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Technik&Taktik BRANDUNGSANGELN: Aschen puttel der Ostsee


Kutter & Küste - epaper ⋅ Ausgabe 71/2018 vom 11.05.2018

Dorsch und Plattfisch sind übliche Beute der Brandungsangler. Unsere Küste hat aber weitaus mehr zu bieten: Warum es sich lohnt, den selten befischten Arten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, verraten BETTINA und FLORIAN HÜHNKEN.


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Ein wirklich uriger, beeindruckender Geselle: der Seeskorpion.


FOTO: R. KORN

DER OSTSEE-SKORPION

Der Seeskorpion klingt giftig, ist er aber nicht. Stacheln besitzt das Großmaul aber schon. Seine Kiemendeckel sind bestachelt, er hat kleine Höcker und fühlt sich rau an. Bei dem in der Ostsee 15 bis 30 Zentimeter langen Fisch passen der riesige Kopf und der dagegen doch recht schmale ...

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... Körper kaum zusammen. In größeren Meeren erreicht er sogar stattliche 60 Zentimeter. Einen Schönheitspreis gewinnt er trotzdem nicht. In der Küche räumt er jedoch richtig ab. Der Seeskorpion ist ein wohlschmeckender Speisefisch. Größere Exemplare filetieren und braten wir. Ebenso geräuchert oder in einer scharfen Fischsuppe bietet der braune Stachelritter einen Hochgenuss für die Geschmackssinne. Seeskorpione sind anspruchslos und relativ mühelos zu fangen. In Ufernähe finden wir sie. Manchmal reichen „Plumpswürfe“ von nicht einmal 15 Metern aus, um das Zielgebiet zu treffen. Fischfetzen, Wattund Seeringelwürmer, kleine Garnelen oder Tauwürmer, der Seeskorpion will „Fleisch“. Das Vorfach ist dagegen völlig egal, solange die langschenkligen Haken der Größe 1 reichlich bestückt sind. Durch seine eher unsportliche und kleine Körperform bietet er gehakt an robusten Brandungsruten kaum Aktion. Deshalb bevorzugen wir für den gezielten Fang von diesen urigen Fischen die leichte Beach Feeder Variante.

Garnele fängt! Seeskorpione lieben sie.


Aschenputtel der Ostsee fängt man auch ganz bequem in Häfen, zum Beispiel hier in Kiel.


FOTOS: B. + F. HÜHNKEN

Wittlinge sind Schwarmfische: Wer sie gefunden hat, hat gute Chancen auf mehrere Fische.


FOTO: S. ROSE

Geflochtene und eine Brandungsrolle mit hoher Spule sorgen für weite Würfe, um die Wittls zu erreichen.


Im Gegensatz zum Seeskorpion ist der Wittling nicht nur hübsch anzusehen, er bietet spritzige Drills und ist vor allem geräuchert verdammt lecker. Der Dorschverwandte mit dem weißen Fleisch wächst schnell, jagt in Trupps in der Ostsee und fühlt sich im tiefen Wasser zuhause. Beim Angeln auf Dorsch freuen wir uns über Wittlinge als Beifang. Dass man ihn aber genauso gezielt befischen kann, steht außer Frage: Speziell an Hafenausfahrten kommen Meeresangler voll auf ihre Kosten. Dort ist es oft tief. Größere Schiffe unterstützen die Nahrungssuche des Schwarmfisches, wenn sie in und aus dem Hafen fahren. Durch die massiven Schrauben wirbeln sie Nahrung auf, die die Wittlinge wegschnappen. Am Strand sieht das ein bisschen anders aus: Wer Wittlinge fangen möchte, muss weit werfen, um in die tieferen Bereiche zu gelangen. Klassische Brandungsruten zwischen 3,90 und 4,20 Meter Länge sind optimale Weitwurf-Katapulte. Bei der Stationärrolle ist eine hohe Einholgeschwindigkeit nicht zu verachten. Damit halten wir unseren Fang von Hindernissen (zum Beispiel Steinpackungen) fern. Wittlinge mögen Wurm. Watt- und Seeringelwürmer sind erste Wahl der „Wittls“. Aber auch an den 1er Haken gewickelte Krabben und/ oder dünne, vier bis fünf Zentimeter lange Fischstreifen vom Hering oder sogar vom Wittling selbst verschmähen sie nicht. Wichtig ist nur, dass Sie allerlei davon anbieten. Der spritzige Silberling steht auf einen reichlich gedeckten Haken. Ergänzen Sie das Menü mit ein paar reizenden Auftriebsperlen. Bei uns hat sich die Farbe Gelb als Wittlingsmagnet erwiesen.

Sandstrände sind optimal für das Angeln auf Petermännchen.


Ein Leckerbissen, aber mit Vorsicht zu behandeln: Petermännchen.


EIN GIFTIGER GESELLE

Der giftige Leckerbissen im Reigen unserer alternativen Zielfische laicht ausgerechnet dort, wo Badetouristen gern ins Wasser stapfen. Das ufernahe Flachwasser am Sandstrand ist sein Sommersitz. Dort verbuddelt er sich gern im Sand. Weite Würfe sind nicht nötig. Die Durchschnittsgröße liegt zwischen 30 und 40 Zentimeter. Das Fleisch des Petermännchens ist weiß, zart und erinnert an den feinen Geschmack von Wittlingen. In den wärmeren Monaten ist er unser Zielfisch Nummer 1. Allerdings ist bei dem Fang der zappeligen Punks Vorsicht geboten. Die Flossenstacheln der ersten Rückenflosse und je ein Stachel auf dem Kiemendeckel sind giftig. Schon ein kleiner Pieks verursacht starke Schmerzen, Schwellungen und Taubheit. In besonders schweren Fällen führt das Gift sogar zu Kreislaufproblemen. Wenn Angler sich dessen bewusst sind, bietet die kleine Sportskanone an leichtem Angelequipment nicht nur coole Drills, sondern köstliche Filets aus der Pfanne. Wattwürmer sind der beste Köder für Petermännchen. Kleine Fischfetzen vom Hering hat er ebenso zum Fressen gern. Bewährt haben sich Vorfächer mit Seitenarmen über dem Blei. Wir pimpen sie mit kleinen bunten Perlen, die dem Haken Auftrieb verleihen.

Felsen, Molen und üppiger Pflanzenbewuchs: Lieblingsstandorte der Aalmutter.


FOTO: R. KORN

Aalmutter.


ZEICHNUNG: J. SCHOLZ

MUTTER DER OSTSEE

Aalmuttern fängt man immer!“ Vor fünf Jahren hätten wir dieser Aussage ohne Ausnahme zugestimmt. In Ufernähe an den Fischen vorbeizuangeln, war da schon fast eine Kunst. Heute ist das anders. Viel seltener fängt man jetzt den quirligen Beifang beim Brandungsangeln. Dennoch kann man sie immer noch gezielt befischen, wenn man sich etwas intensiver mit der Lebensart und dem Zuhause der Aalmutter beschäftigt. Sie wohnen in ruhigen, algenbewachsenen Flachwasserzonen und in Seekrautfeldern. In Buchten und Brackwassergebieten fühlen sich die schleimigen Fische ebenso wohl. Tagsüber verstecken sie sich im Seegras und Steinschüttungen, zur Abenddämmerung werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche. Das Mindestmaß der Aalmutter liegt bei 23 Zentimeter. Von Mitte September bis Ende Januar unterliegt sie der Schonzeit. Jetzt bringen die Weibchen ihren Nachwuchs auf die Welt. Sie zählen zu den lebendgebärenden Fischarten. Aalmuttern fängt man unweit vom Ufer entfernt. Weite Wurfweiten sind somit nicht notwendig. Mit leichtem Angelgerät, etwa einer Beach Feeder Rute, lassen sich die durchschnittlich 30 Zentimeter langen Schlängler bequem händeln. Bei der Vorfachwahl ist alles erlaubt, was gefällt. Die Aalmutter ist nicht wählerisch, solange ein Wurm an einem langschenkligen Haken der maximalen Größe 2 sitzt. Dabei ist es ihr völlig egal, ob ein Tau-, Watt- oder Seeringelwurm am scharfen Greifer zappelt. Feinschmecker wissen schon länger, dass die Dorschartigen kross gebraten ein Leckerbissen auf dem Teller sind. Lassen Sie sich nicht von den grünen Gräten irritieren. Wie beim Hornhecht ist der in sie eingelagerte Stoff Biliverdin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, dafür verantwortlich und in keiner Weise schädlich bei dem Verzehr.

DIE GRUNDELN KOMMEN!

Es existieren weit mehr Arten als Dorsch und Plattfisch, die ebenso appetitlich sind und ein cooles Angelerlebnis bieten. Die Artenvielfalt der Ostsee hat einige Leckerbissen auf Lager. Was halten Sie denn von einer gefüllten „Fisch & Chips“-Tüte vom Filet der Schwarzmundgrundel? Der Schwarzmeerfisch erobert die Ostsee und soll ein toller Speisefisch sein. Wir werden es bei unserem nächsten Ansitz herausfinden. Mit etwas Pioniergeist und dem Drang, was anderes auszuprobieren, erleben wir abwechslungsreiche Angelmomente an der Küste. Schätzen Sie Ihren Beifang und lassen Sie sich von den Aschenputteln der Ostsee kulinarisch verzaubern.

Ist auch in der Ostsee auf dem Vormarsch: die Schwarzmundgrundel.