Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

Technik&Taktik: 2-RUTEN-THEORIE: Weniger fängt mehr


Kutter & Küste - epaper ⋅ Ausgabe 73/2018 vom 09.10.2018

Manche packen ihre Autos mit Angelgerät so voll, dass das zulässige Gesamtgewicht längst überschritten ist - und das Bier muss auch noch mit! Unser Autor plädiert für eine minimale Angelausrüstung für die Norwegentour. Die Auswahlfaktoren müssen stimmen, dann passt das Angelgerät auch noch mit ins Auto, wenn eigentlich „nur“ ein Familienurlaub geplant ist – oder man mit dem Flieger unterwegs ist…


Artikelbild für den Artikel "Technik&Taktik: 2-RUTEN-THEORIE: Weniger fängt mehr" aus der Ausgabe 73/2018 von Kutter & Küste. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kutter & Küste, Ausgabe 73/2018

Die Ausrüstung für einen Norwegenangeltrip sollte nicht zu umfangreich ausfallen, meint unser Autor Felix Schwarte.


Dieser Artikel soll vor allem klar machen, dass nicht viel Angelgerät sondern weniger manchmal ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Kutter & Küste. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 73/2018 von Faszination Angeln: SPINNFISCHEN: Mit Leichtigkeit zu Pollack & Co.. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Faszination Angeln: SPINNFISCHEN: Mit Leichtigkeit zu Pollack & Co.
Titelbild der Ausgabe 73/2018 von REVIER & REISE: Auf Silber am Vejlefjord: Top-Tipp. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REVIER & REISE: Auf Silber am Vejlefjord: Top-Tipp
Titelbild der Ausgabe 73/2018 von SZENE & EVENTS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SZENE & EVENTS
Titelbild der Ausgabe 73/2018 von UMWELT & FORSCHUNG: Hitze schadet den Meeren: Top-Thema. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UMWELT & FORSCHUNG: Hitze schadet den Meeren: Top-Thema
Titelbild der Ausgabe 73/2018 von BOOT & TECHNIK. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BOOT & TECHNIK
Titelbild der Ausgabe 73/2018 von BIG GAME: Kenia. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BIG GAME: Kenia
Vorheriger Artikel
Reportage: OSTSEEDORSCH: ANGELN NACH ZAHLEN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel FRAGEN SIE DIE EXPERTEN
aus dieser Ausgabe

... mehr ist, vorausgesetzt es ist gut ausgewählt. Wie ich mit nur zwei Ruten (und Rollen) und einer Tasche mit Material allen Fjordräubern erfolgreich nachstellen kann. Die Auswahlfaktoren müssen stimmen, dann passt das Angelgerät auch noch mit ins Auto, wenn „nur“ ein Familienurlaub geplant ist – oder ich mit dem Flieger unterwegs bin… Los geht’s Drei große Kisten packt Wolfgang aus dem Auto, plus ein Rutenfutteral mit dem Durchmesser einer ausgewachsenen Eiche. Mit Schweißperlen auf der Stirn geht er langsam zum Wasser. Währenddessen ist Jörg mit seiner Umhängetasche und dem schmalen Rutenrohr schon am Steg und macht die ersten „Probewürfe“. Bald darauf zappelt eine schöne Makrele am Haken. Mit einem leichten Schmunzeln beobachte ich in den nächsten Tagen das Geschehen: Obwohl ich auch Wolfgang eine recht genaue Info gegeben hatte, was am Fjord für Angelmaterial benötigt wird, hat er „sicherheitshalber“ noch jede Menge mehr eingepackt. Man weiß ja nie. Die Folge: Auch wenn wir zusammen auf dem Wasser sind und ich ganz bewusst die komplette Angelzeit mit maximal drei oder vier verschiedenen Ködern auskomme, wechselt Wolfgang wie verrückt. Nicht nur die Köder sondern sogar auch die Ruten, denn davon hat er gleich immer vier Stück dabei, man weiß ja nie… Das Resultat ist eindeutig: Jörg und ich fangen recht kontinuierlich unsere Dorsche und Pollacks, Wolfgang hingegen sitzt öfter stirnrunzelnd vor seinen Köderboxen und überlegt, was denn jetzt mal ans Ende der Schnur soll, muss permanent sein Material sortieren, damit es nicht im Boot umherfliegt und oft hören wir „Irgendwo hatte ich doch…“. Zudem stören die vielen Ruten im Boot vor allem ihn selbst in seiner Bewegungsfreiheit, mehrfach verhakt sich der Drilling in den hinter ihm stehenden Reserveruten. Und wenn er dann einen Biss bekommt, greift der Haken nicht richtig, denn bei der Vielzahl an Ködern ist es ja auch schwer, immer neue und scharfe Haken zu montieren.

Der Dorsch ist die Nummer 1 bei deutschen Norwegenanglern.


Wer es ultraleicht mag, wird sicherlich andere Schwerpunkte in seiner Rute-Rolle-Kombination und der Köderauswahl setzen. Felix’ Tipps sind als Empfehlung zu verstehen.


Wichtiges Zubehör: Multizange, Filetier- und Ködermesser, Handschuhe.


Vier Mann, acht Ruten: So bleibt’s übersichtlich an Bord.


FOTO: R. KORN


»Wer sich auf ein Minimum an Angelgerät beschränkt, fängt oft mehr.«


Weniger im Wasser

Ganz klar: Wolfgang hat einfach deutlich weniger „Köder im Wasser“-Zeit und wenn sich der Köder mal im Wasser befindet, ist es oft eine alte Gurke mit rostigen Haken. Von Vertrauen ins Material kann hier ganz bestimmt nicht die Rede sein. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Geräte-Reduzierung soll keine falsche Sparsamkeit sein! Ich glaube sogar, dass das sehr hochwertige Angelgerät von Jörg und mir teurer war als die Geräteansammlung von Wolfgang. Aber wenn ich mich nicht mit unnötigem Ballast beschweren will, kann ich auch gar nicht anders als auf 100-prozentige Qualität zu setzen. Mehr Spaß macht es ohnehin, wenn alles perfekt funktioniert. Vom Haken bis zu Rute und Rolle, von der perfekten Tasche bis zur optimalen Kopfbedeckung. Wer hier am falschen Ende spart, mag zwar in Summe mehr Material dabei haben, aber einen Vorteil gibt das nicht.

Köder in Top-Form

Eine wichtige Grundlage für das minimierte Gepäck ist natürlich Vertrauen in das eigene Material. Wer für jede Rolle und Rute noch eine Reserve mitnimmt und den Lieblingsköder nicht in dreisondern zehnfacher Ausführung dabei hat, macht sich vielleicht auch einfach zu viele Sorgen. Wer gutes Material besitzt und dieses anständig pflegt, braucht keine Mehrfachreserven. Und sollte trotzdem was schiefgehen: Fast überall in Norwegen kommt man schnell und einfach an das wichtigste Angelgerät, teilweise gibt es sogar in Tankstellen eine kleine aber gute Auswahl an Material. Auch hier die Folge: Bereits auf dem Weg gen Norden war das Auto vollgestopft und schwer beladen, das komplette Angelgerät muss im Anschluss vom Salzwasser gesäubert werden und und und. Gerne erinnere ich mich an meinen Reisegast Klaus: Ein einziger schwerer rot-gelber Pilker, darüber ein roter Gummimakk. Um damit im Fjord Leng, Lumb und Seehecht zu fangen, wurden die Haken noch mit Fischfetzen bestückt. Und er fing, sogar ziemlich gut! Ein Jahr später beim Wrackangeln auf der Nordsee: Der gleiche Köder, der gleiche Beifänger. Und wieder fing er richtig gut damit. Klar, Vorfachmaterial, Sprengringe, Haken etc. müssen schon auf dem neuesten Stand sein. Aber Klaus’ Vertrauen in seinen Köder war unerschütterlich und vielleicht fing er auch deshalb so gut. Zudem verbrachte er keine unnütze Zeit mit Köderwechseln, auseinandertüddeln von verhedderten Vorfächern, auswechseln von Drillingen (die alten Köder sehen ja manchmal schon recht mitgenommen aus…). Sein Köder war in Topform – das hat gereicht.

Richtige Zeit, richtiger Ort

Natürlich muss der Angler zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das ist wahrscheinlich der wichtigste Faktor. Aber auch das Gerät muss passen. Was nützt es, haufenweise Material dabei zu haben, wenn ich im entscheidenden Moment den Köder nicht im Wasser habe? Es ist eher der indirekte Faktor, der hier mehr Fisch bringt.

Meine Geräteempfehlung sieht daher auch recht übersichtlich aus:

1. eine Rute-Rolle-Kombination zum schweren (vornehmlich Naturköder-) Angeln

2. eine Rute-Rolle-Kombination zum leichteren (vornehmlich Kunstköder-) Angeln

Variante 1 sollte eine 20-30 lbs Rute sein, etwa 2,15 Meter lang. Eine hoch übersetzte Multirolle mit mindestens 400 Metern 20-Kilo-Geflecht rundet das ab. Wichtig hier: Eine sehr sensible Spitze, aber dennoch viel Rückgrat.

Variante 2 eine 40-80 Gramm Spinnrute, etwa 2,70 Meter lang. Dazu eine 4000er Stationärrolle mit 12,5-Kilo-Geflecht und eine Ersatzspule mit 0,30er Monofil, jeweils etwa 250 Meter. Auch hier soll die Rute im vorderen Viertel sehr sensibel sein; dann aber gleichzeitig über ein seriöses Rückgrat verfügen.

Unsere Ausrüstung (siehe Extra-Boxen) vervollständigen wir mit Fischtöter, Arbeitsmesser, Zange, Filetierhandschuh und Filetiermesser – alles verstaut in einer kleinen Umhängetasche. Vorteil: Keine Platzprobleme auch bei einer Flugreise oder wenn es mit der Familie in den hohen Norden geht. Alles ist klar und übersichtlich in einer transparenten Kunststoff-Box und einer mittelgroßen Vorfachmappe untergebracht. Ist das Reiseziel vollkommen unbekannt, kommt noch ein kleiner Falteimer hinzu, der immer wieder Verwendung findet, sei es zum Wasserschöpfen oder für Köderfische. Und auch ein Driftsack kann darüber entscheiden, ob es ein guter oder schlechter Angeltag wird und gehört daher unbedingt ins Gepäck, denn Platz nimmt er kaum weg. Zur Not tut es hier eine Ikeatüte an einer 5-Meter-Leine. Die beiden Rollen finden in einer extra gepolsterten kleinen Rollentasche auch noch ihren Platz, die beiden Ruten werden sicher in einem schlanken Transportrohr verstaut. Wenn mehrere Angler unterwegs sind, teilen wir uns meist ein etwas größeres Rohr. Wichtig ist natürlich, dass vor jeder Norwegenreise sämtliche Haken ausgetauscht werden. Bei Fahrten in den hohen Norden wird die Kombination wohl eher schwerer ausfallen - vor allem die Spinnrute weicht eher einer mittleren Pilkrute mit einem Wurfgewicht von 80 bis 200 Gramm.

Besser wenig hochwertiges als viel minderwertiges Gerät mitnehmen, rät unser Experte.


FOTO: R. KORN

Zubehör für die schwere Kombi

● 5 stabile 40 kg Wirbel
● 2 Vorfächer „Seehecht Spezial“ (aus der Todalsfjord-Edition), also mit zwei langen Seitenarmen, Flasher, Spinnerblatt und einem Kombihaken aus kleinem Drilling und Einzelhaken
● 2 Nachläufervorfächer mit 3/0 bis 4/0er Einzelhaken, 1 Haken über dem Blei, welches auf einem kleinen Schleppröhrchen gleitet, ein Haken dahinter, ebenfalls mit Flasher und einem selbstleuchtenden Gummioktopus (als Allroundsystem für Leng, Lumb, Seehecht und Co.)
● 2 Seitenarmsysteme für das Angeln auf größere Lengs und Lumbs. 2 kürzere Seitenarme mit 7/0er Einzelhaken, davor ein größerer, leuchtender Octopus, in den jeweils ein Flasher integriert wird
● 6 Bleie von 200 bis 600 Gramm, darunter 2 Wellenbleie (siehe Foto links)
● 2 Gummifische, 1 x 200, 1 x 300 Gramm zum selektiven Angeln auf größere Dorsche und Heilbutt, direkt an ein 0,80er Monofil-Vorfach geknüpft

Zubehör fürs schwere Fischen: Naturködervorfächer, Grundbleie, Wellenbleie (Mitte), schwere Gummifische.


Von Felix Schwarte entwickeltes Seehecht-Vorfach. Das muss bei ihm mit, wenn es in Seehechtreviere geht.


Fürs Tiefe kommen kräftige Naturködervorfächer mit in die Box.


Zubehör für die leichte Kombi

Die leichtere Kombination verlangt schon nach etwas mehr, deckt aber auch vom Meerforellen- und Plattfischangeln bis zum Schellfisch alles ab:
● 5 x 18-Kilo-Wirbel
● 5 bis 10 Gummifische (10 bis 18 cm) mit Jigköpfen von 20 bis 30 Gramm (Pollack) bzw. 30 bis 60 Gramm (Dorsch), vornehmlich in Braun (Motoroil)
● 5 Pilker von 60 bis 100 Gramm (Köhler und Dorsch) in Schwarz sowie Blau/Grün-Silber
● 5 Pilker 15 bis 40 Gramm in Naturdekoren (Blau, Silber, Grün)
● 2 Buttsysteme mit je 50 Gramm Blei für das Angeln vom Steg auf Plattfisch, Rochen und Co
● 2 Buttsysteme in stärkerer Ausführung mit zwei 80-Gramm-Bleien für Schellfisch und Wittling
● 3 Schleppwobbler (4 bis 10 Meter Tauchtiefe) für Seelachs (im Freiwasser) und Dorsch (ufernah)
● 5 Blinker 12 bis 20 Gramm für Meerforelle, Makrele, Hornhecht und kleinere Seelachse
● 2 x 8 Gramm Posen mit Laufblei, Gummistopper, Bleischrot und Einzelhaken Größe 2 und 4
● 0,30er und 0,40er Vorfachmaterial, z.B. Fluorocarbon

Für alles gerüstet, vom Buttlöffelangeln übers Schleppen bis zum Posenfischen: und das mit überschaubarer Ausrüstung!


Vor allem Motoroil-Farbdesigns sollten zum leichten Gummifischangeln mit.


UNSER AUTOR

Bringt 25 Jahre Norwegenerfahrung mit und ist jedes Jahr mehrere Wochen vor Ort am Todalsfjord: unser Autor Felix Schwarte.


Felix Schwarte bietet jedes Jahr mehrere begleitete Angelreisen an den Todalsfjord an. Seit über 20 Jahren befischen er und sein Team den Fjord bei Kristiansund. Von Mai bis September bietet er auch spezielle „Rundum-Sorglos-Angelreisen“ an – auf Wunsch mit Vollverpflegung, anglerischer Betreuung und Transport der Ausrüstung (die Gäste können fliegen). Mehr Infos dazu unter: www.abenteuermeeresangeln.de

Die Anlage am Todalsfjord südöstlich Kristiansunds. Dorthin veranstaltet Felix organisierte Angelreisen.

FOTOS: AUTOR

FOTOS: AUTOR

FOTOS: AUTOR