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TECHNIK – MAURICE LACROIX AIKON MERCURY: DAS MERCURY PUZZLE


Armbanduhren - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 29.11.2019

«Mercury Rising» hieß der Thriller, in dem Bruce Willis einen neunjährigen autistischen Jungen vor der NSA beschützt, weil dieser einen streng geheimen Regierungscode geknackt hat. Wir haben das Rätsel der Maurice Lacroix Aikon Mercury gelöst.


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Bildquelle: Armbanduhren, Ausgabe 7/2019

Bei abgenommenen Ziffernringen und Zeigern erkennt man die beiden schneckenförmigen Kurvenscheiben, an denen die Tastflächen der Rechen die Zeitinformation abgreifen. Die Rechen sind komplex geformte Hebel, die mit gebogenen Zahnstangen in die Triebe von Stunden- und Minutenzeiger eingreifen und diese verdrehen.


Eine Uhr, die steht, zeigt immer noch zweimal am Tag ...

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... die richtige Uhrzeit an, sagt der Volksmund. Am Arm getragen, zeigt die Aikon Mercury meist zwölf Uhr an, und der Träger darf sich nicht wundern, wenn er ein ums andere Mal von seinem Gegenüber auf seine vermeintlich stehen gebliebene Uhr angesprochen wird.

ZEIGER, VÖLLIG LOSGELÖST

Wer wissen will, wie spät es ist, muss das Handgelenk mit der Aikon Mercury einfach ein wenig in Richtung Gesicht drehen, und schon schwenken die zuvor auf «12 Uhr» weisenden Zeiger schwungvoll wie von Geisterhand bewegt auf die korrekte Uhrzeit – um sofort wieder ihre «Parkposition» einzunehmen, sobald man die Uhr in Richtung der «12» kippt. Wenn man die Uhr auf der Tischplatte ablegt, zum Beispiel seitlich auf die «9», fallen die Zeiger in die unterschiedlichsten Stellungen, die eine Zeitanzeige nur vorgaukeln. In Wirklichkeit sind die Zeiger vom Uhrwerk entkoppelt und machen, was sie wollen.

Maurice-Lacroix-Entwicklungschef Lionel Pinotti ist ein leidenschaftlicher Tüftler, der mit seinen Konstruktionen immer wieder für Verblüffung sorgt. Man denke nur an die quadratischen, kleeblatt- oder herzförmigen Zahnräder, die spielfrei aneinander abrollen und dabei die verstreichenden Sekunden anzeigen. Oder an die nach vorne, quasi aufs Zifferblatt geholte Hemmungspartie der Masterpiece Gravity.

Für die Technik der Mercury («Quecksilber ») hat er sich ein Zeigerwerk ausgedacht, das keine permanente Verbindung zum Uhrwerk hat, sodass die Zeiger sich zwischendurch auch einmal völlig frei bewegen können. Die Information über die Uhrzeit wird mit zwei Kurvenscheiben – eine für die Stunden, eine für die Minuten – aus dem Uhrwerk bezogen. Auf den ansteigenden Flächen der schneckenförmigen Scheiben greifen Abtasthebel die Information ab und übertragen sie mit fein verzahnten Rechen (wie sie bei einer Minutenrepetition verwendet werden) an die Triebe der beiden Zeiger im Zentrum des Zifferblatts. Der Clou der Konstruktion besteht darin, dass die Rechen mit ihrem Eigengewicht darüber entscheiden, ob die Hebelflächen an den Kurvenscheiben anliegen oder nicht. Das gesamte System ist also rein von der Schwerkraft gesteuert und lässt sich durch Bewegen der Uhr beeinflussen. Die beiden Zeiger sind mit Gegenschenkeln mit «M»-Logo beziehungsweise einem Kreis penibel ausbalanciert, damit sie auf kleinste Lageveränderungen reagieren.

Auf den ersten Blick ähnelt die Mercury der Aikon-Skelettversion. Doch die Uhrzeit zeigt sie nur an, wenn die «12» höher liegt als die «6». Sonst machen die Zeiger, was sie wollen.



«AUSGEFALLENE ZEIGERSPIELE HABEN WIR IN DER BRANCHE JA SCHON EINIGE GESEHEN, ABER NOCH KEINE TECHNISCH DERART AUSGEKLÜGELTE KINEMATIK – UND SCHON GAR NICHT IM VIERSTELLIGEN PREISBEREICH!»


1


2


1 Das Finish der skelettierten Modulplatine wird durch Lasergravur aus Messing herausmodelliert und anschließend geschwärzt.

2 Wenn man die Mercury am Handgelenk baumeln lässt, schwenken die Zeiger auf eine Art Parkposition. Die Zahnrechen zum Zeigerwerk werden von der Schwerkraft bewegt.

VORWÄRTS IMMER, RÜCKWÄRTS NIMMER

Wegen der Stufen in den beiden Schneckenscheiben kann die Uhrzeit nur vorwärts eingestellt werden, weil beim Zurückdrehen die Abtasthebel an der Stufe anstehen und die Zeiger sich nicht weiterbewegen. Apropos Stufe: Wer genau hinschaut, erkennt, dass der Minutenzeiger zur vollen Stunde nicht einfach über die «12» streicht, sondern eine Volte rückwärts schlägt, weil sein Abtasthebel über die Schneckenstufe stürzt und den Zahnrechen mitreißt. Dasselbe geschieht natürlich um Mittag bzw. Mitternacht mit dem Stundenzeiger, aber nur, wenn die Uhr so gehalten wird, dass die Schwerkraft für sauber anliegende Abtasthebel sorgt. Ansonsten vollzieht sich die Passage der Schneckenstufe ohne Auswirkung auf die Zeigerstellung.

WEGWEISENDES DESIGN

Weil die Designer bei der Aikon Mercury auf ein Zifferblatt im herkömmlichen Sinne verzichtet haben und die Grundplatine des Zeigerwerk-Moduls sehr großzügig skelettiert ist, hat man einen guten Blick auf die Bewegungen der beiden Zahnrechen, die aus der anthrazitgrauen Tiefe silbrig-poliert hervorscheinen. Auch die beiden Schneckenscheiben bei der «2» und bei der «10» sind gut zu erkennen.

Die mattgrau, fast schwarz erscheinenden Oberflächen der Platine sind in einem Lasergravur-Verfahren bearbeitet, das die Flächen zwischen den konturierten Rädern aufraut und dadurch einen sehr tiefen Relief-Eindruck erzeugt.

Von hinten durch den Glasboden sieht der Betrachter ein im Maurice-Lacroix-Dekor finissiertes Sellita-Automatikwerk vom Kaliber SW260 mit einem personalisierten und skelettierten Aufzugsrotor. Weil der Modulaufbau nur knapp 3 Millimeter aufträgt, ist die Aikon Mercury nicht viel höher als eine Aikon Skeleton mit dem hauseigenen Manufakturkaliber und bleibt auch preislich in deren Nähe.

3 Das Basisuhrwerk (Sellita SW260) ist mit einem speziellen ML-Dekor lasergraviert und mit einem personalisierten Aufzugsrotor ausgestattet.


MAURICE LACROIX AIKON MERCURY

Referenz: AI6088-SS002-030-1
Werk: Automatik, Kaliber ML 225; Ø 36 mm, Höhe 8,9 mm; 54 Steine; 28.800 A/h; Werk skelettiert und fein finissiert; Brücken mit schwarzer PVD-Beschichtung; Gangreserve 38 Std.
Funktionen: Stunden, Minuten, Kleine Sekunde
Gehäuse: Edelstahl, Ø 44 mm, Höhe 14 mm; Saphirglas; Krone verschraubbar; wasserdicht bis 10 bar
Band: Rindleder, Faltschließe
Bemerkung: bei einer Lageveränderung schwenkt das Zeigerpaar auf «12 Uhr», bei gerade gehaltener Uhr schwenken die Zeiger auf die aktuelle Uhrzeit zurück
Preis: € 7500,

TECHNISCHE MEISTERLEISTUNG

Ausgefallene Zeigerspiele haben wir in der Branche ja schon einige gesehen, und darunter befinden sich auch einige, die auf Knopfdruck die wahre Uhrzeit verbergen bzw. nur auf Verlangen die Zeit anzeigen. Meist sind die Mechanismen hinter dem Zifferblatt so komplex, dass der Preis der Uhren weit in den fünfstelligen Bereich schießt.

Geschäftsführer Stéphane Waser macht keinen Hehl daraus, dass die Idee zur Entkoppelung des Zeigerwerks, währenddessen das Uhrwerk weiterläuft, bei Maurice Lacroix schon seit Jahren kursierte. Bereits 2008 wurde für die «Mémoire One» ein solcher Mechanismus entwickelt, der das Hin- und Herschalten zwischen Zeitanzeige und Chronograph ermöglichte und dabei im Hintergrund die jeweils andere Funktion weiterlaufen ließ. Doch die hoch komplizierte Mémoire kam über das Konzeptstadium nie hinaus und hätte wahrscheinlich einen sechsstelligen Betrag gekostet – definitiv kein Maurice-Lacroix-Terrain.

SAUBER POSITIONIERT

Maurice Lacroix hat dagegen in den letzten Monaten mit der modernen Linie Aikon und einigen verjüngten «Masterpieces» im heiß umkämpften mittleren Preissegment wieder Boden gutgemacht und gibt sich in der Kalkulation ganz altmodisch tugendhaft. Selbst Manufakturkaliber mit retrograden Anzeigen und anderen Komplikationen werden bei Maurice Lacroix knallhart eingepreist, um im vierstelligen Preisbereich Präsenz zu demonstrieren. Und in dieses Umfeld hinein wurde auch die Aikon Mercury konzipiert.

Der Preis von 7500 Euro für ein derart faszinierendes Stück Uhrwerktechnik bleibt dem Autor dennoch ein Rätsel, denn er beinhaltet nicht nur die technisch hochwertige Ausstattung mit einem sehr hohen Anteil an selbst konstruierten Bauteilen, sondern auch eine gehörige Portion Gehirnschmalz, die den Betrachter bei jeder scheinbar willkürlichen Bewegung der Zeiger in helles Entzücken versetzt.

Text: Peter Braun Bilder: Jörg Hajt
www.armbanduhren-online.de

Wie der Zeigermechanismus der Mercury funktioniert, sehen Sie im Video unter: https://bit.ly/2WtspBv