Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

TAKTIK: Zugrouten


karpfen - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 08.02.2019

BEIM ANGELN AUF KANAL- UND FLUSSKARPFEN IST DIE SPOT-WAHL BESONDERS WICHTIG. EINE SESSION HAT NUR DANN AUSSICHT AUF ERFOLG, WENN MAN TATSÄCHLICH WEISS, DASS DIE KARPFEN AUCH AN DER STELLE VORBEIKOMMEN. VORARBEIT UND GEWÄSSERBEOBACHTUNG ZAHLEN SICH AUS. WER SICH LEDIGLICH AN EINE BELIEBIGE STELLE SETZT, RISKIERT EINEN BLANK. IN FLÜSSEN UND GANZ BESONDERS IN KANÄLEN SIND DIE KARPFEN IMMER UNTERWEGS UND STETS AUF DER SUCHE – ABER DABEI NIEMALS OHNE ZIEL.


Artikelbild für den Artikel "TAKTIK: Zugrouten" aus der Ausgabe 20/2019 von karpfen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: karpfen, Ausgabe 20/2019

Man wird überrascht sein, wie viele Kilometer manche Fische jährlich zurücklegen!


Wetterwechsel, Wassertemperatur, Laichtrieb, Sauerstoffgehalt, natürliche ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von karpfen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 20/2019 von TAKTIK: FRUCHTBARE BÖDEN: Fruchtbare Böden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TAKTIK: FRUCHTBARE BÖDEN: Fruchtbare Böden
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von AM WASSER : Abenteuer am Lot. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AM WASSER : Abenteuer am Lot
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von AM WASSER: Angst im Dunkeln. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AM WASSER: Angst im Dunkeln
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von FOTOWETTBEWERB : Fotogalerie. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTOWETTBEWERB : Fotogalerie
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von AM WASSER : Herausforderung Kanal. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AM WASSER : Herausforderung Kanal
Titelbild der Ausgabe 20/2019 von UNVERGESSLICHE: PRÄSENTIERT VON: FÄNGE: Ein lang ersehnter Traum. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UNVERGESSLICHE: PRÄSENTIERT VON: FÄNGE: Ein lang ersehnter Traum
Vorheriger Artikel
RIG TALK: Alle Optionen offenhalten
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Neuheiten Bait & Tackle
aus dieser Ausgabe

... Futterquellen, Strömung, Schutz und Jahreszeit – all diese Faktoren üben einen Einfluss auf das Zugverhalten der Karpfen in Flüssen und großen Kanälen aus. Wir haben häufig festgestellt, dass sich Karpfen zu bestimmten Jahreszeiten in bestimmten Gewässerbereichen aufhalten. Hier werden sie Jahr für Jahr beobachtet und gefangen. Wenn man ein Fangbuch führt und die Einträge miteinander vergleicht, wird man von den Informationen überrascht sein. Man bekommt auf diese Weise schnell ein Bild vom Zugverhalten bestimmter Karpfen, welche Abschnitte/Stellen sie zu einer bestimmten Jahreszeit gerne anschwimmen und welchen Routen sie folgen. Dabei legen die Fische viele Kilometer zurück. Fluss- und Kanalkarpfen sind echte Nomaden. Sie scheuen auch nicht davor zurück, auf ihren Wegen Schleusen zu passieren. Handelt es sich vielleicht um genetisch bestimmte Zugrouten? Ich denke, in manchen Fällen trifft dies zu. Es handelt sich um Zugrouten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Fische wissen, wo es im Winter etwas wärmer ist, wo im Sommer das Wasser etwas sauerstoffreicher ist und wo es zu einer bestimmten Zeit die meiste Nahrung gibt. Die Fische ziehen weiter, wenn sich die Bedingungen verändern. Die Karpfen schwimmen keinesfalls ziellos durchs Gewässer, sondern sie haben immer ein Ziel vor Augen.

SHOW TIME!

Wenn mit zunehmender Tageslänge und kräftigerer Sonneneinstrahlung die Karpfen langsam aber sicher aus ihrer „Winterruhe“ erwachen, begeben sie sich auf die Suche nach Nahrung. Monatelang haben sich die Fische in den tieferen Gewässerabschnitten verborgen gehalten, meist in Bereichen, in denen das Wasser etwas wärmer war. Sonnenstrahlen, die das Wasser im Uferbereich erwärmen, bewegen die Karpfen dazu, flachere Bereiche aufzusuchen. Der Frühling ist da und die Sonne sorgt dafür, dass diese seichten Zonen natürliche Nahrung produzieren. Die wärmende Sonne spendet die benötigte Energie für die erste große Wanderung des neuen Jahres. Es ist der Moment, in dem sich die Karpfen in großen Gruppen auf den Weg zu den Laichgebieten machen. Jedes Mal muss ich an den Verbindungskanal denken, wenn die Karpfen zu laichen beginnen. Täglich legen sie etliche Kilometer zurück, um mit dutzenden, manchmal mit hunderten Karpfen zum jährlichen Laichspiel zusammenzutreffen und danach wieder in ihr vertrautes Gebiet zurückzukehren. Nicht nur die Karpfen ziehen jährlich zu dem Verbindungskanal. Auch massenhaft Karpfenangler sind in dieser Periode dort unterwegs. Nur benötigen sie manchmal ein Navi, um dorthin zu gelangen, während die Karpfen instinktiv ihren Weg finden.


GESPOTTET AUF DEM WEG ZU DEN LAICHPLÄTZEN. BEOBACHTUNG UND VORARBEIT ZAHLEN SICH AN FLÜSSEN UND MONOTONEN KANÄLEN AUS.


Stets unterwegs, stets auf der Suche, aber niemals ohne Ziel.


Es ist jedes Jahr aufs Neue ein Genuss, dieses Schauspiel zu beobachten. Die Karpfen ziehen gut sichtbar am Ufer entlang. Jedes Jahr suchen sie den gleichen flachen Bereich auf, um dort zu laichen. Einige Tage später ist das Ganze vorbei und man sieht nur noch vereinzelte Nachzügler. Die anderen Karpfen sind bereits weitergezogen zu anderen vertrauten Orten, die viele Kilometer oberhalb liegen. So fing ich vor einigen Jahren im Frühjahr im Albertkanal (Belgien) einen markanten Spiegelkarpfen. Drei Wochen später überlistete ich den gleichen Fisch erneut und zwar während der Laichperiode im Verbindungskanal. Allerdings Betrug die Distanz zwischen den beiden Fangplätzen etwa 40 Kilometer.

Nach dem Ablaichen ist der Trubel schnell vorbei. Mit dem Abflauen des Laichtriebs verschwinden auch die Karpfen schnell – mit den Karpfenanglern in ihrem Schlepptau. Auch ich kehrte zu meiner vertrauten Stelle am Albertkanal zurück. Dort bemerkten wir viele Karpfen, die mit dem Laichen fertig waren. Wiederum kam der Spiegler zum Vorschein. In einem Zeitraum von sechs Wochen hatte dieses Exemplar 80 Kilometer zurückgelegt. Vielleicht handelt es sich dabei um ein extremes Beispiel, aber dennoch geschieht dies häufiger als wir denken. Vor allem an großen Kanälen und Flüssen lässt sich dieses Zugverhalten häufig beobachten.

FAVORISIERTE TREFFPUNKTE

Im Sommer genießen die Karpfen tagsüber gerne die herrliche Wärme in der obersten Wasserschicht. Sie schwimmen so stundenlang herum, knapp unter der Wasseroberfläche. Aber während der Abendstunden ziehen sie wieder ins tiefere Wasser, um zu fressen. An jedem Gewässer, ob groß oder klein, kann man sie während der Futtersuche fangen. An stark befischten Gewässern verbergen sich die Karpfen tagsüber häufig unter überhängenden Ästen oder verbringen die Zeit an Stellen, an denen kein Befischungsdruck herrscht. Aber wenn die meisten Karpfenangler nach Hause fahren und die Nachtangelverbote respektieren, gehen unsere Freunde auf Wanderschaft – auf der Suche nach Nahrung. An schwierigen Gewässern mit Nachtangelverbot fressen die Karpfen nachts jeden Spot leer, um bei Tagesanbruch wieder an ihre sicheren Stellen zurückzukehren.

Angler finden ihr Ziel mit GPS, Karpfen verlassen sich auf ihren Instinkt.


An einem Fluss war es in der Nähe einer Schleuse im Sommer fast unmöglich, einen Karpfen zu überlisten, und wenn überhaupt, dann nur in den frühen Morgen- und Abendstunden. Tagsüber sah man die Karpfen an der Schleuse, hier schäumte das sauerstoffreiche Wasser. Sonst erschien das Gewässer wie tot. Doch als der Abend hereinbrach, erwachte der Fluss zum Leben. Hier und dort sah man kleinere Fische springen, manchmal sogar einen Karpfen. Es war auffällig, dass jeden Abend die Rute, die am dichtesten bei der Schleuse lag, zuerst ablief. Dann die zweite, gefolgt von der dritten Rute, die am weitesten entfernt von der Schleuse platziert war. Während der Nachstunden kamen die Bissanzeiger kaum zur Ruhe, bis die ersten Sonnenstrahlen den Tag ankündigten. Scheinbar zog eine große Gruppe Karpfen wieder in Richtung ihrer sauerstoffreichen „Tagestelle“, denn zuerst biss es wieder auf die am weitesten von der Schleuse entfernt liegenden Rute und dann folgten die nächsten Bisse in Richtung der Schleuse. Tagsüber war es dann wieder still.

Laichtrieb, Sicherheit, Futter und Sauerstoff sind entscheidende Faktoren, die das Zugverhalten der Karpfen beeinflussen. Die Wassertemperatur ist ein weiterer Faktor, der besonders während der Wintermonate von Bedeutung ist. Die Karpfen suchen dann allzu gerne das etwas wärmere Wasser auf.


WER DIE ZUGROUTEN DER KARPFEN KENNT, KANN SICH DARAUF EINSTELLEN UND WEISS, WANN MAN AN WELCHER STELLE AUF DIE JAGD GEHEN MUSS.


EIN GRAD MEHR

Ich fische meistens an den Ufern von kanalisierten Flüssen zwischen Industrieanlagen und Warmwassereinläufen. Es ist auffällig, dass Zugrouten sich oftmals zwischen Warmwassereinläufen herauskristallisieren. Auch hier sprechen wir von etlichen Kilometern. Ein gutes Beispiel dafür erlebte ich vor einigen Jahren:

Es ist ein harter Winter an einem langsam fließenden Fluss mit knapp fünf Grad Wassertemperatur. Kein einziger anderer Karpfenangler befindet sich am Wasser. Überraschend und unerwartet biegt sich die Rutenspitze tief durch und die Rollenbremse beginnt zu ticken. Ich spüre starken Widerstand am anderen Ende der Schnur. Geraume Zeit später durchbricht ein breiter Rücken die Wasser- oberfläche. Der Spiegler lässt sich kurz bewundern und zieht wieder in die Tiefe. Die Spannung ist groß, ein Fang in dieser Jahreszeit ist ein Bonus, ganz besonders, wenn es sich um einen Fisch dieses Kalibers handelt. Ich darf gar nicht an die magische Grenze von 25 Kilogramm denken. Die Strömung drückt den Koloss weiter und weiter von mir fort und die Schifffahrt erschwert den Drill zusätzlich. Ein echtes Gefecht zwischen einem einsamen Karpfenangler, einem Karpfen, Öltankern und der Strömung. Schließlich gleitet der massive Spiegler in den Kescher. Er wiegt 26,3 Kilo und ich kann mir keinen besseren Start in das Jahr wünschen.


AUFGRUND DER VORBEIFAHRENDEN SCHIFFE UND DER STRÖMUNG GESTALTETE SICH DER DRILL SCHWEISSTREIBEND UND SPANNEND.


In den kommenden Tagen nimmt die Strömung noch weiter zu. Das kalte „Eiswasser“ der vergangenen Zeit kühlt das Wasser noch weiter ab, Woche für Woche. Werden die Karpfen sich in ihre Winterstandorte verziehen oder ziehen sie in den entfernten Albertkanal, in das durch die Elektrizitätswerke etwas aufgewärmte Wasser? Meine Vermutung bestätigt sich. Jedes Jahr höre ich von Wiederfängen in diesem „warmen“ Bereich und auch mein großer Spiegler lässt sich dort einige Wochen später ein weiteres Mal überlisten, 40 Kilometer entfernt! Man mag es kaum glauben, aber er wurde ein drittes Mal gefangen. Gegenüber von meiner Stelle im Fluss ging er erneut einem guten Freund an den Haken!

Ein Grad Temperaturunterschied kann viel ausmachen. Große Entwässerungskanäle leiten (wärmeres) Wasser in Kanäle oder Flüsse. An diesen Plätzen kann man auf Karpfenjagd gehen. Im Winter wird hier zweifellos wärmeres Wasser eingeleitet, im Sommer kühleres, sauerstoff- und nahrungsreiches Wasser. Und das wissen die Karpfen ganz bestimmt. Rund um diese Hotspots schwimmen häufig mehrere Karpfen, genau wie an Brückenpfeilern, an denen sich Treibgut ablagert. Man sollte diese Stellen nicht unterschätzen und in bestimmten Perioden kann man hier große Gruppen Karpfen antreffen – auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel!

So sieht das vom Autor favorisierte D-Rig aus.


Ralf Swinnen

MEIN FAVORISIERTES FLUSS-RIG

Beim Angeln auf große, wandernde Kanal- und Flusskarpfen ändere ich häufig meine favorisierte Köderpräsentation. In der Winterzeit fische ich gerne mit einem Single Hookbait, aber wenn die Karpfen aktiver sind, etwa im Herbst, dürfen sich gerne bis zu drei große Boilies am Hair befinden. Wenn ich mit einem Single Hookbait fische, verwende ein Bait Screw (von Avid Carp), mit der ich schnell und einfach den Hakenköder wechseln kann. Der Wechsel auf eine andere Farbe, einen anderen Durchmesser, Pop-Up oder bloß eine einzelne Tigernuss anstelle des Boilie stellt somit kein Problem dar. Mit der Bait Screw fische ich gerne in Kombination mit dem Schritt für Schritt dargestellten Rig. Der Avid Curve Shank Haken der Größe 6 ist dafür ideal, weil er sich aggressiv dreht und gut hakt. Fische ich an oder vor Hindernissen? Dann benutze ich lieber eine Nummer größer das Modell in der Größe 4.

DAS BENÖTIGT MAN:

• CRV Haken, Größe 4 oder 6
• Boilie Screws
• XL Line Aligners
• 35 lb Captive Coated Hooklink
• Ringed Lead Clips
• Lead Clip Tail Rubbers
• 50 lb Pin Down Leader
• 4 Unzen Gripper Blei

Bei sommerlichen Temperaturen wird man bemerken, dass die großen Karpfen häufig nicht alleine fressen. Kleinere Karpfen, aber auch Brassen können dann nach einem größeren, selektiven Hakenköder verlangen. In diesem Fall verwende ich gerne das auf der nächsten Seite abgebildete D-Rig, mit einem Mini-Wirbel und einem Hair, auf das zwei oder drei große Boilies passen.