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TASCHEN SPIELER


Rolling Stone - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 27.06.2019

Vor 40 Jahren kam derWalkman auf den Markt. Der Schriftsteller Jan Brandt erzählt im ROLLING STONE die Coming-of-Age-Geschichte eines längst totgesagten und jetzt wiederauferstandenen Mediums


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Bildquelle: Rolling Stone, Ausgabe 7/2019

DIE GEGENWARTS-EBENE DES FILMS „guardians Of The Galaxy“ aus dem Jahr 2014 beginnt damit, dass der von Weltraumpiraten entführte Star-Lord auf dem fernen und gottverlassenen Planeten Morag eine Kassette in seinen Walkman einlegt. Er tanzt über die Ruinen einer untergegangenen Zivilisation und erwehrt sich leichtfüßig der Gefahren, die im Zwielicht lauern. Trotz aller futuristischen Gadgets, die ihm das Leben ...

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... erleichtern – Atemmasken, Schwebeschuhe, Glühkugeln, Magnetbomben –, verleiht ihm dieses antiquiert anmutende Gerät erst emotionale Superkräfte: Es nimmt ihm die Angst davor, in unbekanntes Terrain vorzustoßen – für die Dauer eines Liedes fühlt er sich unbesiegbar.

Die 2017 auf Netflix veröffentlichte Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ über den Selbstmord eines Mädchens spielt in der Smartphone-Ära. Und doch sind es keine SMS, WhatsApp- oder Sprachnachrichten, in denen Hannah Baker die Gründe für ihr freiwilliges Dahinscheiden festhält, sondern Audiokassetten. Das stellt ihre Mitschüler vor einige Probleme, vor allem das, geeignete Abspielgeräte zu finden. Da werden Eltern gefragt, wo denn ihr „Radio-Ding“ sei, verstaubte Gettoblaster und Boomboxen aus der Garage hervorgekramt, Autoradios instandgesetzt und Walkmans geklaut, um zu erfahren, was passiert ist, um die Geschichte in Gang zu setzen.

40 Jahre nach seiner Markteinführung erlebt der Walkman zumindest im Kino und im Fernsehen – den großen Erzählmedien unserer Zeit – eine Renaissance. Das ist kein Zufall, denn in der digitalen Flüchtigkeit der Gegenwart nimmt die Sehnsucht nach dem Beständigen zu, dem Handfesten, dem Analogen. Und darum lohnt ein Blick zurück, nicht nur in die mediale Vergangenheit, sondern auch in die eigene, eine auditive Autobiografie.

Nachdem die niederländische Firma Philips 1963 auf der Funkausstellung in Berlin die Kompaktkassette und den ersten Kassettenrekorder vorgestellt hatte, war Musik mobil geworden, auch wenn der Philips EL 3300 mit seiner Größe (11 × 5,5 × 19,5 cm) in keine Hosen- oder Jackentasche passte und man mit 1,35 Kilo noch viel zu schleppen hatte. Um die Miniaturisierung brach ein weltweiter Wettbewerb aus. Der deutschbrasilianische Erfinder Andreas Pavel entwickelte Anfang der 70er-Jahre den Stereobelt, eine Art Patronengürtel, an dem zwei Abspielgeräte, zwei Batteriebehälter und ein Kopfhörer befestigt waren. Auf der Hi-Fi-Messe 1976 in Düsseldorf präsentierte er Vertretern von Philips und Sony seinen Prototyp, aber die zeigten kein Interesse. Ein Jahr später meldete er einen „Gürtel mit Geräten zum Anhören von reproduzierter Musik und körpergebundene Kleinanlage für die hochwertige Wiedergabe von Hör-Ereignissen“ zum Patent an. Doch niemand wollte seine Erfindung umsetzen. Am 1. Juli 1979 brachte Sony dann den Walkman TPS‑L2 heraus, vom Umfang her kaum größer als die darin befindliche Kassette selbst und mit 400 Gramm so leicht, dass er niemandem eine Last war. Im Gegenteil, als der Walkman 1980 in Deutschland auf den Markt kam, wurde er mit Worten beworben, die alle Lebenssituationen miteinbezogen und wie ein Allheilmittel für moderne Zivilisationskrankheiten wirklisationskrankheiten wirkten: „Seine Mobilität macht ihn in jeder Situation zu einer Unterhaltungsquelle, die Schwung bringt, mit heißem Rhythmus den Blutdruck steigen lässt oder ganz sanft für Entspannung sorgt.“

Er verfügte nicht nur über die Start-, Stop-, Fast-Forwardund Rewind-Knöpfe, sondern auch über zwei Kopfhörerausgänge und eine orangefarbene „Hot Line“-Taste, mit der man mit dem anderen während des Hörens sprechen konnte, ohne die Musik unterbrechen zu müssen.


„Seitdem er das Ding hat“, sagte meine Mutter, „geht es in der Schule bergab und er spricht kaum noch mit uns“


Mein älterer Bruder war der Erste in unserer Familie, der sich 1982 im Hi-Fi-Studio Wicht im ostfriesischen Leer einen Walkman kaufte; aber keinen Sony TPS‑L2 (der war mit 498 Mark zu teuer), sondern einen Akai PM‑01 Stereo Cassette Player, der 200 Mark weniger kostete und dem legendären Sony-Modell nachempfunden war. Auch der Akai verfügte über zwei Kopfhörerausgänge sowie über eine „Talk“-Taste, die man drücken sollte, um, wie es in der Bedienungsanleitung hieß, „mit der Person, die über Kopfhfhfhörer an die andere Kopfhfhfhörerbuchse angeschlossen ist, zu sprechen“.

In jener Zeit sah ich meinen Bruder selten ohne Kopfhörer. Er trug sie schon morgens am Frühstückstisch um den Hals, und mittags, wenn wir von der Schule zurückkamen – ich von der Grundschule, er vom Gymnasium –, hatte er sie über die langen Haare auf die Ohren gestülpt. Nur zum Essen legte er sie ab, oft aber erst, nachdem unser Vater ihn darauf hingewiesen hatte, dass bei Tisch keine Musik gehört werde. In seiner Ledertasche und in seiner Wildlederjacke hatte er immer selbst beschriftete Kassetten dabei, die er mir präsentierte, als handelte es sich dabei um echte Raritäten, Bands, von denen ich noch nie gehört hatte und deren Musik, wie er feierlich erklärte, „nicht im Radio gespielt“ werde: Comateens, Gruppo Sportivo, Mother’s Finest, Embryo.

Im Sommer 1983, ich hörte immer noch Hörspielkassetten auf einem tragbaren Radiorekorder von Nordmende, kam er ohne Kopfhörer von einem Schüleraustausch aus England zurück. Ein Punker hatte sie ihm nach einem Rempler am Pier in Brighton abgerissen und vor aller Augen zerbrochen. Ein früher Fall von Hipster-Bashing. Diese Demütigung wog so schwer, dass es Wochen dauerte, bis er sich ein neues Paar kaufte, und das versah er mit orangefarbenen Polstern, als wollte er das, was ihm zugestoßen war, überspielen – wie Musik auf einer Kassette, die nicht mehr zu ihm passte und deshalb durch neue, bessere ersetzt werden musste.

Das war die Zeit, als auch ich mich für Musik zu interessieren begann, für das, was im Fernsehen bei „Formel Eins“ zu sehen war, was im Radio lief, was auf dem Schulhof nachgesungen wurde: New Wave. Zu Weihnachten und zum Geburtstag bekam ich jetzt Schallplatten geschenkt – und die alte Anlage meines Bruders: einen Dual-Plattenspieler, Boxen und seinen selbst gebauten Verstärker. Nur einen Walkman durfte ich nicht haben: weil meine Eltern meinten, dass er mich verderben werde, so wie er meinen älteren Bruder verdorben hatte. „Seitdem er das Ding hat“, sagte meine Mutter, „geht es in der Schule bergab und er spricht kaum noch mit uns.“ Und mein Vater nickte dann und sagte: „Seitdem lebt er in seiner eigenen Welt.“

Mein Bruder hatte auch vorher schon in seiner eigenen Welt gelebt: hinter verschlossener Tür und in einem mit Postern tapezierten Zimmer bei aufgedrehter Lautstärke, und deswegen betonte meine Mutter jedes Mal, wenn das Gespräch auf den Walkman kam, dass es im Haus jetzt wenigstens wieder leise sei.

In der Schule brüsteten sich die Älteren mit japanischen Nachahmermodellen, und manche Gleichaltrige, die aus wohlhabenden Elternhäusern stammten, wohlhabenderen als unserem, mit japanischen Originalen. Es waren nicht nur Jungs, die mit Walkmans herumliefen, auch die Mädchen hatten welche, aber es waren immer die Mädchen, die zu den Jungs sagten: „Lass mal hören!“, und sich dann bei ihnen einstöpselten. Es war, als wären sie nicht nur über Kabel miteinander verbunden, sondern auch physisch, als könnten sie auf diese Weise Gedanken austauschen. Für die Dauer eines Liedes bildeten sie eine Einheit – und das war es, was ich mir wünschte: endlich meine Schüchternheit überwinden und mich mit einem Mädchen verbinden. Aber ich wusste nicht, wie ich es ohne Walkman anstellen sollte.

ALS ICH IM HERBST 1985 MIT Freunden ins Kino ging, um mir den Film „Zurück in die Zukunft“ anzusehen, hatte ich ein Erweckungserlebnis. Nicht nur dass darin alles auftauchte, was uns damals begeisterte: Skateboards, Radiowecker mit Klappzahlen, schnurlose Telefone, Videokameras, Digitaluhren, Zeitreisen – dem Walkman kam auch noch eine handlungstragende Rolle zu. In der Mitte des Films, als Marty McFly seinen Science-Fiction-versessenen Vater überreden will, seine Mutter zum Schulball einzuladen, und dieser das mit aller Entschiedenheit ablehnt – „weder dir noch sonst irgendjemandem auf diesem Planeten wird es gelingen, mich umzustimmen“ –, hat Marty die Idee, nachts im Strahlenschutzanzug bei ihm aufzutauchen, ihm die Kopfhörer seines Aiwa HS‑P07 über die Ohren zu stülpen und ihm mit einer „Edward Van Halen“ beschrifteten Kassette außerirdischen Mut einzuhauchen. Der Walkman hat Macht, dachte ich, als die Lichter über uns angingen: Macht über einen selbst und über andere. Mit einem Walkman kann man alles erreichen.

Der Walkman war ein Wunderwerk, ein Symbol für Zweisamkeit und Einsamkeit, für Freiheit und Unabhängigkeit, für Bewegung, Grenzenlosigkeit und Selbstvertrauen – und für das überwältigend einfache Glück, überall mit seiner Lieblingsmusik verschmelzen und einen eigenen Hörraum betreten zu können, als wäre man in einer anderen, ganz eigenartigen Dimension unterwegs. Er verband und trennte die Menschen, er spendete Kraft und Zuversicht und war, solange die Batterien nicht versagten, immer für einen da. Allein sein Name war wie die Verheißung einer bereits in der Gegenwart eingetretenen Zukunft, als hätten wir mit ihm bereits die höchste Stufe der Evolution erreicht: den aufrechten, nimmermüden Gang. Der japanische Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa beschreibt den Walkman in seinem 1987 auf Deutsch erschienenen Essay „Der Walkman-Effekt“ als die Autonomie selbst, „die Autonomie des laufenden Ich“.

Aber es sollte noch Jahre dauern, bis ich einen bekam, bis ich teilhaben durfte an der Gemeinschaft der Glückseligen: bis zu meiner Konfirmation. Ein halbes Jahr vor der Wende im Osten erlebte ich eine ganz persönliche Wende weit im Westen, als meine Eltern mir ihr Geschenk überreichten: einen gelben Sony Sports WM‑35, von dem mein Vater hoffte, dass er meine Laufleistungen verbessern werde. Meine Mutter dagegen befürchtete, dass er mich in das gleiche schweigsame Monster verwandeln würde, das mein Bruder einst gewesen war. Deshalb ermahnte sie mich, das Ding wirklich nur zum Sport zu benutzen.

Natürlich blieb es nicht dabei.

Bei einer christlichen Freizeit in Dänemark, für die ich mich nur angemeldet hatte, um mit Gleichaltrigen in Urlaub fahren zu können, hörte ich am Strand des Kolding-Fjords stundenlang U2,„Rattle And Hum“„Rattle And Hum“ , bis mich Elke mit den Worten „Lass mal hören!“ ansprach. Doch aus uns wurde nichts; sie war ein Jahr älter und einen Kopf größer als ich. Ein Jahr später stand eine Klassenfahrt nach Berchtesgaden an. Unsere Klassenlehrerin verkündete, dass sie zehn Karten für ein Popkonzert in der Olympiahalle gekauft habe. Bevor sie den Namen der Band sagen und zwei Mädchen dann ganz sicher laut aufschreien würden, wolle sie schon mal klären, wer noch Interesse habe, dort hinzugehen – anstatt ins Hofbräuhaus. Und da ich Interesse an Carmen, einem der beiden Mädchen hatte, hob ich die Hand, und unsere Klassenlehrerin sagte: „Depeche Mode“, und Carmen und Gaby fingen an zu schreien. Und auf der Busfahrt von Ostfriesland nach Bayern bot Carmen mir an, ihre Kassetten mitzuhören. Und von da an waren wir zusammen. Bis das Leben uns wieder auseinanderriss.

Das Ende meiner Walkman-Ära kam, als ich in ohrenbetäubender Lautstärke Rage Against The Machine hörend durch die Hammrich joggte und an einem unbeschrankten Bahnübergang die Gleise überquerte. Kaum war ich auf der anderen Seite, raste von Leer her ein Zug an mir vorbei. Ich hatte ihn nicht wahrgenommen. Nicht das feine Sirren der Schienen, das ihm vorausging. Nicht das Dröhnen der Motoren. Nicht das Signal, mit dem der Lokführer mich zu warnen versucht hatte. Ein Walkman, das wurde mir in dem Moment klar, konnte einen auch geradewegs ins Verderben führen, ein Walkman konnte den Tod bedeuten. Von da an hatte der Walkman seine Unschuld verloren und ich benutzte ihn nur noch auf Bahnfahrten und Flugreisen, wenn ich mir sicher war, dass ich die Welt um mich herum für 30 oder 45 Minuten vergessen konnte, ohne Gefahr zu laufen, für immer zu verschwinden.

Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch MP3‑Player und Smartphones stellte Sony 2010 die Produktion des Walkman ein. Da hatte ich schon seit Jahren kein Mixtape mehr aufgenommen, nichts mehr mitgeschnitten, keine Kassetten mehr verschenkt. Mein Walkman lag in einer Kiste meiner Eltern. Kein Nachfolgegerät übte die gleiche Faszination auf mich aus, weder der Discman noch der MiniDisc-Rekorder noch der iPod. Der eine war fehleranfällig und zum Joggen ungeeignet, der andere zu kassettenähnlich und der Dritte zu klein, zu unauffällig und vor allem zu unpersönlich – mit ihm ließ sich keine Verbindung herstellen, mit ihm verband ich keine Erlebnisse, keine Hör-Ereignisse. Es gab keine doppelten Kopfhörerausgänge und keine Mixtapes, diese sorgfältige und auf zwei Seiten beschränkte Auswahl, mit der man alles über sich selbst erzählte, alles, was einem wichtig war, auditive Liebesbriefe. Und das Smartphone, das diese Möglichkeiten in Hülle und Fülle bietet, ist zu universell, die Verkörperung eines Jungstraums: Radiowecker, schnurloses Telefon, Videokamera, Digitaluhr, Weltrekorder und Zeitreisevehikel in einem. Es ist eine narrative Überdosis, ein Über-Fluxkompensator, eine Fragmentierungs- und Ablenkungsmaschine. Darum ist es viel schwieriger, mit ihm und durch ihn eine in sich geschlossene Geschichte zu erzählen.

Smartphone-Nutzer werden von ihren Kritikern gern als „Smombies“ bezeichnet, als selbst- und weltvergessene Süchtige, die, den Blick aufs Display gerichtet, wie von mächtigen, geheimen Kräften gesteuerte Mutanten durch die Gegend laufen. Und trotzdem komme ich mir, wenn ich jetzt doch einmal wieder meinen Walkman mitnehme und die alten Kassetten höre, die Musik meiner Jugend, die Mixtapes meiner Lieben, wie ein Untoter vor, wie ein Ewiggestriger, ein Nostalgiker, ein Romantiker, ein Geschichtenerzähler.


FOTO VON ROMAN RAACKE