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TEMPO


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National Geographic Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 19.11.2021

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Bildquelle: National Geographic Deutschland, Ausgabe 12/2021

Der Vergleich der Jahre 2007,

BOB MC NABB IST Herr und Hüter einer Zahl, die selbst er nicht ganz begreift: 267 Milliarden Tonnen Wasser. Um eine Menge dieser Größenordnung zu erklären, muss der Glaziologe der nordirischen Ulster University auf Analogien zurückgreifen. 267 Milliarden Tonnen sind mehr als fünfmal so viel wie das Volumen des Bodensees. Oder die Wassermenge, die in drei Jahren den Rhein runterrauscht. „Es ist wirklich schwer zu begreifen“, sagt McNabb. „Stellen Sie sich ein drei Meter tiefes Schwimmbecken so groß wie Irland vor, und dann stellen Sie sich vor, dass jedes Jahr, 20 Jahre lang, genauso viel Eis einfach weggeschmolzen ist.“

Letztlich ist die enorme Zahl, die McNabb ermittelt hat, eine Geschwindigkeit: die Geschwindigkeit, mit der die mehr als 200 000 Gletscher ...

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... der Erde nach und nach immer kleiner werden und verschwinden. Zwischen 2000 und 2019 haben sie, das grönländische und antarktische Eis einmal nicht mitgerechnet, durchschnittlich 267 Milliarden Tonnen Wasser pro Jahr verloren, bei einer Fehlertoleranz von 16 Milliarden Tonnen, wie McNabb kürzlich in einer Studie im Fachmagazin Nature feststellte.

Ihr Schmelzwasser hat den Meeresspiegel seit 2000 um fast 1,5 Zentimeter ansteigen lassen. Das ist mehr als das Doppelte des Anstiegs, der auf das schmelzende Eis in der Antarktis zurückzuführen ist.

Es ist eine Sache, solche Dinge zu be rechnen, und eine andere, sie zu verstehen – wirklich zu verstehen. Glet - scher bedecken mehr als 700 000 Quadratkilometer unseres Planeten. In Teilen der Welt, etwa den Anden und den asiatischen Hochgebirgen, sind Gletscher eine wichtige Süßwasserquelle. Andernorts sind sie lediglich Touristenattraktionen und Hotspots für Bergsteiger.

Für die Glaziologin Bethan Davies von der University of London sind die weißen Riesen mehr als nur Wasser und Eis. Gletscher „prägten und prägen die Entwicklung des Menschen“, sagt Davies. „Mit ihnen ver - lieren wir etwas, das für das Wohler - gehen der Menschheit entscheidend ist.“ Sie geben uns ein Gefühl von Gemeinschaft, von Zugehörigkeit zu einem Ort. Erstaunlicherweise sind wir uns ihrer Bedeutung aber erst be - wusst geworden, seit sie zu verschwinden drohen.

DASS WIR DIE GLETSCHER-SCHMELZE überhaupt so genau quantifizieren können, verdanken wir enormem wissenschaftlichem Fortschritt. Seit Anfang 2000 können Glaziologen auf deutlich mehr Satellitendaten zugreifen. Leistungsstärkere Computer verarbeiten die riesigen Datenmengen und simulieren das Vorrücken oder den Rückgang der Gletscher sehr genau. So können Forscher digitale Höhenmodelle selbst für schwer erreichbare Gletscher erstellen. Wenn man diese Daten mit Beobachtungen kombiniert, die Forscher seit dem 19. Jahrhundert vor Ort gesammelt haben, erhält man eine klare Vorstellung von unserer gefährdeten Kryosphäre. Dabei reicht es nicht, sich einfach auf das globale Bild zu konzentrieren; die lokalen Veränderungen sind oft viel dramatischer. Nepals tiefster See, der durch Gletscherschmelzwasser gespeist wird, bildete sich erst Mitte der Sechzigerjahre und wächst stetig. In einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie stellte Davies fest, dass das Eis Patagoniens schneller schmilzt als in den vergangenen 11 000 Jahren.

Wer die Schuld daran trägt, ist klar. Unsere Treibhausgase haben vermutlich fast den gesamten Gletscherschwund seit 1850 verursacht, so das Ergebnis einer Studie, die im April veröffentlicht wurde. Möglicherweise sind es sogar mehr als hundert Prozent, denn einige Gletscher wären ohne menschliches Zutun sogar gewachsen. Die Glaziologin Lauren Vargo von der neuseeländischen Victoria University of Wellington hat herausgefunden, dass der menschliche Einfluss auf das Klima die jüngsten Verluste an den Brewster- und Rolleston-Gletschern um etwa zehnmal wahrscheinlicher gemacht hat. Auch wenn die Auswirkungen des Klimawandels auf einzelne Gletscher sehr unterschiedlich sind, ist eines dennoch offensichtlich: Selbst wenn wir ab heute die Nutzung fossiler Brennstoffe komplett einstellten, würden die Gletscher noch mehrere Jahrzehnte an Masse verlieren, bevor sie sich stabilisierten.

Halten wir an der derzeitigen Klimapolitik fest, wird der Meeresspiegel bis 2100 durch die schmelzenden Gletscher um weitere 13 Zentimeter ansteigen, so das verheerende Urteil eines Forscherteams um die Klimawissenschaftlerin Tamsin Edwards vom King’s College London. Handeln wir mit größerer Dringlichkeit und begrenzen die Erderwärmung auf 1,5 Grad – wie im Pariser Abkommen beschlossen –, würde nur halb so viel Gletschereis schmelzen. „Die Frage ist doch: Wie viel können wir von dem, was wir jetzt noch haben, bewahren?“, sagt McNabb. „Die Antwort hängt maßgeblich davon ab, wie viel und wie schnell wir jetzt etwas ändern.“

Michael Greshko ist Wissenschaftsredakteur bei NATIONAL GEOGRAPHIC.