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TECHNIK SPECIAL: LEGENDS OF DAKAR: VOLKSWAGEN ILTIS 1980: SERIE: DER WÜSTLING


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 14.05.2019

Ehrfurcht! Schlicht und ergreifend Ehrfurcht beschleicht mich. Für kurze Zeit darf ich Platz nehmen im legendären VW Iltis von Freddy Kottulinsky und Gerd Löffelmann. Die jagten den Iltis anno 1980 zum Dakar-Sieg. Seitdem steht er im Museum – eigentlich …


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 6/2019

Neue 16-Zöller, originaler U-Schutz.


Nie ohne Ascher! Heute undenkbar.


Zeitdokument: Originale Aufkleber.


Die Blicke der Verkehrsteilnehmer fallen sehr unterschiedlich aus: Für viele ist der sichtlich ramponierte Oldie ein Fall für die Presse. Nein, nicht für Leute wie mich, sondern für die Schrottpresse. Kenner wiederum blicken kurz auf die legendäre ...

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Die Blicke der Verkehrsteilnehmer fallen sehr unterschiedlich aus: Für viele ist der sichtlich ramponierte Oldie ein Fall für die Presse. Nein, nicht für Leute wie mich, sondern für die Schrottpresse. Kenner wiederum blicken kurz auf die legendäre Startnummer und auf die nicht minder historischen Sponsoren, die auf der Außenhülle kleben – und wissen Bescheid. Denn hier wird ein Stück automobiler Renngeschichte durchgelüftet. Seinen Kumpel, den Race- Touareg von 2011 (die beiden parken in der sensationellen Sammlung der „Stiftung AutoMuseum Volkswagen“ einträchtig Seit‘ an Seit‘), hat er heute mal alleine gelassen, der Iltis: Betrachtet man die beiden VW-Sportgeräte, dann könnte der Unterschied kaum größer sein, scheint der wuchtige Touareg den zierlichen Iltis doch fast zu erdrücken. Indes hat es der vermeintliche Opi faustdick hinter den Ohren und im Gebälk. Das ganze Thema begann tief in den 1970er-Jahren beim „Barras“, wo der bei der Volkswagen- Tochter Audi in Ingolstadt produzierte Iltis seinen ersten Auftritt hatte. Auf dem zivilen Markt konnte das Hochbein hingegen nie so recht reüssieren. Angesichts seines Preises (der Allradler kostete ungefähr so viel wie drei VW Golf) sei das aber auch kein Wunder, meint Eckberth von Witzleben. Er ist Archivar der Sammlung in Wolfsburg und kennt die „137“ genau. „Das Auto kam direkt aus dem Senegal zu uns in die Sammlung, komplett mit Sand in den Bremstrommeln und der gesplitterten Frontscheibe“, erklärt der Automobilhistoriker, während er über das knüllige Dach streichelt. Das Gestänge lässt sich nicht mehr am Scheibenrahmen einhängen der heftigen Kaltverformung wegen. Je nun, ein Sandkasten-Trallala war die Dakar nie, schon gar nicht anno 1980. Weit über 200 Fahrzeuge starteten am Neujahrstag in Paris zur zweiten Auflage des just entstehenden Rallye-Klassikers. Darunter auch vier VW Iltis, die sich im Feld der Konkurrenz aus England, Japan oder der UdSSR – ja, die gab es damals noch – regelrecht mickerig versteckten. Und auch die kaum mehr als ein halbes Jahr dauernde Vorbereitungszeit schien nicht unbedingt ein Garant für motorsportliche Erfolge, dem späteren Sieger Kottulinsky blieben am Ende zwei Tage Vorbereitung zwischen Vertragsabschluss und Start. Doch in Wolfsburg und vor allem in Ingolstadt vertraute man auf die Technik, die beinahe sträflich ungetunt ins Rennen geschickt wurde: Im späteren Siegerauto wurde nicht einmal ein zweiter Vergaser montiert. „Die Leistung dürfte deshalb nicht nennenswert höher als die 75 Serien-PS gewesen sein“, erklärt Eckberth von Witzleben. „Ich denke, der Motor unserer 137 ist komplett unfrisiert. Man wollte eben zeigen, was der Iltis im Serientrimm kann.“ Dass sich VW parallel mit dem Iltis um einen französischen Regierungsauftrag bemühte, das darf nicht vergessen werden. So blieb es also bei einem heute leider nicht mehr erhaltenen Zusatztank mit 90 Litern, einem verstärkten Fahrwerk und einem Überrollkäfig. „Und der machte Sinn, das Auto purzelte tatsächlich eine Düne herunter, aber ohne größere Folgen, sieht man von den Beulen ab.“ Vermutlich dürfte Kottulinsky dabei nicht mal die Kippe aus dem Mundwinkel gefallen sein: „Ja, das war so ein richtiger Kettenraucher, sein Co-Pilot musste auf der Fähre nach Afrika stangenweise Nachschub kaufen“, meint von Witzleben schmunzelnd und zeigt auf den Ascher. Ein Ascher in einem Rennauto? Heute undenkbar! Auf dem Schwarzen Kontinent begann das Abenteuer richtig: Hier konnte der kompakte Iltis zeigen, was er so draufhat mit seinen beiden Sperren, die der rauchende Münchner mit schwedischem Pass gut zu bedienen wusste. „Unterdessen war Gerd Löffelmann für die Navigation zuständig. Denn GPS oder reichweitenstarke Funkgeräte gab es noch lange nicht, die Teams hangelten sich mit Karten von Wegpunkt zu Wegpunkt.“ Dass bei einem allzu wilden Manöver (von Kolokani nach Nioro lag das Auto mal wieder schräg) der Kompass verloren ging, machte die Sache nicht besser. „Kottulinsky konnte aber tatsächlich einen Einheimischen von seiner Mission überzeugen. Und der ist dann wirklich 200 Kilometer mitgefahren, hat dem Iltis den sicheren Weg zum Ziel gezeigt und ist anschließend – mit sämtlichem Hartgeld, das sich im Auto fand – zu Fuß wieder zurückmarschiert.“ Eckberth von Witzleben schüttelt den Kopf, Rallyes haben eben ihre eigenen Gesetze. Wo allerdings der tapfere Wegweiser Platz fand im engen Heck, kauernd auf dem Zusatztank und den Reserverädern, das wird wohl ewig das Geheimnis des Iltis bleiben. Und das sei ihm auch zugestanden, diesem sensationellen Stück Automobilgeschichte, das mich in Ehrfurcht versetzt. Ach ja, und einen Kippenstummel fand ich auch unterm Sitz: Ich hab ihn kurz in der Hand gehalten. Und dann wieder an seinen Platz gelegt …

137: Die Nummer der Legende.


Spaten? Ja, der war im Einsatz.


„Ich denke, der ist unfrisiert.“


Nicht mal ein Doppelvergaser.


Ja, Öl war auch noch drin.


Kampfspuren? So sehen Sieger aus!


Die Cola: Original 1980.


Patrick Zaniroli saß der 137 im Nacken.


Das Werkstattfahrzeug: Auf Rang 9!


LEGENDS OF DAKAR 1980

Ergebnis 2. Rallye Oasis Paris-Dakar (1.-23. Januar 1980)

1. Platz: 137, Kottulinsky/Löffelmann (S/D), VW Iltis
2. Platz: 136, Zaniroli/Colesse (F/F), VW Iltis
3. Platz: 120, Marreau/Marreau (F/F), Renault 4 Sinpar
4. Platz: 138, Ragnotti/Vails (F/F), VW Iltis
5. Platz: 112, Neveu/Bourgoin (F/F), Range Rover
9. Platz: 139, Gumpert/Eder (D/D), VW Iltis (Werkstattw.)

Wir bedanken uns herzlich bei der Stiftung AutoMuseum Volkswagen für die Bereitstellung des Fahrzeugs und die sehr angenehme Kooperation! Wer sich das Stück Dakar- Geschichte einmal selbst anschauen möchte:

Stiftung AutoMuseum Volkswagen

Dieselstraße 35
38446 Wolfsburg

www.automuseum-volkswagen.de