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+++ TASPO-Umfrage +++ Wie vermeiden Gärtner auf dem Friedhof Plastik-Müll?


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 19.01.2019

Nachdem zum 1. Januar ein neues Verpackungsgesetz die bisher geltende Verpackungsverordnung ablöst, mit dem Ziel, das Recycling, den Einsatz von Sekundärmaterialien und die Vermeidung von Verpackungsabfällen stärker zu fördern, ist das Thema Plastik- und Kunststoff-Müll wieder in aller Munde. Die TASPO fragte nach: Was können Friedhofsgärtnereien tun, um diese Materialien einzudämmen? Was ist dabei das größte Problem? Von FachredakteurinTherese Backhaus-Cysyk


Artikelbild für den Artikel "+++ TASPO-Umfrage +++ Wie vermeiden Gärtner auf dem Friedhof Plastik-Müll?" aus der Ausgabe 3/2019 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 3/2019

Gehören Kunststofftöpfe bei großen Pflanzaktionen der Friedhofsgärtner bald der Vergangenheit an?


Unser Ziel sind weniger Plastikverpackungen und ...

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... mehr Recycling. Dafür brauchen wir alle Beteiligten – Hersteller, Handel und Verbraucher. Mit dem neuen Gesetz werden wir in Deutschland künftig deutlich mehr recyceln als bisher. Aber wir wollen auch überflüssiges Plastik vermeiden“, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze Anfang Januar.

Wie stehen Friedhofsgärtnereien dem Thema gegenüber? „Das neue Verpackungsgesetz bringt uns schon in eine neue Handlungsoffensive“, erklärtKarolineHeiser vomBlumenpavillon Neis (Trier,www.blumenpavillonneis.de ). „Jeder von uns muss in seinem Betrieb umdenken und Mitarbeiter zum richtigen Umgang mit Plastik-Müll wach machen und ansprechen. Eine Möglichkeit ist sicherlich, wie wir es bereits machen, dass sich Friedhofsgärtnereien Beetpflanzen schon ausgetopft liefern lassen, um die Kunststofftöpfe bei jeder großen Pflanzaktion auf dem Friedhof in erheblicher Menge zu reduzieren.

Aber: Es ist eine logistische Herausforderung mit ausgetopfter Beetware. Wetter, Personal und Lieferbedingungen – alles muss zeitgleich passen. Die ausgetopften Pflanzen müssen in kürzester Zeit in die vorbereiteten Flächen gepflanzt werden, denn sie dürfen nicht der Sonne oder anderen widrigen Wetterkapriolen ohne Topfschutz ausgesetzt sein. Eine zeitlich kurze Abfolge der Liefereinheiten ausgetopfter Ware bedeutet eine gute Planung im Vorfeld. Eine Umstellung war bei uns nötig, ließ sich aber in Absprache mit dem Pflanzenproduzenten realisieren.

Die nach einer Pflanzenlieferung mitgelieferten Paletten werden bei uns gesammelt und wieder an den Lieferanten zur Wiederverwendung zurückgegeben.

Die Schwierigkeit besteht hier in den vielen unterschiedlichen Größen der Paletten, die zeitaufwendig sortiert werden müssen und viel Lagerfläche füllen.

Allerdings bemängeln wir auch die Stärke und Qualität des Materials. Viele sind brüchig und dünn, es macht keinen Sinn, sie weiter zu nutzen.

Ebenso verwenden wir Grabkreuze in der Floristik mit umweltfreundlichen Unterlagen, die verrotten. Wir bepflanzen verstärkt Weidenkörbe und Keramik- oder Betonschalen, um den Einsatz von Kunststoffschalen auf ein Minimum zu reduzieren. Leider spielt aber das Gewicht einer bepflanzten Trauerschale eine große Rolle. Ob Keramik oder Kunststoff – das Gewicht unterscheidet sich deutlich, und viele Kunden haben mit dem Transport von schweren Gefäßen ein Problem. Allerdings spricht für eine Tonschale eindeutig ihre Wertigkeit.

Plastikschalen haben beim Kunden nach wie vor einen negativen Beigeschmack! Der Umdenkprozess ist in vollem Gange“, sieht Karoline Heiser, „aber die Möglichkeiten müssen auch praktisch umgesetzt werden, um langfristig Erfolge in der Müllentsorgung zu erzielen.“

Lieferart wird abgestimmt

„Von unserer Seite sehe ich aktuell keinen Handlungsbedarf und auch keine großen Möglichkeiten einer weiteren Verpackungsreduzierung“, berichtetThorstenAdrian von derFriedhofsgärtnerei Adrian (Bremen,www.adrian-bremen.de ). „In der Friedhofsgärtnerei arbeiten wir zum weitaus größten Teil im Einkauf mit festen Lieferanten und Produzenten zusammen. Im Besonderen die Produzenten liefern uns nicht nur die verabredeten Sorten, sondern auch in der abgestimmten Lieferart – sprich Verpackung und Kommissionierung.

Da wir schon allein wegen des Arbeitsund Entsorgungsaufwandes keinerlei Interesse an Umverpackung, Einwegsteigen und ähnlichem haben, läuft fast alles hinaus auf: Palettinos, Staudenkisten, Aufzucht-Mehrwegplatten und CC. Für die dann noch anfallenden Töpfe haben wir einen Entsorger, der diese verwerten kann. Meine Hoffnung ist, dass im Zuge der Verpackungsverordnung die ‚Palettinos‘ eine Renaissance erleben.“

Einheitliche Töpfe sammeln

„Wir versuchen, wenn der Produktionsgärtner mitmacht, einheitliche Pflanztöpfe zu sammeln und zurückzugeben“, zeigenGundi und Hagen Kaeppel ,Friedhofsgärtnerei Kaeppel (Hanau,www.gaertnerei-kaeppel.de ) auf. „Aber leider sagen viele, sie müssten diese beim Wiederbefüllen an der Topfmaschine von Hand einstellen. Das sei zu teuer! Zum Glück haben wir zwei Gärtnerkollegen, dieViola undBegonia semperflorens ausgetopft in Baumschulkisten oder in Multiplatten als Mehrweg liefern – das sollte als gutes Beispiel dienen. Wir kaufen gerne bei Kollegen, die das Palettino-Mehrwegsystem verwenden, um Einwegpaletten zu vermeiden.

Viel Müll fällt nach unseren Beobachtungen auch bei Einweggrablichtern und Grablampen an. Hier sollte ein Ersatzlicht ohne Plastikhülle entwickelt werden, das sich einfach einstellen lässt.“

Rücknahme von Töpfen

„Schon seit Langem beschäftigen wir uns mit diesem Thema und versuchen, zum einen Kunststoffe direkt zu vermeiden, indem wir beispielsweise keine Kunststoff-Produkte wie Plastikblumen oder Deko in Werkstücken verwenden, die wir für den Friedhof fertigen“, berichtetThomasSeppelfricke ,Friedhofgärtnerei Seppelfricke (Gelsenkirchen,www.blumenhausseppelfricke.de ).

„Auch Unterlagen für Gestecke in der Trauerbinderei fertigen wir aus Naturmaterialien selber an. Zum anderen verpacken wir überwiegend in Kartons und Papier.

Außerdem bieten wir unseren Kunden die Rücknahme – zur Wiederverwendung – von Töpfen und Paletten an.

Ich bin außerdem der Meinung, dass die konsequente Umsetzung der Friedhofssatzung, die ja sicherlich nicht nur bei uns in Gelsenkirchen solche Materialien verbietet, dazu beiträgt, Kunststoffe vom Friedhof fern zu halten.

Ein wachsendes Problem sind zudem LED-Grablichter mit Batterien. In unseren Geschäften verkaufen wir nur echte Kerzen, um das Aufkommen dieser Produkte noch in Grenzen zu halten.“

Leerpaletten gehen zurück

„Bei den Saisonbepflanzungen verwenden wir seit 15 Jahren Mehrwegpaletten, die im Anschluss unserer Arbeiten wieder an die Pflanzen-Produzenten zurück gehen“, erklärtBerthold Klumpen ,Gärtnerei Klumpen (Frankfurt am Main,www.gaertnerei-klumpen.de ). „Diese Variante versuchen wir auszuweiten, beispielsweise bei unseren Bodendeckerlieferanten.

Auch alle Leerpaletten gehen wieder zurück an die Lieferanten.“

Die Autorin

Therese Backhaus-Cysyk, freie Fachjournalistin, Dipl.-Ing. Gartenbau, gelernte Zierpflanzengärtnerin


Foto: Therese Backhaus-Cysyk