Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

TECH-MONOPOLE: Die übermächtigen Tech-Riesen


Chip - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 07.08.2020

Die zumeist amerikanischen Internetkonzerne sind mächtig wie nie, ihren Einfluss zu beschneiden, ist schwierig. Aber es gibt einen Ausweg


Artikelbild für den Artikel "TECH-MONOPOLE: Die übermächtigen Tech-Riesen" aus der Ausgabe 9/2020 von Chip. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Chip, Ausgabe 9/2020

Keine Armeen, Kanonen oder Flugzeuge, nicht einmal staatlichen Einfluss benötigen sie, und trotzdem beherrschen sie die Welt: die großen Tech-Konzerne, deren Macht auf einem beruht: auf Geld. Die größten US-Unternehmen Amazon, Apple, Facebook, Google (mittlerweile Alphabet) und Microsoft brachten es Anfang Juli 2020 zusammen auf einen Börsenwert von über sechs Billionen US-Dollar. Allein Apple war mit seinen 1,6 Billionen Euro Marktkapitalisierung mehr wert als alle ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Chip. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2020 von MAILBOX: „Bei jedem Update bange ich darum, dass Windows nicht meine Daten löscht”. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
MAILBOX: „Bei jedem Update bange ich darum, dass Windows nicht meine Daten löscht”
Titelbild der Ausgabe 9/2020 von NEWS: Telegram blockt Nazis. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS: Telegram blockt Nazis
Titelbild der Ausgabe 9/2020 von Ein Berg aus Elektroschrott. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Berg aus Elektroschrott
Titelbild der Ausgabe 9/2020 von SICHERHEITSNEWS: Viele Homerouter sind nicht sicher. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SICHERHEITSNEWS: Viele Homerouter sind nicht sicher
Titelbild der Ausgabe 9/2020 von SMARTPHONE-KAMERAS: Das Handyfoto mit dem gewissen Extra. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SMARTPHONE-KAMERAS: Das Handyfoto mit dem gewissen Extra
Titelbild der Ausgabe 9/2020 von TRACKINGMETHODEN: Auf Klick und Tipp getrackt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TRACKINGMETHODEN: Auf Klick und Tipp getrackt
Vorheriger Artikel
MAILBOX: „Bei jedem Update bange ich darum, dass Windows ni…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel NEWS: Telegram blockt Nazis
aus dieser Ausgabe

... 30 Dax-Unternehmen zusammen oder das gesamte Bruttoinlandsprodukt Spaniens im Jahr 2019. Ihre beherrschende Stellung verdanken sie nicht zuletzt ihrer Unabhängigkeit, sie sind längst den Grenzen nationaler Staaten entwachsen, agieren weltweit und können von nationalen Gesetzgebungen nur schwer gebändigt werden. Als Spanien 2014 mithilfe eines Leistungsschutzrechtes Google zur Zahlung von Lizenzgebühren für Pressemeldungen zwingen wollte, schloss der Konzern einfach Google News in Spanien. Ergebnis: Leserzahlen und Verdienst der Online-Zeitungen gingen deutlich zurück.

Geldmaschine Monopol

Das spanische Beispiel zeigt, warum die großen Konzerne, die der amerikanische Marketingprofessor Scott Galloway einmal die „die vier apokalyptischen Reiter” nannte, so erfolgreich sind.

Sie treten als Monopolisten auf. Jedes Unternehmen agiert auf seinem Feld mehr oder weniger als unangefochtener Platzhirsch.

Apple verdient glänzend an seinen elektronischen Geräten, die regelmäßig Kultstatus erlangen, für den Fans auch Mondpreise zu zahlen bereit sind. Amazon beherrscht unangefochten den Bereich des E-Commerce, Google ist der Informationsbeschaffungs- und Werbedienstleister schlechthin. MicroFOTO: soft ist noch immer die Software-Schmiede für’s Business und Facebook monetarisiert seine weit über zwei Milliarden Netzwerknutzer in jeder möglichen Weise.

Dieser Erfolg und die inzwischen erreichte Machtstellung rufen immer mehr Kritiker auf den Plan, Wettbewerber sind ebenso darunter wie Wettbewerbshüter, Datenschützer und Bürgerrechtler. Derzeit arbeiten Experten im Bundeswirtschaftsministerium an einem Gesetz, das die Macht der Tech- Titanen bändigen soll. Unter dem wenig spannenden Titel „10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB)” will das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) die Kartellaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen verschärfen.

Im Prinzip ist der Entwurf fertig, doch derzeit liegt alles auf Eis, weil das Justizministerium blockiert. Ressortchefin Christine Lambrecht (SPD) hat zwar nichts gegen das Gesetz, knüpft ihre Zustimmung aber an ein schärferes Verbraucherschutzrecht, das im Wirtschaftsministerium aus Sorge vor steigenden Preisen kritisch gesehen wird. Wie nötig und auch möglich eine kartellrechtliche Einhegung der Großunternehmen ist, wurde deutlich, als der Bundesgerichtshof im Juni 2020 den „Vorwurf der missbräuchlichen Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung durch Facebook” bestätigte. Das Kartellamt hatte den Abgleich von Facebook-Nutzerdaten mit denen der konzerneigenen Angebote Instagram und WhatsApp untersagt.

Genau hier setzt der Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium an, denn als Gesetz würde er es dem Kartellamt einfacher machen, gegen „Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung” vorzugehen.

Tycoons Traum: Gewinne oben, Steuern unten

Dabei wäre die Signalwirkung einer strengeren Regelung auf europäischer Ebene nicht zu unterschätzen. Denn hier gehen die Dinge ebenfalls nicht voran. Die europäischen Pläne für eine Digitalsteuer stehen wieder einmal still, nachdem die USA Mitte Juni die Verhandlungen mit der EU haben platzen lassen. Die Steuerpläne der EU sollen ein altes Problem lösen helfen. Die großen Internetkonzerne machen zwar in Europa Milliardengewinne, bezahlen aber vergleichsweise lächerlich geringe Steuerbeträge.

Laut der EU-Kommission führen Digitalunternehmen nur rund die Hälfte der Margen ab, wie sie für „normale” Unternehmen gelten. Das will die EU ändern, Steuern sollen künftig dort fällig werden, wo Gewinne entstehen. Das sich bereits seit Jahren dahinschleppende Verfahren hat bei nicht wenigen europäischen Regierungen die Lust an nationalen Alleingängen wachsen lassen. Seit März etwa gibt es in Frankreich eine sogenannte Gafa-Steuer - nach den Anfangsbuchstaben der vier Tech-Riesen Google, Amazon, Facebook und Apple - mit einem Steuersatz von drei Prozent für in Frankreich erwirtschaftete Umsätze. Paris hofft auf Einnahmen von 400 Millionen Euro im laufenden Jahr und sogar 650 Millionen 2021.

Sollte aus der EU-Steuer nichts werden, bleibt allerdings eine andere Finanzquelle: Bußgelder. Wegen des Missbrauchs ihrer marktbeherrschenden Position verpasst die EU-Kommission vor allem amerikanischen Quasimonopolisten immer wieder saftige Knöllchen. Seit 2017 verhängte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager allein gegen Google drei Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 8,2 Milliarden Euro. 2018 lagen die Bußen, die EU-Wächter Alphabet aufbrummten, höher als sämtliche Steuerzahlungen des Konzerns weltweit.

redaktion@chip.de

Die 10 größten börsenorientierten Konzerne

Unter den zehn größten Unternehmen an der Börse sind acht Tech-Konzerne, sechs davon aus den USA


„Beim Kartellrecht geht es um etwas, das so alt ist wie Adam und Eva, um die Gier, mehr zu bekommen.”
Margrethe Vestager EU-Wettbewerbs- und Digitalkommissarin


Womit Tech-Riesen das meiste Geld verdienen

Die fünf großen US-Tech-Konzerne scheinen sich den Markt geradezu aufgeteilt zu haben. Jedes Unternehmen füllt ein bestimmtes Feld quasi monopolistisch aus - und verdient prächtig