Lesezeit ca. 4 Min.
arrow_back

Teil 5: Bad Hindelang in den Allgauer Alpen | Neue Wege: Bad Hindelangs nachhaltiges Konzept Lebensraum: Einheimische auf Zeit


Logo von Bergsteiger - Das Tourenmagazin
Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 14.11.2020

Bad Hindelang geht in Sachen Tourismus einen neuen, einen eigenen Weg: In Zukunft will man sehr viel stärker vernetzt denken. So entwickelte die Gemeinde im Oberallgäu ein sogenanntes Lebensraumkonzept, das den Tourismus zum integrierten Baustein eines großen Ganzen macht.


Artikelbild für den Artikel "Teil 5: Bad Hindelang in den Allgauer Alpen | Neue Wege: Bad Hindelangs nachhaltiges Konzept Lebensraum: Einheimische auf Zeit" aus der Ausgabe 12/2020 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 12/2020

Das einzig Beständige ist die Veränderung.
Diese Lebensweisheit nehmen immer mehr Bergorte als Auftrag, Bergsteigen in Zeiten des Klimawandels neu zu justieren. Uli Auffermann stellt in unserer Serie einige Beispiele vor.

1 Die Berglandwirtschaft ist ein wichtiger Baustein im neuen Konzept.


2 Die urige Willersalpe, ein Etappenziel auf ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Ein Winter ohne Winterräume?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein Winter ohne Winterräume?
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von FÜNF FRAGEN AN…: …CHRISTIAN SCHNEIDERMEIER, GESCHÄFTSFÜHRER VON ORTOVOX: »Wir haben ehrgeizige Ziele«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FÜNF FRAGEN AN…: …CHRISTIAN SCHNEIDERMEIER, GESCHÄFTSFÜHRER VON ORTOVOX: »Wir haben ehrgeizige Ziele«
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von 10. TODESTAG VON KURT ALBERT: Der Himmel weint. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
10. TODESTAG VON KURT ALBERT: Der Himmel weint
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Bergsteiger: Die besten Touren aus dem Heft
Vorheriger Artikel
Bergsteiger: Die besten Touren aus dem Heft
Piccard-Brucke Otztal | Bergreportage: AUFBRUCH ins Abenteuer
Nächster Artikel
Piccard-Brucke Otztal | Bergreportage: AUFBRUCH ins Abenteuer
Mehr Lesetipps

... dem neuen Grenzgänger-Weg


Unser Bad Hindelang 2030 – Lebensraumkonzept für unsere Tourismusgemeinde « heißt der Ansatz, der den beliebten Urlaubsort in die Zukunft führen soll. Den Verantwortlichen, allen voran Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel, war dabei besonders wichtig, alle aktiv in die Planung und Gestaltung einzubeziehen. »Wir wollten eben nicht zuerst schauen: Was ist für den Tourismus gut, und wie bringen wir die Menschen der Gemeinde dabei unter, sondern es genau andersherum machen«, erklärt Tourismusdirektor Max Hillmeier. Eine Umfrage, an der Einheimische und Gäste mitwirkten, war eine der Grundlagen für den dann folgenden mehrmonatigen Prozess, in dem in Diskussions- und Arbeitsrunden Ziele erarbeitet wurden, die – kurz gesagt – die Essenz ergaben: »Wo die Seele der Alpen zu Hause ist.« Hillmeier: »80 Prozent der Wertschöpfung in der Gemeinde kommen aus dem Tourismus, sowohl direkt als auch indirekt: Wenn die Gäste einkaufen, Handwerker Arbeit haben, weil ein Hotel renoviert wird oder Busse fahren. Und die Landwirte beziehen ihr Einkommen aus dem Verkauf ihrer Produkte, der Landschaftspflege und dem Angebot ›Urlaub auf dem Bauernhof ‹, was derzeit übrigens sehr boomt.«

Manager für den Klimaschutz

Für den Ort steht fest: Er hält am »Ökomodell Hindelang« fest, einem schon seit langem fest etablierten und internatio-nal beachteten Interessensverbund aus Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus – wie auch am Stellenwert der hochalpinen Alpwirtschaft als »Immaterielles Kulturerbe«. Mehr noch: Beides hat im neuen Konzept höchste Priorität. Bad Hindelang gilt deutschlandweit als die alpflächenreichste Gemeinde, und 80 Prozent der Gemeindefluren stehen bereits unter Landschafts- oder Naturschutz. »Die traditionelle Berglandwirtschaft und die Alpwirtschaft sind unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlage sowie identitätsstiftend. Die extrem artenreiche alpine Kulturlandschaft sowie die ökologisch hochwertigen Produkte sind für unsere Gäste entscheidend. Gerade deshalb kommen sie zu uns«, versichert Hillmeier. Als einer der Orte mit der republikweit reinsten Luft geht man mit dem neuen Gütesiegel »Qualitätsgeprüft für Allergiker « noch stärker in Richtung Gesundheit und Wellness. Und auch dank der Auszeichnung zum besten Familienskigebiet in den deutschen Alpen durch den Deutschen Skiverband hat man im Winter fast schon so viele Gäste wie im Sommer. Man investiere in Qualität, sagt Hillmeier, und wolle die Besucher im Sinne der Nachhaltigkeit lenken. In Sachen Verkehr gehören ein neues, intelligentes Parkkonzept, Verkehrsleitung und eine Förderung des ÖPNV auf jeden Fall dazu. Ganz neu ist die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel für alle Besucher mit Gästekarte.

1 Von der nahen Grenze hat ein Schild den Weg zum Prinz-Luitpold-Haus »gefunden«.


2 Beim Buttern mitzuhelfen hinterlässt bei den Gästen nachhaltige Eindrücke.


3 Unterwegs in den Bergen oberhalb von Bad Hindelang


4 Auch die Via Alpina führt durch das Wandergebiet.


Im Bereich Energie steht die Einsparung an erster Stelle, bei der Energieerzeugung will man nachhaltiger und autarker werden. Ein Stichwort ist hier der Ausbau der Solarenergie. Koordiniert werden derlei Aktivitäten von einem Klimaschutzmanager. Ranger kümmern sich künftig stärker um die Lenkung und Betreuung der Touristen. Winterwanderwege und Schlechtwetter-Alternativen sollen für schneearme Winter geschaffen werden. »Zu unserem neuen Konzept gehört außerdem ›Das Echte vor Ort erleben‹, was einmalig ist und Modelcharakter hat«, betont Max Hillmeier begeistert. Bislang gebe es im Rahmen der elektronischen Servicegästekarte schon rund 20 Angebote, alle mit dem Ziel, Gäste zu Einheimischen auf Zeit zu machen. Dabei kann man zum Beispiel das Mähen mit der Sense, das Buttern oder Käsen erlernen, den Bad Hindelangern in die Töpfe schauen oder bei ihnen das Alphornblasen ausprobieren. Hillmeier: »Es soll eine Symbiose geben zwischen Einheimischen und Touristen!« Wortwörtlich neue Wege gibt es auch mit dem Grenzgängerweg als Highlight (siehe Service).

Eine Skitour bei Oberjoch, das einsame Retterschwangtal mit den gewaltigen Nordwanden erkunden – alles Allgaualpine Pflicht, findet Autor Uli Auff ermann.

▶ Grenzganger-Weg

Neue, anspruchsvolle Mehrtagestour mit einigen ausgesetzten und steileren Passagen durch das bayerisch-tirolerische Grenzgebiet der Allgauer Alpen. Vorhandene Wege wurden dafur naturvertraglich instandgesetzt und verbunden, teils gab es auch Renaturierungsmasnahmen. Letzte Arbeiten werden 2021 ausgefuhrt, der Weg ist aber ohne Probleme vollstandig zu begehen. Ubernachtung auf Berghutten sowie zwei Mal in Talorten. Einige zusatzliche Abstecher sind moglich, und ebenso man kann unterwegs problemlos die Tour abbrechen. Download aller Daten unter: grenzgaenger-wandern.com
Start/Ziel: Bad Hindelang bzw. Schattwald (Tannheimer Tal)
Beste Zeit: August und September, aber auch dann muss mit Gewittern oder erstem Schnee gerechnet werden
Voraussetzung: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit; Wandererfahrung im alpinen Gelande und angemessene Fitness

▶ Ostrachtaler Klettersteig

2018 eingerichteter, kurzer Klettersteig, der an den Abbruchen uber der Jochpassstrase aussichtsreich hinauffuhrt. Steile Wande in kompaktem Fels wechseln sich mit Bandern ab.
Start/Ziel: Oberjoch; von dort zum Aussichtspunkt »Kanzel« und hinunter zum Wandfus und weiter zum Einstieg im linken Wandteil; fur den Ruckweg zunachst weiter bergauf zum Ifenblick; ein Wanderweg fuhrt zuruck nach Oberjoch.
Beste Zeit: Juni bis November
Schwierigkeiten: B/C (eine Stelle, sonst leichter)
Voraussetzungen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Klettersteigerfahrung sind absolut erforderlich.
Hinweis: Bitte nicht vor Sonnenauf- oder nach Sonnenuntergang begehen und nur die offiziellen Zu- und Abstiege benutzen!

BAD HINDELANG: Allgauer Alpen

Ort: Bad Hindelang, Allgauer Alpen, Deutschland
Einwohner: rund 5200
Gebirgsgruppe: Allgauer Alpen
Alpin-Historie: Die Allgauer Alpen gehorten zu den Gebieten, denen sich der grose Erschlieser der Nordlichen Kalkalpen, Hermann von Barth (1845– 1876), widmete. Durch ihn erfolgte neben einigen weiteren Erstbesteigungen vor allem eine grundliche Erfassung der Berge. Fur den Einzug des sportlich ambitionierten Kletterns war vor allem Josef Enzensperger (1873– 1903) verantwortlich, seine Neutour durch die Trettachspitze-Sudwand (IV, 1894) gehorte zu den schwersten Anstiegen der damaligen Zeit. Der Ubergang zum damals hochsten Schwierigkeitsgrad VI wurde in den 1920er- und 1930er-Jahren in den Wanden der Wolfebnerspitze, des Schneck, der Hofats, des Gimpel, der Trettachspitze und der Fuchskarspitze geschafft.
Durch die oft langen Zustiege, den nicht immer griffigen Fels und die fur Gipfeltouren tuckischen Grasberge waren und sind im Allgau eher die Allroundbergsteiger gefragt. Als Top-Klettergebiet der Allgauer Alpen erwiesen sich neben der Fuchskar- und Wolfebnerspitze vor allem die Felswande im osterreichischen Tannheimer Tal, wo schon zu Enzenspergers Zeiten intensiv geklettert wurde und Touren in den hochsten Schwierigkeitsgraden anzutreffen sind. Stutzpunkt fur die Routen in den Sudwanden ist das Gimpelhaus der Familie Guem oberhalb von Nesselwangle.


Fotos: Bad Hindelang Tourismus, Wolfgang B. Kleiner, Bad Hindelang Tourismus, Erika Durr

Fotos: Bad Hindelang Tourismus/Thilo Kreier (1), Bad Hindelang Tourismus/Wolfgang B. Kleiner (2), Bad Hindelang Tourismus (3 & 4)