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SZENARIO: Was wäre, wenn die Männer alles entscheiden könnten?


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 25.04.2018

Wie würde Deutschland aussehen, wenn die Frauen nichts entscheiden könnten? Oder würde sich gar nichts ändern, weil die Männer schon jetzt fast alles entscheiden? Weil sie mehr verdienen und öfter Chef sind? Ein Szenario von Andrea Lacher, mit Illustrationen von Simon Spilsbury


MITTEL

Artikelbild für den Artikel "SZENARIO: Was wäre, wenn die Männer alles entscheiden könnten?" aus der Ausgabe 5/2018 von Deutsch perfekt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Deutsch perfekt, Ausgabe 5/2018

Den Frauen-Text zu diesem Thema lesen Sie ab Seite ♀ 12.

Ist das wirklich eine Utopie? Die Idee, Männer könnten alles entscheiden? Utopie – das ist Zukunft. Die Vergangenheit aber sah so aus: Seit 1945 gab es sieben männliche Bundeskanzler, bevor eine Frau Regierungschefin wurde: Angela Merkel. Und mit Frank-Walter Steinmeier ...

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... ist nach elf anderen der zwölfte Mann Bundespräsident. Männer haben in der Vergangenheit alles entschieden, und sie tun es in der Gegenwart noch immer sehr oft.

Zum Beispiel in der katholischen Kirche. Oder in den Chefetagen großer Firmen. Trotzdem hat sich etwas getan. Die Emanzipation der Frau ist eine gesellschaftliche Revolution. Sie hat nicht nur das Leben der Frauen verändert, sondern auch das der Männer. Männer müssen nicht mehr nur Männer sein. Oder wie das Klischee eines Mannes. Immer stark und ohne Angst. Was also würden Männer tun, wenn sie entscheiden könnten? Und wie würden sie heute gerne leben?

Mehr Zeit für die Familie

Viele Väter leben schon heute nicht mehr das Leben ihrer Väter. Sie haben sich für mehr Zeit für die Familie entschieden. Rund 70 Prozent der Väter, so das Familienministerium, verbringen heute mehr Zeit mit ihren Kindern, als es ihre Väter früher getan haben. Und sie sagen, dass die investierte Zeit für sie sehr positiv ist. Mehr als die Hälfte der Väter mit Kindern unter sechs Jahren würde gerne mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Sie wollen nicht mehr nur der Haupternährer der Familie sein.

Jeder dritte Vater nimmt heute Elternzeit. Er reduziert also seine Arbeitszeit oder macht eine Pause vom Job für sein neugeborenes Kind. Die meisten Männer sind heute auch bei der Geburt dabei (siehe auch Seite ♂ 26). Über Jahrhunderte war das ein Tabu. Viele möchten weniger Überstunden machen, und rund ein Drittel möchte gerne in Teilzeit arbeiten. Aber auch hier sieht die Realität oft anders aus. Nur neun Prozent der Väter, so das Statistische Bundesamt, tun das. Und davon haben nur neun Prozent ihre Arbeitszeit aus familiären Gründen reduziert.

76 Prozent der jungen Männer wünschen sich eine Partnerin, die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgt. 60 Prozent der Mütter und Väter mit Kindern unter drei Jahren würden die Arbeit zu Hause und im Job gerne gleich verteilen. Die Realität sieht anders aus: Richtige Partner in der Familie und im Beruf sind heute nur 14 Prozent der Eltern. Könnten Männer alles entscheiden, sie würden vielleicht weniger arbeiten und öfter zu Hause sein.

Die Schulen müssten Jungen zu besseren Schülern machen

Die meisten Männer machen Karriere, während sich ein großer Teil der Frauen um die Kinder kümmert und in Teilzeit arbeitet. Auch wenn Männer es sich vielleicht anders wünschen, sind lautStatistischem Jahrbuch noch immer zwei Drittel der Führungspositionen in Deutschland mit Männern besetzt. Männer setzen sich durch. Und das, obwohl sie in der Schule oft schlechter waren als die Frauen. In der Grundschule sitzen Jungen und Mädchen beim Rechnen und Schreiben noch nebeneinander, zu fast gleichen Teilen: 51,5 Prozent Jungen und 48,5 Prozent Mädchen, so das Statistische Bundesamt. Im Gymnasium überholen dann die Mädchen die Jungen. 52,6 Prozent Mädchen stehen 47,4 Prozent Jungen gegenüber. Jungen gehen auf die beruflichen Schulen und sind dort mit 53,8 Prozent in der Mehrheit. An den Universitäten studieren aber mehr Frauen (52,3 Prozent) als Männer, während Männer an der Fachhochschule in der Mehrheit (57,5 Prozent) sind. Könnten Männer alles bestimmen, sie würden sich wohl Schulen wünschen, in denen Jungen genauso gute Leistungen bringen können wie Mädchen. Karriere machen Männer später trotzdem, auch eine akademische: Die Männerquote unter den Professoren lag 2015 bei rund 77 Prozent.

Es würde wieder mehr Unfälle geben

„Kraftfahrzeugmechatroniker“, antworten die meisten jungen Männer, wenn sie gefragt werden, in welchem Beruf sie eine Ausbildung machen möchten. Anders ist das beim Erzieher: Den Beruf wählt kaum ein Mann. Nur fünf Prozent der Erzieher in Kindergärten waren 2015, so dasStatistische Jahrbuch , Männer. Und nur 0,2 Prozent waren Tagesväter. Es ist ein typisch weiblicher Beruf. Und alles, was mit Autos zu tun hat, gilt als typisch männlich. Womit wir bei einem Klischee sind. Lieben Männer wirklich schnelle Autos? Und würden sie sich am liebsten Autos mit viel PS kaufen? Nun, in der Realität tun sie das schon. Ein Mercedes der S-Klasse hat, so das Vergleichsportal Verivox, zu 88 Prozent männliche Besitzer. Und stimmt es, dass Männer besser Auto fahren? Das ist ein Klischee, wie die Zahlen desStatistischen Jahrbuchs zeigen. Denn Männer verursachen bei zu schnellem Fahren mehr Unfälle als Frauen. Sie verursachen auch viermal so viele Unfälle unter Alkoholeinfluss wie das weibliche Geschlecht. Männer lernen erst spät, im Auto nicht zu schnell und schon gar nicht mit Alkohol im Blut zu fahren. Erst ab 65 Jahren und älter sind es nämlich die Frauen, die mehr Unfälle verursachen als Männer. Wenn Männer den Fahrstil aller bestimmen könnten, würde es wieder gefährlicher auf den Straßen.

Irgendwie wird es ein bisschen unbequem auf den Straßen.


Die Gesellschaft wäre aggressiver

Aber nicht nur auf den Straßen kommen Männer häufiger mit dem Gesetz in Konflikt als Frauen. 910 681 Menschen wurden im Jahr 2015 vor deutschen Gerichten schuldig gesprochen – davon waren 729 348 Männer. In den Gefängnissen saßen 2016 lautStatistischem Jahrbuch 50 318 Strafgefangene. Ein Männeranteil von 94 Prozent. Aber warum? Liegt es daran, dass Jungen anders erzogen werden als Mädchen? Hat die Gesellschaft andere Erwartungen an Jungen als an Mädchen? Wird Gewalt bei Männern eher akzeptiert? Sind Männer einfach aggressiver? Der Neuropsychologe Thomas Elbert von der Universität Konstanz glaubt, dass ein biologischer Unterschied daran schuld ist. Würden Männer die Gesellschaft total bestimmen, wäre das Klima aggressiver.

Mehr Erfolg von Rechtspopulisten

Würden in Deutschland die Männer alleine entscheiden können, wer regiert, wäre das Land – so absurd das ist – heute deutlich rechtspopulistischer, gleichzeitig ein bisschen linker und liberaler. Bei der letzten Bundestagswahl im September bekam die Alternative für Deutschland, eine rechtspopulistische Partei mit rechtsextremen Tendenzen, von den Männern mehr Stimmen (16 Prozent) als von den Frauen (neun Prozent). Auch die Liberalen wurden häufiger von Männern (zwölf Prozent) gewählt als von Frauen (zehn Prozent). Zehn Prozent der Männer, aber nur neun Prozent der Frauen haben die Linke gewählt. Keine Unterschiede gab es bei den Sozialdemokraten.

Fußball und Formel 1

Männer lieben Sport – ganz gleich ob passiv vor dem Fernseher oder aktiv. 61 Prozent aller Mitglieder in deutschen Sportvereinen sind lautStatistischem Jahrbuch Männer. Am populärsten ist Fußball mit knapp sieben Millionen Vereinsmitgliedern und einem Männeranteil von 84 Prozent. Aber es gibt noch maskulinere Sportarten. Von den 89 165 Schachspielern im Verein sind sogar 92 Prozent Männer. Noch extremer ist diese Zahl nur noch in Motorsportvereinen: 94 Prozent Männer. Dürften die Männer alleine entscheiden, bekämen Fußball und Formel 1 im Fernsehen wohl noch mehr Sendezeit.

Fleischindustrie würde sich freuen

Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt es also. Nicht immer sind sie biologisch zu erklären. Oder doch? Männer und Frauen ernähren sich unterschiedlich. Wenn nur die Männer entscheiden dürften, was es zu essen gibt, würde sich die Fleischindustrie freuen. Sie essen nämlich fast doppelt so viel Fleisch und Wurst wie Frauen. Nur 2,5 Prozent, so das Robert Koch-Institut, sind Vegetarier.

Der Mensch ist, was er isst. Und ein Mann isst mehr Fleisch als eine Frau. Aber können das Männer selbst entscheiden oder ist es genetisch oder durch die Erziehung festgelegt? Eine Erklärung könnte diese sein: Männer verbrauchen sogar im Schlaf mehr Energie als Frauen. Auch bei gleichem Körpergewicht müssen Männer mehr essen als Frauen, weil sie Kalorien schneller verbrennen. Da sie mehr essen, essen sie auch mehr Fleisch als Frauen. Aber was wir essen, ist nicht festgelegt, sondern Teil unserer Kultur. Und die verändert sich. So steigt langsam auch die Zahl der männlichen Vegetarier.

Nach zehn Stunden Fußballschauen wurde seine Laune nicht wirklich besser.


Männer essen zwar mehr als Frauen, stehen aber seltener am Herd. Nur 31 Prozent der Männer, so das Landwirtschaftsministerium, kochen jeden Tag. 14 Prozent stehen normalerweise nie am Herd. Aber: Ihnen ist das Genießen wichtiger als den Frauen. Sie erkranken auch seltener an Essstörungen. Nach einer Studie des Robert Koch-Instituts sind nur 0,5 Prozent der Männer essgestört (aber dreimal so viele Frauen). Und Männer können besser auf Süßigkeiten verzichten als Frauen: Nur 17 Prozent des eigentlich starken Geschlechts (Frauen: 20 Prozent) wird täglich schwach.

Dafür geben Männer beim Mittagessen im Restaurant im Durchschnitt 7,90 Euro mehr als Frauen aus. Vielleicht können sie sich das auch besser leisten. Denn bei Frauen und Männern gibt es immer noch deutliche Unterschiede beim Lohn. Männer verdienen im Durchschnitt 21 Prozent mehr – was auch daran liegt, dass Frauen und Männer in Firmen ungleiche Positionen besetzen, sich für unterschiedliche Berufe entscheiden und Frauen eher in Teilzeit arbeiten als Männer. Aber auch wenn man diese Faktoren herausrechnet, bleibt immer noch ein Unterschied von sechs Prozent.

Religion wäre nicht so wichtig

Einen großen Unterschied zwischen Mann und Frau macht auch die katholische Kirche. Spitzenpositionen gibt es dort nur für Männer. Papst Franziskus ist ihr Oberhaupt, gewählt von 115 Kardinälen, 100 Prozent Männer. In der evangelischen Kirche dürfen Frauen zwar auch Bischöfin sein, aber auch hier sind sie in den Spitzenpositionen Exoten. Finden Männer also Religion besonders wichtig? Nein. Nur 39 Prozent der Männer sagen, so das Bundesfamilienministerium, dass sie ein religiöser Mensch sind. Und 24 Prozent bezeichnen sich als Atheisten. Bei den Frauen sind es nur 16 Prozent. Vielleicht finden Männer ihr Glück woanders: Zum Beispiel beim Angeln, wenn sie den größten Fisch aus dem Wasser holen. Denn von den fast vier Millionen Hobby-Anglern in Deutschland sind 94 Prozent männlich. Und was tun Männer in ihrer Freizeit außerdem gern? Laut einer Statistik der Europäischen Union das: 39 Prozent haben mindestens fünf Bücher gelesen, 30 Prozent waren bis zu dreimal im Kino und 21 Prozent waren bis zu dreimal bei einer Sportveranstaltung.

In deutschen Betten wäre mehr los

Männer lieben aber nicht nur Sport, sondern auch Sex. Oder ist das nur ein weiteres Klischee? LautDeutschem Ärzteblatt haben Männer im Durchschnitt in ihrem Leben mit zehn verschiedenen Menschen geschlafen. 86 Prozent geben an, heterosexuell zu sein, fünf Prozent nennen sich homosexuell. Zwischen 25- und 29-jährige Männer haben im Schnitt 60 Mal im Jahr Sex, zwischen 50 und 59 Jahren nur noch 34 Mal pro Jahr. Und jeder fünfte Mann (21 Prozent) ist in einer festen Partnerschaft schon einmal fremdgegangen. Dürften die Männer alleine bestimmen, wäre wohl mehr los in deutschen Betten.

Die Müllberge würden kleiner

Könnten Männer alles bestimmen, sie würden das WortEinkaufsbummel wohl aus dem Wörterbuch streichen. Den meisten Frauen macht Einkaufen viel Spaß. Für die meisten Männer ist es nur Zeitverschwendung. Elf Euro gab ein Single-Mann laut Statistischem Bundesamt 2015 durchschnittlich pro Monat für Kleidung aus – ein Drittel dessen, was die Single-Frau in Kleidung investierte.

Frauen besitzen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke, Männer nur 73, Strümpfe und Unterwäsche nicht mitgerechnet. Könnten Männer alles bestimmen, es würde wohl weniger Kleidung produziert, gekauft und später weggeschmissen werden. Die Müllberge würden etwas kleiner, und die Welt wäre in dieser Hinsicht ein besserer Ort. Wenigstens für Männer, die nicht in der Modeindustrie arbeiten.