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Teil 21: Schatzsucher


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 21.08.2019
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Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 9/2019

Schiffbruch der Nuestra Señora de Atocha.


Bildquelle: nauticalnewstoday.com

Erstmals berichtete der Taucher Kip Wagner ausführlich über Mel Fisher: „Wir hatten alle von Mel gehört. (…) Er war tatsächlich so etwas wie eine Unterwasserberühmtheit in Kalifornien. Er hatte sich schon vor Jahren in Florida für Tauchen interessiert, und als er nach dem Westen zog, eröffnete er das erste Spezialgeschäft für Sporttaucher in der Welt. Er hatte sogar eine öffentliche Fernsehsendung in Hollywood, in der er Filme seiner Unterwasserabenteuer zeigte. Jahrelang hatte er nach Schätzen gesucht, jedoch kein Glück gehabt.“ ...

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Erstmals berichtete der Taucher Kip Wagner ausführlich über Mel Fisher: „Wir hatten alle von Mel gehört. (…) Er war tatsächlich so etwas wie eine Unterwasserberühmtheit in Kalifornien. Er hatte sich schon vor Jahren in Florida für Tauchen interessiert, und als er nach dem Westen zog, eröffnete er das erste Spezialgeschäft für Sporttaucher in der Welt. Er hatte sogar eine öffentliche Fernsehsendung in Hollywood, in der er Filme seiner Unterwasserabenteuer zeigte. Jahrelang hatte er nach Schätzen gesucht, jedoch kein Glück gehabt.“ 1 Erst das Zusammentreffen mit Kip Wagner im Jahr 1962 brachte ihm Erfolg. Gemeinsam bargen sie die Schätze der spanischen Silberflotte, die 1715 vor Florida untergegangen war (siehe: MünzenRevue 7/2019, Schatzsucher, Teil 20). Im Sommer 1969 bekam Fisher dann auf einer Party eine Kopie desTreasure Diver’s Guide in die Hände, einer US-Bibel für Schatzsucher. Er las über dieAtocha , eine seit 350 Jahren vor Florida verschollene Galeone. Deren Ladung sei so wertvoll, dass sie so gut wie alles überträfe, was jemals versunken sei. Mel Fischer war entflammt: „Ich finde sie!“

Riesige Wellenberge

DieAtocha war eine 550 Tonnen schwere Galeone, die zur spanischen Tierra-Firme- Flotte gehörte. Einmal im Jahr verkehrte sie zwischen den amerikanischen Kolonien und dem Mutterland. Gemeinsam mit 27 anderen Schiffen sollte sie die bis zum Sommer 1622 angesammelten Schätze nach Spanien bringen. Aus Mexiko und Peru war das geförderte Edelmetall in den Hafen von Havanna geschafft worden, aus Kolumbien und Venezuela große Mengen von Edelsteinen und Perlen. Außerdem lagen Stoffe, Gewürze und Farben sowie das Porzellan aus dem Fernost-Handel der Spanier bereit. Der größte Teil der Schätze wurde auf zwei Schiffen deponiert – derNuestra Señora de Atocha und derSanta Margarita . Allein die Atocha war mit 48 Tonnen Fracht beladen, darunter 1.200 Silberbarren zu je 34 Kilogramm, 250.000 Silbermünzen in Zedernholz-Kisten sowie 20 Tonnen an Kupferbarren.

Mel Fisher (1922–1998).


Bildquelle: WLRN Public File

Doch die „Festlandsflotte“ von 1622 war sechs Wochen im Verzug. Die für die Schifffahrt im Südatlantik gefährliche Hurrikan-Saison stand vor der Tür! Als die letzten mit Schätzen beladenen Transporte Havanna erreichten, gab der befehlshabende Marquis von Cadereita das erlösende Signal zum Auslaufen. Doch es war bereits zu spät: „Am nächsten Tag kam es zur Katastrophe. Ein Hurrikan wälzte sich übers Meer, wirbelte riesige Wellenberge auf und löste sintflutartigen Regen aus.

Champagner-Party auf der Dauntless am 20. Juli 1985.


Bildquelle: Light Galleries

Fishers Sohn Kim (links) und ein weiterer Taucher präsentieren einen goldenen Scheibenbarren.


Bildquelle: Florida Weekly

Die spanischen Schiffe wurden auf die Key-Inseln vor Florida zugetrieben, und dieSanta Margarita strandete im flachen Wasser der Küste auf einer Sandbank. Inzwischen kämpfte die Besatzung derAtocha gegen ein schlimmeres Schicksal. Die Wellen hoben die große Galeone hoch, schmetterten sie auf ein Riff, schlugen ein Loch in den Rumpf und trieben sie aufs Meer hinaus, wo sie sank.“2 Von den 265 Passagieren, Besatzungsmitgliedern und Sklaven an Bord überlebten nur fünf Personen: Drei Seemänner und zwei Sklaven konnten sich retten, indem sie auf die Spitze des Kreuzmastes kletterten, der für einige Zeit aus dem Meer herausragte. Am nächsten Morgen wurden sie von einem anderen Schiff gerettet. Insgesamt acht Transportschiffe und 550 Mann hatten die Spanier verloren. Der Rest der Flotte konnte sich gerade noch rechtzeitig in die offenen Gewässer im Golf von Mexiko retten.

Aufreibende Suche

Nach einigen erfolglosen Tauchgängen vor Floridas Middle Keys begann das Team um Mel Fisher mit einem jungen Historiker zu arbeiten: „Sie wandten viel Zeit auf, um zusammen mit Dr. Eugene Lyon die Unterlagen über die Schiffahrt des alten Spanien zu studieren, um sich ein genaues Bild von den Routen der Schatzschiffe zu machen. Bevor sie überhaupt damit begannen, auf dem Meer nach einem Schiff zu suchen, lasen sie sämtliche Akten über das Schiff selbst und über die Flotte, mit der es gesegelt war.“3 ImArchivo de Indias in Sevilla fand Lyon den ersten wichtigen Hinweis. Die Margarita, das untergegangene Schwesterschiff, sank vor den Marquesas Keys! In den ersten Jahren der Suche fand das Team der GesellschaftTreasure Salvors einige Artefakte: einen Anker, eine Goldkette und einige Silberbarren, die derAtocha zugeordnet werden konnten. Dann verließ Fischer der Erfolg. Über Jahre hinweg nichts!

Im Sommer 1975 kam es auf hoher See zu einem schweren Unglück. „Die North - wind, ein heruntergekommener Mississippi- Schlepper, denTreasure Salvors leicht umgebaut als Bergungsschiff verwendet, kentert in der Nach zum 20. Juli mit einem Motorschaden auf See und sinkt. Drei Mitarbeiter finden den Tod: ein junger Taucher namens Dirk Gage sowie Mel Fishers Sohn Dirk und dessen Ehefrau Angel.“ 4 Als der Schatzsucher scheinbar ungerührt weitersuchte, war die Öffentlichkeit entsetzt. Fisher sei von seinem Traum besessen, ein Wahnsinniger! Wiederholt drohte ihm der Bankrott: „Seine Taucher boten zu Schleuderpreisen Gold- und Silbermünzen an, mit denen sie bezahlt worden waren.“5 Doch Fisher suchte das Team jeden Tag aufs Neue mit seinem Enthusiasmus aufzumuntern: „Today is the day!“ Im Jahr 1980 gab es den ersten international beachteten Erfolg: Der Rumpf derMargarita war entdeckt! Gold, Silber und Juwelen im Wert von etwa 20 Millionen Dollar wurden gefunden. Von derAtocha aber noch immer keine Spur!

Mysteriöses Silberriff

Am 20. Juli 1985 zog das BergungsschiffDauntless seine Bahnen an den Marquesas Keys, jener kleinen Inselgruppe vor Key West. Gegen Mittag schlug plötzlich das Magnetometer an, das Metallansammlungen am Boden anzeigt. In 18 Metern Tiefe sahen die beiden Taucher Andy Matroci und Greg Wareham ein Riff. „Nur wenige Augenblicke später stockt ihnen der Atem: Das vermeintliche Riff – es ist ein Berg aus Silberbarren. Jeder einzelne so groß wie ein Brotlaib, aufgestapelt wie Feuerholz auf einer Länge von mehr als 20 Metern.“6 Matroci schob die oberste Sandschicht auf dem Riff zur Seite, nahm einen der schwarz angelaufenen Barren in die Hand und tauchte auf. Als er die Wasseroberfläche nahe derDauntless erreichte, brüllte er begeistert: „Wir haben sie! Wir sitzen da unten auf Silberbarren!“7

Auch der Rumpf derAtocha mit der Hauptladung wurde wenig später gefunden. In den folgenden Wochen konnten 969 Silberbarren, 114.000 Gold- und Silbermünzen, 115 Goldbarren, zwanzig Goldketten, große Mengen an Goldschmuck und Silbergeschirr sowie über 700 Smaragde und 250 weitere Edelsteine aus dem Meer geborgen werden. Doch damit nicht genug. Die fortgesetzten Tauchgänge in den Folgejahren förderten immer neue Objekte zutage. Mit einem Wert von mindestens 400 Millionen Dollar war dieAtocha somit die wertvollste Schiffsladung, die bis dato von einem Wrack geborgen werden konnte! Bislang unentdeckt ist das Heck derAtocha . Sean Fisher, Vizepräsident vonMel Fisher’s Treasures, verrät: „Im hinteren Teil des Schiffes waren die reichsten Passagiere untergebracht, darunter Adelige und Geistliche. Wir schätzen, dass dort noch Funde im Wert von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Dollar liegen.“8

Finanzielle Verwertung

Der Oberste Gerichtshof entschied, dass die Schätze in diesem Fall allein dem Finder gehören. Ein Teil der Fundstücke ging so an die 1.200 Investoren, mit deren Hilfe die Suche finanziert worden war. Ein anderer Teil wurde verkauft. Besonders wertvolle Stücke gingen an Auktionshäuser. Den Spitzenpreis bei einer Auktion von Daniel Frank Sedwick im April 2012 erzielte ein Goldbarren von derAtocha . Der Hammer fiel beim Höchstgebot von 115.000 Dollar. Auf einer anderen Auk - tion von Guernsey’s in New York wurden im Sommer 2015 etwa 40 Artefakte für rund zwei Millionen Dollar abgesetzt. Die höchsten Einzelpreise erzielten dabei ein goldener Kelch (413.000 Dollar), ein von Smaragden besetztes Kreuz (119.000 Dollar) und ein Goldbarren (93.750 Dollar). Auch viele der in der Neuen Welt nur roh ausgeprägten Gold- und Silbermünzen von der Atocha wurden immer wieder angeboten. Noch heute kann man Münzen bei den FirmenMel Fisher’s Treasures oderAtocha Treasure Coins erwerben. Auf Fundmünzen ausgerichtete Vertriebsfirmen wieNew World Treasures sowie ein eigenes Ladengeschäft in Key West bieten die Stücke ebenfalls an. Einige sind aufwändig als Schmuckstücke eingefasst oder gar mit historisierenden Motiven überprägt. Einen Teil der Schätze übergab Fi - sher einer Stiftung. Er kann sogar besichtigt werden: „Viele Fundstücke wurden der Maritime Historical Society in Key West gestiftet, die mit ihnen dasMel Fisher Maritime Museum einrichten konnte, das nach seinem großzügigen Wohltäter benannt wurde. Obwohl es höchst bedauerlich ist, dass diese kostbare Sammlung nicht als Ganzes bestehen blieb, ist dem Museum doch so viel verblieben, dass der Besucher aus erster Hand die Schätze des spanischen Imperiums in der Neuen Welt ermessen kann.“9

Aufwändig gestempelter Barren sowie Goldstücke zu 2, 4 und 8 Escudos.


Bildquelle: Daily Beast

Roh geprägtes Schiffsgeld (Cob Coin) für den Transport nach Spanien.


Bildquelle: Pinterest, Narciso

Als Schmuckstück gefasste 8-Reales-Münze.


Bildquelle: Numisma-Club

Cob Coin aus Potosi (Peru) im Wert von 8 Reales.


Bildquelle: WorthPoint

Als Souvenir überprägte Cob Coin zu 8 Reales.


Bildquelle: Carr Moonlight Mint

QUELLENANGABEN

1 Kip Wagner, L.B. Taylor: Millionen auf dem Meeresgrund – Moderne Schatzsuche vor Florida. Gütersloh 1968, S. 118f. 2 Chris McNab: Die größten Katastrophen der Welt. München 2007, S. 116.
3 Barry Clifford: Das Piratenschiff. München 2000, S. 90.
4 Mark Schrörs: Schatztauchen - Versunkenen Reichtümern auf der Spur. Cham 2004, S. 32.
5 Abenteuer: „Die hole ich!“. In: Der Spiegel, Heft 31/1985, S. 83.
6 Schrörs, S. 34.
7 Ebenda, S. 35.
8 Vor der Küste Floridas: Schatztaucher finden 500.000- Dollar-Ring. Auf: www.spiegel-online.de, 24.06.2011.
9 Angus Konstam: Schätze auf dem Meeresgrund – Atlas versunkener Schiffe. Wien 2009, S. 111.