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TATOUAGE CHATTE NOIRE, ERLANGEN


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Tattoo Kulture Magazine - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 01.10.2021

Artikelbild für den Artikel "TATOUAGE CHATTE NOIRE, ERLANGEN" aus der Ausgabe 6/2021 von Tattoo Kulture Magazine. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tattoo Kulture Magazine, Ausgabe 6/2021

„ES WÜRDE SICH WIE EINE VERLORENE ERFAHRUNG ANFÜHLEN, WENN ICH AN EINEN NEUEN ORT KOMME, NEUE MENSCHEN TREFFE, NEUE GEWOHNHEITEN KENNENLERNE UND NICHTS DAVON MITNEHMEN WÜRDE. ES IST EINE BESONDERE MÖGLICHKEIT, ARBEITEND UND REISEND DIE WELT ZU ENTDECKEN.“

THOMAS PINEIRO

Wenn es um klassische japanische Tätowierungen wie die Hannyas, Tiger und Sakuras geht, zeigt Thomas Pineiro aka. Horitou, dass die Tätowierungen wirklich ein eigenes Bild ergeben können, nachdem sie durch die Hände eines wirklich passionierten Handwerkers gegangen sind. Tätowieren ist schließlich etwas, bei dem man selbst Hand und Herz anlegen muss. Egal, an welchem Werk, ob auf Haut oder Papier ein Tätowierer arbeitet, das Ergebnis ist immer ein originelles Produkt. Wenn man möchte, wie eine eigene Unterschrift…

Hey Thomas, danke für deine Zeit! Stell dich doch einmal kurz vor...

Hey Sabrina, danke für diese Möglichkeit. Ich wurde ...

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... 1991 in Sao Paulo geboren und tätowiere, seit ich 16 Jahre alt bin.

Erzähl uns doch ein bisschen über deinen Hintergrund - wo bist du aufgewachsen und welchen Teil deiner Heimat trägst du immer bei dir?

Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Sao Paulo. Wie du wahrscheinlich weißt, ist es in Brasilien nicht einfach, aufzuwachsen. Für meine Familie und mich war es oft nicht leicht. Wenn du aus einer Gegend wie dieser kommst, lernst du, stark und unabhängig zu sein und gleichzeitig, wie wichtig die Unterstützung von Familie und Freunden ist. Ich versuche mein Bestes, diese Gedanken immer im Kopf zu behalten, mich immer an die Opfer zu erinnern, die so viele Menschen gebracht haben, damit ich dahin komme, wo ich heute bin. Ich trage die Verantwortung in mir, immer mein Bestes zu geben und so diese Menschen zu würdigen.

Du arbeitest in Erlangen bei Tatouage Chatte Noire zusammen mit meiner Freundin Adri, kommst aber ursprünglich aus Brasilien - erzähl uns, wie es zu dieser Veränderung kam!

Das erste Mal traf ich Adri 2014 in meiner Heimatstadt. Sie war aufgrund einer Tattoo Convention dort. Zur selben Zeit plante ich, für drei Monate nach Europa zu reisen, also sprach ich sie an und fragte sie, ob es möglich wäre, in ihrem Shop zu arbeiten. Sie war immer sehr nett und half mir sehr. Ich bin ihr wirklich sehr dankbar. Zu der Zeit tätowierte ich seit sechs Jahren, und ich dachte, es wäre meiner Entwicklung zum professionellen Tätowierer zuträglich, nach Europa zu gehen. Ich hatte schon immer den Wunsch, nach Europa zu reisen, denn auch meine Familie hat spanische Wurzeln. Also flog ich nach Madrid, von dort aus begann meine Reise. Ich bereiste innerhalb von drei Monaten Frankreich, die Schweiz, Deutschland, England, Belgien, Holland, Schweden und Finnland. Es war ein toller Trip. Anschließend sprach ich mit Adri über meine Pläne, nach Deutschland zu ziehen und sie war wieder sehr hilfsbereit und bot mir an, in ihrem Shop zu arbeiten. Ich liebe Erlangen und den Kontrast zu Sao Paulo.

Wie groß sind die Unterschiede zwischen Deutschland und Brasilien?

Groß! Es dauerte einige Zeit, um die Unterschiede zu verarbeiten. Im ersten Moment nimmt man es, glaube ich, erst nicht wahr. Aber ja, es ist sehr unterschiedlich. Ich finde es aber nicht schlimm. Ich habe viel über die deutsche Kultur und die Menschen gelernt, es war großartig, hier zu leben.

Lass uns über dein Leben als Tätowierer sprechen - wie kamst du zum Tätowieren?

Meine Eltern haben schon tätowiert, da waren weder meine Brüder noch ich geboren. Mein Vater hat zum Beispiel in den 1980er Jahren mit Marco Leoni tätowiert, ein sehr wichtiger Tätowierer der brasilianischen Tattooszene. Ich war als Kind immer auf dem Schoß meines Vaters gesessen und habe seine Tattoos mit Buntstiften ausgemalt. Manchmal haben meine Brüder und ich darüber geredet, welche Tattoos wir eines Tages haben möchten. Wir haben gerne Animes und solche Sachen gezeichnet. Bevor ich es wirklich gemerkt habe, war ich bereits mit dem Tätowieren verbunden.

Ich weiß. dass du das Tätowieren von deinem großen Bruder gelernt hast - wie war diese Zeit für dich? Und wo stehst du heute?

Um ehrlich zu sein, einfach war es nicht. Damals waren die Dinge noch etwas anders. Das Internet gab in Sachen Tattoos noch nicht viel her, d. h. wenige Informationen und als 16-Jähriger ist es schwer, Kunden zu finden. Gleichzeitig war es aber auch ein guter Test, um zu sehen, wie sehr ich Tätowierer werden wollte. Mein Bruder und ich redeten und lernten gemeinsam. Er hatte mehr Kunden als ich, also nutze ich die Zeit, um zu zeichnen und Neues auf dem Papier auszuprobieren, was er dann auf die Haut übertrug. Heutzutage verhält es sich Gott sei Dank anders. Ich habe in Deutschland, Brasilien und weltweit Stammkunden.

Was ist für dich das Besondere an japanischen Tattoos?

Japanische Tattoos können stark, fein, abwechslungsreich und immer ein Klassiker sein, der den Zahn der Zeit übberstanden hat. Man kann es nutzen, um sich selbst durch die unzähligen Bedeutungen und Symbole auszudrücken oder einfach ein Motiv aussuchen, weil es einem gefällt. Ich denke, das ist der Grund, welcher es so besonders für mich macht.

Kommt diese Liebe von dem starken Einfluss japanischer Tattoos in Sao Paulo? Wie hast du die Geschichte der japanischen Tätowierung studiert?

Das hat mich mit Sicherheit beeinflusst. Es gab tatsächlich viel japanische Kultur in Sao Paulo. Mein Vater hat den schwarzen Gürtel in Karate Kyokushin und meine Mutter den braunen. Viele Jahre lang habe ich versucht, durch Dokumentationen, Filme, Animes und Mangas, Bücher usw. die Kultur besser zu verstehen. Ich reiste sogar nach Japan

und sog so viel Wissen wie möglich von Leuten auf, die die Kultur besser als ich kannten.

Du hast bereits viele Länder besucht, nimmst du Erfahrungen aus jedem Land mit auf deinen nächsten Trip?

Ja, das tue ich. Es würde sich wie eine verlorene Erfahrung anfühlen, wenn ich an einen neuen Ort komme, neue Menschen treffe, neue Gewohnheiten kennenlerne und nichts davon mitnehmen würde. Es ist eine besondere Möglichkeit, arbeitend und reisend die Welt zu entdecken.

Was sind deine persönlichen Gewohnheiten, bevor es ans Tätowieren geht?

Ich bin Frühaufsteher! Ich komme um 6:30 Uhr in den Laden, mein erster Termin beginnt um 8:00 Uhr. Ich mag es, mir Zeit zu nehmen und so fokussiert wie möglich zu sein. Die Art und Weise, wie ich den Raum vorbereite, die Musik, das alles zielt darauf ab, eine entspannte und angenehme Atmosphäre zu schaffen. Ich rede gerne mit den Kunden, wenn sie ankommen, dann trinken wir vielleicht noch einen Kaffee und dann geht es los. Ich liebe es zu tätowieren und ich respektiere die Menschen, die mir ihren Körper anvertrauen.

Wer oder was inspiriert dich tagtäglich?

Allen voran, meine Familie. Meine Tochter und meine Frau sind der wichtigste Grund, warum ich jeden Tag aufstehe und noch härter arbeite. Mein Bruder inspiriert mich sehr, genauso wie einige andere Tätowierer, die ich respektiere. Ich sehe mir gerne ihre Arbeiten an und pushe mich selbst, um irgendwann genauso gut zu sein wie sie.

Was bedeutet dir deine Arbeit im Allgemeinen?

Sie bedeutet mir sehr viel. Ich bin dem Tätowieren sehr dankbar. Dank meiner Arbeit kann ich ein sehr gutes Leben führen, ich habe meine Frau getroffen und eine Familie gegründet. Mein ganzes Leben ist die Folge dessen, was das Tätowieren mir gegeben hat.

Wie möchtest du ich in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich möchte auf einem guten Level ohne zu viel Stress arbeiten. Ich weiß, dass das etwas ist, das mit der Zeit und viel Erfahrung einhergeht.

Gibt es etwas, das du loswerden möchtest?

Lange Zeit habe ich gearbeitet, um anderen zu imponieren. Mittlerweile glaube ich, dass das ein Fehler war. Es geht aber um verdiente Wertschätzung. Seit einiger Zeit versuche ich mich darauf zu konzentrieren, so gut wie möglich zu arbeiten und nicht darauf, so gut zu sein, wie andere es haben möchten. Vielleicht sollten auch andere darüber nachdenken. À

THOMAS PINEIRO

thomaspineiro

Tatouage Chatte Noire Luitpoldstraße 17 91054 Erlangen