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Tanz ins Leben


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Ratgeber Frau und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 25.02.2022

DER RATGEBER-KURZROMAN VON MANUELA FEILER

Magdalena sah sich nachdenklich im Zimmer um. Konnte eine Sechzehnjährige sich hier wohlfühlen? Die aufblasbare Gästematratze wirkte mit dem karierten Bettzeug gemütlich. Die Nähmaschine war vom Arbeitstisch verschwunden. Stattdessen stand dort jetzt eine Schale mit Süßigkeiten. Den Schrank ihrer Großmutter hatte Magdalena zur Hälfte leer geräumt, damit das Mädchen seine Siebensachen verstauen konnte. Was brauchte Laura noch um sich wohlzufühlen? Magdalena wusste es nicht.

Bis vor zwei Jahren hatte sie als Taufpatin viel Zeit mit Laura verbracht. Dann hatte sich mit einem Schlag alles geändert. Magdalena war kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten Heiko verlassen worden und aus der süßen Laura mit den blonden Rattenschwänzen war ein rebellisches Mädchen mit kurzen, rot gefärbten Haaren geworden, das kein Interesse mehr an gemeinsamen Unternehmungen mit ...

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Bildquelle: Ratgeber Frau und Familie, Ausgabe 3/2022

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... Magdalena hatte. Sie selbst, gestand Magdalena sich ein, hatte die Ablehnung des Teenagers stillschweigend akzeptiert und sich die wiederkehrenden Klagen ihrer Schwester Susanne über die veränderte Tochter schweigend angehört. Nun war Susanne zusammen mit Magdalenas Schwager geschäftlich in den USA unterwegs. Bis zur Rückkehr ihrer Eltern, in sechs Wochen, würde der Teenager bei ihr wohnen. Hoffentlich würde alles gut gehen …

Auf einen Schlag hatte sich alles geändert

Vier Stunden später dröhnte aus dem Gästezimmer Rockmusik. Im Wohnzimmer stand ein unausgepackter Koffer. Daneben lag eine umgefallene Plastiktüte, aus der Schmutzwäsche quoll. Und das Badezimmer hatte sich in die Kosmetikabteilung einer Drogerie verwandelt. Seufzend öffnete Magdalena das Badezimmerfenster, um den Wasserdampf, den Lauras halbstündiger Duschmarathon mit sich gebracht hatte, hinauszulassen. Dann hängte sie zwei nasse Handtücher auf und klemmte sich einen Wäschekorb unter den Arm. Als sie auf den Flur trat, öffnete sich Lauras Zimmertür.

Ein Handtuch um die Haare geschlungen, kam das Mädchen in Jogginghose und bauchfreiem T­Shirt heraus. „Wann gibt es Essen?“, rief es laut, um die dröhnende Musik zu übertönen. „Ich kümmere mich zuerst um deine Schmutzwäsche, die im Wohnzimmer auf dem Boden liegt“, stellte Magdalena gereizt klar. Dann jedoch biss sie sich auf die Zunge. Das Mädchen vermisste seine Eltern. Sie musste Geduld haben. „Nach der Wäsche mache ich uns eine Lasagne“, fügte sie versöhnlich hinzu. „Mit Hackfleisch?“, fragte Laura. Magdalena nickte, erfreut darüber, den Geschmack des Teenagers getroffen zu haben. „Ich esse kein Fleisch mehr. Ich bin Vegetarierin geworden“, erklärte Laura, zog das feuchte Handtuch vom Kopf, ließ es zu Boden fallen und ging mit dem Handy in der Hand an Magdalena vorbei ins Badezimmer. Mit einem lauten Knall schloss sich die Türe hinter dem Mädchen.

„Soll ich dir etwas anderes zu essen machen?“, rief Magdalena und hob das Handtuch auf. „Nö, ich esse mit Freunden in der Stadt“, rief Laura. Dann ertönte das laute Geräusch des Föhns. Augenscheinlich war das Gespräch beendet.

Einige Tage später wusste sie sich keinen Rat mehr. Laura stand jeden Morgen um Viertel nach sieben auf, verschwand im Badezimmer und verließ kurz darauf die Wohnung, um zur Schule zu gehen. Das Frühstück blieb genauso unangetastet wie das liebevoll gerichtete Pausenbrot. Wenn Magdalena von der Arbeit in einer Kunstgalerie nach Hause kam, verriet lediglich dröhnende Musik die Anwesenheit des Teenagers hinter der geschlossenen Zimmertüre und falls sie dem Mädchen über den Weg lief, blockte es jeden Gesprächsversuch ab. Auch den gemeinsamen Abendessen ging Laura mit der Begründung, sie würde bei Freunden essen, gezielt aus dem Weg. Dass das Mädchen sich bislang an die verabredete Heimkehrzeit gehalten hatte, war Magdalenas einziger Trost. Doch selbst dann kehrte keine Ruhe ein. Bis Mitternacht dröhnte laute Musik durch die Wohnung.

Nach der fünften kurzen Nacht war Magdalena am Samstagmorgen mit ihrer Geduld am Ende. Sie würde mit Laura reden müssen. Um das Mädchen versöhnlich zu stimmen, besorgte sie beim Bäcker Schokocroissants. Erst um kurz nach zwölf Uhr erschien Laura schließlich im Schlafanzug in der Küche. „Guten Morgen“, murmelte sie verschlafen. Sie entdeckte die Schokocroissants und ihr Gesichtsausdruck hellte sich auf. „Wollen wir heute nicht zusammen frühstücken?“, fragte Magdalena freundlich. „Keine Lust“, mit diesen Worten griff sich Laura ein Croissant und wollte sich an Magdalena vorbeischieben, doch diese blieb im Türrahmen stehen. „Wir frühstücken heute zusammen“, sagte sie entschieden. Laura zog überrascht die Augenbrauen hoch, kämpfte kurz mit sich, ließ sich dann jedoch auf einen Küchenstuhl sinken. Magdalena schenkte beiden Kaffee ein.

Magdalena wusste sich keinen Rat mehr

„Meine Mutter wollte mir neulich noch wie einem kleinen Kind heiße Schokolade zum Frühstück kochen“, sagte das Mädchen und zum ersten Mal seitdem sie eingezogen war, huschte die Andeutung eines Lächelns über ihr Gesicht. Magdalena nutzte den Moment und begann vorsichtig: „Dass du Kaffee magst, wusste ich auch nicht. Ich weiß generell nicht viel von dir. Du bist mehr ein Geist in meiner Wohnung als eine Mitbewohnerin.“

Laura lachte kurz, bevor sie fragte: „Du siehst mich als Mitbewohnerin?“ Magdalena nickte. „Als deine Eltern deinen Besuch angekündigt hatten, war ich unsicher, ob das klappen kann. Ich arbeite den ganzen Tag und habe selbst kaum freie Zeit. Nun aber bist du so oft weg, dass ich mich gerne etwas mehr um dich kümmern würde.“ Bei den letzten Worten wurde Lauras gerade noch offener Gesichtsausdruck wieder verschlossen. „Was verstehst du unter kümmern?“, fragte sie misstrauisch und stellte klar: „Ich werde mit dir nicht Karten spielen oder Kreuzworträtsel lösen oder so.“ „Keine Angst“, lachte Magdalena. „Ich hasse Kreuzworträtsel und habe gar keine Kartenspiele. Ich fände es einfach schön, wenn wir abends zusammen essen und reden könnten. Wie Mitbewohner das so tun.“ Das Mädchen schwieg kurz und nickte schließlich. „Reden ist okay. Aber ich werde keine peinlichen Frauengespräche führen. Auch wenn Mama das gerne hätte. Sie sagt, du bist total vereinsamt, seit Heiko dich vor zwei Jahren sitzengelassen hat.“ Magdalena verschluckte sich am Kaffee. Sie sprang hustend auf und krächzte, als sie wieder Luft bekam: „Das hat deine Mutter zu dir gesagt?“

Laura stand auf und reichte Magdalena ein Glas Wasser. „Ich finde, Mama hat recht. Ich bin seit fast einer Woche bei dir. Du arbeitest oder verbringst deine Zeit alleine zu Hause. Du bekommst keine Anrufe und hast anscheinend auch keine Hobbys.“ „Das kannst du doch nicht wissen“, verteidigte sich Magdalena. Laura verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an den Kühlschrank. „Heute ist Samstag. Was hast du denn dieses Wochenende vor?“ Magdalena ließ sich fassungslos auf den Stuhl sinken. Wurde sie etwa gerade von einer Sechzehnjährigen verhört? „Ich muss dir doch keine Rechenschaft über mein Leben ablegen“, erklärte sie kurz angebunden. „Okay, wie du meinst.“ Das Mädchen zuckte kurz mit den Schultern, nahm sich einen Apfel aus dem Obstkorb und verschwand aus der Küche.

Da Laura auswärts schlief, dröhnte an diesem Abend keine Rockmusik durch die Wohnung. Es war herrlich still. Oder war es etwa zu still? Magdalena legte das Buch beiseite. Sie konnte sich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Immer wieder kamen ihr die Worte des Mädchens in den Sinn. Es stimmte, dass sie sich zurückgezogen hatte, seitdem Heiko sie verlassen hatte. Dieser rabenschwarze Tag lag nun fast zwei Jahre zurück. Zwei Jahre, die dank ihrer geliebten Arbeit in der Kunstgalerie und netten Kollegen wie im Flug vergangen waren. Hier, in ihrer kleinen Wohnung, konnte sie sich mit Lesen und dem Schauen von Filmen vom Arbeitsalltag wunderbar erholen. Zudem kümmerte sie sich liebevoll um ihre Pflanzen und hatte das Nähen und Sticken für sich entdeckt, sie hatte also sehr wohl Hobbys und war mit ihrem Leben zufrieden. Oder zumindest, Magdalena runzelte die Stirn, war sie damit zufrieden gewesen, bis ein sechzehnjähriger Wirbelwind bei ihr eingezogen war. Magdalena legte ihr Buch beiseite. Sie griff nach ihrer selbst genähten Patchworkdecke und kuschelte sich in die Sofaecke. Bis Sonntagabend würde die Ruhe anhalten. Dann würden sie gemeinsam zu Abend essen. Dieses Zugeständnis hatte sie dem Mädchen abgerungen, bevor es zu seinen Freunden entschwunden war. Während des Essens würde sie erneut versuchen, eine Beziehung zu ihrem jungen Gast aufzubauen. Allerdings würde sie sich nicht mehr so in die Enge treiben lassen wie beim heutigen Frühstück. Ihr Privatleben ging das Mädchen nichts an. Dies galt es klarzustellen.

Der rabenschwarze Tag lag nun fast zwei Jahre zurück

Pünktlich um 18 Uhr öffnete sich am Sonntagabend die Wohnungstür und gleich darauf schneite Laura in die Küche. Sie ließ Schal und Mütze auf den Geschirrspüler fallen und beugte sich zum Backofen. „Was gibt es denn zu essen? Oh …“ Das Mädchen drehte sich zu Magdalena um. Die grünen Augen blitzten wütend: „Wieder Lasagne? Echt jetzt? Ich hatte dir doch gesagt, dass ich Vegetarierin bin. Willst du mich wie Mama wieder zum Fleischesser machen?“ Magdalena schob Laura beiseite und öffnete die Ofentüre. „Das ist eine vegetarische Lasagne“, erklärte sie. Lauras Gesicht hellte sich auf. „Echt jetzt? Wow!“ Das Mädchen begann unaufgefordert den Tisch zu decken. Lauras gute Stimmung hielt auch während des Essens an. Staunend hörte sich Magdalena an, was die Sechzehnjährige während der letzten zwei Tage alles unternommen hatte. „Kein Wunder, dass du mein Leben langweilig findest“, gestand sie am Ende der abwechslungsreichen Erzählung und ärgerte sich im selben Moment über diese Steilvorlage, die Laura auch sofort nützte. „Ich habe mit meinen Freundinnen am Wochenende über dich gesprochen“, begann das Mädchen und nahm noch eine zweite Portion Lasagne, wohingegen Magdalena ihre Gabel irritiert auf dem Teller ablegte. Laura plauderte währenddessen weiter: „Als ich eingezogen bin, hatte ich echt Angst, dass du mich immer noch wie ein Kind behandelst. Aber das hast du nicht. Das Leben mit dir ist cool. Und du wirkst auch noch gar nicht so alt.“ Jetzt musste Magdalena lachen: „Ich bin ja auch erst 30!“ Laura nickte und zeigte mit der Gabel auf sie: „Eben! Du bist erst 30. Du kennst doch Oma Hiltrud? Die hat sich mit 70 neu verliebt und zwar weil sie in einen Seniorentanzkurs gegangen ist. Nächsten Sonntag ist bei der Tanzschule, wo ich derzeit den Bronzekurs mache, Tag der offenen Tür. Meine Freunde und ich werden dich mitnehmen!“ „Oh nein“, wehrte Magdalena erschrocken ab. „Ich kann nicht tanzen.“ Laura lachte und erklärte in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ: „Deshalb geht man ja in eine Tanzschule. Und damit du einen guten Eindruck machst, nehmen wir dich am Samstag mit zum Shoppen! Ein paar neue Jeans und Oberteile wären nicht schlecht. Und diese Turnschuhe, die du immer trägst, die gehen ja mal gar nicht.“

Magdalena wusste nicht, ob sie wütend oder gerührt sein sollte. Fassungslos musterte sie ihr Patenkind. Machte Laura sich etwa lustig über sie? Doch in den Augen des Mädchens lagen kein Spott, sondern warme Zuneigung und eine Freude, die es ihr unmöglich machte, das Angebot abzulehnen. In neuen Jeans und einer roten Bluse betrat Magdalena eine Woche später zögerlich den Tanzsaal. Laura und ihre Freundinnen waren bereits in den Jugendkurs entschwunden, selbstsicher, fröhlich plaudernd und jede mit ihrem Tanzpartner im Schlepptau.

Auch hier im Tanzsaal schienen sich alle zu kennen. In Paaren standen die Tanzlustigen im Raum und unterhielten sich. Magdalena warf einen Blick über die linke Schulter zurück zur Saaltür. Noch stand sie offen. „Sie wollen doch nicht etwa kneifen?“, fragte ein blonder Mann lächelnd und kam mit großen Schritten auf sie zu. „Das würde mir mein Patenkind nie verzeihen“, antwortete Magdalena. „Sie hat mich zur Probestunde genötigt. Jetzt allerdings frage ich mich, ob das so eine gute Idee war. Ich bin völlig untalentiert im Tanzen und fühle mich fehl am Platz.“ Beschämt darüber, dass die Aufregung sie dazu gebracht hatte, einem Wildfremden ihr Herz auszuschütten, schwieg sie kurz und wollte sich dann entschuldigen, doch der Blonde kam ihr zuvor. „Viele Tanzanfänger denken, sie hätten kein Talent. In den allermeisten Fällen ist diese Sorge völlig unbegründet“, versicherte er ihr und verbeugte sich kurz: „Darf ich bitten? Der Kurs beginnt. Ich bin Francesco, Ihr Tanzlehrer und würde mich geehrt fühlen, mit Ihnen den Abend zu eröffnen.“ Bevor Magdalena sich versah, führte er sie schon im langsamen Dreivierteltakt über das Parkett. Mit jeder Drehung fiel mehr Nervosität von ihr ab. Und als der erste langsame Walzer beendet war, fühlte sie sich beschwingt und gleichzeitig tief entspannt. „Sie sind alles andere als untalentiert“, lobte Francesco. Er sah in ihr strahlendes Gesicht und meinte dann schmunzelnd: „Da ich mich um Ihre Flucht nun nicht mehr sorgen muss, werde ich mich jetzt der nächsten zögerlichen Tanzschülerin widmen.“ Er verschwand in der Menge, doch Magdalena hatte keine Zeit, sich verlassen vorzukommen, denn schon bat ein dunkelhaariger Mann sie um den nächsten Tanz. Im Gegensatz zu Francesco verabschiedete dieser sich nicht nach dem nächsten Walzer, sondern blieb an ihrer Seite. Zusammen perfektionierten sie den Walzer und kämpften sich dann lachend durch die ersten Schritte Discofox. Magdalena hatte das Gefühl, die Stunde hätte gerade erst angefangen, da erklärte Francesco sie auch schon für beendet. Auch Sebastian, so hatte sich ihr Partner inzwischen vorgestellt, sah überrascht auf die Uhr. „Meine Freunde haben mir die Tanzstunde zum Geburtstag geschenkt. Ich wollte eigentlich gar nicht herkommen“, berichtete er und fügte lächelnd hinzu: „Dass es mir so viel Spaß macht, hätte ich nicht gedacht!“ Magdalena lachte und gestand dann: „Mich hat mein Patenkind zur Tanzstunde genötigt.“

„So wie du strahlst, kann es nicht so schlimm gewesen sein“, ertönte Lauras Stimme hinter ihr. Magdalena wandte sich um. Von ihr unbemerkt, war die Sechzehnjährige in den Saal getreten. Ein gleichaltriger Junge stand hinter ihr. „Das ist Freddie, mein Tanzpartner“, erklärte Laura und fragte dann: „Ist das dein Tanzpartner?“ „Sei doch nicht so neugierig“, fuhr Magdalena ihr Patenkind peinlich berührt an. Doch Sebastian lachte nur: „Das ist doch eine ganz legitime Frage. Also, Laura, falls deine Patentante möchte, dann wäre ich gerne ihr Tanzpartner.“ „Natürlich will ich das“, versicherte Magdalena lächelnd. „Darauf sollten wir anstoßen“, rief Laura freudig und zeigte zur Tür. „Neben dem großen Tanzsaal ist eine coole Bar, wo es auch Cocktails gibt.“ Magdalena warf dem Teenager einen erstaunten Blick zu, woraufhin dieser hastig hinzufügte: „Es gibt dort natürlich auch sehr viele alkoholfreie Getränke.“ „Ich könnte eine Erfrischung gut vertragen“, meinte Sebastian. „Ich hole nur kurz meine Jacke, dann bin ich wieder hier.“

Ein dunkelhaariger Mann bat sie um den nächsten Tanz

„Ich habe das Gefühl, du willst mich verkuppeln“, raunte Magdalena ihrem Patenkind zu und fuhr entschieden fort: „Ich bin erwachsen und kann mein Privatleben selbst regeln!“ „Das hat man ja während der letzten Jahre gesehen“, entgegnete Laura trocken, dann strahlte sie Sebastian an, der wieder zu ihnen trat. „Meine Patentante hat mich gerade gefragt, ob wir nachher Pizza essen wollen. Freddie und ich würden mitgehen. Haben Sie nicht auch Lust?“ „Laura!“, rief Magdalena, der es langsam reichte. Sebastian jedoch erwiderte ungerührt: „Erst Cocktails, dann Pizza. Das klingt nach einem perfekten Sonntagabend! Und ich kann Sie ja schlecht mit zwei Teenagern alleine lassen. Also wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich Sie gerne begleiten.“ Bei dem Blick, den er ihr aus seinen braunen Augen zuwarf, beschleunigte sich Magdalenas Puls. Verwirrt rief sie sich zur Ordnung. Sie konnte sich nicht Hals über Kopf in einen Fremden verlieben! Das war völlig undenkbar! Allerdings, Magdalena sah sich im Tanzsaal um, war es ihr auch bis vor einer Stunde völlig undenkbar erschienen, hier zu tanzen. Und jetzt konnte sie die nächste Tanzstunde kaum erwarten. Sie gab sich einen Ruck und lächelte Sebastian an. „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns begleiten.“ Als sie aus dem Tanzsaal liefen, griff sie kurz nach Lauras Hand und drückte diese in einer Geste des Dankes, bevor sie dem Mädchen zuraunte: „Jetzt lässt du mich aber wieder selbst über mein Leben bestimmen.“ „Okay, ab jetzt darfst du wieder übernehmen. Ich denke, du hast dein Leben wieder im Griff “, gab Laura leise zurück und zwinkerte ihrer Patentante übermütig zu.