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SZENE Sammlerporträt: Einer geht noch


Traktor Classic - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 30.10.2019

VON MIAG BIS HANOMAG Sammler und Schrauber Heinz Weller (81) präsentiert seine unglaublichen Schlepperschätze – mehr als 30 sind es zur Zeit, von Klassikern bis zu absoluten Raritäten ist alles dabei. Aber noch hat der Oldtimer-Fan nicht genug …


Artikelbild für den Artikel "SZENE Sammlerporträt: Einer geht noch" aus der Ausgabe 1/2020 von Traktor Classic. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Traktor Classic, Ausgabe 1/2020

Schrauben fürs Leben: Heinz Weller bei der Restaurierung eines Fendt F24


Unten: Auch der seltene MIAG wartet auf Begutachtung und Pflege von Traktor- Liebhaber Heinz Weller


Was für Schätze! Hinter jedem weiteren Scheunen- und Garagentor fällt der Blick auf ein ungeahntes Museum der Traktorgeschichte. Dieses aber ganz privat. Aus Leidenschaft und intensiver ...

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... Lebensgeschichte heraus hat der 81 Jahre alte, aber jung gebliebene Heinz Weller aus Sulzbach-Laufen im Landkreis Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) diese Sammlung geschaffen.

„Alle Traktor-Marken haben ihre besonderen Geschichten und Eigenarten, die ich spüre, höre und sehe.“ Die Liebhaberei von Heinz Weller ist zudem sehr breit gefächert, was die Typen anbelangt. Er kennt all ihre Stärken und technischen Launen. Sein aktueller „Trecker-Harem“ umfasst sage und schreibe 30 Mitglieder. Dazu gesellen sich nebenbei noch einige teils artverwandte Oldtimer aus dem Pkw- und Lkw-Sektor.

In der Werkstatt wird unentwegt geschraubt, gefeilt, entrostet, lackiert, gepflegt. Auf der aktuellen Aufarbeitungs- Warteliste steht ein ganz seltenes Exem- plar: ein MIAG von 1939. Zweizylinder mit 2,1 Liter Hubraum und 20 PS.

Rarität aus Braunschweig

MIAG steht für „Mühlenbau und Industrie Aktiengesellschaft“. Es handelt sich um ein ehemaliges Maschinenbauunternehmen aus Braunschweig, das sich Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts weitgefächert auch im Nutz- und Militärfahrzeugbau engagierte und sogar zu den Pionieren der Elektro-Mobilität zählt. MIAG mischte zwischendurch auch im Traktor- Markt mit, allerdings mit bescheidenen Erfolgszahlen. Dadurch wurden die Ackerund Zugmaschinen aus Braunschweig aber auch zu Raritäten, zumal sie sich, wie Weller beschwört, durch unverwüstliche Technik auszeichnen.

Wie alles begann, erzählt Weller vor dem nächsten Rundgang auf seinem Hof und zwischen Schuppen, Garagen und Scheunen, vollgestopft mit weiteren Überraschungen. In der idyllischen Landschaft am Rande des Kocher-Tals im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald sind auch viele Feriengäste unterwegs. Neugierig sind sie bei der Traktor-Präsentation bei den Wellers dabei.


Auf der aktuellen Warteliste steht ein MIAG von 1939 mit 2,1 Litern Hubraum und 20 PS


So fing alles an

Weller erzählt, dass er schon in jungen Jahren auf dem elterlichen Bauernhof mitarbeitete. Sein Vater schickte ihn auf den 240 Hektar großen Liebensteiner Hof bei Neckarwestheim, ehe er von diesem großen Gutshof und Lehrbetrieb schließlich als Landwirtschaftsmeister wieder heimkehrte. „Mit meiner Lehre ist die Begeisterung für die Traktor-Technik geweckt worden“, erinnert sich Weller. Er nennt vor allem zwei Traktor-Legenden, die ihm schon früh ans Herz gewachsen seien. Und genau diese befinden sich als Grundlage seiner Sammlung bis heute in seiner ganz besonders pflegenden Obhut.

Da ist zunächst ein Lanz Bulldog D 9506 von 1939. Weller hat ihn seinerzeit in den aufkeimenden Wirtschaftswunderjahren mit ihren zig neuen Traktor-Neuentwicklungen vor der drohenden Verschrottung gerettet. Ausgedient sei dieser Lanz auf dem Liebensteiner Gutshof in einer Ecke gestanden („… und hat auf mich gewartet“).

Heinz Weller kann von der bulligen Ein- Zylinder-Maschine mit ihrem liegend eingebauten und langsam laufenden Kurbeltrieb nur schwärmen. Auch – oder gerade weil – das thermische und mechanische Vorglüh- und Schwungrad-Prozedere viel Zeit, Kraft und Erfahrung in Anspruch nimmt. Kraft und Sound der 45 PS aus diesem einen Zylindertopf mit einem Hubraum von 10.338 Kubikzentimetern sind unvergleichbar.

Heinz Weller hat diesen prächtigen Vorkriegs-Lanz gerettet. Mit Vergnügen wirft er sich reglemäßig ins Schwung- und Zündrad


„Einen darf er noch“ – Ehefrau Anneliese hat Verständnis für die Leidenschaft ihres Mannes


Fahrzeugschätze aus allen Generationen: Lanz D 9506 von 1939 und Hanomag Kurier von 1964


Seiner Frau Anneliese habe er zu verdanken, dass ein weiterer Lanz auf den Hof kam. Es handelt sich hierbei um einen Allzweck-Bulldog D 3506 von 1952. Das Besondere: Es handelt sich um einen der letzten Lanz-Glühkopfzünder. Anneliese Weller war seinerzeit Lehrmädchen auf einem Zuckerrüben-Bauernhof.

Schmunzelnd erinnert sich ihr Mann: „Wir waren damals noch nicht verheiratet, jedoch ein Liebespaar. Und Anneliese wusste, dass sie mir eine Freude bereitet, wenn sie mir den ausgedienten Allzweck-Lanz vermittelt. Der war ursprünglich als Zugfahrzeug für den Zuckerrübentransport im Einsatz und wurde arbeitslos, weil modernere und stärkere Schlepper auf den Markt kamen.“

Inmitten der weit und breit einzigartigen Sammlung findet sich auch ein kleinerer Schlepper: ein Fendt F15 von 1950. Dieser steht für die Familiengeschichte der Wellers in Sulzbach-Laufen, weil er damals ganz neu auf den väterlichen Bauernhof gekommen war und die harte Arbeit mit Pflug, Mähbalken und Nebenantrieb erleichterte, ja revolutionierte.

Fotos: Heino Schütte

15 PS aus Marktoberdorf

Weller lässt den fast 70 Jahre alten Fendt ins Freie tuckern. „Das ist mein Lieblingskind“, betont er. Dazu beschreibt er, wie sehr die Bauern diesen halbwegs erschwinglichen Fendt-Kleinschlepper und Multi-Könner in den noch bescheidenen Fünfzigerjahren schätzten. Das spiegelt sich auch in den Produktionszahlen wider. Rund 15.000 der Fendt F15 in unterschiedlichen Versionen wurden verkauft.

„Ja, mit diesem Fendt-Dieselross hat alles angefangen“, sag Weller. Er kann sich noch lebhaft daran erinnern. Zwölf Jahre sei er damals alt gewesen, als er miterlebte, wie seine Eltern sich über die Anschaffung des Fendt den Kopf zerbrochen haben. Die Investition in Höhe von 6.500 Mark sei damals alles andere als ein Pappenstiel gewesen. Schließlich habe sich sein Vater mit der Eisenbahn ins 60 Kilometer entfernte Ludwigsburg auf den Weg gemacht, um den Fendt bei einem Händler abzuholen. Unvergesslich sei es, wie stolz der Vater dann mit den nagelneuen Gefährt mit Tempo 20 nach Hause tuckerte und vor den Augen der Familie und neugierig herbeigeeilten Nachbarn auf dem Hof gleich noch drei Ehrenrunden drehte.

Einer geht noch …

Nachdenklich, bisweilen besorgt, insgesamt jedoch tolerant und fürsorglich kommentiert Ehefrau Anneliese Hobby und Sammlerleidenschaft ihres Mannes. Streng meint sie zunächst, dass 30 Traktoren eigentlich genug sein müssten. Verständnisvoll unterstreicht sie jedoch den Wunsch ihres Mannes, zumindest noch einen Traktor anschaffen zu dürfen. Nämlich exakt Baujahr 1938, mithin auch das Geburtsjahr von Heinz Weller. Genau ein solcher Altersgenosse fehlt noch in der Sammlung. „Den darf er noch kaufen, dann ist aber Schluss!“, so gibt die Ehefrau als Parole aus.

Kurier und Deutz-Rarität

Anneliese Weller zeigt Wohlwollen gegenüber dem Hobby und auch technisches Können, wovon der eine oder andere Traktor- Liebhaber vielleicht nur träumen kann. Fürs Foto-Shooting für Traktor Classic greift sie routiniert zur Abschleppstange, um mit dem nach wie vor vitalen Fendt den behäbigen und pflegebedürftigen Lanz Bulldog ins Freie zu schleppen.


Der F15 ist mein Lieblingskind. Mit dem hat alles ange - fangen. Mein Vater holte ihn auf den Hof, als ich 12 Jahre alt war“ Heinz Weller


Mit ihm fing alles an

Der Fendt F15 Baujahr 1950 mit seinem Mähbalken ist und bleibt der Lieblingsschlepper von Sammler Heinz Weller, weil mit diesem ersten Traktor auf dem elterlichen Bauernhof viele Jugenderinnerungen verbunden sind. Auch unter dem Namen Dieselross wurde der Fendt bekannt. Der F 15 verbuchte mit knapp über 15.000 Exemplaren von 1949 bis 1956 einen beachtlichen Verkaufserfolg. So kurz nach dem Krieg handelte es sich um ein Multitalent, das auch für kleinere und mittlere Betriebe für einen Kaufpreis von 6.000 bis 7.000 Mark halbwegs erschwinglich war.

Fürs Foto-Shooting für Traktor Classic greift sie routiniert zur Abschleppstange, um mit dem nach wie vor vitalen Fendt den behäbigen und pflegebedürftigen Lanz Bulldog ins Freie zu schleppen. Ihr Mann zaubert währenddessen nicht zuletzt vor den Augen von staunenden Feriengästen des kleines Dorfes noch weitere Fahrzeug-Schätze ans Tageslicht. Allesamt haben sie seine pflegenden und geschickten Hände und Werkzeuge in der großen Werkstatt erfahren und verspürt. Ein Hanomag Kurier (60 PS, Baujahr 1964) steht mitten in diesem außergewöhnlichen Bauernhof plötzlich Spalier für den Lanz Bulldog. Zu den Stars in der Weller-Sammlung gehört der wuchtige Deutz des Typs D 80. Von diesem 75 PS starken und fast vier Tonnen schweren Sechszylinder-Flaggschiff von Deutz wurden 1964/65 nur rund 60 Exemplare gebaut.

Unvergleichliche Sammlung

Wie kommt man nun an eine solche Sammlung? Auch ohne Internet sei er in den letzten Jahren immer wieder auf land- wirtschaftliche Fahrzeuge aufmerksam geworden, die es für nachfolgende Generationen unbedingt zu erhalten gelte. Oft Fundstücke, die ausgedient hatten und kurz vor der Verschrottung standen.

So geht’s weiter

Weller ist es zur Frage, wie es denn eines fernen Tages mit seiner Sammlung weitergehe, überhaupt nicht bange. Der 81-Jährige strotzt vor Tatendrang. Fast täglich arbeitet er in seiner Traktorwerkstatt. Wer ihn anruft, muss schon mal fünf Minuten Wartezeit einkalkulieren, ehe es seiner Anneliese gelingt, ihn ans Telefon zu holen.

Und dann kommen alle technischen Daten zu jedem einzelnen Schlepper wie aus der Pistole geschossen. Heinz Weller ist ein wandelndes Traktor-Lexikon.

Stolz deutet er auf mittlerweile neun Enkel. Wenn diese zu Besuch seien, hätten diese Riesenfreude daran, zu entscheiden, mit welchem Trecker aus der Sammlung sie denn mit dem Opa eine Runde drehen oder eine Ausfahrt über Feld und Flur unternehmen dürfen. Am liebsten natürlich mit dem Ur-Fendt des unvergessenen Uropas.Heino Schütte

Der Sechs-Zylinder-Deutz D80 war Flagg - schiff seiner Zeit. Der Vier-Tonner ist eine echte Rarität. Nur etwa 60 dieser Riesen wurden vor gut 55 Jahren gebaut


Links: Ein D 3506 Allzweck-Bulldog von 1952, den ihm seine spätere Ehefrau Anneliese vermittelte, als dieser auf ihrem Lehrhof ausgedient hatte. Rechts: Ein etwa 60 Jahre alter Hanomag