leiste, die sich mit verschiedenen Funktionen belegen lässt. So kann man beispielsweise den ISO-Wert durch Streichen über die Leiste ändern. Des weiteren haben die RF-Objektive einen Kontrollring, der sich individuell belegen lässt.
Eine Besonderheit, die es aktuell bei Canon nur in der EOS RP gibt, ist das Fokus Bracketing, das sich vor allem für Makroaufnahmen eignet: Hierfür lassen sich bis zu 999 Aufnahmen mit leicht verschobener Fokusebene aufnehmen. Diese werden am PC, beispielsweise mit Canons kostenlos mitgelieferter Software „Digital Photo Professional“, zu einem Bild mit maximaler Schärfentiefe zusammengesetzt.
Erfreulich: Anders als bei den Einsteiger-SLRs EOS 250D (siehe Test Seite 84), 2000D und 4000D hat Canon bei den Spiegellosen den Mittenkontakt des Blitzschuhs bisher nicht eingespart, sodass sich Fremd-Blitze besser nutzen lassen – außer bei der EOS M100, die gar keinen Blitzschuh hat. Apropos blitzen: Die spiegellosen Kameras können das AF-Hilfslicht der Canon-Speedlites nicht nutzen. Der Grund: Es basiert auf Infrarot-Licht, das vom IR-Sperrfilter vor dem Bildsensor herausgefiltert wird. Das AF-Modul von SLRs ist dagegen infrarotempfindlich.

Nachholbedarf

Nicht ganz auf der Höhe ist Canon bei der Bildstabilisierung. Als einziger größerer Kamerahersteller verzichtet das Unternehmen auf einen in die Kamera integrierten Stabilisator mit Sensor-Shift (IBIS für In Body Image Stabilization).
Der Canon-Fotograf ist also auf den Image Stabilizer im Objektiv angewiesen – von den fünf zur Zeit erhältlichen RF-Objektiven haben nur zwei einen Bildstabilisator. Immerhin hat Canon angedeutet, dass IBIS für künftige Kameras in der Planung ist.

Die EOS R bringt als Besonderheit unter anderem eine Touch-Funktionsleiste neben dem Sucher mit. So lässt sich beispielsweise der ISO-Wert durch Streichen über die Leiste verändern.


FOTO: © CANON

Durchwachsen sieht es beim Thema USBLadefunktion aus. Lediglich die beiden Vollformat-Modelle bringen diese Funktion mit. Ähnliches gilt für das lautlose Auslösen mit elektronischem Verschluss: Ausschließlich die EOS R beherrscht dies in allen Belichtungsprogrammen. Bei der EOS RP und EOS M50 steht es nur in einem Szenenprogramm zur Verfügung, das keinen manuellen Zugriff auf Blende oder Belichtungszeit bietet. Die anderen beiden EOS-M-Modelle können gar nicht lautlos auslösen.

4K noch nicht konsequent

Auch beim Thema 4K war Canon lange Zeit eher zurückhaltend. Dabei ist das Know-how schon seit längerem vorhanden, wie die professionelle EOSCinema-Linie zeigt. Aktuell nehmen alle spiegellosen EOS-Kameras mit DIGIC-8-Bildprozessor 4K auf. Neben den beiden Vollformatkameras also auch die EOS M50. Alle drei Kameras beschneiden dabei den Weitwinkel (Crop 1,6x bis 1,74x). Bei den EOS-R-Modellen lässt sich dieser wie gesagt durch den Einsatz von EF-S-Objektiven ausgleichen. Bei der EOS M50 beginnt der Weitwinkel bei 4K dagegen erst bei gut 27 mm (EF-S 10-22 mm mit 4K und APS-C-Crop). Nur die beiden Vollformatkameras können 4K über den HDMI-Ausgang auf einen externen Rekorder ausgeben und das mit einer sehr hohen Farbtiefe von 10 Bit und mit einer Farbunterabtastung von 4:2:2. Nur die EOS R beherrscht auch die logarithmische Gammakurve C-Log und liefert damit ideales Ausgangsmaterial für das Colorgrading in der Postproduction. Für die EOS R spricht außerdem, dass sie als einzige den Dual Pixel CMOS-AF auch im 4K-Modus nutzen kann. Bei der EOS RP und EOS M50 reicht hierfür wohl die Rechenleistung nicht, sodass bei 4K der herkömmliche Kontrast-AF zum Einsatz kommt, was eher zum Pumpen führen kann. Etwas enttäuschend ist auch die Zeitlupenfunktion: 120p, also eine 5fache-Zeitlupe, beherrschen die Canon-Kameras nur mit kleiner HD-Auflösung (1280 x 720 Pixel), während viele Konkurrenzmodelle dies auch mit Full-HD (1920 x 1080 Pixel) schaffen.

Noch hat Canon doppelt so viele Spiegelreflexwie spiegellose Systemkameras im Angebot. Vor allem im Highend-Bereich fehlt ein spiegelloses Flaggschiff.


ILLUSTRATION: © CANON

fM – FAZIT

ANDREAS JORDAN Leitender Redakteur Test & Technik


Canon ist zwar spät in den Markt für anspruchsvolle spiegellose Kameras gestartet, schafft es jetzt aber geschickt, eine Brücke zur Spiegelreflexwelt zu schlagen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der hauseigene Dual Pixel CMOS AF. Speziell in der Reisefotografie sind die spiegellosen Kameras schon heute wegen ihrer Kompaktheit und dem geringeren Gewicht im Vorteil, die Sportfotografie bleibt dagegen bei Canon – anders als bei Sony – die Domäne der Spiegelreflexkameras. Hier fehlt es im spiegellosen EOS-System an RFTeleobjektiven, die Serienbildgeschwindigkeit mit Servo-AF ist zu gering und die Akkulaufzeiten sind noch zu kurz. Nachholbedarf hat Canon ansonsten vor allem bei der Integration des Bildstabilisators in die Kamera und bei einigen kleineren Funktionen wie dem lautlosen Auslösen.


LABORMESSUNGEN ANDERS USCHOLD