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TECHNIK: FEUER UND FLAMME FÜR INTELLIGENTEN BRANDSCHUTZ


Wassersport Wirtschaft - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 24.10.2019

Die meisten Brände an Bord sind auf Fehler in der Elektrik zurückzuführen. Werden sie rechtzeitig erkannt, lässt sich in der Regel ein Totalschaden der Yacht vermeiden. Doch leider sparen viele Eigner beim Brandschutz. Die Wassersport- Wirtschaft sprach mit Holger Flindt, Leiter der Schadensabteilung bei der Pantaenius Versicherungsgruppe, über sinnvolle Feuerschutzsysteme an Bord.


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Bildquelle: Wassersport Wirtschaft, Ausgabe 4/2019

© Olga Moonlight – stock.adobe.com


Die Wassersport-Wirtschaft sprach mit Holger Flindt, Leiter der Schadensabteilung bei der Pantaenius-Versicherungsgruppe, über sinnvolle Feuerschutzsysteme an Bord Von Hans Wischer

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Feuerschäden an und auf Yachten in Höhe von 45 Millionen Euro regulierte allein der weltweit operierende Hamburger Yachtversicherer Pantaenius zwischen 2010 und 2015. Zu 80 Prozent wurden sie nicht, wie vielfach angenommen, beim Tanken, sondern durch eine fehler-hafte Elektrik an Bord sowie durch Batterieüberladung dank permanent angeschlossener Ladegeräte im Winterlager verursacht. Dabei gibt es automatisch auslösende Feuerschutzsysteme mit entsprechenden Kartuschen für das Löschmittel sowie Sensoren, die bei Kontakt mit Rauch oder bei Überhitzung selbstständig den Löschvorgang einleiten. Idealerweise verschließen sie die Frischluftzufuhr in den Maschinenraum mit Klappen und schalten eventuell laufende Motorraum- Ventilationslüfter aus. „Großfeuern in Winterlagern, denen zumeist mehrere Boote zum Opfer fallen, wäre mit der automatischen Brandschutzlösung insoweit vorgebeugt, als nur das Boot beschädigt wird, auf dem das Feuer ausgebrochen ist“, sagt Holger Flindt, Leiter der Schadensabteilung beim Hamburger Yachtversicherer Pantaenius. Ob automatisch auslösende Feuerschutzsysteme installiert werden können, hängt allerdings von der Größe des Maschinenraums und dem darin zur Verfügung stehenden Platz ab.

Auf Segelbooten mit dem Motorraum unter und hinter dem Niedergang oder auf kleineren Motorbooten fehlt es meistens am Platz für Automatiksysteme. Hier sollten zumindest zwei Handfeuerlöscher vorhanden sein, um einen Brand manuell bekämpfen zu können. „Zwei Handfeuerlöscher mit einem Inhalt von je 2 kg Feuerschutzmaterial, idealerweise Pulver als Allroundmittel, sollten es mindestens sein“, meint Holger Flindt. Einige Werften kennzeichnen ihre Boote von Haus aus mit Hinweis-Etiketten darüber, wo sich die Feuerlöscher befinden und wie die Fluchtwege verlaufen.

Aerosol-Systeme gibt es bei Sailtech in verschiedenen Größen von 0,15 m³ bis zu 15,3 qm³ Löschvolumen.


Im Cockpit angebrachte, manuell auszulösende Feuerlöscher mit fest im Maschinenraum verlegten Schläuchen – so wie sie der Feuerlöscherhersteller Gloria (Wadersloh) anbietet und beispielsweise Bavaria auf seinen Segelyachten installiert – sind bereits eine Stufe sicherer. In jedem Falle sollte der vom Feuer betroffene Motorraum oder Schaltschrank luftdicht verschließbar und Ventilationslüfter sofort ausschaltbar sein. Nur so wird dem Brandherd seine Nahrung, die frische Luft, entzogen. Danach ist Geduld gefragt. Keinesfalls sollte man nach ein paar Minuten nachsehen, ob es noch brennt. Ein bis zwei Stunden sollten schon bis zur Kontrolle vergehen, meint Holger Flindt. Wer in den gefährdeten Bereichen Temperaturmesser mit Fernanzeige eingebaut hat, ist auf der sicheren Seite, kommt er doch gar nicht erst in Versuchung, die Motorraumklappe zu Kontrollzwecken zu öffnen.

Minimalschutz: Zumindest ein oder zwei Handfeuerlöscher sollten immer an Bord sein.


Noch sicherer sind automatisch auslösende Feuerschutzsysteme. Auf Superyachten sind sie gang und gäbe und werden – beispielsweise von Minimax (Reinfeld/Bad Oldesloe) – den jeweiligen Bedürfnissen individuell angepasst. Doch auch in der Bootsmittelklasse können sie zum Einsatz kommen. Auf der sicheren Seite ist man auch, wenn im Maschinenraum zusätzlich ein Generator seine Arbeit verrichtet. Xintex (USA/Großbritannien) und Minimax Italia (Genua) bieten mit dem Fireboy automatische Löschsysteme auch für kleinere Yachten an. Die sind in zahlreichen Größenordnungen für Maschinenräume von 0,7 m³ bis hin zu 51m³ Rauminhalt zu haben. „Die beiden niederländischen Werften Linssen und Elling bieten Automatiksysteme auf ihren Motorbooten an, Sirius aus Deutschland auf seinen Segelbooten“, lobt Holger Flindt. Bavaria Yachtbau installiert in den Maschinenräumen seiner Motorboote Au-tomatiksysteme von Gloria, die mit Pulver löschen. tomatiksysteme von Gloria, die mit Pulver löschen.

Automatisch auslösende Pulver-Feuerlöschanlage P2 GXF-OS von Gloria.


Wertvolle Demonstration: Auf den Safety Days wird gezeigt, wie man Feuerlöscher richtig betätigt. (Foto: www.segelbilder.de)

Größere Automatikanlage von Minimax Italia – gedacht für Maschinenräume mit mehr Volumen. Verfügbar mit Pulver oder Novec 1230.


Bei den halbautomatischen und automatischen Systemen mit einer Art Testauslösung ist in jedem Fall darauf zu achten, dass sie nicht versehentlich betätigt werden, denn dann kann das Löschmittel Maschinenraum und Motoren nicht nur verschmutzen, sondern abhängig von seiner Aggressivität zu Korrosion führen. Pulver gilt noch als leicht korrosiv, Aerosol ist deutlich aggressiver. Um Folgeschäden vorzubeugen, sollte umgehend mit der Reinigung begonnen werden. Löschgase wie CO2 oder Novec1230 (als Nachfolger des früher verbreiteten, aber seit zehn Jahren verbotenen Halogen) richten da weniger Schaden an.

Sind Kunststoffe, zum Beispiel GFK-Rümpfe oder Batterien in Mitleidenschaft gezogen, können giftige Dämpfe entstehen, und es kann sich Salzsäure bilden. Für die Feuerwehr heißt es dann: Schutz durch entsprechende Kleidung und Atemmaske. Als besonders heikel gelten unter Feuerwehrleuten Brände auf Booten mit Elektro- und Hybridantrieben sowie Lithium-Ionen-Batterien, denen man von außen ihr Antriebssystem nicht ansieht. Lithium-Eisensulfat-Batterien geraten langsamer in Brand als die mit Ionen ausgestatteten. Bei Metallbränden entstehen schnell Temperaturen von über 1500 Grad, die keinesfalls mit Wasser gelöscht werden dürfen.

Passen sogar in Maschineräume von RIBs: Automatiksystem von Minimax Italia, rechts am Heckschott kaum zu erkennen. Verfügbar mit Pulver oder Novec 1230.


Stahlrümpfe brennen in der Regel nicht. Selbst bei Aluminium ist ein Brand eher unwahrscheinlich. Bei Motorbränden verhält sich das aber schon anders. Moderne Motoren werden häufiger aus Alu-Druckguss gefertigt, hier können die Brenntemperaturen 1500 Grad schon mal übersteigen – dann brennt auch Aluminium.

Die Safety Days, vom Club der Kreuzerabteilung erstmals im Sommer 2019 in der ancora Marina in Neustadt/ Ostsee veranstaltet und von Pantaenius maßgeblich gefördert, haben ausführlich über Brandschutzmaßnahmen informiert und praktische Übungen demonstriert. Die Safety Days sollen künftig einmal pro Jahr an wechselnden Standorten in Deutschland stattfinden.

Zur Person:

Holger Flindt ist seit 2004 Leiter der Schadensabteilung bei der global operierenden Pantaenius- Versicherungsgruppe mit Sitz in Hamburg. Von 2001 bis 2004 war er in gleicher Position für die Schadensabteilung des Hamburger Büros zuständig. Als Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg-Sasel und Mitglied der berufsschiffsorientierten SEG (Schiffsicherungseinheit Hamburg) gilt er als Experte für Brandschutz und Feuerschäden auf Schiffen und Yachten. Seine maritime Laufbahn begann er als Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik bei der Reederei Hamburg-Süd.

Die DIN EN 2 teilt Brände in sechs Brandklassen von A bis F ein:

A: Feste, nicht schmelzende Stoffe wie Holz, Papier, Textilien. Mögliches Ersticken teilweise auch mit Löschdecken.

B: Flüssigkeiten und schmelzende feste Stoffe wie Lösungsmittel, Öle, Wachse, schmelzende Kunststoffe.

C: Gase wie Propan, Butan, Acetylen, Methan, Wasserstoff. Löschbeginn erst nach Abschaltung der Gaszufuhr.

D: Metalle wie Magnesium, Aluminium. Keinesfalls mit Wasser löschen.

E: Elektrogeräte.

F: Speisefette und -öle. Keinesfalls mit Wasser löschen.

Folgende Löschmittel sind derzeit verfügbar (auf den Feuerlöschern befinden sich Angaben darüber, für welche Brandklasse sich der Löschinhalt eignet):
Wasser: gibt es auch als Löschmittel in Feuerlöschern, kühlt das Feuer ab, eignet sich aber längst nicht für alle Brandklassen.
Pulver: hinsichtlich Konsistenz einem Getreidemehl vergleichbar, deckt die Flammen ab und erschwert das weitere Verbrennen eines brennbaren Materials. Bei Bränden mit Flammenbildung wird die Reaktionsgeschwindigkeit gebremst und damit das weitere Brennen unterbunden. Bei Glutbränden schmilzt das Pulver und bildet eine erstickende Schicht.
Schaum: breitet sich wie ein Schaumteppich über die Flammen aus, wirkt dann wie Pulver.
CO2 (Kohlendioxyd): ein Gas, das das Feuer erstickt. Es ist elektrisch nicht leitfähig und hinterlässt folgerichtig keine Rückstände. Daher sind CO2-Löscher auch für Räume mit sensibler Reinraumtechnik oder Räume, an die hohe Hygieneanforderungen gestellt werden, bestens geeignet. Da Kohlendioxid bei hohen Temperaturen zerfällt, eignet es sich nicht für Metallbrände. Es ist aber auch ein geruchloses Atemgift, wirkt auf Blut, Nerven und Zellen im menschlichen Körper.
Aerosol: ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas. Die kleinsten Partikel sind wenige Nanometer groß. In der Flamme bindet Aerosol freie Radikale, die die Kettenreaktion des Verbrennungsprozesses unterbrechen. Darüber hinaus entzieht die endotherme chemische Reaktion Energie. Es eignet sich nur für geschlossene Räume, nicht außen im Cockpit.
Novec 1230: entzieht dem Feuer die Wärme und stoppt so die Verbrennungsreaktion. Es ist besonders wirkungsvoll und schonend zugleich. Die Lagerung erfolgt in flüssigem Zustand, erst beim Austritt aus den Löschdüsen geht das Löschmittel in gasförmigen Zustand über. Es löscht so selbst verdeckte Brandherde in der Regel schlagartig. Darüber hinaus ist – anders als bei Wasser, Schaum oder Pulver – ein vom Löschmittel verursachter Sekundärschaden praktisch ausgeschlossen. Novec 1230 ist weder korrosiv, noch elektrisch leitend, hinterlässt keine Rückstände und kann durch Belüftung einfach wieder aus dem betreffenden Raum entfernt werden. Daher ist Novec 1230 neben Inertgasen das bevorzugte Löschmittel bei elektronischen und elektrischen Risiken. Ihre Löschwirkung erzielen Novec 1230-Feuerlöschanlagen bereits bei einer wesentlich geringeren Auslegungskonzentration als Inertgas-Löschanlagen. Im Brandfall muss somit weniger Löschmittel eingebracht werden, wodurch kürzere Flutungszeiten vonnöten sind. Außerdem kann die Druckentlastungsklappe in der Regel deutlich kleiner ausfallen. Hinzu kommt, dass die vergleichsweise geringe Einsatzmenge flüssig bevorratet wird. Das ermöglicht eine äußerst kompakte Lagerung des Löschmittels. Zudem geht in der Auslegungskonzentration von Novec 1230 keinerlei Gesundheitsgefährdung aus. Novec 1230 hat gegenüber anderen gasförmigen chemischen Löschmitteln die besten Umwelteigenschaften. Von ihm geht keine Gefährdung der Ozonschicht aus, und es hat ein sehr geringes Erderwärmungspotenzial. Innerhalb von nur fünf Tagen zerfällt es vollständig.