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SZENARIO: Was wäre, wenn die Frauen alles entscheiden könnten?


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 25.04.2018

Wenn die Männer in Deutschland nichts entscheiden könnten: Wie wäre das? Wäre das Land dann grüner und sozialer? Oder chaotischer? Sicher ist: Deutschland würde es in manchen Dingen besser gehen. Ein Szenario von Andrea Lacher, mit Illustrationen von Simon Spilsbury

Artikelbild für den Artikel "SZENARIO: Was wäre, wenn die Frauen alles entscheiden könnten?" aus der Ausgabe 5/2018 von Deutsch perfekt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deutsch perfekt, Ausgabe 5/2018


MITTEL

Den Männer-Text zu diesem Thema lesen Sie ab Seite ♂ 12.

Seit zwölf Jahren wird Deutschland von einer Frau regiert: Angela Merkel. Das macht sie nicht schlecht, immerhin wurde sie gerade zum vierten Mal wiedergewählt. Aber wie würde ein Alltag aussehen, in dem die Frauen – und nur sie – über die Dinge entscheiden? Wären die Straßen ...

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... sicherer? Würden die Menschen mehr einkaufen? Und was würden die Deutschen essen?

Salat statt Steak

Frauen essen, so eine Regierungsstudie, weniger Fleisch als Männer. Da die Herstellung von Fleisch mehr Energie braucht und mehr Kohlendioxid verursacht als der Anbau von Obst und Gemüse, ist weniger Fleisch besser für das Klima und für die Gesundheit. Ja, sogar den Tieren würde es besser gehen, wenn Frauen bestimmen könnten, was gegessen wird: Sie kaufen nämlich mehr Bioprodukte.

96 Prozent von ihnen wollen sich gesund ernähren. Kartoffeln statt Pommes frites, Salat statt Steak. 85 Prozent der Frauen kaufen Essen aus der Region. Das ist auch gut für das Klima. Obst und Gemüse kommt bei 82 Prozent jeden Tag auf den Tisch. Gut für die Gesundheit. Mehr als die Hälfte, 54 Prozent, kocht täglich. Neun Prozent der Deutschen kochen nie. Das sind aber fast alles Männer – nur drei Prozent sind weiblich. Aber: 20 Prozent der Frauen essen jeden Tag Süßigkeiten. Vor dem Essen sollten sich natürlich alle die Hände waschen. Mit Wasser und Seife tun das laut einer Studie der Hochschule Heidelberg 82 Prozent der Frauen. Bei den Männern sind es nur 51 Prozent. Könnten Frauen alles entscheiden, wären im Winter vielleicht sogar weniger Menschen erkältet. Denn Händewaschen hilft gegen Viren und Bakterien.

Würden die Frauen die Hausarbeit komplett delegieren?

Männer kochen nicht nur seltener, sie arbeiten auch seltener im eigenen Haushalt. 88 Prozent der Frauen zwischen 25 und 49 Jahren, so eine Studie der Europäischen Union (EU), kümmern sich täglich um die Erziehung ihrer Kinder. 72 Prozent machen täglich Hausarbeit: Putzen, Kochen, Einkaufen und Wäsche waschen. Könnten Frauen alles bestimmen, würden sie viele Aufgaben an die Männer delegieren. Durch sie bleibt nämlich wenig Zeit für die eigentliche Arbeit, die Erwerbsarbeit. Und so entscheiden sich Frauen oft für Teilzeitjobs.

Fast jede zweite aktiv erwerbstätige Frau arbeitete 2015 in Teilzeit, aber nur acht Prozent der Männer. Besonders Mütter von kleinen Kindern nutzen dieses Modell: Bei ihnen sind drei Viertel nicht Vollzeit im Job. Auch wenn das jüngste Kind schon ein Teenager ist, sind noch fast zwei Drittel der Mütter teilzeibeschäftigt. Wie aber würde das Land aussehen, wenn Frauen nicht mehr vor allem Teilzeit arbeiten würden? Würden dann mehr von ihnen Karriere machen? Wären Frauen ganz oben in den großen Firmen? Und würden sich Männer zu Hause um die Kinder kümmern? Würden sie einkaufen, kochen, putzen und die Wäsche waschen?

Frauen wählen am häufigsten den Ausbildungsberuf Kauffrau für Büromanagement. Und sie entscheiden sich, Mutter zu werden. Ungefähr acht von zehn Frauen, so das Statistische Bundesamt, bekommen mindestens ein Kind. Ihr erstes kommt im Durchschnitt mit 29,6 Jahren. Statistisch bringt jede Mutter 1,5 Kinder zur Welt. Die populärsten Mädchennamen waren 2016 Marie, Sophie und Emma. Marie wächst mit Bruder oder Schwester und den verheirateten Eltern auf. Das ist mit fast 70 Prozent die häufigste Familienform. Aber manchmal ist die Familie auch kleiner, und es gibt nur Vater oder Mutter. Meistens, zu 85 Prozent, ist es dann die Mutter, die das Kind allein erzieht. Könnten Frauen alles entscheiden, würden sich manche wahrscheinlich bessere Väter für ihre Kinder wünschen.

Mehr Frauen würden Chefinnen

Studieren Marie, Sophie und Emma später an der Universität, entscheiden sie sich vielleicht für das Fach Veterinärmedizin. Denn 83 Prozent der Abschlüsse in Veterinärmedizin, so derBundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs , machen Frauen. Populär sind außerdem die Sprach- und Kulturwissenschaften (74 Prozent). Anders ist das bei den Ingenieurswissenschaften (23 Prozent). Sitzen zu Beginn eines Studiums fast genauso viele Frauen wie Männer in den Universitäten, werden es später weniger. Von denjenigen, die im Jahr 2014 eine Promotion abgeschlossen haben, waren 45 Prozent weiblich. Und nur auf jedem fünften Professorenstuhl sitzt später eine Frau. Ähnlich sieht es in der privaten Wirtschaft aus. 2015 waren laut Führungskräftemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 30 Prozent der Chefs weiblich. 1995 lag der Anteil bei 20 Prozent, ein Plus von zehn Prozentpunkten in 20 Jahren. So viel ist sicher: Könnten die Frauen das bestimmen, gäbe es mehr Chefinnen und Professorinnen.

Doch, Schatz, heute gibt es Salat statt Steak!

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,hier: ≈ geliebter Mann

Die Polizei hätte weniger zu tun

Manchmal ist es auch gut, nicht ganz vorne dabei zu sein. Vor Gericht zum Beispiel. Von den 910 681 Verurteilten waren 2015, so das Statistische Jahrbuch, nur 181 333 Frauen. Und in deutschen Gefängnissen saßen 2016 nur sechs Prozent Frauen. Frauen sind also viel seltener kriminell als Männer. Oder werden sie nur nicht erwischt? Frauen, die sich um eine Familie kümmern, müssen auch seltener ins Gefängnis. Denn Kinder sind auf ihre Mutter angewiesen. Diese geben der Mutter eine bessere Prognose. Trotzdem: Nach dem femininen Prinzip wäre Deutschland also ein noch sichereres Land.

Die Kirchen wären ganz anders

Selten vertreten sind Frauen auch in den hohen Ämtern der katholischen Kirche. Der Anteil an Frauen unter den Priestern, Bischöfen oder Kardinälen? Er liegt bei null Prozent – und das seit Jahrhunderten. Könnten Frauen in der katholischen Kirche alles bestimmen, würde es sie so nicht mehr geben. In Sachen Emanzipation ist die evangelische Kirche etwas weiter. Aktuell arbeiten circa 18 000 Pfarrerinnen und Pfarrer für sie. Rund 6000 sind Frauen, sagt die evangelische Kirche. Über die Hälfte arbeitet in Teilzeit. Bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern ist die Mehrheit sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche weiblich. Ohne sie würde es kein aktives Gemeindeleben geben. Könnten Frauen alles bestimmen, sie würden sich wohl manchmal mehr Wertschätzung für ihr soziales Engagement wünschen – und vielleicht auch eine Päpstin.

Geschäfte würden mehr verkaufen

Vielleicht hätten Frauen auch gerne mehr Zeit. Nur 30 Prozent, so die Statistik der EU, verbringen mehrmals im Monat Zeit mit Freunden. 32 Prozent waren im letzten Jahr bis zu dreimal im Kino. Im Theater, Konzert oder anderen Live-Veranstaltungen waren 35 Prozent. Und 54 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten mindestens fünf Bücher gelesen.

Auch Shopping scheint so etwas wie ein Frauenhobby zu sein. Es macht den meisten von ihnen nämlich Spaß. Gut, dass Männer andere Hobbys haben. Denn wenn Frauen alles bestimmen könnten, dann wären die Läden noch voller, als sie jetzt schon sind.

Rund 40 Prozent shoppen laut einer Studie von Greenpeace regelmäßig, obwohl sie gar nichts brauchen. Und weil es ihnen so viel Spaß macht, kaufen sie meistens nicht nur für sich Kleidung ein, sondern auch für die Kinder, den Ehemann, die eigenen Eltern und die Freundin. Oder besser mit der Freundin. Das macht noch mehr Spaß. Rund 168 Euro haben laut Statistischem Bundesamt alleinlebende Frauen im Jahr 2015 für Schuhe ausgegeben. Ein privater Haushalt mit mehr als einer Person kaufte im Durchschnitt für 252 Euro Schuhe, davon wurden 142 Euro in Damenschuhe investiert. Für Kleidung gaben Single-Frauen rund 576 Euro im Jahr aus. Haushalte mit mehreren Personen gaben für Damenbekleidung 540 Euro aus, doppelt so viel wie für die Männerbekleidung. Kein Wunder: Nur sehr wenige Männer würden Shoppen als ihr Hobby bezeichnen. Und Männer, die sich mit ihrem besten Freund zum Einkaufen treffen, gibt es kaum.

Päpstin Franziska bittet die Kardinäle zur Audienz.

die Päpstin, -nen
, Frau mit der höchsten Position in der katholischen Kirche (eine Position, die es für Frauen eigentlich nicht gibt)

Ein beliebtes Hobby bei Männern und Frauen ist Sport. Laut einer Studie der EU sagen 46 Prozent der Frauen, dass sie mindestens 150 Minuten pro Woche Sport machen. Männer sind mit 51 Prozent etwas sportlicher. Machen Frauen Sport in Vereinen, besuchen sie, so dasStatistische Jahrbuch , besonders häufig den Turnverein (87 Prozent weibliche Mitglieder), sie laufen eis in einem Verein (79 Prozent) oder tanzen (68 Prozent).

Könnten Frauen beim Sport alles bestimmen, sie würden sich wohl wünschen, in mehr Disziplinen bei Olympia antreten zu können. So starteten bei der Nordischen Kombination (Langlauf und Skispringen) im südkoreanischen Pyeongchang nur Männer. Vielleicht gingen deshalb von den insgesamt 31 Medaillien für das deutsche Olympia-Team nur zwölf an Athletinnen. Auch sonst ist es für Frauen nicht einfach: 1992 im französischen Albertville lag ihr Anteil in der deutschen Olympiamannschaft bei 32 Prozent, 2014 im russischen Sotschi waren es schon 50 Prozent. In Pyeongchang 2018 waren es aber wieder nur 39 Prozent.

Auf der Straße würde es sicherer

Manche Klischees über Männer und Frauen sind leicht zu widerlegen. So zum Beispiel dieses: Männer sind die besseren Fahrer, und sie verstehen mehr von Autos als Frauen. Ja, das ist ein Klischee. Denn hinter dem Steuer sind Frauen verantwortungsvoller. Frauen verursachen, das sagt das Statistische Bundesamt, viel weniger Unfälle als Männer. Bei 1000 Unfällen fuhren nur 121 Mal Frauen das Auto. Auch waren die Unfälle der Frauen nicht so schwer wie die der Männer. Wenn Frauen alles bestimmen könnten, würden sie vielleicht öfter selber fahren. Sicher ist: Auf den Straßen wäre es dann definitiv sicherer.

Es gibt noch ein bekanntes Klischee: Männer mögen große, schnelle Autos, Frauen lieber kleine. Das ist nicht ganz falsch. Denn das klassische Frauenauto ist der Ford KA, ein ziemlich kleines Auto. Er wird, so das Vergleichsportal Verivox, zu 61 Prozent auf Frauen zugelassen. Aber natürlich gibt es auch Damen, die mit dem SUV durch die Zentren der Metropolen fahren.

Beim Sex wären die Menschen loyaler

Klischees gibt es auch beim Thema Sex. Zum Beispiel, dass Frauen weniger Seitensprünge haben als Männer. Vielleicht helfen hier noch ein paar Zahlen. Frauen haben in ihrem Leben im Durchschnitt, so eine Studie imDeutschen Ärzteblatt , mit fünf verschiedenen Partnern Sex. Die meisten, nämlich 89 Prozent, haben Vaginalverkehr, 48 Prozent Oralverkehr. 82 Prozent der Frauen sehen sich als heterosexuell. Acht Prozent erklären, sie hätten Sex mit Frauen. Sexuell am aktivsten sind Frauen im Alter zwischen 25 und 29 Jahren. In diesem Alter haben sie statistisch 47 Mal im Jahr Sex. Danach wird es weniger: So haben Frauen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren 22 Mal im Jahr Sex. Und der Seitensprung? Ja, 15 Prozent der Frauen sind schon einmal fremdgegangen. Und das Klischee? Es stimmt: Bei den Männern geben 21 Prozent einen Seitensprung zu.

Politisch konservativer – und grüner

Wenn Frauen alles entscheiden könnten, gäbe es weniger Unfälle, kleinere Autos auf den Straßen und weniger Fleisch auf dem Tisch. Aber wäre Angela Merkel auch dann Bundeskanzlerin, wenn bei der letzten Bundestagswahl nur Frauen gewählt hätten? Nun, Frauen wählen häufiger als Männer die Christdemokraten und die Grünen. Merkels CDU bekam, so die Forschungsgruppe Wahlen, von ihnen 30 Prozent aller Stimmen, sechs Prozent mehr als von den Männern. Auch die Grünen waren bei den Frauen (zehn Prozent) populärer als bei den Männern (acht Prozent). Kaum Unterschiede gab es bei den Sozialdemokraten. Weniger Frauen als Männer wählten die Liberalen und die Rechtspopulisten von der Alternative für Deutschland.

Könnten Frauen bei einer Wahl alles entscheiden, wäre das Land also noch konservativer, ein bisschen grüner und weniger rechts. Und Deutschland würde sehr wahrscheinlich immer noch von einer Frau regiert.

Eine Übung zu diesem Text finden Sie auf Seite 39.