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TECHNIK GEGEN SCHLAGANFALL


Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 15.03.2019

Die Apple Watch 4 soll per EKG-Funktion vor Schlaganfällen warnen. Wie gut das klappt, verrät der Test der Smartwatch und weiterer EKG-Geräte.


EKG GERÄTE TEST

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Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 7/2019

So entsteht häufig ein Schlaganfall: Vorhofflimmern kann Blutgerinnsel im linken Vorhof des Herzens 1 verursachen. Die Folge: Gelangt ein Blutgerinnsel in die Blutbahn 2 und wandert zum Gehirn 3, verschließt es dort Blutgefäße. Ein Teil des Gehirns bekommt deshalb zu wenig Sauerstoff, Nervenzellen sterben ab – es kommt zum Schlaganfall!


Kardiologe Prof. Dr. Radke hat die EKGGeräte geprüft.


Pro Jahr erleiden rund 270 000 Menschen in Deutschland einen ...

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Pro Jahr erleiden rund 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, meldet die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe – er ist hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Was auch daran liegt, dass Herzrhythmusstörungen als Auslöser zu spät erkannt werden. Doch jetzt sollen Nutzer mit handlichen und bezahlbaren EKG-Geräten selbstE lektrok ardiog ramme erstellen und so das gefährliche Vorhofflimmern erkennen können.

Solche Geräte für den Heimgebrauch gibt es zwar schon länger, aber Apple hat mit seiner Watch Series 4 die Diskussion, ob ein smartes Gadget tatsächlich Leben retten kann, neu befeuert. Apple hat die EKG-Funktion zwar nur auf US-Uhren freigegeben, nachdem die US-Zulassungsbehörde FDA das EKG-Mess-System zertifiziert hatte. Mit Import-Geräten ist sie hierzulande aber ebenfalls nutzbar (siehe Kasten Seite 67). Aber muss es dafür eine teure Apple-Smartwatch sein? COMPUTER BILD hat fünf Geräte mit der professionellen Unterstützung von Medizinern getestet.

Wie arbeiten die EKG-Geräte für zu Hause?

Mindestens 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern – und damit unter einer Reihe weiterer Probleme. Denn diese Art von Herzrhythmusstörungen tritt oft nur zeitweise auf und ist dann schwer zu registrieren. Ärzte können mit ihren EKG-Monitoren zwar Vorhofflimmern feststellen, aber nur, wenn es zum Messzeitpunkt auftritt. Dagegen ermöglichen EKG-Geräte für zu Hause die Messung genau dann, wenn der Patient Symptome wie Luftnot oder Herzrasen spürt. Haben die Geräte das Vorhofflimmern richtig erkannt, können Patienten mit ärztlicher Hilfe Schlimmeres verhindern (siehe Interview Seite 69). EKG-Geräte für zu Hause arbeiten mit zwei Elektroden und erstellen ein sogenanntes 1-Kanal-EKG. Bei einigen Geräten legt der Nutzer einen oder mehrere Finger auf die Sensoren. Andere Modelle messen mit einer Elektrode am Handgelenk und einer zweiten an einem Finger der anderen Hand. Die Apple Watch Series 4 und das Sanatmetal Wiwe verwenden zusätzlich zu den Elektroden optische Sensoren.einen oder mehrere Finger auf die Sensoren. Andere Modelle messen mit einer Elektrode am Handgelenk und einer zweiten an einem Finger der anderen Hand. Die Apple Watch Series 4 und das Sanatmetal Wiwe verwenden zusätzlich zu den Elektroden optische Sensoren.

Kardiologe Dr. Jörg Stock prüfte die Geräte in der Schön Klinik an Dutzenden Patienten. Auch Redakteurin Julia Struck durfte auf die Liege.


„Erstaunlich, wie gut kleine Gadgets schon Vorhofflflflimmern erkennen können.“ Julia Struck Redakteurin


Testkandidaten im Klinik-Test

Um zu klären, wie sicher die Testkandidaten Vorhofflimmern erkennen, hat COMPUTER BILD sie in die Kardiologie der Schön Klinik Neustadt in Holstein geschickt. Dort haben Chefarzt Prof. Dr. Peter Radke und sein Kollege Dr. Jörg Stock über Monate jedes der fünf Geräte an Dutzenden Patienten getestet – sowohl an Patienten mit Vorhofflimmern als auch an Personen mit gleichmäßigem Herzrhythmus („Sinusrhythmus“).

Dazu haben die Mediziner jeden Probanden an einen EKGMonitor der Klinik angeschlossen und ihm ein Testgerät in die Hand gegeben. Beim Vergleich der Ergebnisse des Testgeräts mit dem EKGMonitor achteten die Ärzte auf diese Punkte:

Herzfrequenz: Sie gibt die Anzahl der Herzschläge pro Minute an und sagt alleine wenig aus – wenn bei 60 Schlägen pro Minute aber die ersten 30 Schläge in den ersten zehn Sekunden stattfinden und die zweiten 30 Schläge in 50 Sekunden, ist der Herzrhythmus ungleichmäßig. Bei Patienten mit Vorhofflimmern schwankt der Herzrhythmus und damit die Herzfrequenz. Nur die Apple Watch 4 zeigte stets korrekte Werte. Die ungenauesten Ergebnisse lieferte das Beurer ME 90, selbst bei gesunden Testern zeigte es stark schwankende Werte.
Rhythmuserkennung: Es gibt viele Formen von Herzrhythmusstörungen, EKGGeräte müssen die häufigste Variante Vorhofflimmern erkennen. Ob es sich tatsächlich um Vorhofflimmern handelt, erkennen Mediziner mit professionellen EKGMonitoren. Die besten Testkandidaten lieferten ähnliche Ergebnisse wie das Referenzgerät. Die schlechtesten Geräte meldeten Sinusrhythmus bei Personen, denen das Referenzgerät Vorhofflimmern attestierte – oder umgekehrt. Die Messungen einiger Geräte erlaubten keine eindeutige Interpretation.

In diesen Tests zur Erkennung von Vorhofflimmern überzeugte das AliveCor Kardia Band für die Apple Watch mit einer fast 100prozentigen Trefferquote ohne Fehldiagnosen. Die Apple Watch Series 4 hat nur gut die Hälfte der Patienten mit Vorhofflimmern richtig eingeordnet und lieferte oft das Ergebnis „uneindeutig“ – immerhin mit der Empfehlung eines Arztbesuchs. Eine gute Trefferquote ohne Fehldiagnosen erreichte das Sanatmetal Wiwe. Das Kardia Mobile, ein zweites Produkt der Firma AliveCor, interpretierte nur jede zweite Messung rich tig. Die gute Trefferquote des Beurer ME 90 erstaunt, denn seine EKGAufzeichnungen ließen nicht erkennen, ob Vorhofflimmern vorliegt.

WAS IST EIGENTLICH VORHOFFLIMMERN?

Bei einem gesunden Menschen schlägt das Herz in einem gleichmäßigen Rhythmus, demSinusrhythmus . Vom Sinusknoten 1 geht ein elektrischer Reiz aus. Danach ziehen sich die Vorhöfe zusammen, der Reiz kommt schließlich bei den Herzkammern 2 an, das EKG 3 zeigt einen gleichmäßigen Rhythmus.Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Hierbei „flimmern“ die Herzvorhöfe: Fehlerhafte elektrische Impulse 4 führen dazu, dass sich die Herzvorhöfe unkontrolliert bewegen, die Herzfrequenz schwankt, das EKG 5 verläuft entsprechend unregelmäßig. So können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden. Diese Gerinnsel können sich lösen, zum Gehirn wandern und dort einen Schlaganfall auslösen.

APPLE-WATCH-EKG IN DEUTSCHLAND

DasEKGläuftbishernurauf Apple-Watch-4-Modellenaus denUSA.DieSensoriksteckt aberauchindeutschenGeräten. ZureinerVerfügbarkeitin DeutschlandkannApplederzeit keinerleiAussagemachen. FürdieZulassunginDeutschland gibtesvonBehördenseite allerdingskeineHürden.In denUSAistdieAppleWatch4 vonderU.S.FoodandDrug Administration(FDA)alsMedizinprodukt zertifiziert.

EKG-Aufzeichnung: Mit den Testkandiaten können Patienten Herzfrequenz und -rhythmus messen und im Fall einer Herzrhythmusstörung die EKG-Aufzeichnung als PDF dem Arzt schicken. Der Mediziner kann aber nur aus einem EKG in hoher Qualität die richtigen Schlüsse ziehen.

Deshalb wurden im Test die Kurven der Testgeräte mit denen des EKG-Monitors verglichen. Bei gesunden Probanden mit Sinusrhythmus muss die Kurve gleichmäßig und frei von Zitterlinien sein. Aus der Aufzeichnung von Patienten mit Vorhofflimmern müssen die Ärzte das Krankheitsbild ableiten können. Der Testsieger Kardia Band hat hier die Nase klar vorn. Erstaunlich gute Aufzeichnungen lieferte auch die Apple Watch 4 – obwohl sie mit ihren Diagnosen im Test ja nicht immer richtiglag. Apple müsste also für zuverlässigere Diagnosen nur die Software optimieren. Auch das Wiwe zeichnete exakte Kurven auf. Das Beurer ME 90 und das Kardia Mobile von AliveCor lieferten relativ schwache Aufzeichnungen.

Tücken bei der Bedienung

Perfekte Messergebnisse und EKGAufzeichnungen bringen aber wenig, wenn die Bedienung Probleme bereitet. Generell ist die Handhabung der EKG-Geräte nicht ganz einfach. Junge Menschen, die täglich mit ihrem Smartphone hantieren, kommen damit zwar klar, aber das Risiko von Vorhofflimmern steigt nun mal mit dem Alter. Wie gut ältere Menschen mit den Geräten zurechtkommen, lesen Sie auf Seite 71.

Für diese Zielgruppe kann es schon zum Problem werden, dass fast alle Geräte nur im Verbund mit einem Smartphone funktionieren. Die Modelle Wiwe und Kardia Mobile haben nicht mal Displays zum Anzeigen der Werte – Ergebnisse speichern sie nur, wenn die Messung per Handy gestartet wurde. Die beiden Uhren Kardia Band mit Apple Watch und Apple Watch 4 lassen sich zudem nur mit einem iPhone koppeln. Immerhin kann der Nutzer die Messung direkt auf der Watch 4 starten, das Ergebnis landet in der Health-App auf dem iPhone. Auch die Messung des Kardia Bands lässt sich über die Uhr starten. Allerdings funktioniert das Band nur mit einem Abo für 9,99 Euro pro Monat oder 99 Euro pro Jahr. Gleiches gilt für das Kardia Mobile, wobei hier im Gratis-Modus zumindest die Messung ohne dauerhafte Speicherung möglich ist. Das einzige Produkt, das sich autonom nutzen lässt, ist ausgerechnet das ungenauste im Test: Das Beurer ME 90 speichert bis zu 36 Messungen unabhängig vom Smartphone und überträgt die Daten an den Windows-PC. Die Übertragung ans Smartphone funktionierte beim Beurer ME 90 nicht zuverlässig. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie ab Seite 70.

Wichtig beim Kauf: Patienten mit einem Herzschrittmacher sollten kein EKG-Gerät nutzen, da das elektrische Signal den Schrittmacher stören könnte.[jst]

FAZIT

Wie exakt die Geräte messen, erstaunte die Mediziner und die Redaktion. Der Testsieger Kardia Band für die Apple Watch erkannte Vorhofflimmern fast fehlerfrei. Die Apple Watch 4 bestimmt die Herzfrequenz exakt, aber ihre Herzrhythmuserkennung schwächelte. Wer das EKG per Android-Handy oder zumindest ohne Apple Watch aufzeichnen will, greift zum Preis-Leistungs-Sieger Sanatmetal Wiwe, der – im Gegensatz zum Testsieger – kein teures Abonnement erfordert.

Guter Sensor, aber nicht für jeden geeignet: Bei Testern mit großen Händen, trockener Haut oder viel Hornhaut streikte das Sanatmetal Wiwe.


Die Ergebnisse des Beurer ME 90 sind schwer abzulesen. Der Bildschirm ist mit 3,9 Zentimeter Diagonale sehr klein, nicht leuchtstark, und die Symbole sind viel zu klein.


Unzertrennlich – das Kardia Mobile startet die Messung nur in Bluetooth-Reichweite zum Smartphone.


Die Apple Watch 4 zeigt das Ergebnis auf dem hellen OLED-Bildschirm gut lesbar und überträgt es zuverlässig ans iPhone.


Foto: Alena Zielinski, iStock; Montage: COMPUTER BILD

Foto: Alena Zielinski, visomat.de; Montage: COMPUTER BILD