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TCL: Europa triff t auf China


HDTV Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 26.07.2019
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Bildquelle: HDTV Magazin, Ausgabe 4/2019

Nach vier Tagen, dem Besuch zweier Fabriken und der Zentrale TCLs treten wir die Rückreise an. Am Hafen Hongkongs, bei einem kitschigen Postkarten-Sonnenuntergang, lassen wir unsere Gedanken schweifen. Was wir auf unserer Reise gesehen haben? Vielleicht den zukünft igen Global-Player im TV-Bereich. Doch alles der Reihe nach.

Drei Tage zuvor: Dass es nach unserer Landung in Hongkong über kilometerlange Brücken schnurstracks auf das chinesische Festland in die Technologiehochburg Shenzhen geht, dürft e keine Überraschung darstellen, schließlich wurde in der Provinz Guangdong schon im 16. Jahrhundert ...

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... internationaler Handel betrieben. Klassische China-Klischees werden hier kaum noch bedient, stattdessen wird von Investoren aus aller Welt gebaut, so weit die Blicke reichen.

Ein Name gewinnt an Bedeutung

TCLs Expertise in der Entwicklung von Unterhaltungselektronik baut auf einer bewegenden Vergangenheit auf: Die Audiokassette-erstellung in den 1980er-Jahren begann zunächst unter dem Namen TTK, doch als der chinesische Binnenmarkt gesättigt und der damals weltbekannte Kassettenhersteller TDK alles andere als erfreut über die Namensverwandtschaft war, wendete man sich neuen Produktbereichen zu: Telefonen. Seit 1985 ist TCL als Telephone Communication Limited auf dem chinesischen Markt bekannt. Dabei ging es für TCL nicht immer nur steil nach oben, sondern die Marke musste auch schwere finanzielle Krisen meistern. Nach der Asiakrise 1997 wendete sich TCL vermehrt internationalen Märkten zu, und während zu Beginn der 1990er die Röhre-V-Produktion angestoßen wurde, so wuchs TCL binnen weniger Jahre zu einem vollständigen Elektronikhersteller heran, der neben Fernsehern und Telefonen auch Kameras, Computer und Haushaltsgeräte produzierte. Die Schneider-TV-Übernahme in Deutschland nach der Jahrtausendwende sollte den Grundstein für einen weltweiten Markteinstieg legen, doch der Bekanntheitsgrad außerhalb Chinas nahm erst zu, als TCL und Th omson (Frankreich) im Jahr 2004 das Joint-Venture TCL-Th omso-lectronics gründeten. Die weltweiten Fertigungs- und Forschungsstätten sollten TCL in Rekordzeit an die Spitze führen, doch auch das TCL- Th omson-Konstrukt schafft e nicht den erhofft en Durchbruch.

Ein Grund könnte die schwierige Marktsituation gewesen sein: Röhrenfernseher waren immer mehr auf dem absteigenden Ast und neue Großbildtechnologien wie LCD- und Plasma-TVs dominierten den Markt. So überrascht es rückblickend nicht, dass Th omson nahezu vollständig aufgelöst und auch ehemalige Th omson-Marken wie Nordmende verkauft wurden. Heutzutage vertreibt TCL in einigen europäischen Märkten die hauseigenen Fernseher noch immer unter der Th omson-Marke-izenz, während das frühere Unternehmen Th omson unter dem Namen Technicolor fortbesteht, aber keinerlei Unterhaltungselektronik mehr direkt produziert. Doch die Kooperation mit Th omson hat rückblickend mehr als technische Expertise und Lizenzvorteile eingebracht, denn mit der Pariser Zentrale legte TCL den Grundstein für den späteren europäischen Markterfolg. Dass man auch in China auf die Erfahrungen aus Europa baut, war bei unserem Besuch nicht zu übersehen: In TCLs Audioabteilung erkennt man bekannte Gesichter der ehemaligen Audio-Sparte von Philips, europäische Designer werkeln Hand in Hand mit den chinesischen Kollegen und TCL schmiedet wichtige Kooperationen mit anderen Marken wie Ikea (TV-Möbel Upleva).

Land Zhang (General Manager CSOT Semiconductor Display Technology, rechts) arbeitet bereits seit 16 Jahren im TFT-LCD-Business und stieß 2010 zu TCL. CSOT ist TCLs Produktionssparte für die LCD-Herstellung und Display-Entwicklung


Bau mir einen Fernseher

CSOT ist TCLs Produktionssparte für die LCD-TV-Herstellung und -Entwicklung. Planung, Bau und Inbetriebnahme von Produktionsstätten sind ein komplexer Prozess, weshalb die Vorausplanung anhand von virtuellen Modellen erfolgt, was die Produktionsdauer um bis zu zweieinhalb Monate verringern und Kosten von mehreren Millionen Euro einsparen kann.

Anhand exakter Echtzeitanalysen lassen sich die Auslastung, Energieeffizienz und Produktivität genaustens ermitteln, was eine exakte Steuerung aller Produktionsprozesse ohne hohe Verlustkosten ermöglicht. Angleichungen von optimierten Produktionsschritten, die früher einen Tag benötigten, können nun binnen weniger Minuten umgesetzt werden. Eine Fabrik ist wie ein lebendes Biotop, auch wenn im Extremfall nur Maschinen in klinisch abgekapselten Hallen ihre Arbeit verrichten: Jeder Produktionsschritt will optimal ineinandergreifen und natürlich müssen auch Maschinen gewartet und auf abweichende Produktionsabläufe abgestimmt werden. Die umfassende Analyse von Produktionsentwicklungen ist ebenfalls von großer Bedeutung, schließlich ist der Bau einer Fabrik eine Investition, die sich erst in ferner Zukunft rechnen wird und um die Produktionsbedürfnisse der Zukunft vorhersagen zu können, müssen Unmengen von Produktionsdaten gesammelt und ausgewertet werden. Jede Verbesserung in den Bereichen AI, Soft - wareanalysetools und Cloud-gestützter Rechenprozesse sorgt aber gleichermaßen für eine Einsparung im handwerklichen Bereich: Die meisten Fabrikhallen sind deshalb menschenleer, auch wenn ein LC-Display nach dem anderen vom Band rollt. Sämtliche Prozesse zu Beginn der LCD-Fertigung sind vollständig automatisiert und die hauchdünnen XXL-Gläser werden durch Roboterarme und Fließbänder bewegt, um nicht zu brechen. CSOT stellt Fernseher in zwei unterschiedlichen Fabriken her, mit unterschiedlichen Prioritäten bei den Bildgrößen. Am Anfang steht die Verarbeitung der sogenannten Muttergläser, die u. a. vom Hersteller Asahi für TCL bereitgestellt werden. Die Größe der sogenannten Muttergläser bestimmt die spätere Zoll-Größe eines Fernsehers, denn wie beim Ausstechen des Teigs in einer Plätzchenbäckerei, soll auch bei der TV-Produktion nichts vom eingesetzten Material, in diesem Fall Glas, verschwendet werden. Stattdessen wird penibel darauf geachtet, dass die kleineren abgetrennten Gläser für die jeweiligen TVs das ursprüngliche XXL-Mutterglas bestmöglich ausnutzen und so wenig Abfall wie möglich entsteht. Zwei der hauchdünnen kleineren Gläser sind pro Fernseher nötig, um die Bildansteuerung über die Flüssigkristallschicht zu gewährleisten. Die Fabrik der Generation 8.5 verarbeitet Muttergläser in 2,5 × 2,2 Meter Größe, ideal, um daraus 6 × 55 Zoll Panels oder 8 × 49 Zoll Panels herzustellen. Als dritte Option können 3 × 65 Zoll Panels und 6 × 32 Zoll Panels in einem Rutsch gefertigt werden. Die modernere Fabrik der Generation 11 verarbeitet Muttergläser in 3,37 × 2,94 Metern Größe und erlaubt so die effiziente Herstellung von Displays in 6 × 75 Zoll oder 8 × 65 Zoll oder 3 × 85 Zoll und 6 × 40 Zoll in Kombination. Wurden die Gläser auf die korrekte Größe zugeschnitten, die Flüssigkristallschicht zwischen zwei Gläsern injiziert und weitere Komponenten wie Farbfilter aufgebracht, ist das LCD-Panel bereit für die weiteren Verarbeitungsschritte. Neben der Ansteuerungselektronik wird auch die LED-Hintergrundbeleuchtung (Direct-LED oder Edge-LED) inklusive zahlreicher Lichtleiterfolien im TV-Gehäuse untergebracht. Erst am Ende der Produktionskette, wenn die einzelnen Komponenten zusammengefügt werden müssen und die Endqualitätskontrolle ansteht, ergibt sich das typische Bild: Meterlange Produktionsbänder mit aneinandergereihten Mitarbeitern, die die immer gleichen Handgriff e nacheinander ausführen. Ein Gerät wandert so Stück für Stück weiter, bis die Endkontrolle erfolgt und der fertige Fernseher verpackt werden kann. Die Grenzen zwischen menschlichem und maschinellem Arbeitseinsatz verlaufen in solchen Situationen fließend. Außerhalb des Fabrikgeländes reichen die Wohnblocks mit dem CSOT-Logo scheinbar bis in die Wolken, der Weg zur Arbeit ist somit ebenfalls auf Effizienz getrimmt.

CSOT soll für modernste LCD-, LED- und OLED-Technologien gewappnet sein, doch TCLs beste TV-Geräte wie die X10-Modelle setzen noch auf externe Panels


Immer höhere Display-Auflösungen wie 8K und schnellere mobile Übertragungsstandards wie 5G scheinen TCLs Produktionsplänen in die Karten zu spielen


Zu Beginn werden die hauchdünnen Gläser und die Flüssigkristallschicht zusammengeführt. Die gelbstichige Beleuchtung soll schädliche Blaulichtanteile verhindern


So komplex wie eine Kleinstadt: Für eine bestmögliche Effizienz werden die wichtigsten Produktionsschritte digital erfasst, ausgewertet und gesteuert


Auch im weiteren Produktionsprozess fällt auf: Die riesigen automatisierten Fertigungshallen sind meist menschenleer. Erst am Ende wird fleißig per Hand montiert


Die nächste TV-Fabrik entsteht. Aus deutscher Sicht kaum denkbar: Dieser Produktionskomplex ist nur noch Monate, nicht Jahre, von der Fertigstellung entfernt


Marek Maciejewski (European Product Director TCL) hält seine schützende Hand nicht nur über die Produkte, sondern über die gesamte Produktionskette. Derart off en und ausführlich spricht aktuell kaum ein anderer Hersteller über die langfristigen Produktionspläne


Angriff auf die Pole-Position

Bislang kennt man TCL-Fernseher häufig in den Bildgrößen bis 55 Zoll oder in seltenen Fällen auch 65 Zoll und die TV-Geräte bauen auf einem 60-Hz-Panel inklusive Edge-LED-Beleuchtung auf. Zwar setzt TCL bei den Spitzenmodellen auf Quantu-ot-Filter, um eine beeindruckende Farbsättigung zu erzielen und bringt die LED-LCDs als QLED-TVs auf den Markt, doch unsere Tests zeigten bislang Mängel bei der Schwarzdarstellung, Bildausleuchtung und den Blickwinkeleigenschaft en. Dass TCL nun ankündigt, mit den neuen X10-Modellen nicht nur im 4K-65-Zol-ereich, sondern nächstes Jahr auch im 8K-75-Zoll-Segment aufzutrumpfen, klingt auf dem ersten Blick wenig glaubwürdig.

Doch die Produkteinführung des 65X10 markiert für TCL einen Wendepunkt und Meilenstein auf dem Weg zur globalen Spit-zenposition im TV-Segment. TCL kombiniert hierbei allerneuste Mini-LED-Technik und die Weiterentwicklung bis 2023 ist bereits vorgezeichnet. Dieses Jahr startet TCL den Angriff auf die etablierten Hig-nd-TV-Marken mit dem 65X10: Ein 65-Zoll-4K-TV mit sage und schreibe mehr als 15 000 Mini-LEDs. Diese unglaublich hohe Anzahl ist notwendig, weil TCL die Direct-LED-LCD-Fernseher schlanker als vergleichbare Geräte fertigt: Der X10 wird mit Gehäuse kaum tiefer als einen Zentimeter ausfallen. Aufgrund dieser nicht mehr vorhandenen Gehäusedimensionen wird es aber ungleich schwieriger, das Licht der LEDs homogen zu streuen, weshalb TCL mehr als 15 000 Mini-LEDs verbaut, um eine saubere Ausleuchtung bis in die Randbereiche zu gewährleisten. Praktischer Nebeneff ekt: Der X10 erwärmt sich auch unter maximaler Belastung nicht so stark wie aktuelle LED-LCDs mit konventioneller LED-Beleuchtung. Um nicht nur helle Bilder (1500 Nits Spitzenhelligkeit, 600 Nits Vollflächenhelligkeit), sondern auch kontrastreiche Bilder zu erzeugen, setzt TCL im ersten Schritt auf eine Local-Dimming-Ansteuerung in 768 (24 × 32) Zonen. Jede Zone besteht aus 20 Mini-LEDs. Bis 2021 soll die Local-Dimming-Ansteuerung in neueren Modellen immer feiner ausfallen, das Ziel sind hierbei 3 840 Dimming-Zonen (48 × 80). 2023 soll die finale Ausbaustufe erfolgen und jede einzelne Mini-LED soll einzeln ansteuerbar sein (96 × 160 Dimmin-onen), was aber neue Fertigungsverfahren und eine rundum verbesserte TFT-Ansteuerungstechnik erfordert. Die Grundlage bleibt für TCL aber gleich: LCD-Technik kombiniert mit dem 2019 eingeführten Mini-LED-Backlight inklusive Quantum-Dot-Filter. Somit hängt von der Produkteinführung des diesjährigen X10 deutlich mehr ab, als nur der Verkaufserfolg einer TV-Serie, denn der 2019er X10 bildet die Grundlage für TCLs derzeitigen 4-Jahresplan, um die LCD-Technik schrittweise auf ein neues Qualitätslevel zu heben. Ob TCLs Vorhersagen wirklich genau so eintreff en und der X10 in Tests gefeiert werden wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorhersagen. Ohne Übertreibung handelt es sich aber um eine der spannendsten Produkteinführungen der jüngsten TV-Geschichte. Neben den Verbesserungen bei der Lichtansteuerung will TCL auch die Farbwiedergabe auf ein neues Level heben. Bislang erreichen die besten TVs am Markt den Farbumfang des DCI-Kinostandards, der auch den Großteil aller natürlichen Farben abdeckt, die beispielsweise mit einer Kamera aufgezeichnet werden können. Das eigentliche Ziel, sämtliche Farben abzubilden, die wahrgenommen werden können, wird als Rec.2020-Farbraum spezifiziert und hierbei erreichen aktuelle TVs meist nur zwischen 70 und 75 Prozent. TCL will den Rec.2020-Farbumfang schrittweise von 80 Prozent beim neuen Modell X10 über 90 Prozent in den nächsten Jahren ausdehnen. TCL weist aber zugleich darauf hin, dass der Mehrwert in der Praxis überschaubar ausfallen dürft e, da sich außerhalb des DCI-Farbumfangs nur künstlich erzeugte Farben tummeln, die wiederum nicht in allen Videoproduktionen eine Rolle spielen.

Der größte Mehrwert dürft en Animationsfilm und Videospielsignale sein, wenngleich auch in diesen Segmenten der Trend Einzug hält, Farben und Lichtstimmungen immer naturgetreuer zu simulieren. Die letzte bislang angedachte Ausbaustufe bei der Farblichterzeugung ist der Wechsel auf eine RGB-LED-Beleuchtung, was die Kombination aus aktuellen Blaulicht-LEDs und Quantum-Dot-Filter überflüssig machen würde. Dies könnte neben der Darstellungs-qualität die Energieeffizienz verbessern und zugleich kritische Blaulichtanteile verringern, doch über den Kostenaufwand und die Umsetzbarkeit lässt sich bislang nur spekulieren. Bereits innerhalb der nächsten 12 Monate will TCL mit den hauseigenen Mini-LED-LCDs vor allem OLED-TVs übertrumpfen: Bessere Bildhelligkeit, größerer Farbumfang, keine Nachleuchteff ekte und eine gleichwertige Kontrastdarstellung bei Wohnzimmerbeleuchtung sollen auch High-End-TV-Fans bekehren. Vieles von dem, was wir auf unserer Reise sehen konnten, erinnert frappierend an die Sturm-und-Drang-Hochzeiten anderer bekannter TV-Marken und TCL fehlt es nicht an Ideen, Produktionsmöglichkeiten und ambitionierten Zielen. Allein deren Umsetzbarkeit und der angedachte Zeitplan erscheint aus aktueller Sicht äußerst ambitioniert. Ob es TCL gelingen wird, mit dem 2019er X10-Modell etablierten Hig-nd-TV-Herstellern den Rang abzulaufen, muss sich erst noch zeigen, doch der Preis lässt bereits aufh orchen: Für den 65X10 will TCL nach eigenen Angaben nur 2 000 Euro verlangen und somit selbst technologisch unterlegene LED-LCD-TV-Alternativen am Markt preislich unterbieten. Die Kampfansage steht, nun muss TCL aber noch Taten folgen lassen.

Das TCL-Design-Center versprüht echte Campus-Atmosphäre. Nur bei den Grünpflanzen stellte sich die Frage: Wurden diese extra für den Termin aufgestellt?


Werkbänke, Bohrer, Sägen und 3D-Drucker: Die Umsetzung eines neuen Produktes gemäß der Funktion beginnt mit der Suche nach Form, Farbe und Materialien


Zu Beginn viel Th eorie: Weiran Cao (Mitte links) und Taylor Wu (Mitte rechts) vermittelten die wichtigsten Absatzmärkte und potenzielle Schlüsseltechnologien


Geheimniskrämerei: TCLs neue Atmos-Soundbar wurde schon vor der IFAPräsentation gezeigt, aber darüber berichten dürfen wir vorab leider nicht


Harry Wu (General Manager Overseas Business Group, OBG) zeigt die Richtung an: Weiter, immer weiter, soll die Marke TCL expandieren


Pilot Huang (Design Director, links) und Tiago Abreu (Product Designer, rechts) gewannen bereits mit Marken aus aller Welt zahlreiche Design-Preise


Keine Selbstverständlichkeit: TCLs CEO Kevin Wang nahm sich ebenfalls Zeit für die angereisten europäischen Gäste. Trotz des schnelllebigen Geschäft s ist Wang bereits seit 1997 bei TCL tätig und bis 2007 betreute er maßgeblich die europäischen Geschäft e der Marke TCL-Th omson


Von der Audiokassette bis zum CRT: TCL ist auf dem heimischen Markt seit den 1980er-Jahren vertreten. In Europa begann der Durchbruch zwei Jahrzente später


In der LCD-TV-Ära wachsen die Bildschirmgrößen immer weiter. Die Leuchtstreifen zeigen: TCLs größte Fabrik verarbeitet Gläser bis 3,37 × 2,94 Meter


Marek Maciejewskis’ Präsentation gab spannende Einblicke in TCLs TV-Strategie bis 2023. Trotz immer höherer Auflösung, größerer Dimming-Zonen-Anzahl sowie einer besseren Farbraumabdeckung baut das Grundkonzept auf dem diesjährigen X10 auf. Vom Verkaufserfolg der neuen X10-TVs dürft e somit eine Menge abhängen


Griff nach den Sternen

Als 1981 kaum mehr als ein Dutzend Beamte für weniger als 1 000 Euro TTK gründeten und somit den Grundstein für die heutige Marke TCL legten, konnten selbst die kühnsten Träumer unter ihnen nicht erahnen, dass TCL binnen weniger Jahrzehnte zu einem Milliardenschweren globalen Unternehmen heranwachsen würde. TCLs Lizenzstrategie ist dabei nur ein Puzzleteil von vielen: Neben Th omson und Alcatel OneTouch ist auch die Marke Palm von HP ein geläufiger Begriff und unter den Anteilseignern TCLs finden sich so klangvolle Namen wie Philips und Toshiba. Mittlerweile beschäft igt TCL nach eigenen Angaben mehr als 75 000 Mitarbeiter in mehr als 80 Ländern und bei der produzierten TV-Stückzahl konnte TCL jüngst sogar den aktuellen TV-Marktführer von der Spitzenposition verdrängen. Aktuelle Entwicklungen wie der 5G-Übertragungsstandard im Mobilbereich und die fortwährende Weiterentwicklung des Fernsehers zu einem Internetgerät scheinen TCL in die Karten zu spielen: Die Herstellung von Fernsehgeräten und Telekommunikationstechnik ist TCLs DNA und mit einer Vielzahl an Investoren, globalen Fertigungsstätten und ungebremstem Expansionsdrang scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Name TCL auch hierzulande so geläufig erscheint wie in China. Trotz der Einblicke vor Ort fällt es schwer in wenigen Worten zu beschreiben, was die Marke TCL ausmacht. Stattdessen schweift der Blick, wie in unseren letzten Stunden vor der Abreise im Hafen Hongkongs, stets in die Ferne: TCL erscheint wie eine gobale Idee. Was genau daraus entsteht, wird die Zukunft zeigen.

Interview mit Antoine Salomé

Fernab des Reisetrubels hatten wir im Nachgang die Möglichkeit, Antoine Salomé, Marketing & Communications Director für TCL Europa, mit Fragen zu löchern.

Herr Salomé, was macht Paris so attraktiv für einen globalen Hersteller wie TCL?
Paris ist eine attraktive Stadt für alle Unternehmen, weil sie ein sprudelndes Ökosystem mit allen Möglichkeiten bietet, um Geschäft swachstum zu beschleunigen. Wir glauben, dass Paris der perfekte Ort ist, um die Aktivitäten von TCL in Europa mit unseren lokalen Teams beispielsweise in Deutschland, Italien oder Großbritannien zu koordinieren.

Hilft es, zusammen mit Thomson, eine solch reichhaltige TV-Geschichte in so kurzer Zeit aufgebaut zu haben?
Eine so berühmte Vergangenheit hilft uns, den fragmentierten und komplexen europäischen Markt zu verstehen. Um ein wenig provokativ zu sein, könnte man argumentieren, dass es nicht einen europäischen Markt gibt, sondern viele europäische Märkte, da es so viele länderspezifische Besonderheiten in Bezug auf Fernsehen, Inhalte, Medien, Einzelhandel und Verbraucher gibt, die berücksichtigt werden müssen, um auf dem TV-Markt erfolgreich zu sein. Diese Erfahrung, das Know-how und die lokale Expertise, die in den letzten 15 Jahren gesammelt wurden, sind ein unverzichtbares Kapital.

Auch mit Sicht auf den deutschen Markt?
Der deutsche Fernsehmarkt ist ein hart umkämpft er Markt mit etablierten Marktteilnehmern. Wir wollen unsere Erfolgsge-schichte in Deutschland fortsetzen, indem wir innovative Produkte wie UHD-Fernseher mit Spitzentechnologien wie künstlicher Intelligenz auch bei Einsteigermodellen in den Alltag der Menschen bringen. Unser Ziel ist es, mit hochwertigen Produkten und Smart-Home-Funktionen zu überzeugen und unseren Marktanteil schrittweise zu erhöhen.

Europäisches Know-how 9 000 Kilometer von der Heimat entfernt: Wiebo Vaartje (CEO TCL Entertainment Solutions, Vordergrund) zog es nach dem Ausverkauf beim Hersteller Philips direkt nach China. Seine Kollegen Antoine Salomé und Marek Maciejewski (Hintergrund) kümmern sich speziell um die europäischen Märkte


In China lassen sich allein in einzelnen Städten 20 Millionen potenzielle Konsumenten erreichen. Was ist notwendig, um im vergleichsweise fragmentierten europäischen Markt bestehen zu können?
Mit unserer 15-jährigen Erfahrung in den europäischen Märkten setzen wir eine Strategie um, die auf vier Punkten basiert: Erstens haben wir eine breite Produktpalette angeboten, um die Anforderungen der verschiedenen Verbraucher zu erfüllen, vom Einstiegsbereich bis zum oberen Marktsegment. Zweitens haben wir in Europa in technologische Innovationen investiert. Im September 2018 haben wir zum Beispiel ein neues KI-Forschungszentrum in Warschau, Polen, eingerichtet, um die langfristige Entwicklung von KI zu fördern und die technologische Leistungsfähigkeit von TCL zu erweitern. Drittens haben wir unser Geschäft in Europa weiter ausgebaut und unsere schnelle Expansionsdynamik beibehalten. Im Jahr 2018 haben wir unsere Aktivitäten und unser Team in Skandinavien und Großbritannien erweitert. In den kommenden Monaten werden wir in die Niederlande, Österreich und die Schweiz expandieren. Nicht zuletzt haben wir unsere globalen und regionalen Markenkampagnen (Neymar, FIBA, etc.) genutzt, um die Marke TCL einer breiteren Gruppe junger Menschen in Europa zu präsentieren.

Das Objekt der Begierde: TCLs 65X10 kombiniert 4K, Min-ED-Backlight, Dolby Vision und Dolby Atmos für 2 000 Euro. 2020 sollen 8K-Versionen folgen


Trotz Direct-LED und Local Dimming ist der X10 knapp 1 Zentimeter flach. Dies erfordert ca. 15 000 Mini-LEDs für eine gleichmäßige Lichtverteilung


Antoine Salomé, Marketing & Communications Director für TCL Europa, nimmt kritische Nachfragen zum Th ema Th omson sportlich. Für den Franzosen ist die Marke Th omson noch immer eine Herzensangelegenheit und deshalb untrennbar mit dem wachsenden Erfolg TCLs verbunden


Wird das Wachstum der Marke TCL durch politische Entscheidungen wie Brexit oder das angestrengte Verhältnis zwischen China und den USA derzeit ausgebremst?
Wir kommentieren das nicht. Wir konzentrieren uns darauf, unserer wachsenden Kundenzahl in Europa, einschließlich des britischen Marktes, intelligente Produkte und Dienstleistungen anzubieten.

Was ist das nächste große Ziel für die Marke TCL hier in Europa?
Der europäische Markt ist entscheidend für den globalen Erfolg von TCL. Wir wollen die Einführung einer umfangreichen Palette intelligenter und innovativer Produkte fortsetzen, um den Bedürfnissen der lokalen Verbraucher gerecht zu werden. Wir werden in Kürze beispielsweise eine Audio-Serie mit Kopfh örern und Soundbars auf den Markt bringen, die an ein vielseitiges Publikum angepasst werden kann. Die Fähigkeit, verschiedene Kulturen und nationale Rechts- und Wirtschaft ssysteme zu verstehen, ist einer der wichtigsten Faktoren für unseren Erfolg. Das trägt dazu bei, den lokalen Vertrieb zu stärken und die Abläufe überall und insbesondere in Europa eff ektiver zu steuern.

Auf dem chinesischen Markt tritt TCL bereits als selbstbewusster Design-TV-Hersteller auf. Durch die Produkteinführung des X10, neuer Soundbars und Kopfh örer soll das europäische Image weiter aufgewertet werden


Bilder: Auerbach Verlag

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