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Technik & Taktik OSTSEE-DORSCHE: Doppelkopf für Dorsch


Kutter & Küste - epaper ⋅ Ausgabe 76/2019 vom 10.05.2019

Warum fingen die Fransenköder nicht, wie sie es eigentlich sollten? Profi-GuideTOM CZAPLA tüftelte und bekam eine geniale Idee.


Artikelbild für den Artikel "Technik & Taktik OSTSEE-DORSCHE: Doppelkopf für Dorsch" aus der Ausgabe 76/2019 von Kutter & Küste. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fransen, Beine, Zotteln: Creature Baits an Doppelkopf-Montage.


FOTOS: JONAS BOCK

Irgendwie hatten es mir diese fransigen Gummikrebse von Relax sofort angetan, als ich sie bei einem Besuch des größten Angler-Fachmarkts Deutschlands, Moritz in Kaltenkirchen, in einem der vielen Kästen liegen sah. Ihr Name: Creature Baits. Wörtlich übersetzt heißen sie Kreaturen-Köder, imitieren Strandkrabben und Garnelen. Halt alles, was am Grund zwischen Steinen und Tangfeldern so kribbelt und ...

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... krabbelt. Auf mich machten sie auf alle Fälle einen fängigen Eindruck. Ich legte mir gleich ein paar von ihnen in den typischen Ostsee-Farben für Dorsch zu. Bei einem meiner darauffolgenden Guidings probierte ich sie auch sofort aus. Allerdings war ich von dem Fangergebnis etwas enttäuscht. Lag es vielleicht daran, dass sie, auf einem normalen Jigkopf aufgezogen, eher unattraktiv im Wasser spielten? Denn auf dem starren System konnte der Köder seine Stärke in Sachen Beweglichkeit nicht ins Wasser bringen.

Und es hat Zong gemacht: Tom Czapla im Drill.


Ein stattlicher Dorsch ließ sich vom Doppel - kopf-Rig verführen.


Mitangler Gerd bei diesigem Wetter ebenfalls im Drill.


Er setzte hier auf den klassischen Jigkopf mit höherem Gewicht und einen orangen Twister.


Fotograf Jonas Bock konnte ebenfalls ein paar ansehnliche Dorsche an Bord bringen.


Zwangspause

So kamen sie in nächster Zeit auch nicht weiter zum Einsatz. Im vergangenen Herbst beim Bleikopfgießen meiner Sicheljigköpfe schoss mir plötzlich eine Idee durch den Kopf. Ich hatte doch noch irgendwo 20-Gramm-Bleiköpfe mit integriertem Wirbel und Karabiner von Profi-Blinker liegen. Von daher stammt auch die Idee mit der Doppelkopfmontage. Ich suchte solange, bis ich sie, wie nicht anders zu erwarten, ganz unten in einer meiner unzähligen Kunststoffboxen fand. Die Montage ist simpel und schnell zu montieren. Sie vereint gleich mehrere Eigenschaften eines fängigen Systems miteinander:
● das geringe Eigengewicht vom Jigkopf, auf dem der Köder sitzt, sorgt dafür, dass er am Meeresgrund attraktiver spielt.
● der Dorsch spürt beim Einsaugen des Köders weniger Widerstand und „spuckt“ ihn nicht sofort wieder aus.
● das Auswechseln des vorderen Bleigewichts ermöglicht uns, dass bei veränderten Wassertiefen und/oder Strömungen das benötigte Endgewicht erzielt werden kann.
● die Montage lässt sich sehr gut auswerfen.

Wieder im Spiel

Alle diese Faktoren wollte ich bald auf einer meiner nächsten Ausfahrten überprüfen. Die Möglichkeit dazu ergab sich im Dezember von Travemünde/Niendorf aus. Die Gelegenheit war günstig, denn die Wetterbedingungen sollten optimal sein für mein Unterfangen. Eine stabile Wetterlage, mit wenig Wind, spielte mir in die Karten. Mit an Bord war Gerd, ein Stammkunde aus der Grafschaft Bentheim. Er hatte es dieses Mal auf das Dorschangeln abgesehen. Für die Fotos hatte ich Jonas Bock aus Kiel mit dabei. Er hat das Angeln und Fotografieren sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen, denn er ist der älteste Sohn von K&K-Chef Rainer Korn und – wen wundert’s – ein leidenschaftlicher Angler. In der Nacht zuvor hatte es dann noch kräftig gefroren. Demzufolge herrschten etwas raue Bedingungen vor. Zudem war es den ganzen Tag über diesig. Jedoch durchaus angenehm zum Angeln, aufgrund des schwachen Windes. Unsere ersten Driften begannen über fünf Meter tiefem Wasser. Gerd bekam dann den tagesersten Dorsch ans Band. Er fischte zuerst einen neon-grünen Gummifisch. An diesigen und nebligen Tagen manches Mal unschlagbar für Dorsch. Da uns aber die Fischernetze zu dicht aufgereiht standen, fuhr ich etwas weiter weg, zur Sicherheit unserer Montagen, auf sieben Meter Wassertiefe. Ich warf meine Montage soweit ich konnte aus und ließ den Creature Bait langsam zum Grund taumeln. Der Untergrund war hier perfekt für Dorsche, die es zu dieser Zeit auf Strandkrabben abgesehen haben. Durch die letzten Ausfahrten wusste ich, dass sich hier gerade die richtig guten Herbstdorsche aufhielten. Bei der geringen Drift vom Boot machte es Spaß, die Gummifransen-Köder über den steinigen Grund zu dirigieren. Für die Köderführung reichten einige kurze Wipp-Bewegungen mit der Rutenspitze und dabei eine halbe bis ganze Kurbelumdrehung völlig aus. Mehr braucht es nicht, um diesen Köder attraktiv über Grund spielen zu lassen.

An dunklen Tagen sehr fängig: Fransenköder in Neon-Chartreuse.


Der Klassiker funktioniert auch beim Fransenköder: Orange-Glitter!


Biss!

Es dauerte auch nicht lange und der erste Dorsch war bei mir am Band. Die Bisse waren so bedingungslos knallhart, dass ich von meiner Theorie sofort überzeugt war. Die Kombination des attraktiven Köders mit dem geringen Jigkopf-Gewicht und die aufreizende Köderführung ergaben das erfolgreiche Gesamtpaket. Alle von mir gekauften Köderfarben der Creature Baits wurden von uns am gleichen Tag getestet und fingen. Auffällig war, dass die Doppelkopfmontage mit 40 Gramm deutlich mehr Dorsche fing, als die sonst so erfolgreiche Jigkopf-Variante in 30 Gramm. Ich kann auf alle Fälle sagen, dass an ruhigen Tagen und in Wassertiefen bis zu zehn Meter die Doppelkopfmontage richtig gut funktioniert. Ich werde auch in Zukunft einige von diesen fransigen Gefährten mit an Bord haben, um sie bei passenden Bedingungen zu fischen. Es bringt einfach Spaß – und fängt!

UNSER EXPERTE

THOMAS „TOM“ CZAPLA,

Jahrgang 1969, geboren an der Ostseeküste in Flensburg, angelt seit seinem vierten Lebensjahr. Fast ausschließlich ging und geht es da ans und aufs Meer. Seit 1996 fährt er ein Boot auf der Ostsee. Mit seiner Quicksilver Arvor 690 bietet er professionelles Guiding und Coaching auf der Ostsee sowie Trips nach Norwegen an. Seine Lieblingsfische: Dorsch und Heilbutt. Sein größter Ostsee-Dorsch bisher: 1,03 Meter bei satten 13 Kilo. Tom isst auch leidenschaftlich gern Fisch – sein Favorit hier: Heilbutt! Meeresangeln mit Gummiködern ist seine absolute Lieblingsmethode.
Kontakt: Tel. (01520) 875 14 28;
www.fishingtrips.de