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TECHNIK ENERGIEVERSORGUNG: AUSRUSTUNG: Zum ersten Mal Solartechnik an Bord


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

Wie auch immer man sich dem Thema der Stromversorgung an Bord durch Solartechnik nähert, ob es ‚nur‘ der Wunsch nach einer alternativen Stromversorgung ist oder aber der Gedanke, die Umwelt zu schützen, Sinn macht es allemal, diese Idee in die Praxis umzusetzen.segeln -Autor Burkhard Linke hat als Solarfachmann fünf Jahre ganzjährig auf einer autark mit regenerativer Energie versorgten Segelyacht gelebt


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 70/2018

Grundsätzliches:
Die schönsten und ruhigsten Liegeplätze haben selten eine Steckdose. Beim Segeln oder Ankern ist die Stromversorgung aus Solartechnik eine willkommene und nachhaltige Lösung. Ohne die ...

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Grundsätzliches:
Die schönsten und ruhigsten Liegeplätze haben selten eine Steckdose. Beim Segeln oder Ankern ist die Stromversorgung aus Solartechnik eine willkommene und nachhaltige Lösung. Ohne die Batterie zu entladen, ist die Stromversorgung je nach installierter Solarleistung für Navigationselektronik, Kühlschrank und mehr sichergestellt.

Dieser Artikel gibt Hilfestellung für die richtige Entscheidung, welche Solarleistung notwendig ist, um die Selbstentladung der Service- oder Starterbatterie zu verhindern, die mögliche Entladungsdauer der Batterie zu verlängern oder sich gar autark mit regenerativer Energie zu versorgen. Außerdem finden Sie in diesem Artikel wichtige Tipps zur Vermeidung von Montagefehlern und zur Optimierung des Ladeertrages.

Solartechnik liefert kalkulierbare Tageserträge, ist preiswert und langlebig. Die Anschaffungskosten marinetauglicher Module pro Watt Leistung liegen zwischen 3,5 und elf Euro, je nachdem, ob das Solarmodul Aluminium gerahmt oder semiflexibel ist. Plus: Bei geringen Investitionskosten ist ein täglicher Mindestertrag garantiert.

Welche Leistung kann erwartet werden?

Geht man von einer maximalen Leistung der Sonne von 1.000 Watt pro Quadratmeter aus, kann ein Solarmodul mit 20 Prozent Wirkungsgrad aus dieser Fläche eine Leistung von 200 Watt generieren. Schon auf einer Fläche von etwa einem halben Quadratmeter kann ein Solarmodul von circa 100 Watt montiert werden.

Auch schon eine kleine Solaranlage liefert täglich kalkulierbare Ladeerträge. Selbst bei bedecktem Himmel mit diffusem Licht kann man mit Ladeleistung rechnen, je nach Wolkendichte allerdings nur bis 20 Prozent der maximal möglichen Leistung bei Sonnenschein.

Unter idealen Bedingungen produziert ein 50 Watt Solarmodul in der Segelsaison von Mai bis September eine Gesamtleistung zwischen 2.300 und 3.000 Amperestunden, je nach Wetter. Das entspricht circa 28 bis 36 Kilowattstunden. Beim gegenwärtigen Energiemix im deutschen Stromnetz entspricht das gemittelt einer CO2-Einsparung von immerhin 15 Kilogramm.

Ladeerhaltung

Nicht immer haben Liegeplätze eine Steckdose. Will man verhindern, dass die Batterie bei langer Abwesenheit durch einen Landstromausfall Schaden nimmt, kann schon eine kleine Solarleistung ausreichend sein, der täglich nicht zu verhindernden Selbstentladung der Batterie entgegenzuwirken. Die tägliche Selbstentladung einer Bleibatterie (Gel-, AGM- und Nass-Batterien) beträgt bei Sommertemperaturen circa 1 Prozent der Nennkapazität. Das bedeutet, dass eine Batterie mit einer Kapazität von 100 Ah (Amperestunden) nach 50 Tagen an der Tiefentladegrenze (Restkapazität 50 Ah) ist. Wirkt man der Selbstentladung (ohne Landstrom) nicht durch Ladung entgegen, nimmt die Batterie irreversiblen Schaden. Rein rechnerisch ist in der Segelsaison schon eine Solar-Nennleistung von drei Watt in der Lage, die Selbstentladung einer 100 Ah-Batterie zu verhindern.

Teilautonome Stromversorgung

Es muss ja nicht gleich eine autarke Stromversorgung aus regenerativer Energie sein. Schon den elektrischen Grundbedarf aus einer kleinen Solaranlage über einige Tage zu sichern, steigert den Komfort an Bord erheblich.

Mit einer Solaranlage von 30 bis 50 Watt kann man den täglichen Energie-Grundbedarf über einige Tage sichern. Ist dabei der tägliche Stromverbrauch nicht größer als 20 Ah, kann die mögliche Entladedauer bei einer Schönwetterperiode (täglich Sonnenschein) bis zur Tiefentladegrenze der Servicebatterie erheblich verlängert werden. Das steigert den Komfort an Bord, der Kühlschrank oder andere ‚Komfort-Stromverbraucher‘ können eingeschaltet bleiben.

Beispiel: Je nach Stromverbrauch und Jahreszeit kann an einem sonnigen Tag aus einer Modulfläche von etwa einem viertel Quadratmeter (das entspricht einer Solar-Nennleistung von circa 50W) die erstaunliche Ladeleistung von 20 Amperestunden erzielt werden. An einem regnerischen Tag sind es immerhin noch vier Amperestunden!

Autarke Stromversorgung

Bevor die Kaufentscheidung für eine in der Leistungserwartung passende Solaranlage fällt, muss der tägliche Durchschnittsverbrauch in Ah oder Wh der Segelyacht bekannt sein (siehe Tabelle). Ganzjährig ist eine autarke Stromversorgung aus Solarenergie nur in südlicheren Breiten ab circa 35° N möglich, weiter nördlich ist die zusätzliche Ladeleistung eines Windgenerators notwendig, der gedachte Liegeplatz sollte dann aber nicht windgeschützt sein.

Ist der tägliche Energiebedarf unbekannt, muss, wie aus der Tabelle ersichtlich, eine Energiebilanz erstellt werden. Das ist auch schon für eine teilautonome Energieversorgung sinnvoll. Schön, wenn ein Batteriemonitor installiert ist, der die eingeladenen oder verbrauchten Ah/Wh genau bilanziert und über ein LCD-Display anzeigt.

Energiebilanz an Bord

Monokristallines Aluminium gerahmtes 100 Watt-Solarmodul


Technik

Aufgrund der etwas besseren elektrischen Parameter sind monokristalline Solarmodule polykristallinen vorzuziehen.

Polykristalline Module erkennt man an der leicht bläulich schimmernden Oberfläche, monokristalline Zellen sehen gleichmäßig grau bis schwarz aus. Jede einzelne Solarzelle produziert eine Spannung von etwa 0,5 Volt. Der Strom wird bestimmt durch die Fläche der einzelnen Zelle. Um ausreichend hohe Ladespannung zu erreichen, werden alle einzelnen Zellen im Solarpanel zu einer Kette in Serie geschaltet, sodass bei 36 in Reihe geschalteten Zellen circa 18 Volt am Anschlusskabel anliegen. Nur wenn die Ausgangsspannung des Solarmoduls über der Batteriespannung liegt, kann Ladestrom fließen.

Die Leistungsangaben der Hersteller beziehen sich auf 25 Grad Celsius Modultemperatur. Die Ausgangsspannung am Solarmodul sinkt mit zunehmender Modultemperatur, sodass man sich bei semiflexiblen, nicht hinterlüfteten Solarmodulen beim Kauf für 40 bis 42 zellige Module entscheiden sollte. Bei 40 zelligen Modulen liegt die Ausgangsspannung verglichen mit 36 zelligen bei 20 statt 18 Volt. Auch bei extremer Temperaturzunahme steht so ausreichend hohe Ladespannung zur Verfügung.

Modultemperaturen auf der Oberfläche von 70 Grad, besonders auf nicht hinterlüfteten semiflexiblen Solarmodulen sind möglich. Bei einer Oberflächentemperatur von 60 Grad muss mit etwa 15 Prozent Leistungsverlust gerechnet werden.

Lebenserwartung und Pflege

Aluminium gerahmte Solarmodule können an Bord über 20 Jahre Leistung liefern. Die Hersteller geben inzwischen in etwa 25 Jahre Leistungsgarantie auf 80 Prozent der Nennleistung. Auch wenn der eloxierte Alurahmen seewassertauglich ist, sollte das Solarmodul nach einem Törn mit Süßwasser gespült werden. Schmutzablagerungen an den Rändern der Glasfläche zum Alurahmen (Verschattung) und Vogelkot sollten schnell entfernt werden.

Die Lebenserwartung bei semiflexiblen Modulen wird etwas geringer sein. Hochflexible, amorphe Dünnschichtmodule werden wegen der hohen mechanischen Belastung durch ständiges Aufrollen eine deutlich geringere Lebensdauer haben.

Bis auf das regelmäßige Reinigen der Solarmodul-Oberfläche ist kein Wartungsaufwand notwendig.

Glasabgedeckte Aluminium gerahmte Solarmodule sind schlagempfindlich. Dringt Feuchtigkeit unter die geborstene Glasfläche wird das Modul elektrisch zerstört.

Bauarten

Im Laufe der letzten 20 Jahre konnte der Wirkungsgrad kristalliner Solarmodule von circa 14 Prozent auf inzwischen über 20 Prozent gesteigert werden. Man unterscheidet zwischen poly- und monokristallinen Silizium-Solarzellen beziehungsweise amorphen Dünnschicht-Solarmodulen. Bei ersteren liegt der Wirkungsgrad zwischen 17 und mehr als 20 Prozent. Dünnschichtmodule haben einen Wirkungsgrad von nur 8 Prozent, dafür ist diese Technologie preiswerter und weniger Temperatur empfindlich.

Aluminium gerahmte Solarmodule

Aufgrund der Hinterlüftung Aluminium gerahmter Solarmodule und der damit verbundenen durchschnittlich geringeren Zelltemperatur Erhöhung, sind 36-zellige Module ausreichend. Auch bei hohen Modultemperaturen steht durch Hinterlüftung ausreichend Ladespannung zur Verfügung.

Semiflexible Solarmodule

Semiflexible Solarmodule tragen nur drei Millimeter auf und stellen an Deck keine Stolperfalle dar.

Bei diesen speziell für den maritimen Einsatz entwickelten Solarmodulen wird meist monokristallines Silizium verwendet. Diese Module sind nur für die vollflächig verklebte oder verschraubte Montage geeignet. Vibrationen durch Befestigung am Seezaun zerstören die elektrischen Verbindungen im Solarmodul.

Durch die vollflächige Montage werden semiflexible Solarmodule nicht hinterlüftet, was zu deutlich höheren Modultemperaturen führt. Um Spannungsverluste durch Erwärmung zu vermeiden, sind bei hochwertigen semiflexiblen Solarmodulen 40 oder 42 Zellen in Reihe geschaltet. Semiflexible Solarmodule sind bei flächiger Montage voll begehbar. Die Oberfläche aus besonders lichtdurchlässigem Kunststoff schützt die Solarzellen und ist durch ihre Beschaffenheit besonders rutschfest, auch bei Nässe oder Lage. Der maximal mögliche Biegeradius von semiflexiblen Solarmodulen beträgt drei Zentimeter pro Meter.

Bei diesen Solarmodulen von Solara und SunWare befinden sich auf der Ober- und Unterseite UV-stabile Schutzfolien, die sich an der Kante treffen und dort verschweißt sind. Die Kabelanschlusskästen sind rückwärtig verschraubt und halten entstehenden Scherkräfte auf der Oberfläche stand. Gut zu erkennen ist die schraffierte rutschfeste Oberfläche


Rollbares Phaesun-Dünnschichtmodul


Dünnschicht Solarmodule

Bei diesen Modulen wird die elektrisch aktive Fläche auf einen Träger aufgebracht und besteht nicht aus bruchempfindlichem, kristallinem Material. Dünnschicht Solarmodule sind extrem flexibel und können aufgerollt werden.

Besonders geeignet sind diese Module auf kleinen Segelschiffen, so zum Beispiel fliegend montiert über dem Segelkleid. Diese Module sind jedoch mechanisch sehr empfindlich, sie werden zerstört, wenn Faltmodule an der falschen Stelle geknickt oder Rollmodule nicht mit der elektrisch aktiven Fläche nach außen aufgerollt werden. Der Wirkungsgrad von Dünnschichtmodulen liegt bei nur acht Prozent. Der Vorteil ist, dass sich Verschattung nur proportional zur verschatteten Fläche auswirkt.

Vorbildliche, einachsig nachfühlbare Montage an einem Heckträger.


Eine mögliche Alternative, ein semiflexibles Solarmodul der Sonne nachzuführen, ist auf dem Bild erkennbar. Das Solarmodul ist vibrationsfrei auf einer Holzplatte verklebt und kann an passendem Ort an Bord aufgestellt werden.


Mögliche Montageorte an Bord

Decks- oder Schiebelukmontage
Ist eine Montage auf dem Deck geplant, sind begehbare, semiflexible Solarmodule die beste Möglichkeit. Durch die rutschfest strukturierte Oberfläche ist das sichere Begehen auch bei Lage und Nässe möglich. Diese Module können flächig verklebt oder auch geschraubt montiert werden. Ein idealer Montageort für semiflexible Solarmodule ist die Schiebelukgarage, je nach Größe lassen sich dort Module mit einer Leistung zwischen 30 und 40 Watt montieren.

Für die Decksmontage sind Aluminium gerahmte Solarmodule nur dort geeignet, wo sie nicht betreten werden müssen. Beim Betreten eines mit Glas abgedeckten Alu-Rahmen-Solarmoduls reicht die punktuelle Belastung durch das Gewicht einer Person, um das Glas zum Brechen zu bringen. Auch ein kleiner Stein, verklemmt im Profil der Schuhsohle oder ein Schäkel am Ende eines Falls, können das Ende des Solarmoduls bedeuten. Die relativ schlagfeste Kunststoffoberfläche eines begehbaren Solarmoduls dagegen ist bei solchen Belastungen deutlich unempfindlicher.

Heckbügelmontage
Der Heckträger, gedacht für Antennen, kann ein geeigneter Montageort sein. Sind dort schattenwerfende Antennen oder ein Windgenerator montiert, empfiehlt es sich, die meist unverschattete Montagefläche zu nutzen oder das in der Fläche nächst kleinere Solarmodul zu wählen. Für die Montage am Heckträger sind am besten Aluminium gerahmte Solarmodule geeignet.

Fliegende Montage
Wird ein ‚fliegendes‘ Solarmodul genutzt, kann es Sinn machen, eine dauerhaft Strom führende 12 Volt Steckdose zu installieren, in die über den Regler direkt eingespeist werden kann. Dort kann auch mal der DC-Wandler, des Laptops oder eine Arbeitsleuchte angeschlossen werden. Wichtig ist, dass diese Steckdose wasserdicht zu verschließen ist, wenn sie nicht gebraucht wird.

Wird das Solarmodul nur im Urlaub benötigt (Chartercrews), oder ist kein Montageplatz vorhanden, kann das Solarmodul, wenn es benötigt wird, aus dem Stauraum geholt und an einem sonnigen Platz an Deck zur Sonne ausgerichtet werden. Mit dieser quasi zweiachsig nachführbaren Betriebsweise können erstaunliche Erträge, wie später im Artikel beschrieben wird, erzielt werden. Nicht geeignet für diese Weise des Betriebes sind semiflexible Solarmodule ohne eine feste Unterlage. Durch mögliche Vibrationen bei Wind oder Seegang kann es zu elektrischen Unterbrechungen und damit zum Totalausfall kommen. Wichtig ist bei dieser Betriebsweise, eine wasserdichte Steckverbindung an Bord zu nutzen. Die Steckverbindung sollte bei Nichtgebrauch an beiden Seiten (Stecker und Kupplung) wasserdicht verschlossen werden können.

Nachgeführte Montage

Die höchste Leistung erzielt ein Solarmodul, wenn die Sonnenstrahlen im Winkel von 90 Grad auf die Oberfläche fallen. Was liegt da näher, als durch manuelles Nachführen des Solarmoduls zur Sonne für optimale Leistung zu sorgen?

Einachsige Nachführung
Für die nachgeführte Montage sind am besten mechanisch stabile, Aluminium gerahmte Solarmodule geeignet.

Sofern keine ästhetischen und funktionalen Gründe dagegen sprechen, ist der Seezaun am Heck ein idealer Montageort.

Achtung: Vor dem Hafenmanövern unbedingt die Module einklappen

Wird das Solarmodul der Sonne nachgeführt, sind 20 Prozent höhere Ladeerträge im Vergleich zur flachen, starren Decksmontage möglich. Die Montage ist denkbar einfach. Das Solarmodul wird hierzu mit zwei Schellen am Seezaun verschraubt, sodass es außen am Seezaun hängt. Im Fachhandel sind sogar stufenlos einstellbare Seezaun-Nachführungen (Hersteller NOA) erhältlich; ein in unterschiedlicher Höhe fixierter Fender hinter dem Solarmodul tut es aber auch. Durch ein am unteren Teil des Alurahmens befestigtes Bändsel verhindert man, dass sich das Solarmodul bei starkem Wind oder Seegang selbstständig macht.

Wasserdichte Steckverbindung von der Firma Binder


Zweiachsige Nachführung
Besteht die Möglichkeit, das Solarmodul manuell mehrmals am Tag der Sonne nachzuführen, kann der tägliche Ladeertrag um bis zu 40 Prozent erhöht werden.

Durch die zweiachsige Ausrichtung zum Stand der Sonne ist es möglich, dem Lauf der Sonne zu folgen. Wird schon bei aufgehender Sonne das Solarmodul zur Sonne ausgerichtet und mehrfach am Tag passend nachgeführt, sieht die Leistungskurve über den Tag nicht wie ein flacher Berg (feste Decksmontage), sondern wie ein steil-flankiger Fels aus.

Durch Rändelschrauben kann das Solarmodul in jeder beliebigen Stelle zweiachsig fixiert werden. Natürlich ist die Leistung am höchsten, wenn das Solarmodul möglichst permanent zur Sonne ausgerichtet wird. Es ist empfehlenswert, das Solarmodul mindestens dreimal am Tag neu zur Sonne auszurichten. Es kann zum Sport werden, der Sonne durch Nachführen des Solarmoduls jede mögliche Amperestunde abzuluchsen. Bei Sturm sollte man die Module fest fixiert flach einstellen, so ist die Windangriffsfläche gering.

Diese clevere, einachsige nachgeführte Montage auf einem Deckshaus ermöglicht auf der Back- UND Steuerbordseite das passende Anstellen eines 70 Watt Solarmoduls über einen Lukenaufsteller. In dieser Position lieferte das polykristalline Modul zum Zeitpunkt des Fotos 4,5 Ampere, in der flachen Ruheposition waren es nur 2 Ampere. Den Baum des Großsegels mit dem Travellerschlitten auf eine Seite zu fahren verhindert auch die Verschattung des fest montierten Solarmoduls auf der Schiebelukgarage und dem Hardtop auf der Steuerbord-Seite. Deutlich zu sehen ist, dass der Handlauf keinen Schatten auf das Modul wirft.


Das Nachführen der Paneele anhand des Sonnenstandes ergibt bis zu 40 Prozent mehr Ertrag


Montagefehler

Verschattung
Die dauerhafte Verschattung (durch Fallen, Handläufe) eines Solarmoduls ist der wohl häufigste Montagefehler. Einige hundert Euro sind fehlinvestiert, wird das Solarmodul ohne Sachkenntnis falsch montiert. Achtlos abgelegte Leinen auf dem fest montierten Solarmodul sollten sofort entfernt werden.

Bei einem dauerhaft auf das Solarmodul geworfenen Schatten, durch ein Fall oder die Persenning, verringert sich die Leistung eines kristallinen Solarmoduls um immerhin 90 Prozent. Ist die Verschattung, durch Fallen nicht zu vermeiden, sollte das in der Fläche nächst kleinere Modul verwendet werden.

Natürlich ist es unmöglich, einen permanent unverschatteten Montageort an Bord zu finden. Wanten, Fallen oder der eigene Mast werden irgendwann am Tag kurzzeitig Schatten werfen. Das spielt aber keine Rolle, denn mit dem Sonnenlauf verschwindet der Schatten auch wieder.

Durch einen Schatten schon auf einer einzigen der in Serie verbundenen Solarzellen eines Solarmoduls produziert die verschattete Zelle keine Leistung mehr. Elektrisch stellen verschattete Zellen einen Widerstand dar; fließt nun der Strom der weiter aktiven (unverschatteten) Zellen durch die verschattete Zelle, kann sich diese stark erwärmen. Häufig sind deshalb Bypass-Dioden in den Anschlusskästen der Solarmodule eingebaut, sie leiten den Strom um und schützen so vor der gefährlichen Erwärmung der verschatteten Zelle (Hot Spot). Bei semiflexiblen Modulen werden die Bypass-Dioden unter Deck angeschlossen.

Laderegler

Eine der häufigsten Fragen lautet, ob sich verschiedene Ladequellen beim Laden der Batterie nicht gegenseitig beeinflussen. Die kurze Antwort: Nein, jede Ladequelle hat zur Regelung der Ladeleistung einen eigenen, von anderen Ladequellen unabhängigen Laderegler, alle Ladequellen können so gleichzeitig die Batterie laden.

Montagefehler, wie auf den Bildern zu sehen, können vermieden werden.


Der Solar-Laderegler muss nur in der Leistung zur vorhandenen Solarmodulleistung passen.

Kann am Laderegler ein Temperatursensor angeschlossen werden (empfohlen), wird die Ladespannung der Batterietemperatur angepasst. Die Batterie-Ladespannung wird je nach Batterie-Temperatur abgesenkt oder angehoben, und zwar um 0,04 Volt pro Grad Celsius.

Auch für eine sehr kleine Solarleistung ist die Nutzung eines Ladereglers empfehlenswert, da sonst die Gefahr der Überladung und Gasung der Batterie besteht.

Alle Laderegler haben selbstverständlich eine Rückstromsperre, sodass nachts keine Energie verbraucht wird. Der Eigenstrombedarf, der auch nachts wirkt, ist gering und liegt zwischen drei und 10 mA. Jeder Solar-Laderegler verfügt über verschiedene LEDs die über Aktivität und Ladezustand Auskunft geben. Besser ausgestattete Regler haben ein integriertes LCD-Display oder bieten die Möglichkeit der Vernetzung oder den Anschluss einer Fernanzeige. Dort kann der Ladestrom und die Batteriespannung abgelesen werden. Unter anderem wird auch die Ladeleistung in Amperestunden(Ah) angezeigt.

Einige Hersteller bieten am Regler auch einen Ausgang zum Laden der Starter-Batterie. Ist die Service-Batterie geladen, wird automatisch auf Ladung der Starter-Batterie umgeschaltet. Dieser Lade-Ausgang ist strombegrenzt und orientiert sich an den spezifischen Ladeparametern von Starter-Batterien.

Bei der Installation muss in Batterienähe eine passende Sicherung vorgesehen werden.

PWR-Regel-Technologie
PWR steht für Puls-Weiten-Regulation. Bei diesem Ladeverfahren wird zunächst mit kontinuierlichem Strom geladen (abhängig von der installierten Solarleistung). Nähert sich die Batterie der Vollladung, beginnt der Regler zu takten. Das Pausenverhältnis, in dem kein Ladestrom mehr fließt, wird mit zunehmender Vollladung immer länger. Zum Schluss des Ladevorgangs wird auf Erhaltungsladung (13,8 Volt) umgeschaltet, um die Selbstentladung der Batterie zu kompensieren.

MPP-Regel-Technologie
MPP steht für Maximum Power Point. Bei diesem sehr effektiven Ladeverfahren erfasst ein Mikroprozessor die aktuelle Kennlinie des Solarmoduls und stellt so über einen internen Gleichstromwandler die maximal mögliche Leistung ein. Die Kennlinie eines Solarmoduls verändert sich praktisch ständig durch Temperaturschwankungen und Lichteinfallwinkel.

Besonders hohe Modulspannungen bei niedrigen Zelltemperaturen können auf diese Weise in zusätzliche Ladeleistung umgewandelt werden. Aus dem Spannungsüberschuss des Solarmoduls bei niedrigen Temperaturen ist es möglich, mit höherem Strom zu laden. Je nach durchschnittlicher Zelltemperatur ist ein Mehrertrag (gegenüber PWR) von 15 bis 30 Prozent möglich. In Verbindung mit einem MPP-Regler sind Leistungssteigerungen von mehr als 40 Prozent möglich. Auch mit dieser Technologie wird zum Schluss des Ladevorganges auf Erhaltungsladung umgeschaltet.

Durch höhere Ladeströme aus der vorhandenen Solaranlage erzielt man mit einem MPP-Laderegler kürzere Ladezeiten. Der Vorteil dieses Ladeverfahrens wirkt sich besonders in höheren Breiten und in der kühleren Jahreszeit aus.

Fazit:

Im Prinzip lässt sich für ein Solarmodul immer ein geeigneter Montageort an Bord finden, sofern ästhetische oder funktionale Gründe nicht dagegen sprechen. Durch Verwendung einer Solarnachführung und eines MPP-Ladereglers werden höchste Lade-Erträge erzielt, auch auf kleinen Segelyachten mit wenig geeigneten Montageflächen.

Votronic MPP-Solarladeregler. Mit Anschlussmöglichkeit eines Temperatursensors und einer Fernanzeige


Der Zugewinn an Betriebssicherheit und der steigende Komfort an Bord überzeugen, die Stickoxyd-Einsparung ist ein positiver Nebeneffekt. Die Lebenserwartung der Service-Batterie erhöht sich durch geringere Entladetiefe erheblich.

Sicherheitsrelevante Geräte, wie das Seefunkgerät oder die Bilgepumpe, arbeiten auch ohne Landstromversorgung zuverlässig.

Schnell stellt sich bei jeder Wetterlage ein Gefühl für den zu erwartenden Tagesertrag ein. Auch bei bedecktem Himmel kann mit Leistung gerechnet werden, wenn auch deutlich geringer als an einem sonnigen Tag.

Für Fahrtensegler empfiehlt sich ein zusätzlicher Windgenerator, der auch nachts Strom liefert.

Einige Module lassen sich unterwegs platzsparend an der Reling befestigen und werden erst in der Ankerbucht aufgeklappt


Fotos: Burkhard Linke

Fotos: Burkhard Linke

Fotos: Burkhard Linke

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