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TECHNIK: Henschel Hs 129: Verstopfte Nasen


FLUGZEUG CLASSIC - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 09.03.2020

Hatte die Hs 129 anfänglich noch mit Motorproblemen zu kämpfen, schlug ihre Stunde ab 1942 bei der Schlacht um die Halbinsel Krim. Schon bald war sie nicht nur unersetzlich für die Luftwaffe an der Ostfront, sondern erlangte auch enorme Beliebtheit bei der »Truppe« am Boden


DER »PANZERKNACKER« ZIEHT IN DEN KRIEG

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Bildquelle: FLUGZEUG CLASSIC, Ausgabe 4/2020

Als die Henschel Hs 129 an die Ostfront kam, wirbelte sie ganz schön Staub auf … und damit ist nicht nur die Maschine auf diesem Bild hier gemeint! So ist es unter anderem den »Schlächtern« zu verdanken, dass die Wehrmacht die Krim erobern und 1942 eine gigantische sowjetische Offensive bei ...

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... Charkow zurückschlagen konnte


Das Anfang November 1938 in Garz gegründete Lehrgeschwader 2 zählt zu den vielseitigsten Verbänden der damaligen Luftwaffe. Die Bezeichnung Lehrgeschwader war Programm, die Ausbildungseinheit diente verschiedenen Waffengattungen. Die I./LG 2 war als Jagdgruppe ausgebildet und mit Messerschmitt Bf 109 ausgerüstet, die II./LG 2 nutzte als Schlachtfliegerverband Henschel Hs 123, die III./LG 2 diente der Aufklärung. Dabei sprengte Letztere Schubladendenken; hier gab es jeweils eine Nah-, Fern-, Seeaufklärer- und Nachtstaffel.

Während man die III./LG 2 bereits kurz vor dem Krieg auflöste und ihre Einzelteile entweder verselbstständigte oder anderen Verbänden zuteilte, zogen die ersten beiden Gruppen im September 1939 in den Krieg. Nach Polen und Frankreich trennten sich ihre Wege. Die I. beteiligte sich an der »Luftschlacht um England «, die II.(Schlacht)/LG 2 zog nach Süden, war an den Kämpfen auf dem Balkan beteiligt, an der Eroberung Kretas …

Auf in den Einsatz

Beim im Juni 1941 begonnenen Unternehmen »Barbarossa« zählten die beiden Gruppen zum Aufgebot der Angreifer. Die Jäger wurden im Südabschnitt der Ostfront eingesetzt, die Schlachtflieger im Mittelabschnitt. Nachdem die deutsche Offensive Ende 1941 an Selbstüberschätzung, der Geringschätzung des Gegners und am strengen russischen Winter vor Moskau gescheitert war, zog man den zu diesem Zeitpunkt einzigen Schlachtfliegerverband der Luftwaffe von der Front ab und löste ihn auf. Personal und Ausrüstung verschwanden jedoch nicht, sondern dienten auf Befehl des Generals der Flieger, Hans Jeschonnek, als Keimzelle für das Schlachtgeschwader 1, das erste deutsche Geschwader für die Bekämpfung von Bodenzielen.

Das offiziell am 13. Januar 1942 gegründete Schlachtgeschwader 1 bestand zunächst aus einem Geschwaderstab und zwei Gruppen. Das Personal kam nicht von ungefähr. Der Stab und die erste Gruppe bestanden aus Männern der bisherigen II.(Schlacht)/LG 2, für die zweite Gruppe zog man unter anderem Personal des bisherigen Erprobungskommandos 129 heran. Am Ende der komplexen Entstehungsgeschichte bestand jede Gruppe aus vier Staffeln. Drei mit Bf 109 und eine mit Henschel Hs 123 ausgerüstete Staffel bildeten die I./Sch.G. 1, die zweite Gruppe verfügte über vier Staffeln Hs 129 und damit über einen völlig neuen Flugzeugtyp.

»Vater der Panzerjäger«

Fünf Monate lang spielten sich die Beteiligten in Lippstadt aufeinander ein. Die Mechaniker machten sich mit der neuen Technik vertraut, bis jeder Handgriff saß. Das fliegende Personal übte Bombenabwurf aus niedriger Höhe und Schießanflüge auf Bodenziele. Hs-129-Piloten lobten ihr neues Gerät: »Stabile Flugeigenschaften! Das ist der ideale Schlachtflieger!« Man entwickelte Einsatzstrategien und -taktiken und trainierte die Zusammenarbeit mit den Jägerstaffeln, die ihre Schlachtfliegerkameraden entweder direkt unterstützten oder zumindest Begleitschutz flogen. Das reibungslose Zusammenwirken aller Beteiligten am Boden und in der Luft entschied über Erfolg oder Misserfolg.

Das Emblem der 5./Sch.G. 1


Im Juni 1942 erschienen die ersten mit einer Maschinenkanone ausgerüsteten Hs 129 B-1 an der Front. Anfangs skeptisch betrachtet, erwiesen sie sich als effektive Waffe für die Panzerbekämpfung


Ungeachtet der klimatischen Verhältnisse hatten die Mechaniker und Waffenwarte alle Hände voll zu tun. Die Maschinen kamen so häufig wie möglich zum Einsatz


Mit Oberstleutnant Otto Weiß, der später auch »Vater der Panzerjäger« genannt wurde, ernannte man einen erfahrenen Schlachtflieger zum Kommodore des Sch.G. 1. Bereits in Diensten der II.(Schlacht)/LG 2, verlieh man ihm als erstem Vertreter seiner Waffengattung schon im Mai 1940 das Ritterkreuz, im Dezember 1941 kam das Eichenlaub dazu. Und er blieb nicht der einzige Prominente in den Reihen des neuen Schlachtgeschwaders. Hauptmann Paul-Friedrich Darjes, später ebenfalls Ritterkreuzträger, wurde Kommandeur der II. Gruppe, die aus vier Staffeln Hs 129 bestand. Oberleutnant Bruno Meyer, seit August 1941 auch Ritterkreuzträger, ernannte man zum Staffelkapitän der 4./Sch. G. 1. Erfahrene Schlachtflieger wie die Genannten und junger, gut ausgebildeter fliegerischer Nachwuchs bemannten die Flugzeugführerräume.

Erstes Einsatzziel: Krim

Während der Ausbildungszeit in Lippstadt ereigneten sich drei Unfälle. Am 12. April stürzte Unteroffizier Willi Elbers von der 6. Staffel mit seiner Hs 129 B-1 tödlich ab. Ein von der Firma Henschel entsandter Spezialist ermittelte Motorausfall als Unfallursache. Zehn Tage später wurde eine Maschine vom Geschwaderstab beim Start nur leicht beschädigt, doch schon am darauffolgenden Tag kam es zu einem weiteren Beinahe-Totalverlust: Eine Maschine der 6. Staffel machte eine Bruchlandung, doch ihr Pilot kam mit dem Schrecken davon. Später eilte der Hs 129 der Ruf voraus, dass man in ihrem gepanzerten Cockpit selbst bei Abschuss und Bruchlandung gute Überlebenschancen habe. Ereignisse wie jenes vom 23. April 1942 trugen zu diesem guten Leumund bei.

Ab Ende April machten sich die Staffeln des Schlachtgeschwaders 1 nach und nach auf den Weg in den Südabschnitt der Ostfront. Dort endete allmählich die frühlingsbedingte Tauwetterphase, die alles in Matsch und Schlamm versinken ließ und fliegerische Akti- vitäten wochenlang weitestgehend unterband. Ab Anfang Mai trockneten die Pisten der deutschen Feldflugplätze so weit ab, dass man sie wieder benutzen konnte, die Verbände der Luftwaffe bereiteten sich auf das Kommende vor. Mit ihrer Sommeroffensive des Jahres 1942 wollte die Wehrmacht die sowjetische Front zwischen Kursk und Rostow durchbrechen, Richtung Kaspisches Meer vorstoßen und insbesondere die Ölfelder in der nördlichen Kaukasusregion besetzen. Weil ein solcher Vorstoß Flankenschutz nach Norden und Süden erforderte, gehörte auch die vollständige Eroberung der Krim zur Strategie. Bis Ende 1941 war dies bereits zum großen Teil geschehen, doch die Halbinsel von Kertsch im Osten und der Marinestützpunkt Sewastopol im Süden leisteten weiter Widerstand.

Hierfür verlegte das VIII. Fliegerkorps aus dem Mittel- in den Südabschnitt der Ostfront. Sein Kommandeur, Generaloberst Wolfram von Richthofen, war ein anerkannter Fachmann für das Zusammenwirken von Bodentruppen und Luftstreitkräften an vorderster Front. Einige Teile des Sch.G. 1 wurden seinem VIII. Fliegerkorps unterstellt, andere dem IV. Fliegerkorps für die Offensive Richtung Kaukasus.

Gewachsenes Vertrauen

Am 26. April 1942 machte sich die 4./Sch.G. 1 von Lippstadt aus auf den Weg. Über Zwischenlandungen in Leipzig, Breslau, Krakau, Schitomir und Nikolajew landete sie am 26. April in Grammatikowo auf der Krim. Weil die Mechaniker der Zwischenlandeplätze nicht mit der Technik und vor allem nicht mit den französischen Motoren der 15 Henschel Hs 129 vertraut waren, begleitete sie eine Ju 52 mit 15 auf die Hs 129 spezialisierten »Schwarzen Männern«. In Grammatikowo trafen sie auf das übrige Staffelpersonal, das sich schon drei Wochen zuvor auf dem Landweg dorthin begeben hatte. Schon am Tag nach ihrer Ankunft flog die 4./Sch.G. 1 ihre ersten Einsätze.

Die 5. Staffel folgte der 4. Und machte sich am 18. Mai ebenfalls über Leipzig und die anderen Stationen auf den Weg zur Krim. Von Konstantinowka aus griff sie maßgeblich in jene Kämpfe ein, die letztlich zum Durchbruch führten. Auf der Krim, genauer gesagt über deren Ostzipfel in der Nähe von Kertsch, verlor das Geschwader seine erste Hs 129. Bei einem Tiefangriff auf eine motorisierte Kolonne schilderten Augenzeugen Flakvolltreffer in einer Hs 129 vom Stab der II. Gruppe, Hauptmann Max Eck gilt seither als vermisst.

Gleichzeitig kursierten jedoch auch Berichte von Henschel Hs 129, die schwer beschädigt, sogar nach mehreren Flakvolltreffern, si- cher zu ihren Plätzen zurückkehrten. Nachrichten dieser Art ließen das Vertrauen in das Flugzeug wachsen.

Henschel Hs 129 B-2 der 8.(Pz)/Sch.G. 1 mit Abschussmarkierungen am Seitenruder, eingesetzt an der Ostfront 1943


Zeichnung Herbert Ringlstetter/Aviaticus

Strenger Frost im russischen Winter - am Boden ausgelegte Tücher markierten den Hs-129-Piloten die Start- und Landebahn. Die Dreiseitenansicht unten zeigt die linke Maschine


»Sabotage« und geächtete Waffen

Der Südabschnitt der Ostfront war ein intensiver Kriegsschauplatz, die Staffeln waren von 3 Uhr morgens bis 9 Uhr abends ständig im Einsatz, und vor allem das Bodenpersonal hatte alle Hände voll zu tun. Das Klima im Südabschnitt der Ostfront folgte eigenen Gesetzen. Auf den harten Frost des Winters und den bodenlosen Matsch des Frühjahrs folgten staubtrockene Hitzeperioden. Der starke Flugbetrieb auf den deutschen Feldflugplätzen forderte seinen Tribut. Die vielen startenden und landenden Flugzeuge wirbelten Unmengen an Staub auf, Zeitzeugen zufolge lag eine Staubwolke über dem Land. Die empfindlichen Motoren der Hs 129 reagierten darauf, zahlreiche Einsätze wurden wegen Motorproblemen vorzeitig abgebrochen, die Maschinen kehrten kurz nach dem Start wieder zu ihren Feldflugplätzen zurück.

Voreilig war von Sabotage die Rede, oberflächlich suchte man nach schnellen Erklärungen und nach geeigneten Schuldigen. Klügere ließen sich davon jedoch nicht infizieren, sahen genauer hin und erkannten verschmutzte und verstopfte Vergaser als Ursache der Probleme. Es dauerte einige Zeit, doch dann verstand man die Zusammenhänge. Die Vergaser der Gnome-&-Rhône-Motoren waren hinter den Triebwerken positioniert, die nötige Luft erhielten sie durch einen langen Einlass, der unter den Triebwerken bis zur vorderen Motorverkleidung führte.

Die serienmäßigen Staubfilter der Gnome- &-Rhône-Motoren waren für derartige Rahmenbedingungen nicht ausgelegt, die anfangs rundlichen Profilfilter schützten die Vergaser nicht vor Sand und Staub. Ein neuer Luftfilter wurde konstruiert, mehrere übereinandergelegte Riffelbleche lösten schließlich das Problem. Staub und Dreck blockierten gerne auch den Verstellmechanismus der Propellerblätter. Auch daran wurde getüftelt - und verbesserte Elektromotoren schufen hier Abhilfe.

Von Anfang März bis Anfang Oktober 1942 war Paul Friedrich Darjes der Gruppenkommandeur der II./Sch.G. 1. Im Oktober 1942 verlieh man ihm das Ritterkreuz


Von Anfang März bis Anfang Oktober 1942 war Paul Friedrich Darjes der Gruppenkommandeur der II./Sch.G. 1. Im Oktober 1942 verlieh man ihm das Ritterkreuz


Henschel Hs 129 B-2, W.Nr. 0300, der 8.(Pz)/Sch.G. 1 im provisorischen Wintertarnanstrich an der Ostfront 1942/43


Zeichnungen Herbert Ringlstetter/Aviaticus

Sowohl beim IV. als auch beim VIII. Fliegerkorps dienten die Hs 129 vor allem den eigenen Bodentruppen zur Nahunterstützung an der Front. Die Flieger griffen direkt in die Kämpfe entlang der Hauptkampflinie ein, beschossen und bombardierten gegnerische Stellungen, MG-Nester, Infanterie, Artillerie, Transportund Marschkolonnen sowie Panzer. Je nach Rüstsatz konnte die Hs 129 eine 250-kg-Bombe oder vier 50-kg-Bomben unter dem Rumpf tragen sowie jeweils eine weitere 50-kg-Bombe unter den Tragflächen.

Gegen »Weichziele« (Menschen und Tiere) kamen jedoch heute weithin geächtete Splitterbomben zum Einsatz, beispielsweise die zwei Kilogramm schwere SD 2. Die Hs 129 konnte 96 dieser Bomben in einem speziellen Rost unter dem Rumpf tragen und unter den Tragflächen jeweils 24 weitere. Ihre Wirkung war verheerend, mitunter für alle Beteiligten. Häufig blieben SD 2 in den Abwurfrosten hängen und die Flugzeuge kehrten damit zu ihren Plätzen zurück. In dieser Situation bedrohten die Splitterbomben jetzt auch die eigenen Leute, sowohl die Maschine bei der Landung als auch die Waffenwarte, die das hochbrisante Material entfernen mussten.

Henschel Hs 129 B-1 der 5. Staffel (Pz) des Sch.G. 1 im Frühjahr 1942. Links am Rumpf das Geschwader-Emblem in Rot der II. Gruppe


Zeichnung Herbert Ringlstetter/Aviaticus

So gefährlich war die Hs 129: Einschussloch im Geschützturm eines Panzers vom Typ T-34


Gegnerische Flak hat diese Hs 129 B-1 der 5./Sch.G. 1 am 23. Mai 1942 bei Konstantinowka abgeschossen. Das Profil oben stellt eine Maschine der selben Einheit dar


Eine Hs 129 B-1 der 13.(Pz)/JG 51 in Wintertarnung, abgestellt wie üblich im Freien. Schlachtflugzeuge waren für den frontnahen Einsatz auf wenig ausgebauten Plätzen konzipiert


Unerwarteter Sieger

Bei den Bodentruppen machten sich die Schlachtflieger rasch beliebt. Kommandeure lobten ihren Einsatz, und laut Generalfeldmarschall Fedor von Bock, Befehlshaber der Heeresgruppe Süd, hob sich die Moral der Infanterie umgehend, sobald die »Schlächter« über der Front erschienen. Die stürzten sich jedoch nicht nur auf die gegnerischen Bodentruppen.

Beispielsweise griff auf der Krim ein Schwarm der 4./Sch.G. 1 einen mit rund 70 Maschinen belegten Feldflugplatz der Roten Armee an. Dem Tiefangriff der vier Hs 129 fielen ungefähr 40 der abgestellten Maschinen zum Opfer. Eine Hs 129 schoss sogar eine Polikarpow I-16 in der Luft ab und erzielte damit den ersten Luftsieg eines Typs, der für Luftkämpfe gar nicht vorgesehen war. Den zirka 30 sowjetischen Maschinen, die den deutschen Angriff zunächst überstanden hatten, blieb nicht genügend Zeit für irgendeine Art von Reaktion, denn plötzlich erschien ein tief ins Feindesland vorgedrungener motorisierter Verband der Wehrmacht, überrannte den Platz und überrumpelte sein Personal. Für den deutschen Trupp kam der Flugplatz wie gerufen, er hatte ihn mit dem letzten Tropfen Sprit erreicht. Weil sich jedoch niemand mit Flugzeugen oder den Zapfanlagen auskannte, hackte man die Tanks der verbliebenen Flugzeuge einfach auf.

Kurioserweise besitzt diese wintergetarnte Hs 129 B-2 eine modifizierte Motorverkleidung, die dafür gedacht ist, die Triebwerke besser zu kühlen


Verpönte Waffe: Dieser Rahmen nahm 96 Splitterbomben vom Typ SD 2 auf. Mensch und Tier fügten sie schwerste Verletzungen zu …


… Die SD 2 waren nicht beliebt, weil sie häufig im Rost hängen blieben und dann das Flugzeug und die eigenen Leute bedrohten


Hart im Nehmen

Die Kämpfe auf der Krim waren noch nicht beendet, da überraschte die Rote Armee südlich von Charkow mit einer großen Offensive. Ab dem 12. Mai griffen haushoch überlegene und bestens ausgerüstete Kräfte die in der Region stationierten deutschen und rumänischen Truppen an. In aller Eile verlegte man die auf der Krim operierenden Schlachtflieger an den neuen Brennpunkt, von Feldflugplätzen in vorderster Front griff auch das hier wieder vereinte Sch.G. 1 in das Geschehen ein. Die Luftstreitkräfte der Roten Armee bekämpften die von den Deutschen gehaltenen Flugplätze in Südrussland mit allen Mitteln.

Ständige massive Luftangriffe fügten den Angreifern großen Schaden zu, die Luftwaffe erlitt hohe Personal- und Materialverluste. Auch die bei Konstantinowka liegende II./ Sch.G. 1 geriet mehrmals ins Fadenkreuz der »Roten Flieger«, doch einmal mehr stellten die Hs 129 ihre Nehmerqualitäten unter Beweis. Bei einer Gelegenheit bombardierten vier Boston-Bomber den Platz der Hs 129 bei Konstantinowka. Die dort abgestellten Maschinen waren über die Fläche verteilt und durch Splitterboxen geschützt, trotzdem wurden zwei Hs 129 bei Nahtreffern von Splittern regelrecht durchsiebt. Auf den ersten Blick sahen die Flugzeuge übel mitgenommen aus, doch es stellte sich heraus, dass die äußere Hülle zwar durchlöchert, die Innereien jedoch völlig unversehrt geblieben waren. Man wechselte die zerfetzten Reifen, überprüfte die Technik, und dann waren die Schlachtflieger wieder einsatzbereit. Das durchsiebte Äußere beeinträchtigte die Flugeigenschaften nicht.


»Die Flugzeuge sahen übel aus, doch die Innereien blieben völlig unversehrt. «


Eingekesselt

Unverwundbar war die gepanzerte Henschel dennoch nicht. Am 22. Mai ging eine Hs 129 aufgrund von Problemen mit der Treibstoffversorgung bei einer Bruchlandung verloren. Ihr Pilot, ein erfahrener Schlachtfliegerveteran, benötigte ein Dreivierteljahr für die Rekonvaleszenz. Schon am darauffolgenden Tag fielen drei weitere Hs 129 B-1 der massiven Flakabwehr bei Izium zum Opfer. Die erste gehörte dem Stab der II./Sch.G. 1 an, Feldwebel Alfred Katzenberg sprang aus der brennenden Maschine, und Augenzeugen berichteten, wie sich sein Fallschirm öffnete, starker Wind ihn dann aber über die Front in sowjetisches Gebiet trieb. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Die Henschel Hs 129 B-2 war serienmäßig mit der Maschinenkanone MK 103 ausgerüstet, hier ein Exemplar der Panzerjägerstaffel des JG 51 Anfang 1943


Funktionaler Aufbau: Für Wartungs- und sonstige Arbeiten konnten die Mechaniker die Maschinenkanone MK 101 herunterklappen


Eine Hs 129 B-1 der 4./Sch.G. 1 im Sommer 1942. Am Rumpf prangt das schwarze Dreieck der Schlachtflieger, hinter der Cockpithaube das Staffelwappen


Die zweite Maschine der 5. Staffel erhielt einen Flakvolltreffer in einen der Motoren, der sofort Feuer fing. In der Nähe von Petrowskaja versuchte Unteroffizier Heinz Lammel eine Bauchlandung, bei der sein Flugzeug jedoch explodierte. Nicht weit davon entfernt kam noch eine Hs 129 der 5. Staffel herunter. Auch ihre Notlandung endete in einem Bruch. Ihr Insasse kam jedoch mit dem Schrecken davon.

Am 24. Mai versuchten die bereits eingekreisten sowjetischen Truppen aus dem Kessel auszubrechen, die II./Sch.G. 1 beteiligte sich an jenen heftigen, nur wenige Tage dauernden Kämpfen. Von früh morgens bis spät abends flogen die Hs 129 rollende Angriffe auf die Gegner, doch trotz heftigster Flakabwehr verloren sie keine einzige Maschine. Am 28. Mai endeten die Kämpfe mit der erfolgreichen Einkesselung der sowjetischen Truppen. Fedor von Bock meldete fast eine Viertelmillion Gefangene, mehr als 1200 vernichtete Panzer und über 2000 erbeutete Geschütze.

Gewaltig unter Druck

Am 31. Mai absolvierte der bereits erwähnte Oberleutnant Bruno Meyer seinen 500. Feindflug. Später beschrieb er die Situation der eigenen Bodentruppen: »Der Gegner war zahlenmäßig haushoch überlegen, im Verein mit starken Panzerkräften drängte die gegnerische Infanterie zur Bahnlinie Chuguyew-Kupiansk. Alle unsere Hs-129-Staffeln wurden in die Schlacht geworfen, um den Gegner aufzuhalten. Doch nachts, und dann, wenn die Wetterverhältnisse so mies waren, dass wir nicht fliegen konnten, nutzten sie die Situation aus und brachen immer wieder durch. Unsere Infanterie stand permanent gewaltig unter Druck.«

Und doch schafften sie es irgendwie. Und nicht nur das! Bis zum Beginn der deutschen Sommeroffensive gelang es der Roten Armee nicht, ihre Lage zu stabilisieren. Mehr über die Einsätze der Hs 129 lesen Sie in einer kommenden Ausgabe.

Bisher zur Henschel Hs 129 erschienen:

FC 02/2018 Der »fliegende Sarg«
FC 07/2018 »Fliegender Sarg« als Feuerspucker
FC 12/2018 Dickhäutiger Panzerknacker

Panzerjagd erfordert Spezialwissen

Im Schlachtgetümmel: ein T-34 am 20. November 1942 bei den Kämpfen um Stalingrad ullstein bild - SPUTNIK/STF


Um gegen einen Gegner bestehen zu können, muss man ihn kennen, vor allem seine technische Ausstattung. Allerdings gab es in dieser Hinsicht bei Beginn des Unternehmens »Barbarossa« aus der Sicht der deutschen Führung mehrere weiße Flecken. Beispielsweise waren die sowjetischen Panzer KV und T-34 so gut wie unbekannt und die Wehrmacht erfuhr alsbald, dass ihren Kanonen vom Kaliber 76,2 Millimeter kein deutscher Panzer standhielt.

Zugleich hatte die deutsche Seite kaum geeignete Mittel gegen die sowjetischen Panzer. Die Stärke der Armierung variierte. Beim schweren Panzer KV-1, der nach dem Verteidigungsminister der Sowjetunion Kliment Woroschilow benannt war, betrug sie je nach Modell zwischen 75 und 130 Millimeter. Für die gängige deutsche Pak war er nahezu unverwundbar. Auf die Frage, wie man diesen Kolossen begegnen könne, gab es keine rasche Antwort. Der Generalstab forderte wirksame Panzerabwehrgeschütze, die man auch aus der Luft abwerfen könne, um Truppenteile auszurüsten. Dergleichen war jedoch nicht auf die Schnelle umsetzbar.

Zumindest im ersten Kriegsjahr hatte die deutsche Seite jedoch das Glück, dass die sowjetische Führung ihre Panzerwaffe nicht richtig einsetzte. Zahlreiche Panzer begleiteten zwar die Vorstöße der Roten Armee, allerdings waren sie der Infanterie zugeordnet und dienten in erster Linie als deren Schutz und Begleiter. So bewegten sich beispielsweise die T-34 im Fußtempo der Infanterie, anstatt ihre Geländegängigkeit und Geschwindigkeit auszunutzen.

Obendrein verteilte die sowjetische Führung ihre Panzer zunächst gleichmäßig über die gesamte Front, anstatt sie schlagkräftig zu bündeln, so wie es die Deutschen taten. Deren Führung hatte die Panzerwaffe als eigenständige Waffengattung längst erkannt, was sich auch in der Blitzkriegführung zeigte.

In taktischer und strategischer Hinsicht hinkte die sowjetische Führung der deutschen anfangs hinterher, allerdings lernte sie sehr schnell dazu. Ab Herbst 1942 wendete sich dann das Blatt, fähige Kommandeure formten die sowjetische Panzerkräfte zu einer schlagkräftigen und gefährlichen Waffe.


Fotos, soweit nicht anders angegeben, Archiv Flugzeug Classic