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TECHNIK: Abenteuer in der TIEFE


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 32/2019 vom 02.08.2019

Von gekenterten Galeeren bis zu versenkten Kriegsschiffen: Eine Doku zeigt, wie Wracktaucherdie Vergangenheit mit neuester Technik erforschen – und warum sie dabei oft zu spät kommen


Artikelbild für den Artikel "TECHNIK: Abenteuer in der TIEFE" aus der Ausgabe 32/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 32/2019

RÄTSELHAFT
Taucher untersuchen die „Saint Géran”, die 1744 vor Mauritius sank


FORSCHER
Mit einer speziellen Technik fotografiert Florian Huber Objekte unter Wasser dreidimensional


D ie Rache der Amerikaner war fürchterlich: Im Februar 1944 griff die US-Marine den Flottenstützpunkt Truk der Japaner im Pazifik an. „Operation Hailstone”, („Hagelkorn”) war der tödliche Vergeltungsschlag für den Angriff auf Pearl Harbor im ...

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... Dezember 1941. 60 japanische Schiffe wurden versenkt, mehr als 3000 japanische Soldaten verloren ihr Leben. Heute gilt die Lagune des Chuuk-Atolls, wie der Ort im Pazifik jetzt heißt, mit ihren zerborstenen Kriegsschiffen, Flugzeugen, Panzern und anderen Waffen als der größte Schiffsfriedhof der Welt.

Für die Doku-Reihe „Terra X” erkundet Forschungstaucher Florian Huber die „Geheimnisse auf dem Meeresgrund” (siehe TV-Tipp Seite 19). Drei Millionen Schiffswracks schlummern in den Gewässern rund um den Globus. Es sind Relikte der Vergangenheit, die heftigen Stürmen oder grausigen Kriegen zum Opfer gefallen sind.

Seit 15 Jahren hat es sich Florian Huber zur Aufgabe gemacht, Wracks zu finden, zu erforschen und zu schützen. Abgesehen von der Zersetzung durch das Salzwasser sind es vor allem Hobbytaucher, die ihm das Leben zunehmend schwer machen. Viele schätzen Chuuk etwa als ideales Tauchparadies. Doch der Tourismus richtet große Schäden an, weil Relikte entwendet oder beschädigt werden. „Wir wissen nie, was uns erwartet”, sagt Huber. „Wenn wir unten ankommen, und Raubtaucher waren vor uns da, wird es für uns sehr schwer, Details zu dokumentieren und für die Nachwelt festzuhalten.”

MEERESFRIEDHOF
Beim Pazifikatoll Chuuk finden die Taucher Schiffe und Flugzeuge


FUNDSTÜCKE
Bei ihrer Arbeit entdecken die Forschungstaucher auch interessante Fossilien


»DIE MENSCHHEIT WEISS MEHR ÜBER DEN MOND ALS ÜBER DIETIEFEN DES MEERES.«


Als Huber 70 Meter tief abtaucht, findet er in den Laderäumen eines 130 Meter langen Militärfrachters Flugzeugteile, Fässer und Munition. „Wir möchten den Zustand der Schiffe dokumentieren”, beschreibt Florian Huber die Aufgabe seines Teams aus Wissenschaftlern.

Die gefundenen Objekte werden von allen Seiten mit einer hochauflösenden Kamera fotografiert. Später wird mit einem Verfahren, das Fotogrammetrie heißt, aus einer Vielzahl von Fotos am Computer ein dreidimensionales Modell rekonstruiert. „Die 3-D-Modulierung ist die Methode der Zukunft in der Unterwasserarchäologie”, ist Huber überzeugt. Zumal wenn die Wracks nicht geborgen werden können.

Durch das Wasser und den Vandalismus der Hobbytaucher hat sich der Zustand der Schiffe im Lauf der Jahrzehnte allerdings deutlich verschlechtert. „Wir wissen, dass sie vor über 70 Jahren mit großen Mengen Öl, Benzin und Kampfstoffen untergegangen sind und seitdem am Meeresgrund vor sich hin rosten. Und sollte das Öl in naher Zukunft austreten, könnte es zu einer Umweltkatastrophe kommen.”

Ökologische Zeitbombe

Der Rostfraß ist bedenklich fortgeschritten. Huber nimmt Wasserproben, die an Land untersucht werden. Erste Tests vor Ort sind alarmierend: Im Wasser sind Ölpartikel enthalten. „Wenn hier nicht bald etwas passiert, dann ist dieses Paradies in ernsthafter Gefahr”, warnt der Forscher. Ohne Rettungsplan ist der Schiffsfriedhof auf Dauer eine Zeitbombe, die das Ökosystem der gesamten Region bedroht. Weitere Reisen führen Huber nach Schweden und Mauritius, wo 1744 die „Saint Géran” unterging. Noch älter ist das Wrack der „Vasa”, die 1628 bei ihrer Jungfernfahrt sank und heute im Vasa-Museum in Stockholm zu bestaunen ist. Von der Ost- geht es in der Doku zur Nordsee. Für Huber gehört das heimische Meer vor den roten Sandsteinfelsen Helgolands zu den spannendsten Tauchgebieten der Erde: „Auf dem Grund der Nordsee befinden sich Tausende von Schiffswracks. Die meisten wurden archäologisch noch nie untersucht.”

Im Ersten Weltkrieg kam es vor Helgoland zur großen Seeschlacht zwischen der deutschen Marine und der britischen Royal Navy. Hubers Team will das deutsche Torpedoboot „V 187” finden, das damals versenkt wurde. Die genaue Position ermittelt das Forschungsschiff „Heincke”, das mit einem Sonargerät den Meeresboden abscannt und die Wracks mittels ausgesandter Schallimpulse ortet.

KRIEGSSCHIFF „VASA”
Die schwedische Galeone sank 1628. Sie ist heute im Vasa-Museum in Stockholm zu besichtigen


LAGUNE VON CHUUK
Ein japanisches G4M-Kampfflugzeug verrottet auf dem Meeresgrund im Pazifik


Tauchen in der Nordsee ist gefährlich. Durch die Kraft der Gezeiten herrscht eine extreme Strömung. Zudem sind die Sichtverhältnisse in 45 Metern Tiefe schlecht, was die Orientierung schwierig macht. Die Mission ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit: Nicht nur die Nordsee nagt an diesen Wracks, sondern auch Raubtaucher sind eine Bedrohung.

Plünderer ignorieren Gesetze

Huber kann das Wrack tatsächlich als die „V 187” identifizieren. Aber das Schiff ist nicht mehr komplett. Plünderer haben zwei Torpedorohre entfernt. „Diese Taucher sind absolut rücksichtslos und sich dabei keiner Schuld bewusst”, ärgert sich Forschungstaucher Florian Huber „Wenn wir die Plünderei nicht verhindern, geht ein ganz wichtiger Teil unserer Geschichte für immer verloren.


FOTOS: S. 16-17: HUBER/ZDF (GR.), SINDT/ZDF; S. 18-19: HUBER/LEHMANN/ZDF (4)