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Tanzlmusig in Nordtirol (Teil 2)


zwiefach - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 30.12.2019

Ein Wegweiser durch die Tiroler Tanzlmusig- Tradition in zwei Teilen


Artikelbild für den Artikel "Tanzlmusig in Nordtirol (Teil 2)" aus der Ausgabe 1/2020 von zwiefach. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: zwiefach, Ausgabe 1/2020

Florian Pedarnig hat 1973 die Altstadtler gegründet. Ihr Repertoire ist bis heute prägend für viele Tanzlmusiggruppen in Tirol.


Im zweiten Teil des Artikels zur TirolerTanzlmusig stellen wir wieder einige Gruppen vor, die diese Musikrichtung entscheidend geprägt haben – und immer noch kräftig »mitmischen«! Viel Spaß bei der musikalischen Entdeckungsreise. Dass man bei einem Wegweiser durch die Tiroler Tanzlmusig- Tradition noch viele Musikgruppen vorstellen könnte, ist jedem Tiroler Musikliebhaber bewusst. Daher wollen wir im zweiten ...

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... Teil auch einen Blick über den Felbertauern nach Osttirol wagen, dabei aber nicht die einflussreichen Musikgruppen Nordtirols vergessen.

Die Altstadtler

Text: Theresa Frech

Als Florian Pedarnig 1973 als Nachfolger von Prof. Sepp Tanzer für ein Jahr Spartenleiter für Blas- und Volksmusik bei ORF Tirol wurde, begann der Orchestermusiker das gesamte Volksmusikarchiv zu durchsuchen. Es war ihm wichtig, überlieferte Volksmusik von volkstümlicher Musik zu trennen. Dabei fiel ihm auf, dass fast keine Tonbandaufnahmen von Osttiroler Tanzmusikgruppen vorhanden waren. Aus diesem Anlass gründete Florian Pedarnig im Jahr 1973 die Altstadtler, eine Tiroler Tanzmusik, die für viele zum Vorbild wurde. Eine Besonderheit in der Besetzung war das diatonische Hackbrett, das zu dieser Zeit kaum mehr bekannt war und auf nur wenigen der Aufnahmen im ORF Studio zu hören war. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehörten Friedl Lanthaler (Flügelhorn), Alois Wechselberger (Klarinette), Franz Saurwein (Harfe), Anton Hell (Tuba) und Florian Pedarnig (diatonisches Hackbrett und Leitung).

Die Gruppe spielte vor allem bei Volkstanzveranstaltungen und Volksmusikabenden, die der Rundfunk früher gern sponserte. Vor allem bei langen Tanzveranstaltungen war das Spielen der Altstadtler- Stücke recht anstrengend, da die Melodiebläser höchstens bei der Einleitung zum Trio eine kurze Pause hatten. So nahm man hin und wieder den jungen Ziehharmonikaspieler Franz Posch mit, um die Bläser ein wenig zu entlasten. Im Gegensatz zu einigen anderen Gruppen spielten die Altstadtler nach Noten, meist aus der Feder von Florian Pedarnig. Besonders in Erinnerung blieben zwei Hochzeiten, die die Tanzmusikanten musikalisch gestalten durften, aber auch die Fahrten nach Bayern und Lienz waren eine Besonderheit für die Musikgruppe. Gute Musikanten waren auch zur Zeit der Altstadtler sehr gefragt und so spielten die meisten Mitglieder der Tanzmusik noch bei anderen Formationen mit. So musste Friedl Lanthaler, der auch bei den Fidelen Inntalern mitwirkte, aus Zeitmangel die Gruppe verlassen und wurde durch Josef Knoflach ersetzt. Eine weitere Veränderung in der Besetzung ergab sich, als Anton Hell aus der Gruppe ausschied und Friedl Baumann die Tubastimme übernahm.

Als im Jahr 1974 die Tiroler Kirchtagmusig gegründet wurde, blieb nur noch wenig Zeit intensiv mit den Altstadtlern zu proben und aufzutreten. So löste sich die Musikgruppe 1978 auf, lebte aber in der von Florian Pedarnig gegründeten Nachfolgegruppe Die Unterlandler durch deren Spielart und Musiziergut weiter. Der Einfluss und die Vorbildwirkung der Altstadtler auf nachfolgende Tanzmusikgruppen ist auch nach fast vier Jahrzehnten ungebrochen.

Die Alt Matreier Tanzmusik bei der Aufnahme der ServusTV-Produktion Hoagascht auf Schloss Weißenstein


Die Unterlandler

Text: Theresa Frech

Im Jahr 1977 gründete Florian Pedarnig die heute immer noch aktive Tanzlmusig Die Unterlandler. Als Nachfolgegruppe der Altstadler trafen sich sechs Musikanten, um das Spielgut dieser herausragenden Musikgruppe fortzuführen: Hans Zimmermann (Flügelhorn und Harfe), Urban Unger (Klarinette), Markus Unger (Posaune und Steirische Harmonika), Florian Pedarnig jun. (Harfe und diatonisches Hackbrett), Christoph Unger (Kontrabass und Tuba) und Stefan Pedarnig (Diatonisches Hackbrett und Klarinette).

Im Elternhaus der Unger- Brüder und der Familie Zimmermann in Amras fand man geeignete Proberäume und so wurde unter der Leitung von Florian Pedarnig fleißig für die ersten Auftritte geübt. Florian legte vor allem viel Wert auf das Auswendig- Spielen, spielte die meisten Stücke selber vor, ließ die Musikanten nachspielen und zu den Melodien improvisieren. Um auch die zahlreichen Notenschätze der Altstadtler spielen zu können, lernte die Tanzlmusig bei jeder Probe ein bis zwei Stücke der Gruppe auswendig. Mit einem Flügelhorn, einer Klarinette, einer Posaune und den Begleitinstrumenten Harfe, steirische Harmonika, diatonisches Hackbrett und Kontrabass ließen die Unterlandler einen runden und weichen Klang entstehen, der schon bald rundum bekannt wurde. Bis zu 100 Stücke spielte die Tanzlmusig bei Hochzeiten und Volkstanzabenden auswendig, einige davon aus den Federn von Florian Pedarnig oder Gottlieb Weißbacher, der als Lehrer von Hans Zimmermann großen Einfluss auf die Spielweise der Unterlandler hatte. Als Alternative zur originalen Tanzlmusigbesetzung wurde auch als Klarinettenmusik gespielt. Dabei nahm man sich die Rinner Volksmusikanten und die Großglocknerkapelle Kals zum Vorbild und lernte auch deren Klarinettenstücke auswendig. Das fleißige Proben führte schon bald zum Erfolg: Nur ein Jahr nach ihrer Gründung traten die sechs Musikanten beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck an und erhielten mit einer Auszeichnung das beste Prädikat für ihre musikalische Darbietung. Dass die Musikgruppe von da an gern gebucht wurde, ist verständlich. Bis zu 50 Mal pro Jahr rückten die Unterlandler zu einer Spielerei aus. Nicht nur in Tirol, vor allem auch in Bayern, wurde ihre Musik gern gehört und so spielte die Tanzlmusig unter anderem bis 2015 jährlich in Hittenkirchen am Chiemsee.

Die Unterlandler 1982, v. l. n. r.: Urban Unger, Markus Unger, Hans Zimmermann, Stefan Pedarnig, Florian Pedarnig und Christoph Unger


Die Unterlandler 2009, v. l. n. r.: Christoph Unger, Albert Gomig, Stefan Pedarnig, Hans Zimmermann, Urban Unger, Christian Steixner und Franz Zanon


Bei wöchentlichen Auftritten kann es natürlich auch passieren, dass man die ein oder andere Feierlichkeit verwechselt. So machten sich die Musikanten mit Fahrer Walter Unger eine Woche zu früh auf den dreieinhalbstündigen Weg nach Bad Gastein. Als die Gruppe dort erkannte, dass sie den langen Weg umsonst gefahren war, kehrte man bei der Rückfahrt beim Stanglwirt in Going ein, um die Nerven bei einem guten Essen zu stärken. Als dort spontan die Instrumente ausgepackt und der Abend zu einem geselligen Fest wurde, waren die Terminprobleme aber bald wieder vergessen.

Noch heute sind verschiedene Musikstücke der Gruppe sehr beliebt. So kennen wohl viele den Walzer Dem Peter zu Ehr, den Florian Pedarnig seinem Schwager Peter Brugger widmete. Außerdem erklingen die Stücke Auf’m Kolsassberg, In der Plattnerstub’n von Hans Zimmermann, Mutti Boarischer und Walderalm Walzer von Markus Unger oder Krapfnwalzer und Kraßbachboarischer von Stefan Pedarnig immer wieder im Radio oder bei aktuellen Tanzmusik- Gruppen.

Acht Jahre spielte die Tanzlmusig in der erwähnten Besetzung. Im Jahr 1985 gab es den ersten größeren Wechsel: Christian Steixner übernahm für Markus Unger, Franz Zanon spielte ab sofort die Steirische, und Wolfgang Schafferer die Harfe. Seit 1991 spielt Albert Gomig die Harfe.

Die Art des Musizierens und der einzigartige Klang der Unterlandler erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Auch wenn die Musikanten nicht mehr stundenlang bei Tanzveranstaltungen spielen, musizieren sie immer noch hin und wieder miteinander. Alt Matreier Tanzmusik

Text: Franz Herzog

Die Traditionskapelle Alt Matreier Tanzmusik aus Osttirol ist die wohl älteste Tanzmusik im Alpenraum, derzeit bestehend aus acht »Manda« und zwei Frauen. Man empfindet sie schon nach den ersten Klängen als Besonderheit unter den Volksmusikgruppen.

1910 von den Brüdern Alois und Josef Trost in Matrei in Osttirol gegründet, spielt die Tanzmusik in der Besetzung: Matreier Hackbrett, Bratsche, Violine, Bassgeige, Trompete, zwei Klarinetten, zwei Posaunen und chromatisches Akkordeon, alles in C- Stimmung. »Daher ist der Klang schärfer und strahlender«, meint der jetzige Leiter Hansl Klaunzer, der 1988 zusammen mit Tobias Trost und Franz Herzog die Traditionsgruppe wieder richtig in Schwung brachte.

Viele Kompositionen der Alt Matreier sind mit Moll- Teilen versehen und etliche unerwartete Sprünge in der Harmonik machen das Unverwechselbare aus. Es schwingen melancholische, italienische Einflüsse mit, die wohl der Gründer Alois Trost als Regimentsmusikant 1910 in Trient übernommen hat. Auch das etwas grobe, schmissige Spiel und die andererseits schmalzigen Passagen sind Markenzeichen der Alt Matreier. So verlangt Hansl Klaunzer meistens, die Töne sehr kurz zu spielen und Bass und Begleitung sehr dominant zu halten, damit sich die Spielweise von anderen Volksmusikgruppen deutlich unterscheidet. Alt Matreierisch zu musizieren muss in Fleisch und Blut übergehen, verlangt Hansl Klaunzer, der mit seinen Musikanten schon weit herumgekommen ist und bei zahlreichen Veranstaltungen mitgewirkt hat: Klingendes Österreich mit Sepp Forcher, Mei liabste Weis mit Franz Posch, Salzburger Fernsehfrühschoppen, Pongauer Hahn im ORF Kulturhaus und die Innsbrucker Promenadenkonzerte: Das sind nur einige der vielen Auftrittsanlässe der Alt Matreier.

Die Alt Matreier Tanzmusik bei der Aufnahme der ServusTV- Produktion Hoagascht auf Schloss Weißenstein


Ganz besonders stolz sind die MusikantInnen auf den von Peter Kostner und Regisseur Heinz Fechner gestalteten Film Urgestein mit fremden Tönen sowie auf die Servus- TV- Produktion Hoagascht auf Schloss Weißenstein. Ein Höhepunkt war auch die Aufführung der Oper in den Bergen Gruß an Schloss Weißenstein im Jahr 2014 mit acht Vorstellungen.

Rares sucht man in der heutigen Zeit, das wissen auch die Alt Matreier, weshalb sie nur noch vier bis fünf Mal im Jahr auftreten. Neben den Paradestückln von den Brüdern Trost (Zum Andenken, Gruß an Schloss Weißenstein, Faschingstoas und Sempre Con Te Walzer) komponiert der jetzige Leiter Hansl Klaunzer, der Tradition und Besetzung angepasst, viele neue Titel, die mittlerweile eine gesunde Ergänzung zu den alten Melodien sind und schon in kürzester Zeit, wie zum Beispiel die Housnkraxn- Polka oder das Venediger- Mandl, ein Ohrwurm geworden und auf den drei CD- Produktionen zu hören sind.

Eine Anekdote zum Abschluss:

Anlässlich der Wienfahrt zu einem Auftritt im Wiener Konzerthaus wurde vom Hotel für 18.00 Uhr die Abfahrt zur Spielerei mit Generalprobe vereinbart. Alle kommen pünktlich, nur der Posaunist Albert fehlt. Nach zehn Minuten erscheint Albert kreidebleich vor dem wartenden Bus mit den Worten: »Ihr mißt lei entschuldigen, mei Olte [Gattin] hot mir irrtümlich die Trochtnhouse vo mein Büe eingepockt. Deis wißt jo olle, dass mei Büe lei die Hälfte von mir isch. Seit 20 Minuten versuach i irgendwie in die House zi kemm. Secht eh olle selba mit Ach und Krach hun is gschofft. Da oberschte Knopf und die Housntür geht nit züe, holbwegs ogedeckt mit der Fatsche, a Gschtelle hun i, wie wenn i die House volle hät und deis hot jo koa Ahnung wie mir mei ›Glocknstühl‹ weh tut.«

Natürlich war das Gelächter groß, aber gleichzeitig hat sich unter den männlichen Teilnehmern ein starkes Mitgefühl breit gemacht. Für Albert war dieser Auftritt mehr Belastung als Vergnügen. Vor 50 Jahren hatten die Alt Matreier schon einmal in der Bundeshauptstadt aufgespielt und auch diesmal wurde es ein voller Erfolg. Hansl Klaunzer meinte: »Mir homm uns so zusommengerissn, dass mir in 50 Joahr wieda amol in Wien spieln dürfn.«

Schlusswort:

»Wo die Sprache aufhört, beginnt die Musik«. Mögen die Dialekte der drei Regionen Tirols noch so unterschiedlich sein, ihre Musik verbindet diese drei Musikgruppen: Ein unverwechselbarer Klang, die Pflege der ursprünglichen Volksmusik und die Vorbildwirkung auf viele andere Musikgruppen ist ihnen allen eigen. Mögen viele Musikanten und Musikantinnen die vorgestellten Gruppen als Wegweiser in der Musik nutzen.


[Foto: Ralph Kapavik]

Foto: Josef Obertscheider]

[Foto: privat]

[Foto: privat]

[Foto: Foto: Josef Obertscheider]